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buhs Montagsreport: Revolution im Matheunterricht - Rechnen durch Raten
Freigegeben von matroid am Mo. 19. Oktober 2015 19:54:24
Verfasst von buh -   1183 x gelesen [Gliederung] [Statistik] Druckbare Version Druckerfreundliche Version
Bildung

Urlogo für buhs Montagsreport
Revolution im Matheunterricht

Rechnen durch Raten

Deutschland. Nachdem trotz verzweifelter Anstrengungen der deutschen Mathematiklehrer keine nennenswerten Verbesserungen in Weiß-und-Kann bei den diversen internationalen Studien erreicht werden konnten, gibt es nun endlich die ultimative Lösung:

RECHNEN durch RATEN!

Anstatt sich in den ersten Schuljahren mit Rechenstäbchen und -pfennigen, Pardon, -centsen, fremden Wörtern wie Addition und Summand und gar REGELN zur Mathematik rumzuschlagen, wird die Kreativität der Kinder beim Umgang mit den Zahlen und Operationen nun nicht mehr eingeengt.

Im Klartext: Der spielerische Umgang des Kindes mit der Aufgabe „Rechne drei und acht zusammen.“ wird seitens der Lehrkraft

 


nicht nur nicht korrigiert, sondern im Gegenteil enthusiastisch gefeiert. Das verleiht dem Lernenden ein positives Feedback, gleichzeitig wird die Freude an der Mathematik gefördert.

 


Dass Zeichen nicht oder falsch dargestellt, Ergebnisse durch „gefühlte Größe“ ermittelt werden, ist fachdidaktisch nicht von Belang, hat die gefühlte Korrektheit doch für das kindliche Mathematikverständnis eine enorme Bedeutung: Es (das Kind) erkennt, dass es etwas kann, allein und ohne fremde Hilfe; und die methodisch indoktrinierte positive Bewertung baut enorm auf. Hinzu kommt, dass auftretende Konflikte mit realen Vorgängen (Verteilung von Gummibären an Mitschüler, abweichende Ergebnisanzeigen auf den Taschenrechnern) sehr einfach durch zusätzliche Bereitstellung oder Abschalten zu lösen sind.
Bereits die Tatsache, dass das Kind in der Lage ist, Fachbegriffe allein zu visualisieren,

 


beweist eindeutig die Richtigkeit dieses genialen Konzeptes.

Die häufig geäußerte Kritik am Verfahren, Kinder würden sich auf diesem Weg  etwas Falsches einprägen, ist gegenstandslos: Nur wer viel rechnet, lernt richtig zu rechnen, und viel rechnet nur, wer gern rechnet, und gern rechnet nur, wer Erfolgserlebnisse hat. Also nicht meckern, sondern machen lassen und loben, loben, loben!

So wird im Laufe der ersten zwei Schuljahre Mathematik äußerst positiv besetzt, und im dritten Jahr ist es dann sehr sehr einfach, das Kind auf Regeln zur Ergebnisbestimmung und Konventionen zur Notation von Rechnungen hinzuweisen.

Endlich ein überzeugendes didaktisches Konzept zur Überwindung aller Probleme,


meint

buh2k+15



P.S. Dieser Artikel kommt selbsterklärend ohne helfende und/oder erklärende Fußnoten aus.
P.P.S. Der Artikel entstand unter Verwendung einiger Kernsätze der allseits bekannten Lehrmethode „Lesen durch Schreiben“.



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" buhs Montagsreport: Revolution im Matheunterricht - Rechnen durch Raten" | 14 Kommentare
 
Für den Inhalt der Kommentare sind die Verfasser verantwortlich.

Re: Revolution im Matheunterricht - Rechnen durch Raten
von Slash am Di. 20. Oktober 2015 00:09:47


Ein Montagsreport ohne Fußnoten? Dass ich das noch erlebe! biggrin

Ansonsten - wie immer auflockernd kurzweilig.

