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Wie stehe ich zur neuen Rechtschreibung?

Ich habe nichts anderes gelernt.36 %  36.7% (195)
Ich habe mich erfolgreich umgestellt.7 %  7.7% (41)
Ich schreibe nach wie vor nach den alten Regeln.8 %  8.5% (45)
Ich weiß gar nicht mehr, was richtig ist.8 %  8.1% (43)
Ich bin aus der Schweiz, da gibt es kein sz.34 %  35.0% (186)
Ich mache bei Umfragen nicht mit.4 %  4.1% (22)

abgegebene Stimmen: 532
Es ist nur eine Wahl pro Tag möglich!

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"Wie stehe ich zur neuen Rechtschreibung?" 33 Kommentare
Für den Inhalt der Kommentare sind die Verfasser verantwortlich.

Re: Wie stehe ich zur neuen Rechtschreibung?
von matroid am Fr. 29. Juni 2012 15:38:24


Vor fünf Jahren, am 1. August 2006, sind die geänderten Regeln der Rechtschreibreform in Kraft getreten. Am 1. August 2007 endete die letzte Übergangsfrist.

[Antwort]

[Bearbeiten]

Re: Wie stehe ich zur neuen Rechtschreibung?
von Anonymous am Fr. 29. Juni 2012 18:36:28

Ich saz ûf eime steine,
und dahte bein mit beine;
dar ûf satzt ich den ellenbogen;
ich hete in mîne hant gesmogen
daz kinne und ein mîn wange.

Lehrerin: Walther 5, setzen!
[Antwort]

Re: Wie stehe ich zur neuen Rechtschreibung?
von Bernhard am So. 01. Juli 2012 00:04:59

Hallo Martin!

Als die RSR 1996 ausgerufen wurde, hat man von einer 10jährigen "Probezeit" gesprochen. Zielsetzung war es, nach PISA & Co das allgemeine Bildungsnieveau - und das sprachliche insbesondere - von sogenannten "bildungsfernen" Schichten (ich hasse diese und ähnliche Bezeichnungen, die man sich als Euphemismen hierzu ausgedacht hat) zu heben. Mit besonderem Blick auf die sich dadurch verbessernden Integrationschancen von Kindern mit "Migrationshintergrund".

Nach Ablauf dieser 10 Jahre haben sich - trotz, oder gerade durch diese Reform - die angesprochenen Zustände nicht verbesert, eher verschlechtert. Selbst bei weiteren zusätzlichen sogenannten "Bildungsmaßnahmen".
Trotzdem war man nicht so ehrlich, die RSR wieder zurückzunehmen.

Bernhard
[Antwort]

Re: Wie stehe ich zur neuen Rechtschreibung?
von Bernhard am Fr. 06. Juli 2012 02:33:53

Hallo Martin!

Mir fehlt bei der Umfrage neben der Antwort
"Ich habe mich erfolgreich umgestellt."
noch die Möglichkeit zu antworten:
"Ich habe mich erfolgreich umgestellt, weil ich es mußte."
Also die Differenzierung, ob die Umstellung wirklich freiwillig geschah, oder vielleicht für den Beruf sein mußte.
Ich z.B. habe im Archiv die Reformschreibung verwenden müssen, das aber nur dort getan.

Viele Grüße, Bernhard
[Antwort]

Re: Wie stehe ich zur neuen Rechtschreibung?
von mire2 am Fr. 06. Juli 2012 10:57:58

Diese Antwort zeigt deutlich, dass es mit der erfolgreichen Umstellung nicht geklappt hat. :-P
[Antwort]

Re: Wie stehe ich zur neuen Rechtschreibung?
von Bernhard am Fr. 06. Juli 2012 23:34:31

Hallo Michael!

Darauf wollte ich ja hinaus!
Im Prinzip kenne ich die neuen Regeln soweit, daß ich sie, wo ich dazu gezwungen bin, auch anwenden kann oder zumindest Zweifelsfälle erkennen und umschiffen kann.
Wenn ich z.B. mir nicht ganz klar bin, ob ein Wort in der Reformschreibung anders getrennt, groß oder klein geschrieben wird, vermeide ich eben überhaupt eine Trennung oder suche Synonyme.

Bernhard
[Antwort]

Re: Wie stehe ich zur neuen Rechtschreibung?
von mire2 am Sa. 07. Juli 2012 20:08:04

"Ich habe mich erfolgreich umgestellt, weil ich es mußte."

Öhm, wer den Witz beispielsweise im obigen Satz findet, der darf ihn behalten. ;-)

Im Übrigen ist die Forderung nach einer Rücknahme der Rechtschreibreform ja so lange unsinnig, so lange nicht belegt worden ist, dass diese verantwortlich für überhaupt noch nachzuweisende schwächelnde Orthographiekenntnisse ist.

Vermutlich gibt es dazu schon Untersuchungen, die mir nur noch nicht bekannt sind.

Es ist ja beispielsweise nicht ausgeschlossen, dass es schon immer so viele Rechtschreibluschen gab, diese aber nur jetzt auffällig(er) sind, da jeder an zig Internetecken seine sprachliche Duftmarke hinterlassen kann. Diese Möglichkeiten gab es ja zu Beginn der Rechtschreibreform nicht bzw. nicht in dem Maße.

Vielleicht ist es ja so, wie mit Hundeangriffen/jugendlicher Gewalt/Gewaltverbrechen (in den USA) etc. Zeitweilig glaubte man da ja auch als Normalbürger, dass diese zugenommen hätten. Tatsache aber war nicht selten, dass darüber lediglich verstärkt berichtet worden ist, ohne dass sich die Zahl signifikant nach oben hin geändert hatte. Der Eindruck wird aber sehr oft von der Berichterstattung bestimmt.

Was also der Wahrheit und was der vermeintlichen Beobachtung entspricht, das muss lange nicht ein und dasselbe sein.

