LaTeX mit Ubuntu Linux
Von: Stefan_K
Datum: Mi. 09. Januar 2008 21:31:45
Thema: Tools


ubuntu

LaTeX mit Ubuntu Linux



Durch Ubuntu Linux lässt sich mit geringem Aufwand ein freies System installieren, das neben konfiguriertem Officepaket und Internet-Browser eine integrierte LaTeX-Entwicklungsumgebung enthält, nebst Unterstützung für Postscript (ps) und Portable Document Format (pdf).



Dieser Text soll zunächst Hilfestellung zur Installation geben, in seinem zweiten Teil werden fortgeschrittene Themen behandelt, um möglicherweise später auftretende Fragen bereits zu beantworten.



Inhalte dieses Artikels lassen sich auf andere Linux-Distributionen übertragen. Insbesondere auf Debian Linux, worauf Ubuntu Linux basiert, dort benutzt man etwa apt-get oder aptitude statt des grafischen Installers Synaptic, auf SUSE Linux wird dann entsprechend mit YAST installiert.



Grundlage für diesen Artikel ist Ubuntu Linux in der Version 7.04, Feisty Fawn, das Augenmerk liegt vorwiegend auf dem standardmäßig installiertem Desktop GNOME.




Inhalt:



Grundlagen:

  1. Installation des Linux-Grundsystems

  2. Installation von teTeX

  3. Eine modernere Distribution: TeX Live

  4. gedit - der GNOME Editor mit LaTeX-Plugin

  5. Die integrierte Entwicklungsumgebung KILE

  6. Die TeXmaker Entwicklungsumgebung



Vertiefung und Tips:

  1. Zeichen-Codierung für Umsteiger

  2. Rechtschreibung: die Korrekturhilfen ispell und aspell

  3. Tools für Postscript und Portable Document Format

  4. Paketverwaltung: der MikTeX Package Manager

  5. KILE 2.0

  6. Es gibt noch mehr

  7. Schlusswort



Grundlagen



Installation des Linux-Grundsystems



Ubuntu Linux ist eine Linux-Variante, die auf der Debian Distribution aufbaut. Benutzerfreundlichkeit, Entwickler-Aktivität und Community-Support sind herausragende Merkmale. Eine gute deutsche Anlaufstelle ist ubuntuusers.de mit Informationen für Ein- und Umsteiger, Wiki und Forum. Dort findet man auch Angaben zu Download und Installation. Mire2 hat als weiteres Forum ubuntufreunde.de empfohlen, das mir seit dem Kennenlernen auch sehr sympathisch ist.





Die Betriebssystem-Installation wird grafisch angeleitet und geht schnell von der Hand. Ich liste einmal die einzelnen Schritte auf:


  • Booten von CD

  • Im Startmenü "Start or install Ubuntu" wählen

    Das Live-System wird geladen.

  • In der grafischen Oberfläche: Doppelklick auf "Install" Symbol

  • Auswahl Sprache für Installation und System: Deutsch

  • Ort und Zeitzone: voreingestellt sind dann bereits Berlin sowie CEST (GMT+2:00)

  • Layout Tastatur: Germany

  • Partitionierung je nach Absicht

  • Angabe Name, login, pw, computername



  • Es folgt die Installation des Grundsystems, ohne dass weiteres Zutun nötig wäre.


  • Nach Entfernen der CD: Reboot


Grundsystem fertig.



Für die neuere Version 7.10 ("Gutsy Gibbon") sollte man laut Doku ganz genauso vorgehen, meinerseits noch ungetestet.




Im wiki von ubuntuusers.de findet man auch eine ausführliche und bebilderte Installationsanleitung.





Zunächst sollte man noch die Aktualisierungsverwaltung aufrufen, um überarbeitete Pakete aus dem Internet nachzuladen und zu installieren.