Gruß, Slash


P.S.: Oh, schnell TV einschalten. Gleich kommt "Rechne mal mit Rosenthal".

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Re: Revolution im Matheunterricht - Rechnen durch Raten
von Kitaktus am Di. 20. Oktober 2015 02:16:52


Lieber buh,

die mir mehrfach durch den Kopf gehende Frage "Wovon redet buh denn da überhaupt?" erschloss sich dann vollends beim letzten P.P.S.
Das heißt um ehrlich zu sein, ich habe schon vorher geahnt, was kommen wird, weil ich das Argumentationsmuster einfach schon zu oft gehört habe.

Was den Unterhaltungsfaktor angeht -- nu ja, wem's gefällt...
Was die inhaltliche Auseinandersetzung mit der Thematik betrifft -- aus meiner Sicht unbefriedigend.

Meine zwei Kritikpunkte:
1) Mit der "Übersetzung" von der Schriftsprache in die Sprache der Mathematik werden alle Nuancen weggebügelt. Klar, "3x8>44" kann man leicht als sinnentleertes Gestammel abtun. Wer nicht mehr als das kann, der kann ja praktisch gar nichts.
Möchte man es aber immer noch als sinnloses Gestammel abtun, wenn eine Schülerin schreibt "Ongel Heins tut mia we."? Ich wage das mal zu bezweifeln. Denjenigen möchte ich erstmal kennen lernen, der dann noch sagt "Lern erst mal richtige Rechtschreibung!"
2) Das die Methode "Lesen durch Schreiben" Auswirkung auf die Rechtschreibung haben kann, erscheint mir als Laie möglich und diskussionswürdig. Ich habe aber meine Zweifel, wie Ergebnisoffen eine Diskussion geführt wird, wenn man potentielle Nachteile anderer Methoden in dem Zusammenhang überhaupt nicht thematisiert.
Es gibt in Deutschland Millionen funktionale Analphabeten und ein großer Teil davon wurde noch "nach alter Schule" unterrichtet. Ein wichtiger Aspekt ist dabei, dass früher einmal vorhandene Lese- und Schreibkenntnisse verkümmerten, weil sie nicht benutzt wurden.
Ich habe mehrere Menschen kennengelernt, die bereits in der Schule das Schreiben weitestgehend eingestellt haben, um sich keine Blöße wegen ihrer schlechten Orthographie zu geben. Meine These (und die von anderen): ein striktes Drängen auf korrekte Orthographie, führt bei einem bestimmten Anteil der Schüler zu einem inneren Boykott der Schriftsprache. Das Fehlerbild sind dann keine vollgeschriebenen Seiten mit vielen Fehlern sondern einfach leere Seiten(*). Die bergen natürlich viel weniger Ulkpotential, sind aber eigentlich das größere Problem.
(*) oft inklusive fehlender Lesefähigkeit

Mir fehlen die Möglichkeiten diese These zu überprüfen, es ist also nur eine These. Ich kenne allerdings auch keine "Lesen durch Schreiben"-kritische Veröffentlichung, die sich mit dem Aspekt überhaupt beschäftigt.

Die (vermeintlichen) Nachteile von Methode A aufzuführen, ohne auf mögliche Nachteile von Methode B einzugehen, lässt m.E. kaum eine objektive Beurteilung zu.

Fazit: Du kannst die Methode gerne karikieren. Das ersetzt aber keine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema. Mich als Elternteil interessieren dann doch mehr die echten Vor- und Nachteile verschiedener Methoden und weniger das humoristische Potential.

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Re: Revolution im Matheunterricht - Rechnen durch Raten
von Martin_Infinite am Di. 20. Oktober 2015 08:57:01


Unglaublich. Gerade bei diesem MR hätte ich mir aber die ansonsten üblichen Fußnoten mit den Angaben zur Herkunft und aktuellen Umsetzung dieser didaktischen Methoden gewünscht. Daher hier einmal die Frage: Inwiefern wurde "Rechnen durch Raten" beschlossen und wo wird es in welcher Form umgesetzt? Oder ist das nur eine Idee, die Gott sei Dank noch nicht umgesetzt worden ist?
Edit: Hat sich dank einer PM von buh geklärt. Danke.