Und selbst wenn es unwiderlegbare Beweise für erhöhte Defizite im Bereich Rechtschreibung gibt, so beantwortet das noch lange nicht die sich dann fast zwangsläufig stellende Frage nach dem "Warum?". Ich glaube, hier wird auch in regelmäßigen Abständen darüber geklagt, dass die Mathematikkenntnisse signifikant schlechter geworden sind. Bei solchen Urteilen, denke ich, muss man doch genau aufpassen, denn schon zu Zeiten Sokrates und der alten Ägypter wurde über die verdorbene Jugend geklagt und manches Mal hat man den Eindruck, dass solche Klagen mehr einer "Früher war alles besser"-Mentalität als denn den wirklichen Realitäten entspringen.

Gruß

Michael
[Antwort]

Re: Wie stehe ich zur neuen Rechtschreibung?
von Anonymous am Mo. 30. Juli 2012 10:41:47

Also mir isch das völlig wurscht, was da diä Gschtudiäertä bestumme händ. Das komischi "sz" hann ii sowiso nid uf minärä Taschtatuur. Diä sölled sich liäber ois aapasse, schliässlich hänt miir scho lang gmärkt, das äs nur ei Vergangeheitsform bruucht. Und wämmer ois nid verstaaht, dänn wächsläd mär halt uf romansch, das verstaaht mär überal uf därä Wält!

Das isch d'Meinig von ämä Schwiizer gsi. Nid war, oder?
[Antwort]


Re: Wie stehe ich zur neuen Rechtschreibung?
von Hans-Juergen am Sa. 30. Juni 2012 21:54:46 http://www.hjcaspar.de


Ich verwende weiter die "alte" Rechtschreibung, schreibe "daß" und nicht "dass", was oft mit "das" verwechselt wird. Ich schreibe "wohlbekannt" und nicht "wohl bekannt", setze Kommas dort, wo sie heute weggelassen werden dürfen, insbesondere auch bei Relativsätzen und zwischen zwei Hauptsätze, die durch "und" verbunden sind. Und in der Anrede schreibe ich niemals "sie", sondern "Sie". Beispiel für das, was ich meine, nach der neuen Bestimmung zulässig: "cool, dass sie so eine Seite eingerichtet haben!", gefunden auf dem MP.



Hans-Jürgen


[Antwort]

[Bearbeiten]

Re: Wie stehe ich zur neuen Rechtschreibung?
von Rebecca am So. 01. Juli 2012 16:14:30

Hi Hans-Jürgen,

bei meinem Schulbeginn wurde bereits nur noch die neue Rechtschreibung gelehrt. Lustig war damals, dass mir in Klassenarbeiten manche Lehrer fälschlicherweise unterstellten, ich hätte noch die alte Rechtschreibung benutzt. Um etwas für die "Fortbildung dieser Lehrer zu tun", habe ich mich von Anfang an auch mit den Unterschieden zwischen alter und neuer Rechtschreibung beschäftigt.

Und so kann ich auch dich auf einen Irrtum hinweisen:

Die Höflichkeitsanrede "Sie" und das entsprechende Possessivpronomen "Ihr" werden auch in der neuen Rechtschreibung immer großgeschrieben.

(Die vertraulichen Anredepronomen "du" und "ihr" sowie die entsprechenden Possessivpronomen "dein" und "euer" werden im Allgemeinen kleingeschrieben. In Briefen können diese Pronomen auch großgeschrieben werden).

Zwei Ausnahmen gibt es, wo auch ich mich weigere, die neue Rechtschreibung zu benutzen. Das kam durch meine frühe Beschäftigung mit Mathematik- und Physikquellen, die noch die alte Rechtschreibung benutzten:

1. Ableitungen von Personennamen auf -(i)sch werden kleingeschrieben.
Ich schreibe weiterhin z.B.: "das Ohmsche Gesetz" statt "das ohmsche Gesetz".

2. Wörter mit den Endungen "-tial" und "-tiell" können zu "-zial" oder
"-ziell" verändert werden.
Ich finde, Potenzial oder Differenzialrechnung sehen grauslich aus.

Gruß
Rebecca
[Antwort]

Re: Wie stehe ich zur neuen Rechtschreibung?
von mire2 am Mo. 02. Juli 2012 12:24:58

Also wenn wir schon beim Klugscheißern sind, dann aber auch richtig. ;-)

@Rebecca

Du könntest ja auch ein Apostroph verwenden. Dann würde es ja auch wieder stimmen, also "das Ohm'sche Gesetz".

Im Übrigen glaube ich nicht, dass wirklich die Rechtschreibreform die Ursache für vermeintlich beobachtete gehäufte Fehler ist. Sie lässt ja meist mehr Möglichkeiten zu und es liegt an einem selbst, welche der Möglichkeiten man nutzt, wie Rebecca ja auch oben beschrieb.

Ich tue mich beispielsweise schwer mit Schreibweisen wie "Graf einer Funktion" oder auch "Tunfisch". Aber ich kann das ja auch anders schreiben.

Gruß

Michael
[Antwort]

Re: Wie stehe ich zur neuen Rechtschreibung?
von huepfer am Sa. 07. Juli 2012 23:04:06 http://jumping-bagpipe.livejournal.com/

Ich sehe das ähnlich wie Rebecca, wobei ich in der Grundschule noch nach alter Rechtschreibung schreiben gelernt habe und dann ab dem Gymnasium die neue lernen musste, was übrigens das einzige war, was mir meine Deutschlehrerin in der 5. und 6. Klasse begebracht hat.
Mittlerweile nutze ich die Rechtschreibung so, wie ich das für sinnvoll halte. Auch wenn bei das/dass/daß von Verwechslungsgefahr gesprochen wurde und das das Argument für die Änderung war, so ist dass auf Grund des kurzen a schlicht konsequent. Aber gerade, wenn wir gerade mal wieder über den Datenschutz in der deutschen Gesetzgebung reden, ist mir der Unterschied zwischen vielversprechenden Politikern und viel versprechenden Politikern sehr wichtig und den lasse ich mir auch nicht nehmen. ;-)

Gruß,
Felix
[Antwort]

Re: Wie stehe ich zur neuen Rechtschreibung?
von AimpliesB am Mi. 18. Juli 2012 16:49:13 http://aimpliesb.hat-gar-keine-homepage.de/

"Mittlerweile nutze ich die Rechtschreibung so, wie ich das für sinnvoll halte."

Das ist das Problem... das machen viele. Einheitlich ist nichts mehr.

