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Mathematik: Mathematik als moderner "Stein von Rosetta"
Freigegeben von matroid am Di. 24. Oktober 2017 14:07:11
Verfasst von trunx -   544 x gelesen [Gliederung] [Statistik] Druckbare Version Druckerfreundliche Version
Bildung

Hallo Freunde der Zahlenkunst,

seit langem, vielleicht auch altersbedingt, beschäftigt mich der Gedanke, wie bei einem Zusammenbruch der menschlichen Zivilisation unser bisheriges Wissen archiviert und für sehr lange Zeiträume aufbewahrt werden könnte (als Einstieg siehe hier).

Ich möchte gar nicht diskutieren, ob die Zivilsation vor einem Zusammenbruch steht oder nicht, ob dies, bei Bejahung, dann auch akut ist oder noch viele 100 oder gar tausende Jahre dauert. Meine Prämisse für die folgenden Überlegungen ist die grundsätzliche Vergänglichkeit allen Seins.

Von frühen Zivilisationen ist meist nur das übrig geblieben, was buchstäblich in Stein gehauen (oder in Ton gebrannt, auf Papyrus oder Eselshaut/Pergament geschrieben) wurde. Es gibt mehrere Verlustursachen für das auf verschiedensten Datenträgern gespeicherte Wissen:
- Wissen wurde auf zu schnell vergänglichen Material fixiert
- Datenträger wurden durch Unglücksfälle zerstört
- Datenträger wurde vorsätzlich vernichtet
- Wissen wird nicht mehr verstanden.

Beispiele dafür sind aus alter Zeit die schriftliche Fixierung auf ungebranntem Ton, oft sind diese Datenträger nur dadurch überliefert, dass die Aufbewahrungsorte brannten und so der Ton gefestigt wurde. Wieviele dieser Datenträger sich zB. durch Regenwasser wieder auflösten, ist naturgemäß ungewiss.

Desweiteren dürfte einigen der sog. Bücherverlust in der Spätantike bekannt sein. Und zuguterletzt gibt es überdauerte Datenträger, deren Inhalte nicht mehr verstanden werden, wie zB. der Diskos von Phaistos, Dokumente in Linearschrift A oder die Schriften auf den Osterinseln, um nur die Bekanntesten zu nennen. Lange Zeit waren auch das Altägyptische, die Hieroglyphen oder die Maya-Schrift unlesbar.

Für die heutige Zeit muss man etliche Parallelen feststellen. Der Buchdruck auf säurehaltigem Papier macht Bücher aus diesem Material grundsätzlich leicht vergänglich. In 100-200 Jahren dürfte davon kaum etwas mehr existieren. Die Digitalisierung "rettet" altes Wissen auch nur scheinbar - Datenträger wie CD's halten schon mal keine 10-50 Jahre mehr (siehe hier). Dazu kommt, dass Dateiformate einem schnellen Wandel unterliegen, sd. elektronische Daten auf älteren Trägern zB. der 60er Jahre nicht mehr lesbar sind. Und mutwillige Zerstörung gibt es nach wie vor.

Es gibt ein Projekt "Memory Of Mankind", dass Abbildungen musealer Kulturgüter sowie alltagskultureller Erzeugnisse auf Steinzeugplatten mittels keramischer Farbkörper aufbrennt und diese in Kammern im Salzberg von Hallstatt einlagert.

Das ist prinzipiell eine gute Idee, dennoch wäre auch hier meine Sorge, dass diese Platten leichter mutwillig zerstört werden könnten, aber vor allem, dass sie nicht wirklich relevantes Wissen adäquat speichern können.

Für mich persönlich gibt es eigentlich nur einen sicheren Speicherort und das ist der Mond. Ich stelle mir vor, dass auf dem Mond fahrbare 3D-Drucker unter Verwendung lunaren Materials Steinplatte um Steinplatte fertigen (siehe dazu ESA testet 3D-Drucker für den Bau einer Mondbasis) und geordnet ablegen.

Daher stellt sich also eigentlich nur noch die Frage, was genau sollte auf diesen Platten wie gespeichert werden, uz. so, dass auch noch nach zig tausenden Jahren diese Inhalte erschlossen werden können und doch von unserem Leben hier und heute erzählen.