@Kitaktus: Dir ist klar, dass du einen humoristischen Beitrag dafür kritisierst, humoristisch zu sein?

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Re: Revolution im Matheunterricht - Rechnen durch Raten
von buh am Di. 20. Oktober 2015 10:03:39


Hi Kitaktus,

(1) "3x8>44" ist kein sinnentleertes Gestammel, sondern die freie Interpretation der vorher genannten Aufgabe. Korrektes Lesen liefert "3+8=44" mit der lobenswerten Tatsache, dass die Summe zwei gleiche Ziffern hat.

(2) Die Methode "LdS" hat keine Auswirkungen auf die Rechtschreibung an sich (hoffe ich zumindest, obwohl die RS-Reform partiell so wirkt), sondern auf die Fähigkeit von Menschen, sich ein Leben lang auch schriftlich verständlich auszudrücken. Wenn Eltern quasi per "LdS"-Doktrin daran gehindert werden, dem Kinde zu einer sinnvollen Schreibleistung (mit) zu verhelfen, verprellt Schule ihren wichtigsten Partner.

Dessen ungeachtet schicke ich als Elternteil mein Kind auch nicht mit drei Jahren in den Straßenverkehr, um dem Vierjährigen zu erklären, dass rote Ampeln eine gewisse Bedeutung haben und Straßenränder eine Form der Grenzmarkierung sind.

Gruß von buh2k+15

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Re: Revolution im Matheunterricht - Rechnen durch Raten
von Kitaktus am Di. 20. Oktober 2015 10:44:40


@buh: Bitte korrigiere mich, wenn ich das falsch sehe --> Siehe unten.

@ M_I: Nein, ich kritisiere den Beitrag nicht dafür, dass er humoristisch ist. An zwei Stellen gestehe ich dem Beitrag vollkommen zu, eine Karikatur und (vornehmlich? teilweise?) auf Unterhaltung ausgerichtet zu sein(*).

Mir erscheint es aber naheliegend, dass buh seine Kommentare nicht ausschließlich unter komödiantischen Gesichtspunkten schreibt. Allein schon die Themenwahl macht deutlich, dass damit auch Kritik verbunden ist und dass auf diesem Wege eine -- dann durchaus ernsthafte -- Diskussion angeregt werden soll.
@buh: Bitte korrigiere mich, wenn ich das falsch sehe.

Ausgehend von dieser Annahme habe ich einfach die Bitte, dass sich ein "Lesen durch Schreiben"-Kritiker (das muss auch nicht unbedingt buh sein) vorurteilsfrei mit der These "durch konsequentes Betonen von (Lese- und) Schreibfehlern wird einigen Schülern der Gebrauch der Schriftsprache vergällt, in Folge dessen wird von den Schülern die Schriftsprache gemieden, was die Wahrscheinlichkeit für die Ausbildung/Verfestigung eines funktionalen Analphabetismus erhöht" auseinandersetzt.

Was "Lesen durch Schreiben"-Befürworter dazu sagen, weiß ich schon. Ich möchte mir aber auch eine fundierte Gegenmeinung dazu anhören.

Kitaktus

PS: (*) Zugegeben, ich finde den Beitrag nicht lustig, andere können das aber gerne anders sehen. Das ich den Beitrag nicht lustig finde, liegt aber nicht an der handwerklichen Umsetzung. Er ist schon gut gemacht. Es ist aber so, dass sich der "Guckt mal, was 'Lesen durch Schreiben'-Schüler für putzige Rechtschreibfehler machen."-Witz in der 17. Wiederholung dann doch etwas abgenutzt hat.

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Re: Revolution im Matheunterricht - Rechnen durch Raten
von buh am Di. 20. Oktober 2015 11:22:52


...der "Guckt mal, was 'Lesen durch Schreiben'-Schüler für putzige Rechtschreibfehler machen."-Witz ...