Ich bin grundsaetzlich gegen die Rechtschreibreform. Gegen diese genauso wie gegen alle anderen.

Ich habe, wie die meisten, Rechtschreibung in erster Linie durch LESEN gelernt, nicht durch Regeln in der Schule. Mag sein, dass die Rechtschreibung jetzt konsequenter ist (wobei sich ueber das kurze a natuerlich streiten laesst), aber ganz ehrlich, welcher Deutsche lernt schon Rechtschreibung nach Regeln? Insbesondere, wenn die Umstellung erfolgt, nachdem man die Schule verlassen hat? Die Rechtschreibung fuer Leute zu reformieren, die Deutsch als Fremdsprache lernen, finde ich etwas merkwuerdig. Ob man ein fremdes Wort nun mit "scharfem s" oder mit "doppel s" lernen muss, bleibt sich, denke ich, gleich.
Und ein Franzose tut sich mit der "alten" Rechtschreibung einer gewissen dickflüssigen, kalt hergestellten Sauce auf der Basis von Eigelb und Öl wesentlich leichter, als mit der "neuen". ;)

Aus eigener Erfahrung kann ich auch sagen, dass eine Umstellung es dem Auslaender nicht einfacher macht. Vielleicht kommenden Generationen, wenn sich die neue Version ueberall durchgesetzt hat, aber in der Umstellungsphase, die ja sicherlich mehrere Jahre bis Jahrzehnte andauert, sicherlich nicht. Ich habe stark mit der "acordo ortográfico" zu kaempfen, weiss nur selten, was richtig und was falsch ist und das erschwert mir das Portugiesisch-lernen noch zusaetzlich. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es Deutschland-Auslaendern da anders geht.

Liebe Gruesse aus Lisboa,

Teresa, die "ss" statt "scharfem s" nur wg. der Portugiesischen Tastatur benutzt.
[Antwort]

Re: Wie stehe ich zur neuen Rechtschreibung?
von Gockel am Mi. 18. Juli 2012 17:06:05

Gerade die Nichtmuttersprachler lernen ja aber Deutsch viel öfter in Sprachkursen, also nach festen Regeln und weniger häufig by-doing, oder etwa nicht? Daher ist es für alle Fremdsprachler doch sehr sinnvoll, die Regeln der Rechtschreibung zu vereinheitlichen. Gerade die ß-vs-ss-Regel ist sehr einfach geworden und viel besser zu lernen als vorher. Ich würde als Sprachelernenmüsser viel dafür geben, solche einfache Regeln öfter zu haben.
Die Regel ist so einfach, dass ich die ß-ss-Frage auch für mich ausschließlich nach dieser Regel löse. Ich habe all die Ausnahmen der früheren ß-Schreibung inzwischen vergessen.

mfg Gockel.
[Antwort]

Re: Wie stehe ich zur neuen Rechtschreibung?
von Bernhard am Mi. 18. Juli 2012 18:02:57

Hallo Gockel!

Die Veränderungen in der s-ss-ß-Schreibung werden immer als erste aufgeführt. Für sich gesehen sind ja nicht mal die schlimmsten. Aber im Zusammenhang mit anderen, insbesondere den neuen Trennungsregeln, irritieren sie beim Lesen, weniger vielleicht beim Schreiben (das macht ja sowieso das Korrekturprogramm). Aber die verschiedenen s hatten selber oft auch Trennungsfunktionen. Gerade das Trennungs-s zusammen mit der neuen Trennung von st und sp irritiert voll.
Die neuen Trennungen und Groß-/Kleinschreibungen sind noch ein Fehler für sich. Z.B. alles, was irgendwie nach Substantiv riecht, großzuschreiben: "Er hat Recht".
Für den Grundwortschatz und zum ersten Schreiben (also die Zielgruppen, die man ansprechen wollte) spielen die meisten Veränderungen kaum eine Rolle.
Aber viele sind etymologisch unkonsequent und lassen sich daher nicht mehr aus ihren Wurzeln ableiten. Denen, die sich wirklich gerne mit der deutschen Sprache beschäftigen tut das ganz besonders weh.

Viele Grüße, Bernhard

[Antwort]

Re: Wie stehe ich zur neuen Rechtschreibung?
von Bernhard am Mi. 18. Juli 2012 18:04:59

Re: Wie stehe ich zur neuen Rechtschreibung?
von Bernhard
Hallo Gockel!

Die Veränderungen in der s-ss-ß-Schreibung werden immer als erste aufgeführt. Für sich gesehen sind ja nicht mal die schlimmsten. Aber im Zusammenhang mit anderen, insbesondere den neuen Trennungsregeln, irritieren sie beim Lesen, weniger vielleicht beim Schreiben (das macht ja sowieso das Korrekturprogramm). Aber die verschiedenen s hatten selber oft auch Trennungsfunktionen. Gerade das Trennungs-s zusammen mit der neuen Trennung von st und sp irritiert voll.
Die neuen Trennungen und Groß-/Kleinschreibungen sind noch ein Fehler für sich. Z.B. alles, was irgendwie nach Substantiv riecht, großzuschreiben: "Er hat Recht".
Für den Grundwortschatz und zum ersten Schreiben (also die Zielgruppen, die man ansprechen wollte) spielen die meisten Veränderungen kaum eine Rolle.
Aber viele sind etymologisch unkonsequent und lassen sich daher nicht mehr aus ihren Wurzeln ableiten. Denen, die sich wirklich gerne mit der deutschen Sprache beschäftigen tut das ganz besonders weh.

Viele Grüße, Bernhard
[Antwort]

Re: Wie stehe ich zur neuen Rechtschreibung?
von Gockel am Mi. 18. Juli 2012 20:53:01

Eine Veränderung in der s-Schreibung gibt es nicht, die Regel betrifft nur ss und ß. Was vorher ein mit einem s geschrieben wurde, wird auch jetzt mit einem s geschrieben. Trennregeln sind dadurch doch gar nicht berührt. Es wird kein Wort anders getrennt als vorher, wenn es sich ausschließlich in der ss-vs-ß-Schreibung verändert hat.

