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Werkzeuge: LaTeX Paket-Verwaltung unter Unix/Linux
Freigegeben von matroid am Do. 03. Mai 2007 06:52:08
Verfasst von Stefan_K -   20755 x gelesen [Gliederung] [Statistik] Druckbare Version Druckerfreundliche Version
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LaTeX

Paket-Verwaltung unter Unix/Linux

Dieser Artikel befasst sich damit, wie man unter einem Unix-Betriebssystem LaTeX-Pakete komfortabler als über die „Standardmethode“ nachinstallieren kann.

Inhalt:

  1. Die Standardmethode
  2. Der MiKTeX Package Manager
  3. Shellscripte für Routine-Jobs
  4. Referenzen

Die Standardmethode

In der UK-FAQ (und diversen Anleitungen) wird beschrieben, wie man zusätzliche packages manuell installiert. Grob umrissen umfasst die Vorgehensweise:
  • Suchen der package-Datei, am besten auf einem CTAN-Server, Download auf den eigenen Rechner
  • Je nach Dateiformat des packages muss dieses ggf. noch mit latex übersetzt werden.
  • Unterhalb des /texmf-Verzeichnisses (Ort installationsabhängig) müssen die zum package gehörigen Dateien je nach Typ in den entsprechenden Unterordner einsortiert werden.
  • texhash bzw. mktexlsr ausführen
Klingt kompliziert? Das kriegt man schon hin, durch genaues Lesen jener Anleitung und Kenntnis der eigenen TeX-Installation, insbesondere deren Dateistruktur. In der Anleitung ist diese Vorgehensweise ausführlich beschrieben, hier soll das Augenmerk auf mehr Komfort liegen und ein Paket-Manager vorgestellt werden. Mit ihm lässt sich viel Mühe sparen, insbesondere wenn man eine Vielzahl von Paketen nachinstallieren möchte.

Wer Paket für Paket manuell unter Lesen der jeweiligen Doku installiert, erwirbt natürlich eine bessere Kenntnis seines Systems!

Der MiKTeX Package Manager

Unter Windows stellt die beliebte Distribution MiKTeX des Autors Christian Schenk eine komfortable Paketverwaltung zur Verfügung. Benötigte Pakete werden nahezu automatisch installiert: während des Übersetzens bemerkt MiKTeX fehlende packages und bietet Download sowie Installation an. Man kann den Package Manager auch direkt im MiKTeX-Ordner des Startmenüs aufrufen.

Um diesen Komfort unter Unix erhalten, hat Christian Schenk den MiKTeX Package Manager (mpm) portiert, als Zusatz zur einer vorhandenen TeX-Distribution.

Voraussetzung für die Installation ist ein Unix-System mit vorhandenem C++-Compiler. Insbesondere eignet sich der Manager also auch für Linux sowie für Mac OS X.

Ich nutze Ubuntu Linux in der Version 7.04 („Feisty Fawn“) mit installiertem teTeX. Aktionen, die root-Rechte benötigen, werden unter Ubuntu Linux mit sudo eingeleitet. Bei Ausführung mit root-Rechten kann das sudo natürlich weggelassen werden.

Zuallererst muss man ein wenig Aufwand betreiben, um den mpm zu installieren, dafür wird man jedoch im weiteren mit mehr Komfort belohnt. Für das gerade frisch installierte LaTeX bin ich bei Bedarf weiterer Pakete daher sofort über den mpm gegangen, ohne mir jetzt und zukünftig die Mühsal des oben beschriebenen „Fußwegs“ anzutun.
Zur Installation des Paketmanagers geht man wie folgt vor:
  • Download des Archivs der Quelldateien von sourceforge
  • Entpacken des tar.gz-Files: entweder mit dem Archiv-Manager oder über die Kommandozeile:
        tar xfz miktex-tools-xxxxxxx.tar.gz
  • Sofern sie nicht bereits installiert sind, über die Ubuntu-Paketverwaltung „Synaptic“die Pakete g++ sowie libcurl3-dev installieren
    Herausfinden, ob libCURL installiert ist: curl-config --version sollte eine Ausgabe liefern ähnlich: libcurl 7.15.5
  • zum Compilieren der miktex-tools auf der Kommando-Zeile:
    • in das Verzeichnis der entpackten Dateien wechseln: cd miktex-tools-xxxxxxx
    • README-Datei lesen ;-)
    • Ausführen zur Anpassung an die lokale Systemkonfiguration: ./configure
    • Ausführen zum Compilieren: make
    • Ausführen der Installation: make install
      (mit Installations- bzw. root-Rechten)
      unter Ubuntu-Linux: sudo make install
  • Nach der Installation einmaliges Initialisieren der Namens-Datenbank: initexmf -u


Nun stehen die folgenden Kommandos (auf Shell-Ebene) zur Verfügung:
  • Initialisieren bzw. Aktualisieren der lokalen Paket-Datenbank:

        sudo mpm --update-db

  • Auflisten der verfügbaren Pakete:

        mpm --list

  • Informationen zu einem bestimmten Paket:

        mpm --print-package-info=PACKAGE

  • Installation eines bestimmten Paketes:

        sudo mpm --install=PACKAGE

  • Dokumentation bzw. Hilfe zu einem Paket:

        sudo mthelp PACKAGE

    Startet einen Browser, um eine html-Seite mit Dokumentation anzuzeigen.