Fast immer wurden zuerst Zahlen, Zahlenangaben, Kalender uä., ich sage mal mathematische Daten entschlüsselt. Deshalb denke ich mir, dass auf den ersten dieser Langzeit-Archiv-Mond-Platten unser mathematisches Wissen kodiert dargestellt werden sollte. Vielleicht kennt noch der Eine oder die Andere das hervorragende Buch von D. Hofstadter "Gödel, Escher, Bach" (siehe hier bei Amazon), in dem mittels der Kodierungen der Typographical Number Theory (TNT) einige einfache mathematische Sätze ausgehend von simplen Axiomen formuliert und auch bewiesen wurden.

Meinem Gefühl nach könnten die so zunächst mathematisch motiviert eingeführten Symbole, die eben auf Grund ihres logischen Charakters erschliessbar sind, dann vielleicht auch im Weiteren eingesetzt werden um anderes, eher prosaisches Wissen der Literatur, der Philosophie usw. zu kodieren.

Mathematisches Wissen, kodiert auf Steinplatten, könnte also zugleich als moderner "Stein von Rosetta" fungieren.

Was denkt ihr dazu?

bye trunx

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" Mathematik: Mathematik als moderner "Stein von Rosetta"" | 18 Kommentare
 
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Re: Mathematik als moderner "Stein von Rosetta"
von xiao_shi_tou_ am Mi. 25. Oktober 2017 10:27:46


Irgendwann finden Aliens eine Steinplatte auf der eingraviert der Satz steht: "Es gibt keine positiven ganzen Zahlen <math>a,b,c</math> sodass fuer <math>n>2</math> gilt <math>a^n+b^n=c^n</math>. Wir haben hierfuer einen wahrhaft wunderbaren Beweis entdeckt, doch ist diese Platte hier zu schmal, um ihn zu fassen."

Interessanter Artikel.

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Re: Mathematik als moderner "Stein von Rosetta"
von trunx am Mi. 25. Oktober 2017 18:45:08


Aber genau das denke ich, dass man genügend Platten produziert, bis man alle erforderliche Definitionen und Sätze aufgeschrieben hat, um zB. diesen Satz von Wilson-Fermat zu beweisen, und dann mit den so erzeugten Begriffen auch in andere Wissenschaften und letztlich in die Alltagssprache vorzudringen.
Achso und hier noch der Link zum Original Stein von Rosetta (falls irgendwer davon noch nie gehört hat).

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Re: Mathematik als moderner "Stein von Rosetta"
von Bernhard am Do. 26. Oktober 2017 01:25:17


Hallo trunx!

Dieser Gedanke ist mir auch schon öfters durch den Kopf gegangen, aber aus etwas anderm Blickwinkel: Was wird eine spätere Hochkultur mal von uns ausgraben?
Ich glaube nicht, daß die von Dir erwähnten Kulturen, falls sie irgendwelche (für uns erkennbare) Spuren hinterlassen haben, dieses bewußt in der Absicht taten, etwas von sich für spätere zu konservieren. Dieser Tatsache sollte man sich vielleicht bewußt sein, bevor man anfängt, die eigene Kultur zu archivieren.

Für mich schein es deshalb wichtig, daß überhaupt etwas von uns erhalten bleibt. Wir haben über den Hieroglyphen gerätselt und rätseln auch heute noch über vielen Sachen. Aber was ist, wenn eine spätere Kultur garnichts zum rätseln findet??
Die Tendenz geht immer mehr dahin - der Umwelt zu Liebe - möglichst viel zu recyclen und möglichst wenig Recourcen zu verbrauchen und Müll zu produzieren.
Alte Handels"bücher" oder Landvermessungen bei Ägyptern, Phöniziern, Griechen, Arabern u.a. waren z.b. eine große Hilfe zur Erkennung von deren Schrift und insbesondere deren Fähigkeiten, mit Zahlen umzugehen. Aber nur, weil sie analog und auf einigermaßen gut haltbaren Medien fixiert waren.

Das Medium, dem heute wohl am längsten Zeit gegeben wir, sind die Mikrofilme oder Microfishes. Die benötigen auch keiner besonderen Software zum Lesen außer einer Lupe und einem Licht. Min. 400 Jahre gibt man denen bei sachgemäßer Lagerung.
Alles Digitale ist sowieso Humbug. Du brauchst erstmal Strom dazu, die richtige Hardware, alle paar Jahre mußt Du neu konvertieren, weil es neue Software gibt und CD, DVD oder Festplatten sind auch nicht so haltbar. Da sind sogar LPs schon besser.