"Er hat Recht" ist aber wirklich ein schlechtes Beispiel. "Recht" ist eindeutig ein Substantiv in diesem Satz. Es ist das Recht gemeint, welches "er" da auf seiner Seite hat. Das wurde nur deshalb klein geschrieben, weil das eine feststehende Fügung war. (feststehend vs. fest stehend... das wäre schon eine spannendere Frage)
Es klein zu schreiben war ungrammatisch, "Recht" ist schließlich das Objekt in dem Satz.

mfg Gockel.
[Antwort]


Re: Wie stehe ich zur neuen Rechtschreibung?
von Kleine_Meerjungfrau am Mi. 01. August 2012 23:50:01


Lustigerweise schreibe ich am PC eher nach neuer Rechtschreibung, von Hand aber grundsätzlich nach der alten. Gelernt habe ich nur die alte, die neue kam dann irgendwann in ca. Klasse 10. Allerdings hatten wir ja wegen der Übergangszeit freie Hand, wie wir schreiben wollen. An der Uni hieß es dann: egal welche von beiden aber was man wählt, muss man durchziehen und Rechtschreibfehler, die nicht zu dieser Rechtschreibung werden angestrichen und gewertet. Das war dann der Punkt, wo ich mich für die alte Rechtschreibung entschieden habe, weil ich die ganzen neuen Regeln schlicht nie vollständig gelernt habe und bei vielem einfach unsicher war, was nach der neuen richtig ist. Nach der alten wusst ich's, Fehler wollt ich keine. Und die neue lernen auch net so wirklich, zumal sich da damals ja eh ständig noch was geändert hat.

[Antwort]

[Bearbeiten]

Re: Wie stehe ich zur neuen Rechtschreibung?
von shadowking am Mo. 06. August 2012 07:34:34

Zum Glück fing die unglückselige neue Rechtschreibung erst an, als ich schon aus der Schule war. Heute bin ich ehrlich froh, daß damals die Lehrer selbst noch ein hohes Gewicht auf die korrekte Schreibung wie auch auf andere Aspekte der deutschen Sprache legten (Konjunktive, Vergangenheits- und Futurformen). Damals gab es auch eine versetzungsrelevante separate Zensur für Rechtschreibung im Zeugnis; gibt es die heute wohl noch?

Die sogenannte Rechtschreibreform hat einen riesigen Sumpf geschaffen, in dem die Sicherheit beim Schreiben und der Gedanke, daß korrekte Schreibung auch etwas mit Respekt vor dem Leser zu tun hat, versunken sind - vermutlich auf Nimmerwiedersehen. Heute können nicht einmal mehr die Lehrer selbst oder etwa Zeitungsredakteure korrekt schreiben, auch nicht nach den neuen Regeln. Denn die Lehrer in den Schulen konnten sich nach jahrelanger Schreibpraxis eben nicht mal gerade während der Sommerferien umgewöhnen, nachdem die neuen Regeln zur "Pflicht" erklärt worden waren. Umzulernen ist - gerade im Erwachsenenalter - immer viel schwieriger, als erstmalig und dann für immer zu lernen. Und die Generation Schüler, die das Pech hatte, in den Wirren der Reformzeit schreiben lernen zu müssen, rückt heute selbst als Nachwuchs in die Lehrkörper ein und verlängert das Elend. Im Prinzip schafft sich jeder, der nicht zur unreformierten Rechtschreibung zurückfindet, nun aus der Not ein eigenes individuelles Regelwerk, das nur für ihn persönlich Gültigkeit hat. Schreib-Anarchie.

Der einzige (fragwürdige) Nutzen daran ist, daß man heute anonyme Schreiber im Internet anhand dieser selbstgewählten individuellen Regelsätze identifizieren kann.

Es gibt einen ehernen Grundsatz, der praktisch überall angewendet werden kann: Fange niemals an, an einer gut funktionierenden Maschine herumzuschrauben. Und die Rechtschreibung hat bis 1991 tadellos funktioniert; ein paar ganz leichte Korrekturen der aufgrund der deutschen Teilung entstandenen Uneinheitlichkeiten hätten ausgereicht.

Was bringt offenbar intelligente und gebildete Leute (Lehrer) dazu, so zu tun, als könnten sie sich einfach mal so, weil es Kultusministererlaß ist, umgewöhnen, die Sache kritiklos mitzumachen und nebenbei auch noch einen Schülerjahrgang nach dem anderen in Unsicherheit ins Leben zu entlassen, anstatt im Interesse ihrer Schüler und der Klarheit zu sagen: Nein, so nicht? Ist es Angst vor disziplinarischer Maßregelung, Herdentrieb, Rückgratlosigkeit, vorauseilender Gehorsam oder doch Dummheit?

Man kann nun zwar sagen, daß es bereits 1901 eine Rechtschreibreform gab und man sich an diese auch erst gewöhnen mußte. Aber die Motivlage war damals eine völlig andere. Damals hatte es noch länderspezifische Rechtschreibungen gegeben, die reichsweit vereinheitlicht werden sollten, genau wie das Geld-, Post- und Eisenbahnsystem. Grundsätzlich neue Schreibungen, die es vorher so nirgends gegeben hatte, kamen kaum vor, ganz zu schweigen von den teils lächerlich klingenden Begründungen, warum jetzt anders geschrieben werden soll. "Känguruh" soll am Ende wie "Kakadu" geschrieben werden, die "Kuh" aber durfte ihr h behalten, wozu denn sowas? Oder die Zusammen- und Getrenntschreibung, wo Analogieschlüsse jetzt fast unmöglich sind ("fertigbringen", aber "fertig bekommen"; "tierliebend", aber "Musik liebend"; "Platz sparend" und "Strom sparend", aber "zeitsparend" und "energiesparend", "wohlriechend", aber "übel riechend" etc.)? Oder die neuen Interpunktionsregeln mit ihrer Tendenz, weniger Kommata zu setzen, die allzu viele Leute dazu verleitet, nur noch an den allernötigsten Stellen Kommata zu machen, was zwar auch in den meisten Fällen nach neuer Regelung falsch ist. Aber anscheinend wird in den Schulen heute gelehrt, im Zweifelsfall lieber kein Komma zu setzen, oder die Schüler denken sich: Wenn schon der Lehrer unsicher ist, dann kann ich wohl schreiben, wie mir die Hand gewachsen ist. Nachdruck und Sorgfalt scheint es im heutigen Rechtschreibunterricht nicht mehr flächendeckend zu geben.

