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Mathematik: Vertiefungskurse MathePlus in Baden-Württemberg
Freigegeben von matroid am Do. 30. Juli 2015 19:35:52
Verfasst von Gerhardus -   1272 x gelesen [Gliederung] [Statistik] Druckbare Version Druckerfreundliche Version
Bildung

Vertiefungskurse MathePlus in Baden-Württemberg

Anfang März 2015 bin ich zufällig auf das Buch (Hoch-)Schulmathematik von Tobias Glosauer gestoßen, das entstanden ist aus dem Begleitmaterial zum ”Vertiefungskurs Mathematik“, der am Johannes-Kepler-Gymnasium Reutlingen von 2012 bis 2014 gehalten worden ist. (Man lese Vorwort und Inhaltsverzeichnis des Buches unter dem ersten Link.)
Davon hatte ich noch nie gehört. Mich machte sofort neugierig, wie dieser Kurs lief, der von der Schule für die Oberstufe parallel zum regulären Mathematikunterricht angeboten wird, aber nicht zum Schulstoff gehört. Deshalb kontaktierte ich den Autor und bat ihn um weitere Informationen. Ein Grund war, dass Baden-Württemberg (BaWü oder BW) die Leistungskurse in Mathematik abgeschafft hatte. Ich fragte ihn, ob er vielleicht einen Artikel schreiben könnte oder zu einem Interview bereit sei. Ich stellte ihm einige Fragen und er vertröstete mich erst einmal auf das Ende des Schuljahres.
Jetzt liegen seine Antworten und sein Einverständnis vor, sie auf unserem Matheplaneten zu verwerten. Ich danke Tobias Glosauer für seine Erläuterungen, die hier ungekürzt erscheinen, und vor allem für seinen unermüdlich hohen Einsatz für den Aufbau des Vertiefungskurses.
Mein Eindruck ist, viele Mathematikdidaktiker scheuen die Gelegenheit, mathematische Themen parallel zur Schule zu vertiefen, und denken nur an maximal viele Rechenfertigkeiten im Pflichtunterricht. Optionale Angebote, neugierigen Schülern mehr mathematische Themen anzubieten als der Schulplan, sind notwendig, um Interessen zu entwickeln. Eltern und Schüler haben ein Recht darauf.

Die Universität Stuttgart bietet weiteres Info-Material. Sie erteilt Schülern des Kurses nach einer Prüfung sogar ein Zertifikat.

Antworten
 
Wie kam es zu den Mathe-Plus-Kursen in BW?
Glosauer: In den letzten Jahren haben die Hochschulen vermehrt festgestellt, dass sich immer mehr StudentInnen mit den Grundvorlesungen in Mathematik enorm schwer tun und die Durchfallquoten in den Klausuren stetig ansteigen. Als erste Reaktion wurden zusätzliche "Vorkurse zu den Mathe-Vorkursen" vor Semesterbeginn eingerichtet.
Es ist wahrscheinlich, dass dieser Trend teilweise auf die veränderten Anforderungen in den Oberstufen-Mathematikkursen zurückzuführen ist. Ich selbst habe vor 20 Jahren mein Mathematik-Abitur geschrieben und kann bestätigen, dass heutzutage nur noch ein Bruchteil der damaligen Rechenfertigkeiten abgefragt wird, sondern der Fokus sich zunehmend auf GTR-Aufgaben verschoben hat. (GTR: graphikfähiger Taschenrechner)
(Dies sind Fakten und soll keine Wertung des aktuellen Bildungsplans darstellen!)
Zwei Mathe-Fachleiter am Seminar Tübingen, Rolf Dürr und Hans Freudigmann, hatten daraufhin die Idee, den MathePlus-Kurs ins Leben zu rufen. Über weitere Hintergründe und Beteiligte bin ich zu wenig informiert.

Seit wann gibt es sie?
Glosauer: Seit dem Schuljahr 2012/13. Zunächst nur an einigen Versuchsschulen, inzwischen aber immer flächendeckender in ganz BaWü.

Wie wurde der Lehrplan festgelegt?
Glosauer: In Zusammenarbeit des KuMis mit einigen Universitäten; insbesondere die Uni Stuttgart war wohl federführend mit dabei. Auch hier fehlt mir Detailwissen, um mehr sagen zu können.

Warum fokussierte man die traditionellen Gebiete Analysis und Lineare Algebra, warum nicht Stochastik oder diskrete Mathematik?
Glosauer: Weiß ich nicht; außerdem hat jeder Lehrer in den Wahlmodulen Gelegenheit, Themen durchzunehmen, die ihm persönlich wichtig erscheinen.

Ihr Buch ist ein guter Leitfaden für den Kurs. Gab es vorher auch schon Leitfäden, also passende Unterrichtsmaterialien?
Glosauer: Vielen Dank! Meines Wissens gab es zumindest kein Buch, das genau auf die Inhalte des MathePlus-Kurses abgestimmt war. Natürlich gibt es viele exzellente Analysis- und LinA-Lehrbücher, aber die sind eben nicht für Schüler, sondern für Erstsemester geschrieben.
 