Machen wir mal folgendes Gedankenexperiment: Da ist eine CD in Wachs/Öl oder so eingeschlossen gewessen und deshalb nicht zerstört worden. Nach Jahrhunderten wird sie ausgegraben und die Leute rätseln, wozu diese Scheibe gut sein soll. Dasselbe geschähe mit einer Schallplatte. Der würde man wohl ziemlch schnell ansehen, daß die Rillen auf der Oberfläche einen bestimmten Sinn haben müssen. Und wahrscheinlich würde man auch darauf recht schnell kommen. Wenn man das raus hat - aber erst dann - würde wohl die CD auch mit anderen Augen angeschaut werden und man würde - zu Recht und mit Erfolg - nach Paralellen suchen. aber nicht umgekehrt!

Viele Grüße von Bernhard

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Re: Mathematik als moderner "Stein von Rosetta"
von trunx am Do. 26. Oktober 2017 10:32:42


hallo Bernhard,
deine Beispiele sind schön smile
nehmen wir mal an, es hätte nur eine Schallplatte mit Märchen überlebt. Denkst du, dass spätere Zivilisationen diese verstehen würden?
Ich denke, je weiter entfernt diese Zivilisation von unserer ist, desto schwieriger bis hin zu unmöglich wird das. Wenn es sich 'nur' um eine menschliche Zivilisation in 3000 Jahren handelte, dann stünden die Chancen zur Entschlüsselung recht gut, wäre es aber eine völlig neue Tierart, die in 50 Millionen Jahren Bewusstheit erlangt hat, zB. staatenbildende Insekten oder Oktopusse, dann gibt es keinerlei Referenzpunkte mehr zur Auflösung.
Letzterem gilt meine Überlegung.
Und es ist sicher richtig, dass frühere Zivilisationen uns nur zufällige Relikte hinterliessen, vllt weil sie wirklich nicht so weit dachten. Doch wir, die wir wissen, dass bisher noch jede Epoche untergegangen ist, können durchaus die Frage stellen, was man wie ganz bewusst hinterlassen kann und möchte, uz. so, dass dies egal von wem bei ausreichender Intelligenz reproduzierbar ist.
Man stelle sich bspw. vor, dass die og. Oktopusse in einigen Millionen Jahren auf dem Mond landen, unsere Platten finden und entschlüsseln, aber selbst noch keinen Beweis für den Satz von Wilson-Fermat (der dann natürlich anders heisst) haben und dann dort finden.

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Re: Mathematik als moderner "Stein von Rosetta"
von MontyPythagoras am Do. 26. Oktober 2017 20:37:59


Hallo,
warum sollte ich die gesammelten Weisheiten der Menschheit überhaupt für irgendeine zukünftige Zivilisation, die nicht menschlich ist, aufbewahren wollen? Aus Altruismus? Wen juckt's, ob schlaue Oktopusse in 50 Mio. Jahren unsere gesammelten Werke verstehen können? Wenn die Oktopusse irgendwann so schlau sind, dass sie sich mit höherer Mathematik beschäftigen, wird es sie sicher auch nur (erdgeschichtlich betrachtet) ein Tentakelschnipsen kosten, den Beweis für den Großen Fermatschen Satz zu finden. Wer weiß, vielleicht sind die sogar erheblich schneller als 350 Jahre und sie lachen sich tot darüber, dass wir allen Ernstes so lange für eine so einfache Aufgabe gebraucht haben. Oder geht es um Spielverderberei: "Ätsch, wir haben es vor Euch herausgefunden, Ihr Looser?".
Spaß beiseite, den einzigen Sinn, den ich im Archivieren sehe, ist für menschheitseigene Zwecke. Andere Zivilisationen sollen sehen, wie sie klar kommen. Wenn aber z.B. irgendwann eine große Katastrophe passiert (Asteroid etc.), es bleibt nur eine kleine Zahl an Menschen übrig und sämtliche Technologie wird zerstört oder unbrauchbar, dann könnte archiviertes Wissen nützlich sein. Dann jedoch eher über Ackerbau und Viehzucht, denn bevor die auf "Los" zurückgeworfene Menschheit soweit ist, dass sie wieder zum Mond fliegen kann, um dort in den schier unerreichbaren Archiven über den Großen Fermat nachzulesen, hat sie ihn vielleicht unten auf der Erde längst zum zweiten Mal bewiesen.