Ich weiß es zwar nicht genau, vermute aber stark, daß damals viel behutsamer vereinheitlicht wurde, denn über jahrzehntelangen Widerstand gegen die 1901er Reform, der sogar mit der Zeit immer mehr zugenommen hätte, habe ich bisher nichts gehört. Gut, das war eine andere Zeit, aber immerhin eine mit sinnvoller Ordnung. Damals hatten die Deutschen jedenfalls noch genug Selbstachtung, ihre Rechtschreibung nicht um der ausländischen Deutschlernwilligen willen "vereinfachen" zu wollen. Da könnte man ja gleich Simple English per Dekret zur Landessprache machen. Wer wirklich Deutsch lernen und gut beherrschen will, sollte wissen, daß das kein ganz leichtes Unterfangen ist - und wem das nicht paßt, der sollte dann eben auch nicht hierher kommen und hier am öffentlichen Leben teilnehmen. Wie kann man zugunsten "erleichterter Einwanderung und Integration" oder "leichterer Lernbarkeit für Fremdsprachler im Zeichen der Globalisierung" 80 Millionen Deutschen guten Gewissens eine solche Zumutung vorsetzen?

Für die Hersteller und Verkäufer von Rechtschreibbüchern wie Duden und Wahrig waren die letzten Jahre natürlich ein Schlaraffenland. Den teils heftig ausgetragenen Disput zwischen "progressiver" "Duden-Fraktion" und eher "konservativer" "Wahrig-Fraktion" sollte man aber nicht überbewerten, da ohnehin beide Redaktionen seit 2009 dem Cornelsen-Verlag angehören - ebenso wie auch Saturn und MediaMarkt beide dem Metro-Konzern gehören. Da kann man schon mal echt auf böse Gedanken kommen, zu welchem Zweck die Rechtschreibsicherheit da beseitigt worden ist und jeder jetzt alle paar Jahre einen neuen Duden oder einen neuen Wahrig braucht. Und was die einfachen Deutschen über die Reform denken, kann man auf der Amazon-Seite zum Duden an den Rezensionen ablesen.

Dazu kommt außerdem noch eine unter dem Deckmantel der Rechtschreibreform durchgeführte große Büchervernichtung in Schul- und Stadtbüchereien. Jugendliteratur aus vergangenen Jahrzehnten wird aussortiert und geschreddert, mit keiner anderen Begründung als der, den Kindern die alte Schreibung nicht mehr zumuten zu können, weil das "zu Verunsicherung" führen würde. Was da an Kulturbeständen und potentiellen Leseerlebnissen vernichtet wird, kann man nicht beschreiben - und was kommt an neuem Material herein? Pixibücher, bei denen auf jeder Seite mindestens ein Kopftuchmädchen, ein schwarzes Kind und ein Rollstuhlfahrer zu sehen sein müssen! In Wahrheit ist der Grund wohl eher die Sorge, die Kinder könnten mit alten Büchern Teile des Weltbilds früherer Zeiten in sich aufnehmen, die heute im Rahmen der "politischen Korrektheit" nicht mehr erwünscht sind - z.B., daß Schwarze noch ganz selbstverständlich "Neger" genannt werden. Es hat eine schleichende Revolution stattgefunden, und die versucht nun, ohne viel Aufhebens alle Spuren des Vorgängersystems zu tilgen. Ganz wie in "1984".

Gruß shadowking,
bis heute stolzer Nichtbesitzer eines Dudens oder Wahrigs
[Antwort]

Re: Wie stehe ich zur neuen Rechtschreibung?
von Anonymous am Mo. 06. August 2012 09:19:43

[Anstößiger Kommentar eines Nicht-Mitglieds]
[Antwort]

Re: Wie stehe ich zur neuen Rechtschreibung?
von Hans-Juergen am Mo. 06. August 2012 09:37:47 http://www.hjcaspar.de

@ shadowking
Bis auf den letzten Absatz stimme ich Dir zu und grüße Dich herzlich.

@ ehem. diophant
Deine Ausdrucksweise finde ich unakzeptabel. Ich bin enttäuscht von Dir. (Wir korrespondierten früher einige Male per PN und verstanden uns.)

Hans-Jürgen
[Antwort]

Re: Wie stehe ich zur neuen Rechtschreibung?
von Martin_Infinite am Mo. 06. August 2012 09:30:05

@shadowking: Rechtschreibreform hin und her; ich bitte dich, diese Diskussion nicht als Platform für deine ausländerfeindlichen Ansichten zu benutzen.

PS: Ich finde es sehr schade, dass der Kommentar von Diophant gelöscht worden ist. Meiner Meinung nach ist es schon relativ seltsam, dass im Gegensatz dazu shadowking seine Aussagen hier unbehelligt weiter verbreiten darf.
[Antwort]

Re: Wie stehe ich zur neuen Rechtschreibung?
von matroid am Mo. 06. August 2012 19:52:11

Der gelöschte Kommentar war kein Diskussionsbeitrag sondern eine persönliche Anfeindung. Wenn mir einer einen Haufen in die Wohnung setzt, so darf er sich nicht wundern, wenn ich diesen beseitige. Und da ich die Haltung des Betreffenden nicht ändern kann, werde ich weiterhin seine Hinterlassenschaften still beseitigen.

Gruß
Matroid
[Antwort]

Re: Wie stehe ich zur neuen Rechtschreibung?
von Redfrettchen am Mo. 06. August 2012 14:32:15

Hallo,

um nur auf den für das Thema der Umfrage relevanten Aspekt einzugehen:

»fertigbekommen« schreibt man zusammen, wenn es dasselbe bedeuten soll wie »fertigbringen«. Im Sinne von »als fertiges Produkt erhalten« ist es hingegen kein eigenständiges Verb, »fertig« ist hier bloß ein Adverb, das »bekommen« näher beschreibt. Weil die Betonung in diesem Fall auch auf »fertig« liegt, werden die beiden Wörter nicht zusammengeschrieben.
»Musik liebend« ist falsch, es muss »musikliebend« und »platzsparend«, »stromsparend« etc. heißen.