  • Aktualisieren eines bestimmten Paketes:

        sudo mpm --update=PACKAGE

    Aktualisieren sämtlicher Pakete:

        sudo mpm --update

Wichtig: der LaTeX-Distribution müssen neu installierte Pakete bekanntgemacht werden mittels Aufruf von:

        sudo texhash

in teTeX1 bzw. sudo mktexlsr in TeXLive.

Ab nun reicht es meist, den Namen des Paketes zu kennen und sudo mpm --install=PACKAGE sowie sudo texhash aufzurufen, statt wie eingangs angedeutet die Pakete einzeln zu suchen, herunterzuladen und manuell in die Verzeichnisstruktur einzupflegen.

Bei reinen Info-Befehlen kann, wie oben angegeben, auf einleitendes sudo verzichtet werden, in mancher Doku wird es trotzdem verwendet. Weitere Informationen bieten die Links im abschließenden Abschnitt „Referenzen“, kurze Info erhält man am Prompt mit mpm --help sowie mpm --usage.

Compilieren und Installieren des Paketmanagers liefen auf meinem System reibungslos und schnell durch. Das Installieren neuer Pakete funktionierte auf Anhieb, sie waren sofort verwendbar.


Shellscripte für Routine-Jobs


Noch etwas „Spielerei“ zum Schluss: um mir die Nachinstallation von Paketen ein wenig zu erleichtern, schrieb ich zwecks Ersparnis von Schreibarbeit zunächst ein kurzes Shell-Script mpm-once, mit dem Ziel: bei Aufruf von sudo mpm-once package1 package2 package3 etc. sollen genau all diese Pakete installiert werden, die ich als Parameter benenne, zudem soll anschließend automatisch die ls-R Datenbank aktualisiert werden:
sh
#!/bin/sh
MPM_ONCE_TEMP=/tmp/mpm-once.tmp
echo $* | tr "[:blank:]" "\n" >$MPM_ONCE_TEMP
mpm --install-some=$MPM_ONCE_TEMP
rm $MPM_ONCE_TEMP
texhash

Hierin werden die angegebenen Paketnamen zeilenweise in eine temporäre Datei geschrieben, die mpm übergeben wird und hinterher gelöscht wird. tr ersetzt dabei die Leerzeichen zwischen den Paketnamen durch Zeilenumbrüche. Als Script-Eigentümer setzte ich root: chown oder mit root-Rechten editieren bzw. sudo (sudo gedit mpm-once). Wo der mpm liegt, läßt sich mit which mpm herausfinden. Ausgabe bei mir: /usr/local/bin/mpm. Da kann man es natürlich gleich mit kompletter Pfadangabe editieren (sudo gedit /usr/local/bin/mpm-once) oder man legt dann das script mpm-once in denselben Ordner:
sudo cp mpm-once /usr/local/bin/mpm-once
Damit das Script ausführbar ist, muss man noch das executable-Flag setzen:
sudo chmod u+x /usr/local/bin/mpm-once
Unter Verwendung dieses Scriptes kann man nun mit einem einzigen Aufruf mehrere Pakete installieren und anschließend sofort verwenden, z.B:
sudo mpm-once listings xypic microtype tocloft

Als nächstes entwarf ich ein Script mpm-all, das sämtliche (!) verfügbaren Pakete über den mpm nachinstalliert. Damit erhält der MiKTeX Paketmanager die maximale Kontrolle, und ein mpm --update aktualisiert jeweils diesen gesamten Paket-Bestand. Wieder wird tr verwendet, um aufeinanderfolgende Leerzeichen durch ein einzelnes zu ersetzen sowie cut, um die Spalte mit den Paketnamen zu selektieren:
sh
#!/bin/sh
MPM_ALL_TEMP=/tmp/mpm-all.tmp
mpm --list|grep -v "^i " | tr -s "[:blank:]" " " \
| cut -d" " -f4 >$MPM_ALL_TEMP
mpm --install-some=$MPM_ALL_TEMP
rm $MPM_ALL_TEMP
texhash

Damit würde der mpm mächtig viel installieren... Bei mir trat allerdings die Fehlermeldung auf: „mpm: Unknown archive file size.“ -  vermutlich geht nicht soviel auf einmal! Als workaround ergänzte ich das Script um eine Beschränkung auf „nur“ 100 Pakete auf einmal:
sh
mpm --list|grep -v "^i " | tr -s "[:blank:]" " " \
| cut -d" " -f4|head -n 100 >$MPM_ALL_TEMP
was problemlos funktionierte. Ob es nun sinnvoll ist, alles zu installieren, muss man für sich selbst entscheiden.

Je nach Betriebssystem kann der Einsatz bzw. die Installation dieser Scripte etwas variieren, dieser Abschnitt richtet sich daher an Nutzer, die sich bereits etwas auskennen.