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Re: Mathematik als moderner "Stein von Rosetta"
von trunx am Do. 26. Oktober 2017 22:21:19


hi MontyPythagoras,
danke für deine Meinung.
Wenn ich mir anders herum überlege, es hätte vor 65 Millionen Jahren intelligente Dinos gegeben, dann würde es mich persönlich wahnsinnig interessieren, wie sie waren. Dass es natürlich auch Leute gibt, die das eher nicht tangiert, ist logisch und tut der Sache selbst ja keinen Abbruch.

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Re: Mathematik als moderner "Stein von Rosetta"
von Bernhard am Do. 26. Oktober 2017 23:54:58


Hallo trunx!

Zuerst einmal muß ich Dir gestehen, daß ich nicht ganz unbelastet bin: Beruflich bin ich in einem Archiv beschäftigt, und dort seit mehreren Jahren vorwiegend im Bereich der Digitalisierung. Und gerade dort und wenn man über die Grenzen dieser Technik bescheid weiß, macht man sich ja schon seine eigenen Gedanken.
Die digitalen Techniken bieten eine nie erreichte Vielfalt in der Bereitsstellung oder Recherche von Daten, Erkenntnissen und Objekten aller Art. Die Möglichkeit des Zugriffs und Vergleiches mit Anderen Asservaten, Akten usw. und damit auch Erleichterung in der Forschung durch schnellere Rückschlüsse über bereits vorhandenes Wissen sind enorm.
Aber zur nachhaltigen Bewahrung dieses Wissens taugt das nicht.

Der ganze Fragenkomplex ist schon ein spannendes Thema und geht, wie Montys Post zeigt, auch teilweise ins Philosophische herein. Wer sind wir, daß wir uns sogar einer potentiellen späteren Kultur bemerkbar machen wollen? Das ist im Prinzip dieselbe Art von Selbstüberschätzung wie sie im Zusammenhang bei allen Versuchen, mit außerirdischer Intelligenz in Verbindung zu treten, mitschwingt.
Aber lassen wir diesen Aspekt mal bei Seite.
 
Die reine Vorstellung, was die später mal aus unseren Überbleibseln herausknobeln könnten, ist eigentlich recht spaßig.
Nehmen wir mal an, es hätte nur eine Schallplatte mit Märchen überlebt. Denkst du, dass spätere Zivilisationen diese verstehen würden?
Ich glaube nicht, daß die mit einem einzigen Fund ohne irgendwelche Vergleichsmöglichkeiten - egal was - überhaupt etwas anfangen könnten. Wir jedenfalls haben das auch nie gekonnt.
Aber nehmen wir mal an, sie könnten den Fundort genauer untersuchen, dann gäbe es zwei Möglichkeiten:
1.) Es wurde eine Videothek o.ä. ausgegraben:
Man fand also gleich ganze Regale voll, manche mehr, andere weniger gut erhalten. Dann hätte man Vergleichsmaterial gehabt. Und man hätte sich Gedanken gemacht, wozu gleich so viele auf einmal. Hier muß wohl eine Art Handel betrieben worden sein.
2.) Im Privathaus:
Es sind nur ein paar, aber sie befinden sich weder in den ausgekachelten Räumen für die Nahrungszubereitung und -beseitigung, noch sieht er einem typischen Arbeitsraum ähnlich. Diese Scheibe war also wohl zum Freizeitvertreib gedacht. Diese Annahme wiederum würde natürlich, würde man jemals aus der Schallplatte irgendeinen Textzusammenhang, Musik oder sonstige Information herauskitzeln können, deren Glaubwürdigkeit als authentischen Bericht oder die Notwendigkeik dieses Gegenstandes zum alltäglichen (Über-)Leben herabsetzen.
So zumindest, denke ich, würde unsereins an die Sache heran gehen.