Meiner Erfahrung nach neigen die Leute eher dazu, zu viele Kommas zu setzen als zu wenige. Das rührt dann meist aus dem falschen Verständnis der Funktion des Kommas her (als Pausenzeichen oder ähnliches). Welche Kommas vermisst du denn? Vermutlich die vor »und« und »oder«.


Grüße,

Thomas
[Antwort]

Re: Wie stehe ich zur neuen Rechtschreibung?
von shadowking am Di. 07. August 2012 06:09:53

Stimmt, man muß wohl unterscheiden zwischen den jeweils aktuellen "amtlichen Regeln" zur Rechtschreibung, die wahrscheinlich im Wahrig am treuesten wiedergegeben sind, und den Eigenmächtigkeiten der Progressivisten vom Duden, die sich auch schon mal über das Beschlossene hinwegsetzen. Was ich zitiert habe, waren einige dieser willkürlichen und inkonsequenten Blüten.

Wobei der Paradigmenwechsel an sich das Gravierendste ist: Früher wurde der Sprachgebrauch der Leute beobachtet und dokumentiert. Was sich einbürgerte und bewährte, wurde irgendwann zur Regel. Heute läuft es andersherum: Offensichtlich dilettantische und inkonsequente "Experten" ordnen irgendwas Halbgares an, und die Sprachgemeinschaft soll sich gefälligst daran ausrichten. Wenn das alles wenigstens klar und verbindlich wäre, könnte man sich irgendwie dran gewöhnen. Aber dann will man eben doch nicht zu autoritär sein und "überläßt es dem Schreiber", zwischen mehreren Varianten zu wählen. Das ist es, was zur Anarchie führt. Und in der gibt es auch keine "maßgebliche" Instanz mehr, die eine Richtlinie böte.

Zuviel und an falschen Orten gesetzte Kommata stören den Lesefluß, aber zuwenig gesetzte stören das Leseverständnis, daher finde ich letzteres verwirrender. Und es fällt mir auch häufiger auf als ersteres. Hauptsächlich ist es die Regelung, daß kurze Nebensätze heute nicht mehr notwendig mit Komma vom Hauptsatz getrennt werden müssen, auch dann nicht, wenn sie als Einschübe gleich zwei Kommata bräuchten, um als solche schnell erkannt zu werden. Das stört extrem. Was den Lesefluß oder das Verständnis stört, war bis zur Reform allermeistens ein Fehler, während heute die Schlechtschreiber mit dem Duden oder den amtlichen Regeln kommen und belegen, daß "man das ja jetzt darf".

Daß viele Schreiber die Kommasetzung zusätzlich auf die leichte Schulter nehmen oder gar nicht verstehen, wozu die da sein sollen, läßt doch tief blicken, wie es im Schreibunterricht zugeht.

Den politischen Hintergrund der sogenannten Rechtschreibreform beleuchten die Bücher von Prof. Theodor Ickler, z.B. "Falsch ist richtig".

Und das Abschweifen meines oberen Kommentars liegt wohl daran, daß ich schnell den großen Zusammenhang sehe mit allem, was in unserem Land schiefläuft. Ich neige zu Verschwörungstheorien, weil ich finde, daß die im Vergleich zu den medial verbreiteten "Erklärungen" eine weitaus höhere Erklärkraft haben. Und es ist regelmäßig so, daß diejenigen, die lange allgemein als Spinner und Verschwörungstheoretiker beschimpft wurden, am Ende dastanden als diejenigen, die recht hatten, lange bevor das Lügensystem gezwungen wurde, es einzugestehen. Eine wirklich freie Gesellschaft muß auch radikalere und "verbotene" Kritik vertragen und sollte nicht ständig versuchen, solche Kritiker als böse Hetzer darzustellen oder sie umzuerziehen. Das bewirkt ohnehin nichts mehr. Ich frage mich dann immer, warum so gut wie nicht argumentiert, sondern sofort verdammt wird.
[Antwort]

Re: Wie stehe ich zur neuen Rechtschreibung?
von Martin_Infinite am Di. 07. August 2012 10:31:17

@shadowking:

"Und das Abschweifen meines oberen Kommentars liegt wohl daran, daß ich schnell den großen Zusammenhang sehe mit allem, was in unserem Land schiefläuft."

Das ist natürlich löblich, wenn sich dir der große Zusammenhang erschließt.

"Ich neige zu Verschwörungstheorien, weil ich finde, daß die im Vergleich zu den medial verbreiteten "Erklärungen" eine weitaus höhere Erklärkraft haben."

Ha, das ist doch eine tolle Begründung. Ich suche mir die Theorie aus, die meine Ansichten am besten unterstützt. Die Fundierung ist mir natürlich völlig egal.

"Und es ist regelmäßig so, daß diejenigen, die lange allgemein als Spinner und Verschwörungstheoretiker beschimpft wurden, am Ende dastanden als diejenigen, die Recht hatten, lange bevor das Lügensystem gezwungen wurde, es einzugestehen."

Von welchem Lügensystem sprichst du hier genau? Warum handelt es sich dabei um ein Lügensystem? Und welche Beispiele von Verschwörungstheorikern kannst du nennen, die am Ende doch Recht hatten? Kannst du belegen, dass dies wirklich oft vorkommt?

"Eine wirklich freie Gesellschaft muß auch radikalere und "verbotene" Kritik vertragen und sollte nicht ständig versuchen, solche Kritiker als böse Hetzer darzustellen oder sie umzuerziehen."

Das sehe ich auch so.

"Ich frage mich dann immer, warum so gut wie nicht argumentiert, sondern sofort verdammt wird."

Frage ich mich auch. Dann argumentiere doch einmal bitte, warum in Kinderbüchern keine Menschen mit Migrationshintergrund, dunkler Hautfarbe oder einer Behinderung vorkommen dürfen. Sind sie dir nicht arisch genug?
[Antwort]

Re: Wie stehe ich zur neuen Rechtschreibung?
von shadowking am Mi. 08. August 2012 06:55:46

@Martin_Infinite

Ich wollte durch meinen letzten Kommentar die Diskussion eigentlich wieder aufs ursprüngliche Thema lenken, nun greifst Du den OT-Teil wieder auf. Nachdem es nun schon öffentlich diskutiert wird, gehört es auch in die Öffentlichkeit, auch wenn ich Dir dies lieber persönlich sagen würde.