Ich glaube, jetzt reden wir aneinander vorbei.
Wenn du mir, wie ich oben lesen kann, hehre Motive, Ernsthaftigkeit bei der Themenwahl und Kritik an didaktisch-methodischen Fehlentscheidungen zutraust, dann müsstest du auch sehen, dass es an keiner Stelle einen Witz über Leute gibt, denen Rechnen und/oder Schreiben schwerfällt.
Es geht um didaktische/methodische Fehlentwicklungen, die von realitätsfernen Theoretikern am Leben vorbei als Nonplusultra in die Schulen "geprügelt" werden (ich sage nur: Kontextorientierte Kompetenzentwicklung), und den Schaden, den sie dabei anrichten.

Gruß von buh2k+15

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Re: Revolution im Matheunterricht - Rechnen durch Raten
von Goswin am Di. 20. Oktober 2015 12:56:40


Kitaktus schreibt:
Mir erscheint es aber naheliegend, dass buh seine Kommentare nicht ausschließlich unter komödiantischen Gesichtspunkten schreibt.

Genau! Buhs Beiträge sind oft so unwitzig (oder mein Sinn für Humor so unzulänglich frown ), dass immer wieder der Verdacht aufkommt, dass etwas Ernstes damit gemeint ist. biggrin

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Re: Revolution im Matheunterricht - Rechnen durch Raten
von Wauzi am Di. 20. Oktober 2015 14:29:35


Nach mehr als dreißig Jahren Schuldienst (glücklicherweise heil überstanden) muß ich (leider) sagen: Es wäre schön, wenn dieser Beitrag nur Satire wäre. Aber die Realität ist bereits dabei, ihn zu überholen.
(Vor Jahren habe ich noch "Bloil" als Motorbauteil als falsch gewertet. Jetzt müßte ich vermutlich ein "gut" daneben schreiben.)

Gruß Wauzi

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Re: Revolution im Matheunterricht - Rechnen durch Raten
von Kitaktus am Di. 20. Oktober 2015 18:21:50


@buh:
Vielleicht reden wir über verschiedene Dinge. Vielleicht liegt es daran, dass nicht zu erkennen ist, was in Deinem Beitrag überzeichnete Satire und was trauriger Alltag ist. Vielleicht liegt es daran, dass ich nicht weiß, was mit "Kontexorientierte Kompetenzentwicklung" gemeint ist. Ich weiß es nicht.

Das Beispiel mit dem Dreijährigen im Straßenverkehr verstehe ich. Nur sehe ich leider die Parallelen zum LdS nicht. Warum lasse ich einen Dreijährigen nicht allein über befahrene Straßen laufen? Weil es gefährlich ist. Ist es gefährlich Buchstaben zu inkorrekten Worten zusammenzusetzen? Nein. Lasse ich einen Dreijährigen alleine über die Wiese laufen, ohne bei jeden Sturz mit ihm auszudiskutieren, dass er seine Bewegungen besser koordinieren und die Lage seines Schwerpunkts im Blick halten muss. Ja. Muss ich ihn bei einem Sturz überschwenglich loben? Nein. Ist es unangemessen ihn zu loben, wenn er versucht Verhalten zu imitieren (z.B. eine Vorwärtsrolle zu machen), auch wenn das Ergebnis sehr weit vom Vorbild entfernt ist? Ich glaube nicht.

Übertragen auf die Schule: Welche dieser Verhaltensweisen findest Du kritikwürdig?

Vielleicht kannst Du auch noch erklären, was Du unter "LdS"-Doktrin verstehst. Denn obwohl meine Kinder m.E. nach der Methode unterrichtet werden, sehe ich nicht, an welcher Stelle ich daran gehindert werde, meinem Kind zu einer sinnvollen Schreibleistung (mit) zu verhelfen. Wenn es darum geht bekannte Wörter zu schreiben, achte ich auf die Rechtschreibung. Wenn es darum geht eine zusammenhängende Geschichte zu erzählen, achte ich (vor allem) auf den Inhalt und begrabe die Lust am Erzählen nicht unter einem Dutzend angestrichener Rechtschreibfehler (besonders bei Worten, deren Schreibung sich das Kind zu dem Zeitpunkt gar nicht erschließen _kann_).