Müssen die interessierten Schüler Kriterien erfüllen oder kann jeder daran teilnehmen?
Glosauer: Prinzipiell kann jeder daran teilnehmen, aber eine gute Mathenote in Klasse 10 und/oder wirkliches Interesse an Mathematik sind meiner Ansicht nach schon Grundvoraussetzungen. Der Kurs ist KEIN Nachhilfekurs, der Schüler auf das Abitur vorbereiten soll.
   
Was läuft in den Mathe-Plus-Kursen anders als im Grundkurs?
Atmosphärisch-psychisch, Leistungs- und Punktedruck, Diskussionsbereitschaft?

Glosauer: Alle SchülerInnen haben den Kurs bewusst (und freiwillig) gewählt und haben demnach wirkliches Interesse daran, Mathematik zu lernen bzw. mathematische Grundkonzepte wirklich verstehen und hinterfragen zu wollen. Das macht das Unterrichten für die Lehrkraft natürlich sehr angenehm. Für die SchülerInnen ist der Unterricht aufgrund der anspruchsvollen Inhalte nicht immer ein Zuckerschlecken, aber ich denke (hoffe), dass es trotzdem fast allen Spaß gemacht hat. Der Leistungsdruck ist nicht so hoch wie im normalen Mathekurs, da viele den MathePlus-Kurs als Zusatzkurs nicht unbedingt werten lassen müssen. Außerdem wird der Stoff vor der Klausur sinnvoll eingeschränkt, d.h. es gab auch öfter die Möglichkeit, Dinge nur aus Spaß an der Freude zu unterrichten, da man bereits wusste, dass sie später nicht abgefragt werden. Dennoch waren die Schüler stets bei der Sache.

Herrscht dort ein anderer Arbeitsstil? Wie äußert er sich und was halten die Schüler davon?
Glosauer: Das hängt sicherlich stark vom Lehrer ab. Bei mir lief es so ab: Es gibt eine Doppelstunde pro Woche; in der ersten Stunde wurden die neuen Konzepte anhand des Buches erklärt (meist per Beamer; die SchülerInnen mussten nur selten mitschreiben, wodurch auch viel Zeit eingespart wurde) und einige Beispiele durchgesprochen. In der zweiten Stunde bearbeiteten die SchülerInnen möglichst selbstständig oder mit Hilfe der Lösungen die zugehörigen Übungsaufgaben; bei Bedarf gab der Lehrer im Einzelgespräch Hilfestellungen. Hausaufgaben haben sich nicht bewährt; in kleinen Grüppchen sind die teilweise doch recht anspruchsvollen Aufgaben sinnvoller zu bearbeiten.

Gibt es Schüler, die dadurch neue Interessen entwickeln? Hat sich die Einstellung der Schüler zur Mathematik geändert?
Glosauer: Auf jeden Fall. Ein Schüler hat mir sogar gesagt, dass er nur aufgrund des MathePlus-Kurses auf die Idee kam, Mathematik zu studieren.
 
Gibt es Klausuren und Benotungen (außer dem Uni-Zertifikat)?
Glosauer: Eine pro Halbjahr ist vorgeschrieben; auf Wunsch der Schüler biete ich manchmal auch noch eine zweite an, damit sich der Stoff angenehmer verteilen lässt. Benotung wie gehabt von 0-15 P. Die Schnitte waren stets erfreulich hoch.

Was fällt den Schülern schwer und was bevorzugen sie? Kalkülhaftes Ausrechnen contra problemhaftes Diskutieren und Argumentieren?  
Glosauer: Ungewohnte, abstrakte Konzepte wie Beweismethoden, Epsilontik oder gar der Umgang mit den Vektorraumaxiomen fällt den Schüler natürlich erstmal schwer, aber nach einer gewissen Eingewöhnungsphase haben viele SchülerInnen auch hier außergewöhnlich gute und tiefgründige Beiträge geleistet, die mich teilweise selbst verblüfft haben.
Kalkülhaftes Rechnen wie (Un)Gleichungen lösen oder Integrale knacken lief in den Übungsphasen meist problemloser, wurde dafür aber auch schneller langweilig bzw. mühsam.

Erfüllt der Kurs ihre Erwartungen?
Glosauer: Absolut! Und ich bin sehr glücklich darüber, dass er eingeführt wurde. Der Kurs hat das Ziel, den SchülerInnen den Übergang an die Hochschule zu erleichtern (und nicht etwa, Knobelaufgaben zu knacken oder auf Mathe-Olympiaden vorzubereiten) und von den zahlreichen Rückmeldungen, die ich von Ehemaligen bekomme, wurde dieses Ziel bei vielen auch wirklich erreicht.