Gehst Du ernsthaft noch davon aus, daß unsere Medien irgendeinen privilegierten Zugang zur Wahrheit haben, oder daß sie, selbst wenn nicht stimmt, was sie sagen, Anspruch auf unsere Gläubigkeit haben? Nein, die Beweislast liegt immer bei denen, die etwas behaupten, nicht bei denen, die das Behauptete kritisieren. Was Medien behaupten und verbreiten, ist auch nicht mehr als eine Meinung neben anderen, und der mündige Bürger ist berechtigt, derjenigen Erklärung zu folgen, die ihm die größte Plausibilität hat. Und die "Erklärungen" der Medien muten dem Verstand zum Teil Unmögliches zu.

Als Beispiel wähle ich den angeblichen "Unfall" von Jörg Haider 2008. Die offizielle Lesart dürftest Du ja kennen. Aber: Weder war Haider in einem Schwulenlokal gewesen (Aussage von Besuchern der Lokalität), noch war er stark betrunken. Es war der 90. Geburtstag seiner Mutter, wohin er unbedingt an dem Abend noch wollte, da wird er sich nicht betrunken haben. Er war zwar kein Abstinenzler, aber Bekannte wußten, daß er niemals viel Alkohol trank. Da er schon einmal einen schweren Autounfall gehabt hatte, hate er die Gewohnheit, sich im Auto anzugurten. Weiter fuhr er das Spitzenmodell von VW, das ausgeprägte Sicherheitseinrichtungen an Bord hat. VW dürfe den Phaeton eigentlich gar nicht als Premiumfahrzeug anbieten, wenn er so wenig Schutz gegen Unfälle mit Überschlag böte. Bei dieser Art Unfall wird die kinetische Energie über eine große Strecke abgebaut; gerade deshalb gehen sie, anders als Frontalkollisionen, nur selten tödlich aus.

Mir ist auch aufgefallen, daß an Haiders Wagen nur wenige Tage vor seinem "Unfall" noch Zierfelgen mit 20 Speichen angebracht waren. Der "Unfallwagen" auf den Pressefotos hatte dagegen Felgen mit nur 6 Speichen. Den angeblichen Betonpfeiler, den sein Wagen getroffen haben soll, haben Anwohner der "Unfallstelle" nie zuvor gesehen, genauso wie sie an dem Abend keinen Lärm gehört haben. Und derlei Seltsamkeiten gibt es noch dutzendweise mehr. Da wundert es mich eher, daß die offizielle Version überhaupt Anhänger hat.

Eine Verschwörungstheorie ist das noch nicht einmal, nur ein Beispiel für die Unglaubwürdigkeit und Unaufrichtigkeit derer, die die Sache nicht endlich wirklich aufklären wollen. Aber der Schluß, daß es ein Mord war, den Personenkreise begangen haben, die medial für Uneingeweihte im Schatten bleiben, liegt nahe. Auf Pressefotos waren zahlreiche Dinge zu sehen, die niemals Teil einer Unfallszene sein könnten (z.B. ein Tannenzweig, der um Haiders Brillenbügel gewickelt war). Was liegt da näher, als daß das ein Code ist, in dem Täter, Bildreporter und bestimmte Kreise unter den Lesern miteinander kommunizieren, während "den Massen" ein Bär aufgebunden wird?

Verschwörungstheorien sind nicht unfundiert. Forscht man nach ihrer Herkunft, so findet sich immer irgendein Insider, der etwas versehentlich oder absichtlich ausgeplaudert hat. Zwei Beispiele aus jüngerer Zeit: Horst Seehofer sagte bei Kerner im ZDF: "Diejenigen, die entscheiden, sind nicht gewählt, und die, die gewählt sind, haben nichts zu entscheiden." Josef Ackermann antwortete bei Maybritt Illner auf die Frage, ob er sich für einen Schuldenerlaß für arme Länder aussprechen würde: "Da würde es mir wohl ergehen wie Herrhausen." So so; es hieß doch immer, den hätte die RAF umgebracht? Was hat denn die RAF mit der Verschuldungsproblematik zu tun? Oder stimmt die Geschichte am Ende gar nicht, die verbreitet wurde? Das sind alles Fragen, die ein Journalist stellen muß, wenn sich so eine Chance bietet. Doch in beiden Fällen wurde schnell das Thema gewechselt; die Sendungsausschnitte verschwanden auch recht schnell aus den Archiven der jeweiligen Sender. Nur dank des Internets kann man sie heute noch finden.

Es ist sehr zeitintensiv, sich in diese Materien einzuarbeiten, aber der Erkenntnisgewinn ist hoch. Nicht jeder kann und muß sich damit beschäftigen. Wenn man aber unkritisch die nicht nur geistig unbefriedigende, sondern aus physikalischen Gründen unmögliche Mainstreamsichtweise übernimmt, macht man es sich zu bequem. Dann aber auch noch jemanden, der sich zu einer anderen Sichtweise durchgerungen hat (was nicht leicht war), deshalb zu beschimpfen und verächtlich zu machen, ist schäbig. Ich würde sagen, das ist nicht Dein Niveau, Martin.

