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buhs Montagsreport: Das Nonplusultra des modernen Unterrichts?
Freigegeben von matroid am Mo. 24. November 2014 01:00:39
Verfasst von buh -   593 x gelesen [Gliederung] [Statistik] Druckbare Version Druckerfreundliche Version
Bildung

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Das Nonplusultra des modernen Unterrichts?

Die Invasion der smarten Bretter

Berlin. Offenbar existieren inoffiziell seit geraumer Zeit relativ mächtige Bestrebungen, die mediale Kompetenz der Heranwachsenden durch möglichst großflächigen Einsatz von mehr oder weniger smarter Unterrichtstechnik* zum großen Bildungsschub zu nutzen**.
Dadurch bin auch ich seit geraumer Zeit in der glücklichen (?) Lage, Mathematikunterricht sowohl konventionell mit Kreide&Tafel als auch futureaffin per Smartboard zu erteilen. Ohne Anspruch auf wissenschaftliche Untermauerung oder totale Allgemeingültigkeit möchte ich an dieser Stelle hier eine Art erstes persönliches Fazit ziehen, so quasi: Unausgegorene Gedanken.


  • Das Smartboard besitzt der Tafel gegenüber zunächst einen großen Vorteil: Der Stift staubt nicht! Somit bleiben die Schüler, Lehrer, Räume sauberer und Rügens Kreidefelsen*** ansehnlich.
  • Da Rechner an- und abgeschaltet werden müssen (sog. Hochfahren und Runterfahren) und die modernen Netzwerke individualisiertes Anmelden mit Laden der individualisierten Umgebung nebst entsprechender Rechtevergabe und –blockade verlangen, geht entweder ein Teil der Unterrichtszeit dafür drauf oder ein Teil der „Pausen“. (Der Pausen des Lehrers. Und sage keiner, selbiger bräuchte keine oder man könne eine Schule ohne Raumwechsel organisieren.)
  • In der Möglichkeit, laufende Arbeit einfach temporär auszublenden, um Ergänzungen, Illustrationen oder „schnelle Hilfsrechnungen auf Schmierblatt“ zu vollziehen, ist wohl ein Vorteil des neuen Mediums zu sehen.
  • Da der angeschlossene Computer auch „Hilfsprogramme“ zur Visualisierung, für Berechnungen aller Art oder mit Animationen zur Verfügung stellt, lässt sich vieles schnell optisch wirksam untermalen bzw. weiträumig (im Sinne des „weiten Klassenraumes“) darstellen; man kann schnell zwischen verschiedenen Darstellungen hin- und herschalten.
  • Die lichttechnische Leistungsfähigkeit des Boards verringert Nachteile einer weiten Entfernung zur Arbeitsfläche „Tafel“ bis auf ein Minimum; Schüler der hinteren Bankreihen**** betonten in meiner zum Boardunterricht durchgeführten Evaluation ausdrücklich die deutlich bessere Sicht- und Lesbarkeit sowie eine bessere äußere Wichtung der Inhalte durch größere Möglichkeiten in der Farbgestaltung.
  • Dank quasi unbeschränkter Schreibfläche lassen sich auch nach 60 Minuten noch weitgehend problemlos Formeln, Beispiele oder Skizzen, die dem Tafelschwamm längst anheimgefallen wären, wieder hervorholen und ggf. in das laufende Geschreibsel hineinkopieren.


    Allerdings verleiten die Möglichkeiten des Boards aber auch zu sprunghaftem, unüberlegtem bis planlosem Handeln (insbesondere, wenn Zwischenfragen ausdrücklich zulässig sind und man versucht, darauf schnell interaktiv zu reagieren) und erzeugt im ungünstigsten Falle eine Flut von unsortiert-chaotischen „Blättern“, eine Lawine von ungeordneten Informationen, eine Überfrachtung anstelle einer weisen Beschränkung; ein Graus nicht nur für den ordentlichen Mathematiker.