Vielleicht erlebst Du LdS in einer überzogenen Weise, die ich mir gerade gar nicht vorstellen kann.

Ratlose Grüße,
Kitaktus

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Re: Revolution im Matheunterricht - Rechnen durch Raten
von buh am Mi. 21. Oktober 2015 18:21:05



 ...Vielleicht liegt es daran, dass ich nicht weiß, was mit "Kontexorientierte Kompetenzentwicklung" gemeint ist. Ich weiß es nicht.
Zur Abkehr von Wissen und Können und zur Ausrichtung auf Kompetenzentwicklung und -bewertung habe ich mich unter anderem HIER, HIER und auch HIER geäußert. (Diverse andere MPianer haben das auch schon getan.)

...Ist es gefährlich Buchstaben zu inkorrekten Worten zusammenzusetzen?
Nein, ist es nicht, sonst wären schon viele Journalisten tot. Es ist aber verbrecherisch, einem lernenden Kind Falschschreibung längere Zeit als richtig zu verkaufen (Lerneffekt!), um dann auf "Regelwerk" umzuschwenken. Was alles könnte man in diesem Zeitraum Sinnvolles ans Kind bringen?

 ...Ist es unangemessen ihn zu loben, wenn er versucht Verhalten zu imitieren (z.B. eine Vorwärtsrolle zu machen), auch wenn das Ergebnis sehr weit vom Vorbild entfernt ist?
Nein, ist es nicht. Nur dass das Imitieren beim Schreiben den mechanischen Akt betrifft, nicht aber syntaktische und/oder semantische Aspekte.

 ...Vielleicht kannst Du auch noch erklären, was Du unter "LdS"-Doktrin verstehst. (...) Wenn es darum geht, bekannte Wörter zu schreiben, achte ich auf die Rechtschreibung.
Ich zitiere Verfechter der LdS in meinem Artikel: "Nur wer viel rechnet, lernt richtig zu rechnen, und viel rechnet nur, wer gern rechnet, und gern rechnet nur, wer Erfolgserlebnisse hat." Also nicht meckern, sondern machen lassen und loben, loben, loben!

Wenn du bei deinem Kind bei bekannten Wörtern (Welche sind das? Äsen, Pappa, Audo, Tühr...?) korrigierend eingreifst, negierst du faktisch die Arbeit des Unterrichtenden und bringst dein Kind in Gewissenskonflikte, ist doch das, was es schreibt, a priori richtig. (??)

 ...Wenn es darum geht eine zusammenhängende Geschichte zu erzählen, achte ich (vor allem) auf den Inhalt und begrabe die Lust am Erzählen nicht unter einem Dutzend angestrichener Rechtschreibfehler ...
Entschuldige bitte, aber ich kann Rechtschreibung meistens nicht hören.

Zum Abschluss noch Klartext ohne "komödiantische Gesichtspunkte":
(1) In der Therapie von Legasthenikern wird eine solche Verschriftung der Sprache in einem kleinen einstelligen Wochenbereich toleriert; die Therapie greift, wenn es gelingt, dem "Patienten" Regeln und Merksätze soweit zu verinnerlichen, dass er sie auch ohne "germanistischen Mummenschanz" (Adverbialbestimmung, Diminutiv, konditionaler Konjunktiv) im Wesentlichen richtig anwendet. Therapierte Legastheniker machen in der Regel weniger Fehler als normale Schüler gleichen Alters.
(2) Schüler mit Dyskalkulie arbeiten (das ist der therapeutische Ansatz) stur mit Regeln und Algorithmen, die sich sich "eingehämmert" haben; ihre "Rechnungen" sind weitestgehend sauber, klar strukturiert und übersichtlich dargestellt. Mir ist klar, dass daraus kein mathematisches Wunderkind wird.