Der letzte Abschnitt Deines Kommentars verwendet ein Strohmann-Argument. Ich habe nirgends behauptet, Kopftuchmädchen, schwarze Kinder oder Rollstuhlfahrer dürften in Kinderbüchern nicht abgebildet sein. Nur daß die Präsenz von Minderheiten auf Kinderbuchseiten in der Öffentlichkeit wichtiger genommen wird als der Inhalt einer Geschichte, ist abstrus. Uns hat man beigebracht, Rasse, Herkunft oder Behinderung wären Nebensächlichkeiten, auf die es nicht groß ankäme. Für ganz ohne Einfluß auf Verhaltens- und Denkweisen halte ich das alles zwar nicht, aber für diejenigen, die die "Gleichheit aller" predigen, sind anscheinend auch nicht wirklich alle gleich. Durch solche unnötigen Absurditäten wird es gerade unmöglich gemacht, über die Andersartigkeit hinwegzusehen, selbst wenn man es tatsächlich wollte. Multikulturelles Zusammenleben ist ohnehin eine Herausforderung und deutlich stressiger als der natürliche Zustand, den ich als den richtigen empfinde, ohne deshalb einen Baseballschläger mit mir herumzutragen. Menschen wollen von Natur aus lieber unter ihresgleichen leben. Aber wenn man das schon nicht mehr hat, dann muß man eine Überempfindlichkeit, die pingelig auf "gleiche Repräsentanz" in jedem kleinen Bereich achtet, nicht auch noch künstlich schüren und so das Rassenthema dauerhaft in den Hinterköpfen verankern. Es darf auch ruhig einmal darauf hingewiesen werden, daß dieses Land nicht ohne Grund "Deutschland" heißt - wir, die Deutschen, spielen hier nun einmal die erste Geige, ob wir es wollen oder nicht. Und berechtigte Interessen haben auch wir, gerade in unserem eigenen Land. Allzu sehr unsere dominante Rolle zu leugnen und gegenüber den Interessen Fremder und Auswärtiger zurückzutreten, ist auf Dauer ungesund für unsere Volksseele.

Du wirfst mir vor, ausländerfeindlich zu sein und Schwarze und Kopftuchmädchen für "nicht arisch genug" zu halten. Was anderes willst Du damit bezwecken, als Stimmung gegen mich zu machen? Mein Ausgangskommentar hatte lediglich die selbstverständliche Erwartung geäußert, Ausländer, die dauerhaft in Deutschland leben wollen, möchten die deutsche Sprache und Schrift beherrschen und wertschätzen oder es sich mit der Einwanderung noch mal überlegen. Wo kommen wir noch hin, wenn solche elementaren Forderungen, die in jedem Land der Welt selbstverständlich erhoben werden, im heutigen Deutschland schon Anlaß sind, denjenigen, der es fordert, verächtlich zu machen? Auch hier: Das ist unter Deinem Niveau.
[Antwort]

Re: Wie stehe ich zur neuen Rechtschreibung?
von Rebecca am Mi. 08. August 2012 09:18:53

@shadowking
Deine Antwort auf Martins Beitrag ist zwar sehr lang, aber diese Frage hast du vermieden zu beantworten:

Und welche Beispiele von Verschwörungstheorikern kannst du nennen, die am Ende doch Recht hatten? Kannst du belegen, dass dies wirklich oft vorkommt?
[Antwort]

Re: Wie stehe ich zur neuen Rechtschreibung?
von shadowking am Mi. 08. August 2012 09:57:08

Ich bezweifle, daß Dich die Thematik wirklich interessiert. Aber falls doch, dann recherchiere doch selbst; das kannst Du doch sowieso viel besser als ich.

Ich wollte die OT-Debatte eigentlich schon gestern beenden.
[Antwort]

Re: Wie stehe ich zur neuen Rechtschreibung?
von Rebecca am Mi. 08. August 2012 10:15:16

@shadowking:
Zu deiner Antwort zitiere ich aus deinem vorletzten Beitrag:
Nein, die Beweislast liegt immer bei denen, die etwas behaupten, nicht bei denen, die das Behauptete kritisieren.
[Antwort]

Re: Wie stehe ich zur neuen Rechtschreibung?
von Martin_Infinite am Mi. 08. August 2012 12:44:40

@shadowking: Danke für deine ausführliche Antwort. Jetzt sehe ich schon klarer, wie deine Aussagen zu verstehen sind. Mein Ziel war es übrigens nicht, Stimmung gegen dich zu machen. Manche Aussagen von dir im letzten Absatz des ersten Kommentars waren allerdings sehr leicht misszuverstehen - vielleicht kannst du das einsehen?
[Antwort]

Re: Wie stehe ich zur neuen Rechtschreibung?
von Redfrettchen am Di. 07. August 2012 16:32:50

@shadowking:

Ja, man sollte kein Wörterbuch zu rate ziehen, wenn man die Regeln der neuen Rechtschreibung nachschlagen muss. Dort werden sie in der Interpretation der Redaktion des Buches wiedergegeben, die sich eigentlich immer von der Intention der Reformer unterscheidet. Man findet die Regeln unter www.neue-rechtschreibung.de/regelwerk.pdf

Zum Paradigmenwechsel: Es stellt sich mir aber die Frage, wie sich etwas Neues entwickeln und durchsetzen kann, wenn es zuvor als falsch angesehen wird. Das kann ja nur passieren, wenn man sich sowieso nicht an die alten Regeln gehalten hat. Die zweite Frage ist also, wie konsequent damals die alte Rechtschreibung befolgt wurde.

Zu den Kommas: Es müssen laut den neuen Regeln immer Kommas gesetzt werden, wenn es zu offensichtlichen Missverständnissen kommen kann. Damit kann man sich also nicht herausreden. Oder kennst du ein Beispiel, wo der Lesefluss gestört wird, obwohl ein zusätzliches Komma kein Missverständnis beheben würde?
[Antwort]


Re: Wie stehe ich zur neuen Rechtschreibung?
von Goswin am So. 28. Oktober 2012 16:34:58


(1)

Nach der Rechtschreibreform ist vor der Rechtschreibreform: die nächste kommt so sicher wie das Amen in der Kirche. Außer wir adoptieren ein angelsächsisches Kaos ;-)



(2)

Dass viele sich nicht mehr ganz sicher sind wie man regelgerecht schreibt, ist koool bzw kuhl. Jetzt haben auch alle diejenigen eine Chance, die Inhalt statt Pedanterie bieten.



(3)

Wer sich in so einer Lage nicht verständlich ausdrücken kann, wird das auch nicht mit regelgerechter Schreibunterstützung fertigbringen.



(4)

Ich schreibe fast immer so, wie ich Lust habe (außer in weniger als 5% der Fälle, wie bei Stellungsbewerbungen, wo ich es sein lasse). Wie sollte ich denn sonst die nächste Reform beeinflussen? Wenn ich die neue Rechtschreibung kenne, ist das doch lange noch kein Grund, sie auch zu benutzen!

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