Für die Anpassung an die deutsche Sprache gehe man im Menü auf System/ Administration/ Sprachunterstützung, dort sollte German aktiviert werden, damit Sprachdateien für OpenOffice, sofern man sich das installieren möchte, Firefox u.a. installiert werden.





Ubuntu Linux richtet bereits sehr viel automatisch ein. Auf meinem PC waren sofort Grafikkarte, Sound und Netzwerk (automatisch) konfiguriert und funktionierten, die Drucker-Erkennung klappte auch gleich, aufrufbar im Menü unter System/ Administration/ Drucker.





Bei Problemen dieser Konfiguration hilft die Dokumentation von Ubuntu Linux. Nun weiter zu LaTeX...




Installation von teTeX



Die teTeX-Distribution wird seit Mai 2006 nicht mehr weiterentwickelt, daher ist die Installation von TeX-Live empfehlenswert. Doch da es noch viel eingesetzt wird und KILE 1.9.x (zumindest unter Feisty) auf teTeX baut, hier einige Infos.



Empfohlene Pakete sind tetex-base, tetex-extra sowie die als abhängig angezeigten Pakete (wie tetex-bin etc.) tetex-doc eventuell auch, wer die Dokumentation nicht online lesen möchte oder kann.



Um deutsche Umlaute in LaTeX-Quelltexte schreiben zu können, sollte man noch latex-ucs installieren, das unterstützt UTF-8 als Eingabecodierung in LaTeX-Dokumenten, die Standardzeichencodierung von Ubuntu.




Eine modernere Distribution: TeX Live


TeX Live ist eine sehr aktuelle TeX-Distribution, die auf vielen Betriebssystemen einschließlich Unix, Linux, Mac OS und Windows läuft und die als Nachfolger von teTeX empfohlen wird. Ab Ubuntu Version 7.10 ist TeX Live als Standard-TeX-Distribution eingestellt.

Falls man bereits teTeX installiert hat bzw. es etwa durch die Installation von KILE oder anderer IDE mit auf die Platte geraten ist, kann man es entfernen durch
sudo apt-get remove tetex
und anschließendes Beseitigen der abhängigen Pakete mit:
sudo apt-get autoremove
Letzterer Befehl beseitigt nicht verwendete, verwaiste Pakete. Obiges empfiehlt sich auch, wenn man von teTeX auf TeX Live updaten möchte.

Wenn man den Weg über Synaptic geht, dann installiert man mindestens das Meta-Paket texlive (TeX Textsatz universe), das die folgenden Pakete gleich mitinstalliert: texlive-latex-base, texlive-fonts-recommended, texlive-context. Weiterhin empfiehlt sich das Paket texlive-latex-extra für vielgenutzte Zusatzpakete und latex-ucs für UTF-8 und für Mathematiker texlive-math-extra, das weitere mathematische Zusatzpakete und Schriften bzw. Symbole enthält.
Ohne Synaptic über die Kommandozeile:
sudo apt-get install texlive texlive-latex-extra latex-ucs texlive-math-extra
Weitere Pakete findet man in Synaptic per Suchfunktion (Stichwörter texlive, latex, tex), deren Inhalte sind jeweils in der Beschreibung dokumentiert.

Wer in Zeiten großer Platten nicht so sehr auf Speicherplatz achten muss, der kann statt der Pakete in obenstehendem Absatz das Paket texlive-full installieren, das gleich alle Komponenten von TeX Live mitbringt (Größe: ca 500 MB). Damit erspart man sich möglicherweise später aufkommende Probleme, wenn dieses und jenes spezielle Paket vielleicht gerade fehlen würde.

Für die komplette Installation genügt ohne Synaptic die einzelne Kommandozeile:
sudo apt-get install texlive-full

gedit - der GNOME Editor mit LaTeX-Plugin



Ubuntu verwendet standardmäßig die Desktop-Oberfläche GNOME. Der Standard-Editor für diese Umgebung ist gedit, ein freier, quelloffener Editor. Er beherrscht Unicode (UTF-8), undo/redo, Syntax-Highlighting, Rechtschreibprüfung und kann externe Plugins integrieren. Insbesondere gibt es ein LaTeX-Plugin auf gnome.org.