Viele Grüße, Bernhard


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Re: Mathematik als moderner "Stein von Rosetta"
von trunx am Fr. 27. Oktober 2017 07:59:47


So ganz abtun möchte ich MontyPythagoras' Einwand nicht, da er ja nach der Motivation fragt und Altruismus oder Eitelkeit/Selbstüberschätzung vermutet.
Mit gleicher Berechtigung kann man fragen, warum werden heute Bücher geschrieben und Wissen vermittelt? Es ist nicht immer nur der Austausch zwischen Lebenden, denn dann müssten ja alle Werke eines Gestorbenen vernichtet werden. Ist es wirklich ein so riesiger Unterschied, wenn die Wissensweitergabe über die Artgrenze geht?
Ich denke eh, dass es eine unserer zentralen Aufgaben wäre, andere Arten auf ihrem ganz spezifischen Weg zur Bewusstwerdung zu unterstützen, statt sie nur als Nahrungsmittel zu betrachten.
Desweiteren ist nicht nur die Frage nach der Motivation, sondern auch die der Auswahl wichtig. Ist es wirklich sinnvoll, anderen unsere Art und unser technologisches Wissen des Raubbaus und der Umweltzerstörung zu vermitteln? Ein Projekt wie das oben beschriebene, könnte auch der menschlichen Selbstbesinnung dienen und dann würden vielleicht eher nachhaltige Problemlösungsstrategien fixiert werden.
Ich denke da bspw. an das grosse Enzyklopädie-Projekt der Aufklärer um Diderot. Es diente nicht nur der Nachwelt, sondern insbesondere auch der eigenen Neuorientierung.

Bernhard, wie gesagt, schau dir den Diskos von Phaistos an, er ist die überlieferte Schallplatte. Aber man weiss nicht mal, ob die Spirale von innen nach außen oder umgekehrt geht. Geschweige denn für welche Zwecke sie gefertigt wurde, es fehlt schlicht der Bezug. Und bei allen zufällig überlieferten Dokumenten ist es eben genau das, nämlich zufällig, ob es einen Bezugsrahmen gibt, in dem das Überlieferte entschlüsselt/übersetzt werden kann, oder eben  nicht.
Und in meinem Artikel ging es um die bewusste Bereitstellung eines geeigneten Bezugsrahmens, den ich in der Mathematik sehe.

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Re: Mathematik als moderner "Stein von Rosetta"
von cis am So. 29. Oktober 2017 11:44:59


Steinzeugtafeln wurden ja bereits erwähnt (theoretische Haltbarkeit ~100'000a).

Ich würde das so konzipieren:
Die Steinzeugtafeln werden in einer Mondhöhle gelagert und dort mit einem schwachen Laser abgetastet, d.h. ausgelesen. Der Informationsinhalt wird, als Dauerschleife, mittels eines einfachen Morsesignals zur Erde zurückgefunkt.

Als Sprache sollte eine überdauernde Sprache wie Latein verwendet werden; oder auch mathematische Zusammenhänge (meist Primzahlfolgen), aus denen sich sprachliche Muster leicht ableiten lassen.

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Re: Mathematik als moderner "Stein von Rosetta"
von trunx am So. 29. Oktober 2017 16:00:55


Es gibt keine überdauernde Sprache, denkst du wirklich, dass in 100.000 Jahren noch jemand Latein beherrscht? oder auch nur ansatzweise rekonstruieren kann? Das wird so fremd sein, wie einst die Hieroglyphen.

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Re: Mathematik als moderner "Stein von Rosetta"
von cis am So. 29. Oktober 2017 18:22:43


Dann muss eine Universalsprache verwendet (entwickelt) werden.

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Re: Mathematik als moderner "Stein von Rosetta"
von trunx am So. 29. Oktober 2017 20:42:59


Und das war der Sinn des Artikels, dass Mathematik diese Universalsprache sein könnte. Danke für den link smile

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Re: Mathematik als moderner "Stein von Rosetta"
von pzktupel am Mo. 30. Oktober 2017 19:56:20


Tja, schwere Sache.
Alles ist vergänglich. Der Mensch müsste alles Wissen permanent aktualisieren, wie ein Backup. Sollten wir uns auslöschen und das wird
bald sein, interessiert es keinen danach mehr, was wir wussten. Man kann nicht mehr wargenommen werden...also ist man nicht mehr.Vielleicht
haben wir genau das Problem, sollten wir auf dem Mars vergangenes finden , was nicht natürlich ist...und davon gehe ich aus.
Vielleicht ist auch unser Wissen heute unnütz für die Zukunft, weil
uneffektiv und unwichtig...weil es in der Zukunft ganz andere Erkenntnisse gibt smile

LG
Norman

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Re: Mathematik als moderner "Stein von Rosetta"
von Der_Messer am Mo. 30. Oktober 2017 23:28:21