Warum kann man einem nichtbehinderten sog. "normalen" Kind das NICHT zumuten, sondern muss Lebenszeit, Arbeitskraft und kindliche Intelligenz verschwenden, um ein derartiges Konzept durchzusetzen??

Komischerweise ist noch niemand (außer mir) in Mathe auf solch eine Idee gekommen - warum wohl?

Obwohl... - manchmal beschleicht mich der Verdacht, es gäbe da im Hintergrund Leute, die...

Gruß von buh2k+15

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Re: Revolution im Matheunterricht - Rechnen durch Raten
von Kitaktus am Do. 22. Oktober 2015 13:19:04


@buh: So langsam lichten sich die Nebel.

Ich habe einige kleinere Anmerkungen, die ich vorwegschicken möchte.
Der Hauptteil folgt danach.

Nur dass das Imitieren beim Schreiben den mechanischen Akt betrifft, nicht aber syntaktische und/oder semantische Aspekte.
Das Beispiel "3x8>44" bzw. "3+8=44" nehme ich als spielerisches Aneinanderreihen von Symbolen wahr, ohne semantischen Anspruch. Wenn das von irgendwem als "das hast Du aber schön gerechnet(!)" gelobt wird, dann siehe unten.


Entschuldige bitte, aber ich kann Rechtschreibung meistens nicht hören.
Begriffsklärung: erzählen - schriftlich oder mündlich auf anschauliche Weise darstellen …
Hier war die schriftliche Version gemeint, was aber nicht ganz klar wurde. Beim mündlichen Erzählen korrigiere ich aber auch nicht alle Satzbau- und Grammatikfehler.

Damit zum Hauptteil:

Ich vermute, dass wir deutlich unterschiedliche Wahrnehmungen dazu haben, wie "Lesen durch Schreiben" im Detail umgesetzt wird/werden sollte. Meine Wahrnehmung beruht auf der Beobachtung der praktischen Umsetzung der Methode bei meinen eigenen Kindern.
Wenn du bei deinem Kind bei bekannten Wörtern (Welche sind das? Äsen, Pappa, Audo, Tühr...?) korrigierend eingreifst, negierst du faktisch die Arbeit des Unterrichtenden und bringst dein Kind in Gewissenskonflikte, ist doch das, was es schreibt, a priori richtig. (??)
Das entspricht nicht meiner Wahrnehmung. Wenn das Wort "Papa" in der Schule dran war, dann erwarte ich prinzipiell von meinen Kindern, dass sie das Wort danach so und nicht anders schreiben und ich habe nicht das Gefühl, dass die Lehrerin dadurch ihre Arbeit negiert sieht, oder dass das meinem Kind gar Gewissenskonflikte bereiten würde.

Ein stückweit ist LdS mit dem Erlernen einer Fremdsprache vergleichbar. Das Kind lernt, dass man gesprochene Laute in Schriftsprache übersetzen kann und umgekehrt. Es lernt die ersten Vokabeln kennen (hier: Buchstaben).
In der "klassischen" Methode werden die ersten paar Vokabeln zunächst ausführlich geübt. Nach ein paar Wochen konnte ich z.B. alle Worte, die sich nur aus den Buchstaben A,O,I und M bilden lassen. MAMA und OMA sind natürlich sehr nützliche Wörter, aber wenn man dazu dann nur noch AM, IM, MAMI, OMI, MIA und MIMI benutzen kann, ist die Ausdrucksfähigkeit doch sehr eingeschränkt. Ich hatte zu dem Zeitpunkt _nicht_ den Eindruck, mich mit Schriftsprache verständlich machen zu können. Die einzige Motivation zum Lernen war "Mama, Papa und der Lehrerin einen Gefallen zu tun" oder wahlweise "keinen Ärger zu bekommen".