Das gedit-LaTeX-Plugin bietet Autokomplettierung, Umgebungsvervollständigung, Dokumenterstellungsassistenten, Makros zum Einfügen häufig benutzter Symbole, eine weitere Werkzeugleiste mit Editier- und Format-Befehlen.


gedit kann mit rubber zusammenarbeiten, das ist ein Tool zur Vereinfachung des Übersetzungvorgangs: Mehrfachcompilierung, automatisches Mitlaufen von BibTeX und Erzeugung sowohl von Postscript- als auch PDF-Ausgabe.



In Verbindung mit dem evince-Dokumentbetrachter ist Rückwärtssuche zur Fehlerbehebung möglich, d.h. man kann im Betrachter evince eine Stelle des übersetzten Dokuments anklicken, um daraufhin zur entsprechenden Stelle des LaTeX-Quelltextes in gedit zu gelangen.




Wer KDE installiert hat bzw. die Variante Kubuntu nutzt, dem steht ein umfangreicherer Editor zur Verfügung, der speziell für LaTeX programmiert wurde und im folgenden Abschnitt vorgestellt wird.




Die KILE Entwicklungsumgebung


KILE ist eine integrierte Entwicklungsumgebung für die Entwicklung und Übersetzung von LaTeX-Dokumenten. Sie beherrscht Syntaxhervorhebung, Autovervollständigung von Kommandos und Umgebungen, bietet Assistenten für verschiedene Aufgaben, Dokumentvorlagen, Projektverwaltung und kann externe Tools für Rechtschreibprüfung und Anzeige verschiedener Dokumentformate verwenden sowie Umwandlungsprogramme. KILE kann auch mit Dateien im Windows-Format umgehen (s.u.). Mehr Information über die Features und Dokumentation findet sich auf der verlinkten Homepage.

KILE ist ein KDE-Programm, lässt sich aber dennoch problemlos auf dem GNOME Desktop verwenden. Installiert man KILE über Synaptic (oder apt-get), dann werden die erforderlichen KDE-Komponenten automatisch mitinstalliert. Ich arbeite mit GNOME und KILE und habe nie ein Problem bemerkt, was durch die KDE-Komponenten entstanden sein könnte.

Unter Kubuntu passt KILE natürlich sowieso perfekt.

Wenn man das Paket kile-i18n zusätzlich installiert, dann erhält man deutschsprachige Menüs und Dialoge in KILE.

KILE kann nach der Installation im Hauptmenü unter Anwendungen/ Büro aufgerufen werden.

Zum Betrachten erzeugter Ausgaben sind in KILE als externe Programme vorab kpdf, kdvi und kghostview eingestellt. Das kann man in der KILE-Konfiguration (Settings/ Configure KILE bzw. Einstellungen/ KILE konfigurieren) ändern unter Werkzeuge/ Erstellen bei ViewPDF, ViewDVI, ViewPS durch Eintragen des Befehls evince. Option '%target' belässt man so.

Bei Bedarf kann man die weiteren Tools durchsehen und ebenso einfach durch GNOME Programme anstelle der KDE-Tools ersetzen (z.B. Epiphany oder Firefox statt Konqueror etc.).


Die TeXmaker Entwicklungsumgebung



Eine weitere LaTeX-Entwicklungsumgebung ist TeXmaker. Auch sie ist frei und steht unter der GNU General Public License. Neben verschiedenen anderen Betriebssystemen läuft TeXmaker auch unter Ubuntu Linux und ist ohne Besonderheiten durch Synaptic installierbar.