    Wo aber liegt der Sinn des Mathematikunterrichts, und wie kann das Smartboard diesen Sinn besser unterstützen als die Tafel?
    Mathematikunterricht hat nach meinem Verständnis (neben der Bereitstellung von Mathematik) eine wesentliche, wenn nicht DIE Funktion bei der Entwicklung analytischen und problemorientierten Denkens: Schüler lernen mit Algorithmen umzugehen, Regeln strikt einzuhalten und Exaktheit sowie logische Folgerichtigkeit als Basis für Erfolg zu erkennen, Wesentliches zu erkennen und Unwesentliches zu eliminieren etc., gekoppelt an ein im Laufe der Zeit „eingebranntes“ und beständig wachsendes Fundament verfügbaren Basiswissens und elementarer Rechenfertigkeiten.
    Dem geübten Mathematiker genügen bei seinen Darstellungen oft genug „hingehauene“ Skizzen, die das Wesentliche abbilden. Ein Großteil der Lernenden ist aber auf dieser Stufe noch längst nicht angekommen***** , was ganz natürlich ist. Für diese bedarf es z. B. in der Geometrie weitestgehend exakter Darstellungen, die das Smartboard aber rein technisch (auch nicht unter Verwendung geometrischer Software!) nicht wirklich leisten kann. Die zur Verfügung stehenden Matheprogramme, deren relativ hohe Spezialisierung quasi zum Zappen zwingt, lassen sich zwar teil interaktiv und sogar partiell intuitiv benutzen, aber neben auftretenden Verzerrungen lassen sich (zumal mit Älterwerden der Technik) Zeichnungen nicht vernünftig per Hand ergänzen: So differieren im Laufe der Zeit (Beobachtungszeitraum hier: ein Jahr) Strich und aufgesetzte Pfeilspitze (einen Vektorpfeil darstellend) um ca. 4cm seitlich. Auch die Tatsache, dass bei schräger Handhaltung die Hand als Schwamm interpretiert wird, sorgt für „zauberhafte“ Effekte, und das „Wiederhinschreiben“ am selben Ort ist quasi unmöglich.
    Der positive Illustrationseffekt der diversen Matheprogramme lässt sich ohne Weiteres auch mit herkömmlichen Laptops und Beamern realisieren und bedarf nicht des smarten Brettls.
    Der kreativ-gestalterischen Freiheit der Schüler in Bezug auf eigene Computerdarstellungen sind neben Daten- und Virenschutzfragen (Hacker-Stick am Schul-PC) auch sonst enge Grenzen gesetzt: Neben den üblichen Softwarekompatibilitätsproblemen (Welche Schule kann sich jährliche Upgrades aller wesentlichen Programme leisten?) verfügen die Schüler eben nicht über die Boardsoftware bzw. die entsprechenden Matheprogramme.

    Fazit nach einem guten Jahr des Vergleichs: Wegen des (fehlenden) Staubes ein sehr guter Tafelersatz, aber dafür viel zu teuer, zu empfindlich, und an vielen Stellen durch einfachere Mittel zu ersetzen. Ein Pyramidenmodell zum Anfassen ist besser als jeden 3D-Illusion.

    Trotzdem weiter zweigleisig unterrichtet

    buh2k+14


    *: Das geht bis zu Laptop-Klassen in der Grundschule.
    **: So weit die öffentliche Argumentation. Es könnte aber auch nur ein sehr wirtschaftliches Interesse dahinter stecken.
    ***: Ich weiß, ich weiß, es sind nicht Rügens Kreidefelsen, die für die Schule massakriert werden. Es wäre nicht einmal das richtige Material dafür.
    ****: Da sitzen nicht immer die „Lümmel von…“. Und es gibt nach wie vor Klassen und Kurse, in denen man alle 5 oder gar 6 Bankreihen ausnutzen muss.
    *****: Das betrifft auch fleißige bemühte Oberstufenschüler.


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    Das Nonplusultra des modernen Unterrichts? Die Invasion der smarten Bretter Berlin. Offenbar existieren inoffiziell seit geraumer Zeit relativ mächtige Bestrebungen, die mediale Kompetenz der Heranwachsenden durch möglichst großflächigen Einsatz von mehr oder weniger smarter Unterrichtstechn
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    " buhs Montagsreport: Das Nonplusultra des modernen Unterrichts? " | 7 Kommentare
     
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    Re: Das Nonplusultra des modernen Unterrichts?
    von Bernhard am Mo. 24. November 2014 23:14:45


    Hallo buh!

    Man bedenke einmal die durschnittliche Lebenszeit von Softwareversionen und ihren Layouts. Das sind max. 3 Jahre.
    Also bei 12 Schuljahren (Anfangsgründe im Kindergarten noch gar nicht eingerechnet bedeutet das:
    sich 4x eine neue Version des Betriebssystems einzuarbeiten
    ebenso 4x neue Officesoftware und 4x neue Zeichen/Bilder/Graphikprogramme.
    Browserversionen und sonstige Freeware wahrscheinlich noch häufiger.
    Für alles natürlich die entsprechenden Lizenzen beschaffen (oft kaufen) und installieren, danach regelmäßig erneuern. Inklusive alle Zusatzsoftware, Treiber und Programme zum WLAN und zur Vernetzung. Ein zentraler Server der Schule(n?) wäre natürlich auch vonnöten und müßte gewartet werden. Wer soll das alles machen?
    Der Hausmeister, der früher dafür gesorgt hat, daß immer genügend Kreide da war, bestimmt nicht.

    Fazit: Auch auf Tafeln kann man durch Wischen sehr eindrucksvolle Effekte erzielen!