Bei LdS erhält das Kind relativ früh Zugriff auf ein Wörterbuch (hier: Anlauttabelle). Hat man ein Wörterbuch zur Verfügung, dann kann man auch Wörter verwenden, die man noch nicht kennengelernt hat.
Damit kann man sich in einer Fremdsprache (halbwegs) verständlich machen. Verstanden zu werden und selbst zu verstehen ist eine viel bessere Motivation eine Fremdsprache zu lernen, als nur "weil ich muss". Das gilt meiner Meinung nach auch für die Fremdsprache "Schrift".
Natürlich gehört zu einer Sprache mehr als nur die Kenntnis der Wörter. Es gibt Regeln für Grammatik und Satzbau, feststehende Redewendungen, Wörter, die in verschiedenen Kontexten unterschiedliche Bedeutungen haben usw. Diese Regeln lernt man nach und nach. Bei der Schriftsprache ist das genauso. Dass man "Stift" nicht mit "Sch" schreibt, ist eine Regel, die man sich nicht selbst erschließen kann. Man muss sie erst lernen.
Ein Aspekt von LdS (so wie ich es verstehe) besteht darin, den Schülern nicht permanent die Verletzung von Regeln unter die Nase zu reiben, die sie noch gar nicht kennen. Das heißt aber nicht, dass sie Regeln, die sie kennen, nicht anwenden müssten.
Wenn ein Erstklässler schreibt "Mama ist gene Ais.", dann kann ich sinngemäß sagen "Toll, du hast verstanden, dass man Lauten Buchstaben zuordnen kann. Schau Dir das dritte Wort an und sprich es nochmal langsam und deutlich. Hörst Du das 'r'?" Darauf, dass das zweite und viert Wort auch falsch geschrieben sind, muss man doch nicht herumreiten. Da der Schüler die Regeln für "ß" und "ei" zu dem Zeitpunkt nicht kennt, wäre die Alternative nur, die Wörter wegzulassen. Wenn er das macht, kann er sich nicht verständlich machen. Wenn er sich nicht verständlich machen kann, braucht er auch keine Schrift. => keine intrinsische Motivation.
Am Ende der ersten Klasse ist der "Ei"-Laut bekannt und dann lasse ich "Ais" auch nicht mehr unkommentiert.

Das ist meine Wahrnehmung der Methode LdS. Das wird sicher nicht jeder Lehrer oder Didaktiker genauso sehen. Insbesondere kann man bestimmte Aspekte natürlich übertreiben und pervertieren.
Ich bin noch niemandem begegnet, der sagt, alles was der Schüler schreibt sei a priori richtig. Einen Schüler zu loben, weil er "3+8=44" gerechnet(!) hat, ist in meinen Augen balla balla. Wenn so was vorkommt, ist das zu kritisieren.

"Nur wer viel rechnet, lernt richtig zu rechnen, und viel rechnet nur, wer gern rechnet, und gern rechnet nur, wer Erfolgserlebnisse hat."
Die Aussage würde ich in der Absolutheit nicht ganz unterstützen, aber im Kern geht sie m.E.n. in die richtige Richtung. Ich folgere daraus aber nicht, man müsste den Schüler nur mit Lob überschütten, dann wird alles gut.
Wer ernsthaft dieser Meinung ist, hat sich in einer Idee verrannt. Mir ist allerdings nicht klar, ob es solche Leute in nennenswerter Zahl wirklich gibt, oder ob das nur Geister sind, die durch die Diskussion spuken.

Viele Grüße,
Kitaktus

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Re: Revolution im Matheunterricht - Rechnen durch Raten
von buh am Do. 22. Oktober 2015 16:54:43


Hi Kitaktus,

deinem Kind widerfährt (so sieht es jedenfalls aus) die Gnade eines gut strukturierten und gemischten Unterrichts, der systematisch und sukzessive Sprachgefühl, Wortbild und Regelkunde entwickelt, in dem die positiven Aspekte aller Varianten/Methoden genutzt werden.
Es ging mir (wieder einmal) um die teilweise dogmatische Inthronisation einer "neuen Sau", von denen wir mit homogener/heterogener Gruppenarbeit, SOL, LdL, Portfolio, Summerhill School, Freiarbeit, JüL&SAPh, Kompetenzentwicklung ... inzwischen in der Schule genug haben.
Manchmal möchte man einfach nur (natürlich gut) unterrichten.