Wie empfinden die Schüler den Parallelunterricht Grundkurs und Mathe-plus? Halten sie den Grundkurs dann für überflüssig? Fällt ihnen der Grundkurs leichter?
Glosauer: Das sind wirklich zwei Paar Stiefel, weil der behandelte Stoff so gut wie disjunkt ist. Überflüssig ist der Pflichtkurs keinesfalls, da in ihm ja der gesamte abirelevante Stoff behandelt wird. An einigen wenigen Stellen mögen die MathePlus-SchülerInnen gewisse Vorteile haben, aber im Großen und Ganzen hat der Besuch des Kurses für ihr Mathe-Abitur keine Relevanz.

Wie läuft die Vorbereitung auf das Zertifikat der Universität?
Glosauer: Die daran interessierten SchülerInnen bekommen die Übungsklausuren und Klausuren der Vorjahre ausgeteilt, damit sie sich vorbereiten können. Die Teilnahme an der von der Uni Stuttgart erstellten Zertifikatsklausur ist freiwillig.
     
Wieviel Stochastik lehren Gymnasien in BW noch?
Glosauer: Wenig. Die Kombinatorik ist so gut wie ganz raus und im Abitur geht es eigentlich nur noch um Binomialverteilung und einseitiges Testen; im Pflichtteil genügt meist sogar die Kenntnis der Pfadregeln.

Die Antworten datieren vom 26.7.2015.

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" Mathematik: Vertiefungskurse MathePlus in Baden-Württemberg" | 5 Kommentare
 
Für den Inhalt der Kommentare sind die Verfasser verantwortlich.

Re: Vertiefungskurse MathePlus in Baden-Württemberg
von epsilonkugel am Fr. 31. Juli 2015 21:26:55


Interessant! Ich wusste garnicht, dass es solche Kurse gibt und es wäre schön, wenn sich das Angebot solcher Kurse auch an anderen Schulen verbreiten würden. Das Abi soll ja eigentlich aufs Studium vorbereiten und da der übliche Mathematikunterricht diesen Zweck nicht mehr erfüllt, ist es gut, dass wenigstens mancherorts Alternativen existieren.

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Re: Vertiefungskurse MathePlus in Baden-Württemberg
von Ex_Mitglied_40174 am Fr. 31. Juli 2015 23:24:25


Ich habe einmal im Link auf die Preise geschaut und bin jetzt in meiner Mathematik tief verunsichert biggrin : Das Buch hat 11_Kapitel, von denen jedes 30_€ kosten soll, was insgesamt 20_€ macht confused

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Re: Vertiefungskurse MathePlus in Baden-Württemberg
von Martin_Infinite am Sa. 01. August 2015 10:09:12


Noch besser wäre es natürlich, wenn man im üblichen Matheunterricht auf die Uni vorbereitet werden würde ... Aber der Trend, sich immer mehr von der Mathematik zu entfernen, scheint wohl nicht aufzuhalten zu sein. (Was da in den Schulen vermittelt wird, kann ich jedenfalls nicht als Mathematik bezeichnen.)
 
In BW gibt es keine Leistungskurse mehr? Oder war das nur eine zeitlang so? Allein wes Grundes?

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Re: Vertiefungskurse MathePlus in Baden-Württemberg
von Ex_Mitglied_40174 am Sa. 01. August 2015 22:44:46


@Martin: Da darfst du dich mit deiner Frage des Glaubens in Richtung Vatikan wenden. Dort ist die ehemalige Dr. und dann erst BaWüs Landes- und später Bundes-Bildungsministerin Schavan gerade als Botschafterin tätig... wink

Cyrix



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Re: Vertiefungskurse MathePlus in Baden-Württemberg
von Cambrian am So. 02. August 2015 19:30:15


Hallo!
Ich habe den Mathe+ Kurs selbst in der elften Klasse besucht und freue mich daher, hier auf dem Matheplaneten mal davon zu lesen. Bei uns wählten damals jedoch nur insgesamt 4 Leute das Fach - am Ende waren wir zu zweit und in Klasse 12 wurde der Kurs schließlich nicht mehr angeboten.
Ich denke, dass es sich lohnt, hervorzuheben, dass Mathe+ von Schule zu Schule und von Lehrer zu Lehrer sehr unterschiedlich gestaltet wird. Manchmal hätte ich das Gefühl, dass hier und da auf Wissen zurückgegriffen wurde, über welches weder ich noch meine Kollegen verfügten. Dies war in meinem Fall auch dadurch bedingt, dass mein Lehrer den Unterricht sehr spontan gestaltete und wenig plante.
Meinen Einstieg in das Informatik Studium fiel mir dann später hingegen etwas leichter, da insbesondere Aussagenlogik, Beweismethoden und andere Dinge dank Mathe+ bekannt waren.
Interessenten der Mathematik, die sich als Schüler mit dem aktuellen Schulstoff ohnehin nicht gerade überfordert fühlen, sei der Kurs uneingeschränkt zu empfehlen. Insbesondere ist die Abschlussprüfung im Allgemeinen sehr fair und gut bis sehr gut machbar konzipiert - man sollte sich zumindest daran probieren.  

Gruß

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