Der Editor beherrscht Unicode, Syntaxhervorhebung, arbeitet mit externen Rechtschreibprüfungsprogrammen wie aspell zusammen und bietet Assistenten zur Dokument-Erstellung, für Tabellen und mehr.
Mathematische Symbole und LaTeX-Tags lassen sich über Werkzeugleisten bzw. Menüs einfügen.
Interessant ist weiterhin die Fähigkeit von TeXmaker zur Erzeugung von HTML-Dokumenten aus LaTeX-Quellen. Informationen hierzu und zu weiterem finden sich in der Dokumentation.





Vertiefung und Tipps

Zeichen-Codierung für Umsteiger


Verschiedene Betriebssysteme können sich in der verwendeten Zeichencodierung unterscheiden. Das bedeutet z.B., dass unter Windows Textdateien auf andere Weise abgespeichert werden als unter Mac OS oder Linux. Sie müssen mit derselben Codierung geöffnet werden, denn sonst können Fehler sichtbar werden, etwa, dass die deutschen Umlaute nicht mehr korrekt dargestellt werden. Unter Windows wird oft die Codierung namens Latin-1 benutzt, unter Ubuntu Linux ist UTF-8 Standard, mittlerweile auch in Debian seit Version Etch.

KILE-Anwender können Windows-Dateien öffnen und speichern, wenn sie vorher unter Kile einrichten/ Editor/ Öffnen/Speichern die Codierung Western European (iso8859-15) einstellen. In diesem Fall benötigt man die folgenden Hinweise nicht.

Andernfalls müssen auf einem Fremdsystem erzeugte LaTeX-Dokumente zur Weiterbearbeitung ggf. umgewandelt werden. Dafür gibt es u.a. das freie Software Programm recode, wie üblich über Synaptic installierbar oder mit sudo apt-get install recode. Die Benutzung erfolgt über das Terminal bzw. die Kommandozeile. Hilfe erhält man mit man recode, ein typischer Aufruf ist
sh
recode latin1..utf8 <QUELLDATEI >ZIELDATEI

Ist recode nicht verwendbar, weil z.B. vielleicht dem user die Neuinstallation von Programmen untersagt ist, gibt es ein alternatives Programm iconv (Hilfe: man iconv), was oft bereits vorinstalliert ist. Hier sieht ein Aufruf z.B. so aus:
sh
iconv -f latin1 -t utf8 QUELLDATEI > ZIELDATEI

Beide Tools gibt es auch als Windows-Versionen, falls man dort wandeln möchte.

Im LaTeX-Editor kann man angeben, mit welcher Zeichencodierung man arbeitet, damit man z.B. die deutschen Umlaute direkt eintippen kann und LaTeX diese Sonderzeichen versteht. Während man unter Windows
LaTeX
\usepackage[latin1]{inputenc}
angibt, verwendet man unter Ubuntu Linux
LaTeX
\usepackage[utf8]{inputenc}

Wenn ich ein auf Windows erstelltes LaTeX-File per email erhalte, wende ich also zunächst recode an, öffne dann das Dokument und ändere darin latin1 zu utf8.
Falls ich eine Windows-LaTeX-Datei dagegen per Kopieren/Einfügen aus dem Browser kopiere, ist recode nicht nötig, jedoch die Änderung für inputenc.

Korrekturhilfen für die Rechtschreibung


Für die Rechtschreibprüfung gibt es ispell sowie die Alternative aspell. Die Homepage von aspell informiert über mögliche Vorteile gegenüber ispell. KILE verwendet standardmäßig ispell, was man mit ein wenig Aufwand auf aspell umstellen kann, nicht direkt in KILE, denn das Programm verlässt sich auf die KDE Einstellungen.
1. Möglichkeit: man editiert manuell die Datei ~/.kde/share/config/kdeglobals, darin den Abschnitt [KSpell]:
[KSpell]
KSpell_Client=1
KSpell_DictFromList=1
KSpell_Dictionary=de-neu
KSpell_Encoding=11
KSpell_NoRootAffix=0
KSpell_RunTogether=0

2. Möglichkeit: Man installiert das Paket kcontrol (Synaptic oder sudo apt-get install kcontrol), führt dieses Programm aus und trägt unter KDE Components/ Spell Checker ein:

  Client: Aspell
  Encoding: UTF-8
  Dictionary: German (neu)

Software für Postscript und Portable Document Format


Zur Anzeige von Postscript bzw. PDF-Dokumenten werden unter KDE die oben bereits genannten Dateibetrachter kpdf, kdvi und kghostview installiert. Für GNOME gibt es den universellen Betrachter Evince.