Dir, deiner Familie und deinem Schulkinde alles Gute wünscht

Gruß von buh2k+15

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Re: Revolution im Matheunterricht - Rechnen durch Raten
von viertel am Sa. 24. Oktober 2015 15:41:26


Wohin dieser „Schreiben nach Gehör“-Unsinnn führt sehe ich bei meinen 5. und 6. Klässlern in der Denk mal! (Knobel) AG. Die Kinder sind in der AG dazu angehalten, ihr Ergebnis aufzuschreiben, damit ich es „im Stillen“ kontrollieren kann (selbst bei geflüsterten Worten hören die nächsten Nachbarn mit riesigen Ohren zu [warum funktioniert das mit dem Flüstern nicht, wenn die Kinder zuhören sollen?]). Das kann im einfachsten Fall eine Zahl sein (auch hier wird schon/noch das „Rechnen durch Raten“ praktiziert), ein einfacher Satz (was ist eigentlich „einfach“?) oder auch mal ein paar Sätze (man muß dann aber schon die Lösung kennen, um überhaupt erahnen zu können, was die Schüler mit ihren aneinander gereihten Worten ausdrücken wollen).

Was hier an Chäschdschraipunk angeboten wird ist teilweise unter aller Kanone. Wohlgemerkt, wir sind hier nicht bei Erst(Zweit-)klässlern, denen es am Schriftwortschatz fehlt. Sondern am Gymnasium, wo man Alltagswörter schon korrekt schreiben können sollte. Aber dieses Schiff wird mit diesem didaktischen Schwachsinn in den ersten Klassen sauber versenkt, eine Bergung ist praktisch kaum noch möglich. Und wenn man sich ansieht, was hier (auf dem Planeten) manche Studenten/Erwachsene/ect. (Schüler sowieso, die dürfen/sollen das ja) an Rechtschreibung loslassen (und das manchmal sogar verteidigen: „Wir sind doch hier nicht in einem Deutsch-Forum!“), dann kann man sich schon fragen: wie lange läuft denn dieser Rechtschreibmist schon an den Schulen?

Ich persönlich würde die Methode(??) „Lesen durch Schreiben“ sogar umkehren:
Schreiben durch Lesen
Denn beim Lesen kann sich die korrekte Schreibung doch am Besten einprägen, und keiner muß dabei Angst haben, durch falsche Schreibweise aufzufallen.
Dumm an dieser Idee ist nur, daß sie durch die Rechtschreibreform ad absurdum gefühert wird. Denn Abermillionen von Büchern bringen den Schülern so natürlich für viele Wörter die falsche Schreibweise bei confused

1/4

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Re: Revolution im Matheunterricht - Rechnen durch Raten
von Kitaktus am Di. 27. Oktober 2015 10:43:39


@buh:
Danke für Deine guten Wünsche. Ich denke, wir sind uns einig, dass eine "dogmatische Inthronisation" neuer Methoden nicht zielführend ist.

Wie viele neue Methoden und Konzepte im Laufe der Zeit in den Schulen so eingeführt werden, bekommt man als Elternteil nicht so genau mit.
Schon gar nicht, wenn es um ein anderes Bundesland geht.
Wie gut oder schlecht diese Konzepte dann umgesetzt werden, kann ich erst recht nicht beurteilen.

Meine Beobachtung ist, dass _aktuelle_ Probleme und Defizite von vielen wahrgenommen werden, was dann zu entsprechender Kritik an _aktuellen_ Methoden führt. Ein möglichst objektiver Vergleich von Vor- _und_ Nachteilen findet leider wesentlich seltener statt.

Kitaktus

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