Passend zum Thema: https://xkcd.com/1909/

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Re: Mathematik als moderner "Stein von Rosetta"
von trunx am Di. 31. Oktober 2017 11:08:37


Wenn ich das Thema im Bekanntenkreis anspreche, dann höre ich das Argument "Nach dem Aussterben der Menschheit ist ja keiner mehr da, der das wissen will, den unser einstiges Wissen interessiert." Das sehe ich naturgemäß anders smile

1. gehe ich nicht zu 100% davon aus, dass die Menschheit ausstirbt, aber es besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass sie sich selbst auf Anfang setzt und wieder mit Ackerbau und Viehzucht von vorn beginnt, dass also "nur" - analog zum Römischen Reich oder der ägyptischen Hochkultur - unsere moderne Zivilisation mit ihrer Verwaltungs-, Versorgungs- und eben auch Wissenschafts- und Bildungsinfrastruktur zusammen bricht. Die Menschen selbst werden wohl einen solchen Zusammenbruch überleben. In diesem Szenario wird es also einige tausend Jahre dauern bis das technologische Wissen wieder so hoch ist, dass sie auf den Mond fliegen können. Ich bin davon überzeugt, dass es diese Menschen sehr wohl interessiert, was ihre Vorfahren so getrieben haben. In diesem Fall besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass es überlieferte Schriften gibt und daher unsere Sprachen noch beherrscht werden. Darauf setzen würde ich allerdings nicht.

2. gibt es natürlich auch eine kleine Wahrscheinlichkeit, dass sich die Menschen selbst auslöschen. Da bin ich dann allerdings immer noch so optimistisch, dass das Leben selbst diesen Zusammenbruch überlebt und wie gesagt andere Arten die Möglichkeit haben, sich ihrer selbst bewusst zu werden. Warum auch sollte die Bewusstwerdung nur menschliches Privileg sein? Die Bewusstwerdung einer neuen Art dauert allerdings deutlich länger, hier muss man in Zeiträumen von einigen, vielleicht sogar zig Millionen Jahren rechnen. Dieser neuen bewussten Art wird unsere einstige Existenz vermutlich nicht verborgen bleiben, und ich denke schon, dass es sie interessiert, wer wir waren. Wir interessieren uns doch auch für untergegangene Arten. Solche Zeiträume kann man nur auf dem Mond überbrücken, auf der Erde ist ja alles geologisch aktiv.

3. Selbst wenn es keine bewusste Art mehr auf der Erde gibt, könnte es ja sein, dass sich auf anderen Planeten und/oder Monden unseres Sonnensystems Leben entwickelt hat und auch dieses sich auf dem Weg zur Bewusstwerdung befindet. Wenn diese Lebensformen sich eines sehr fernen Tages hier umschauen, würde es sie selbstverständlich interessieren, dass wir mal gelebt haben. Genauso wie wir uns dafür interessieren würden, ob es mal Leben auf dem Mars gab. Wir würden uns ja schon freuen, wenn wir den eindeutigen Nachweis hätten, dass Bakterien oder ähnliche Lebensformen dort existiert hatten. Ja sogar, wenn man organisches Material findet, gibt es schon ein Hurra. Was für eine Sensation wäre es erst, wenn es Zeichen bewussten Lebens und von diesen Schriften gäbe?

Also ich denke, ohne jetzt notwendig von mir auf andere zu schliessen, Interesse wäre in jedem Falle da. Aber selbst wenn alles komplett vergehen würde und es niemanden gäbe, der (sollte es jemals wirklich ein Mondsteinplatten-Menschheitswissensarchivierung-Projekt geben) unsere für bewusste Überlieferung/Hinterlassenschaft entdeckt, so ist die darin investierte Arbeitskraft dennoch sinnvoller aufgewändet als in der Produktion von noch mehr Waffen.

Was mich zu dem Punkt bringt: In dem Link zur Universalsprache steht grob, dass diese ursprünglich von Leibniz verfolgte Idee letztlich von der modernen Logik mit den ihr eigenen Grenzen umgesetzt wurde. Da interessiert es mich schon, ob jemand weiß, wie weit diese Umsetzung tatsächlich vorgenommen wurde, ob es zB. eine Übersetzung bestimmter fachsprachlicher Ausdrücke und Symbole in eine Alltagssprache gibt?