    Viele Grüße, Bernhard

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    Re: Das Nonplusultra des modernen Unterrichts?
    von Gerhardus am Mi. 26. November 2014 11:05:00


    Hallo buh,
    die von dir beklagte Flut von unsortiert-chaotischen „Blättern“ und Lawinen von ungeordneter Information gibt mir zu denken. Woher kommt sie? Gab es sie ohne Smartboard nicht? Wie geht die Klasse damit um? Merken die Schüler etwas davon? Bis jetzt habe ich die Schreckensmeldung „Schulklasse von Informationslawine erfasst“ nicht vernommen.

    Viele Grüße, Gerhardus

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    Re: Das Nonplusultra des modernen Unterrichts?
    von buh am Mi. 26. November 2014 16:04:31


    Hi gerardus,

    bei Verwendung einer Tafel sind auf Grund sehr sehr endlicher Größe weise Beschränkung sowie clevere Platzaufteilung von vornherein dringend angeraten (Tafelbildgestaltung ist Studienstoff für Lehrer); hat man wie beim Board eine unendliche Papierrolle und das in drei oder 5 Ausfertigungen, muss man sich sehr zusammenreißen, davon nicht unkontrolliert Gebrauch zu machen.

    Gruß von buh

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    Re: Das Nonplusultra des modernen Unterrichts?
    von mire2 am Do. 27. November 2014 00:51:04


    Mit anderen Worten und im Klartext:

    Der Gebrauch der Tafel ist eine vom Lehrer zu erlernende Fähigkeit.

    Ganz genau dasselbe sollte man vom Gebrauch des Whiteboards auch erwarten können, weshalb Bedenken gegenüber dem Whiteboard entweder in gleichem Maße auf die Tafel zutreffen oder in gleichem Maße hinfällig und irrelevant sind.

    Lieben Gruß
    mire2

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    Re: Das Nonplusultra des modernen Unterrichts?
    von Gerhardus am Do. 27. November 2014 12:41:22


    Nach meinem Eindruck gibt es den Unterschied, dass du mit der Tafel gleichzeitig viel mehr präsentieren kannst als mit dem Smartboard, dessen Fläche vermutlich weniger als viertel so groß ist.
    Beim Smartboard ist immer nur ein kleines Fenster sichtbar, das meiste verschwindet im Speicher und wenn du darauf Bezug nehmen willst, musst du hin- und herblättern, was ziemlich lästig ist. Das Problem ist das Herstellen von Bezügen außerhalb des Fensters.
    Oder du bräuchtest mehrere Smartboards parallel.
    Da alles gespeichert wird, wollen die Schüler alles kopiert mitnehmen. Der Haken dabei: Die Inhalte von Tafel oder Smartboard sind vom gesprochenen Wort nicht zu trennen, und wenn das gesprochene Wort fehlt und im historischen Rückblick vergessen ist, entsteht das erwähnte Chaos.

    Gruß, Gerhardus

     [Bearbeiten]

    Re: Das Nonplusultra des modernen Unterrichts?
    von Bernhard am Fr. 28. November 2014 19:27:44


    Hallo!

    Hier findet Ihr Tablets der ganz besonderen Art.
    Für Schüler, Lehrer, Ausgebildete und Dummies gleichermaßen easy zu händeln.*

    Viele Grüße, Bernhard

    * Ich versuche mich damit auch im Stil möglichst zeitgemäß und innovativ auszudrücken.

     [Bearbeiten]

    Re: Das Nonplusultra des modernen Unterrichts?
    von pleindespoir am Di. 23. Dezember 2014 19:55:01


    Einige von diesen sinnlosen Teilen habe ich auch schon installiert. Kann man schön Geld mit verdienen. Für den Unterricht in einer Grundschule ist das m.M. ziemlicher Unsinn. Für das viele Geld hätte man jede Menge Material "zum Anfassen" kaufen können.

    Das Ziel, die kommende Generation zu verblöden, ist damit allerdings leichter erreichbar. Informationszufuhr rein visuell via Monitor - Konditionierung zum Tunnelblick - Händenutzung nur noch zum Mausklick oder Nasebohren.

    Der moderne Lehrer hingegen kann seinen Unterricht wie eine universitäre Vorlesung vorbereiten - spielt jahrelang immer das Gleiche ab und braucht sich nicht von anwesenden Schülern und deren Zwischenfragen ablenken zu lassen, um mit dem Lehrplan Schritt halten zu können.
    In ein paar Jahren gibt es vermutlich Fertigfolien für jedes Fach und jede Klasse, so dass der Lehrer völlig entfallen kann. Man benötigt dann nur noch Hilfspersonal, um die Geräte und Schüler zu überwachen.

    Bei Stromausfall oder Netzwerkpanne fällt der Unterricht dann einfach aus.

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