        Stefan_K


Referenzen

miktex.org
Die Homepage des MiKTeX-Projekts
miktex.org/unx
Unterrubrik für den mpm auf miktex.org
mpm auf sourceforge
Die Quelldateien des unix-mpm zum Download auf dem Sourceforge-Server
How to use the package manager on Unix-like operating systems
Dokumentation von Christian Schenk zum Package Manager, englischsprachig
MiKTeX_Package_Manager-HowTo
Deutschsprachige Anleitung zum MiKTeX Package Manager unter Ubuntu Linux
MiKTeX_Package_Manager - Ubuntu help
Englischsprachige Kurz-Anleitung zum MiKTeX Package Manager auf ubuntu.com
MiKTeX_Package_Manager Manual
Englischsprachige Anleitung
UK TeX FAQ
Antwort auf häufig gestellte (La)TeX-Fragen (u.a. zur package-Installation), englischsprachig
LaTeX Paket-Verwaltung unter Unix/Linux
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1 Die teTeX-Distribution wird nicht mehr weiterentwickelt, deren Autor empfiehlt einen Umstieg auf TeXLive.

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LaTeX Paket-Verwaltung unter Unix/Linux [von Stefan_K]  
Dieser Artikel befasst sich damit, wie man unter einem Unix-Betriebssystem LaTeX-Pakete komfortabler als über die „Standardmethode“ nachinstallieren kann.
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" Werkzeuge: LaTeX Paket-Verwaltung unter Unix/Linux" | 5 Kommentare
 
Für den Inhalt der Kommentare sind die Verfasser verantwortlich.

Re: LaTeX Paket-Verwaltung unter Unix/Linux
von Ex_Mitglied_40174 am Di. 23. Oktober 2007 22:20:11


Hmm, komischerweise sagt er mir, nachdem ich die o.g. schritte durchgeführt habe

"bash: initexmf: command not found"

und auch

"bash: mpm: command not found"

Ich würde das ganze gerne wieder entfernen und die Installation nochmal neu durchführen, habe aber keine Ahnung, wie das zu bewerkstelligen ist, da mpm nicht im Paketmanager auftaucht.

Kann mir da jemand weiterhelfen? (nutze openSUSE 10.3)

MfG,
Harms

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Re: LaTeX Paket-Verwaltung unter Unix/Linux
von Ex_Mitglied_40174 am Sa. 12. Januar 2008 10:10:42


der downloadlink funktioniert nicht mehr.
sourceforge.net/project/showfiles.php?group_id=10783&package_id=160151

gibt es Miktex für ubuntu denn noch?

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Re: LaTeX Paket-Verwaltung unter Unix/Linux
von Stefan_K am Sa. 12. Januar 2008 15:50:04


Hallo,

es sieht so aus, als gibt es den mpm nicht mehr als separates Paket, sondern nur noch im gesamten Paket der MiKTeX-Quellen hier. Ich habe eben nachgesehen, der mpm ist enthalten,  ich habe diese Version jedoch nicht compiliert.

Viele Grüße,

Stefan

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Re: LaTeX Paket-Verwaltung unter Unix/Linux
von Stefan_K am Di. 01. Juli 2008 14:21:09


Den MiKTeX Package Manager 2.7 habe ich unter Ubuntu Linux 8.04 (Hardy Heron) compiliert, in wenigen Schritten ähnlich wie in README.unx beschrieben, es lief glatt durch. Die konkret verwendeten Befehle zu Installation und Konfiguration habe ich hier notiert.

Stefan

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Re: LaTeX Paket-Verwaltung unter Unix/Linux
von Schweinebacke am Di. 25. Januar 2011 08:30:05


Der Artikel ist IMHO in erster Linie nur noch von historischem Interesse. Zwar gibt es den MiKTeX-Paket-Manager noch immer auch für Linux. Aber seit einigen Jahren besitzt TeX Live selbst einen Paketmanager, der Pakete über eine Online-Verbindung nachinstallieren kann. Dieser installiert die Pakete gleich korrekt im TeX-Live-Dateibaum und führt dabei ggf. auch notwendige Zusatzarbeiten wie die Neuerstellung der fontmap-Dateien oder der Formate durch.

Den Paketmanager ruft man einfach mit "tlmgr" oder "tlmgr --gui" oder "tlmgr gui" auf. Hat man TeX als root installiert, sollte auch der Aufruf als root erfolgen. Updates kann man beispielsweise mit "tlmgr update --all" durchführen. Dabei werden alle Updates, die im Online-Repository enthalten sind durchgeführt. Dies kann auch das Entfernen von Paketen umfassen, falls diese aus technischen oder rechtlichen Gründen aus dem Online-Repository entfernt wurden. Mit Option "--no-auto-remove" kann man das automatische Entfernen von Paketen verhindern.

Für Leute, die nicht nur Updates im TeX-Baum haben wollen, sondern auch an Updates der Binaries oder an Paketen interessiert sind, die zwar frei genug sind, um sie auf einem Server bereit zu stellen, nicht jedoch um sie irgendwelchen kostenpflichtigen Distributionen auf CD oder DVD beizufügen, ist  TLContrib von Interesse. Dies ist ein zusätzliches Repository, das eben solche Dinge enthält.

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