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Re: Mathematik als moderner "Stein von Rosetta"
von pzktupel am Di. 31. Oktober 2017 18:01:01


Das Aussterben des Menschen steht fast schon fest. Man kann das nicht einfach so vergleichen mit römischen Reich usw. Die schlechten Eigenschaften ivm Gier , Macht und Reichtum lassen sich genetisch nicht eleminieren. Unser Planet ist vom Tun bald aufgezehrt. Game over !
Die Weltmeere sind radioaktiv verseucht, die Regenwälder sind abgeholzt. Die Fischbestände in den Ozeanen fast leer. Wir kümmern uns um keinen Erhalt...es ist sowieso zu spät, alles rückgängig zu machen.
Aus Kostenverschleierung wird eben mal alles im Ozean versenkt, Uran Munition verschossen und etliches kommt noch oben drauf. Es ist in paar Jahrzehnten vorbei. Die Elite hat vor 95% der Bevölkerung bis 2100 zu reduzieren , weil wir unnützer Ballast bei denen sind. Alles wird gut ist nicht mehr zu erwarten. Es ist wie in einem Teich, wo Algen sich vermehren...irgednwann erstickt alles und diese sterben alle ab. Wir haben keinen Ersatzplaneten wo wir nochmal alles anders machen, weil verbockt. Vielleicht ist es eine Exitstrategie der Evolution. Wir sind möglicherweise völlig unwichtig im Großen ... unsere Errungenschaften sind garnicht so doll. Die Masse hängt nur vorm TV , quasselt am Handy  und futtert und ist in den Betten. Das nennt man Krönung der Schöpfung. Weit gefehlt. Wir hängen irgendwo mitten drin, andere Lebensarten Extern sind vielleicht effektiver...und was wir Wissen nennen, ist für die Pille Palle.
LG

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Re: Mathematik als moderner "Stein von Rosetta"
von PeterSteiner am Mi. 01. November 2017 13:34:17


Ist es nicht so, dass wir den Wert des Seins und Wissens falsch bewerten? Ich meine, wir halten Technik, Kultur und Wohlstand für unglaublich kompliziert und konservierwürdig. Von dem Untergang einer Kultur (A) bis zu dem Punkt, wo sich eine neue Kultur (B) für die Hinterlassenschaften von A interessiert, vergehen Jahrtausende. Verglichen damit ist unsere Mikroelektronik nicht einmal ein Wimpernschlag.

Wenn es etwas gibt, was A an B sinnvollerweise weitergeben sollte, dann ist es der Grund des eigenen Untergangs. Kein Lebewesen hat bisher ernsthaft detailliert in die Zukunft schauen wollen, geschweigedenn können. Und das werden auch zukünftige höhere Lebewesen nicht. Umso wichtiger ist ein Lebensstil, der von vornherein Dinge vermeidet, die einen später wie die Vogonische Bauflotte überrollen werden. Nachhaltigkeit zu lernen, *bevor* es ernst wird, das ist die Devise.

Wir müssen weniger das hinterlassen, was wir gut gemacht haben, sondern vorallem, was schiefgelaufen ist. Ok, bleibt die Frage: Wie codiert und konserviert man das ganze....


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Re: Mathematik als moderner "Stein von Rosetta"
von trunx am Fr. 03. November 2017 10:41:56


Danke auch für eure Kommentare, aber eigentlich wollte ich nicht diskutieren, ob und warum es mit der Menschheit zu Ende geht. Das ist das sprichwörtliche Fass ohne Boden.

Interessant für mich war die Idee mit dem modernen "Stein von Rosetta". Ich habe weiter darüber nachgedacht, ein für mich kritischer Punkt ist ja, dass wir über die Mathematik nur diverse Symbole einführen würden, also zB. = oder + usw. Auch wenn diese Symbole in einem übertragenen Sinne eingesetzt werden können, würde es ja darauf hinaus laufen, dass praktisch jedes einzelne alltagssprachliche Wort einzeln aus den Symbolen zusammen gesetzt werden müßte. Wir umgehen das in unserer Sprache ja durch die Kodierung der Laute, also völlig bedeutungsfrei, was den Vorteil hat, dass wir mit einem relativ kleinen Zeichensatz auskommen.

Doch Lautkodierung kommt ja nicht in Frage, bleibt also nur Bedeutungskodierung. Oder gibt es da noch andere Möglichkeiten um die Zeichensätze klein zu halten? Mir jedenfalls fällt keine ein.

bye trunx

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