Evince beherrscht die Formate pdf, postscript, djvu, tiff und dvi.

Für pdf-Dateien empfiehlt sich zusätzlich die Installation des Acrobat Readers, der auch in einer kostenlosen Version für Linux erhältlich ist.
Auf der Webseite von Adobe Systems Incorporated findet man den Acrobat Reader unter der Rubrik Downloads, man geht zu "Download der aktuellen Version von Adobe Reader". Seit der Version 8.1.1 bietet Adobe sogar ein .deb-Paket an, was die Installation vereinfacht:  Linux auswählen, Installationsprogramm Linux-x86 (.deb) wählen, Sprache Deutsch, und auf den Button zum Herunterladen klicken. Im Terminal kann man den Reader installieren mit (Versionsbeispiel):
sudo dpkg -i AdobeReader_deu-8.1.1-1.i386.deb
Der Adobe Reader trägt sich im Hauptmenü unter Anwendungen/ Büro ein.

Neben dem .deb-Paket kann man alternativ das Format tar.gz zum Herunterladen auswählen. Entpackt und installiert wird dann mit:
sh
tar xfz AdobeReader_deu-xxxxxx.i386.tar.gz
cd AdobeReader/
ReadMe.htm lesen ...
sh
sudo ./INSTALL
Mehr Informationen zum Adobe Reader, auch im einzelnen zu verschiedenen Ubuntu-Versionen, Browser-Plugin-Registrierung u.a. kann man auf wiki.ubuntuusers.de nachlesen.

Mit der TeX-Distribution sind meistens bereits etliche Programme zur Umwandlung verschiedener Dateiformate installiert. Die Namen sind typischerweise dvips, dvipdf, ps2pdf, epstopdf, pdftops, tiff2pdf, ... Hilfe gibt's im Terminal mit
sh
man KONVERTERNAME

Noch ein Tipp: sucht man auf seinem System nach einem Konvertierungsprogramm, kann zum Finden bereits helfen: Tippen der Endung der Quelldatei und zweimaliges Drücken der Tabulator-Taste. Die Autovervollständigung der Shell (bash) zeigt dann alle verfügbaren Programme an, deren Name mit dieser Endung beginnt.

Wenn man Word-Dokumente nach LaTeX umwandeln möchte, so ist ein einfacher Weg: Öffnen/Importieren in OpenOffice, und Exportieren nach LaTeX. Zu diesem Thema finden sich weitere Informationen auf tug.org: "Converters from PC Textprocessors to LaTeX - Overview".

Paketverwaltung: der MikTeX Package Manager



Über die Synaptic-Paketverwaltung lassen sich zwar LaTeX-Pakete und Paketsammlungen installieren, doch mag man mitunter einzelne Pakete installieren oder aktualisieren. Das kann einfach sein: Paket auf CTAN suchen, herunterladen, Ordner im TeX-Baum anlegen und die Dateien hineinkopieren sowie Paketdatenbank aktualisieren oder auch komplizierter ... doch es geht erheblich einfacher mit dem MiKTeX Paketmanager.

Installation und Anwendung dieses Paketmanagers wird im Artikel LaTeX Paket-Verwaltung unter Unix/Linux beschrieben.





KILE 2.0



KILE liegt mittlerweile in der Version 2.0 vor. In Ubuntu ist auch in den aktuellen Versionen z.Z. nur KILE 1.9.x verfügbar. Ich habe die Version 2.0 wie folgt installiert:

  • Upgrade von Ubuntu auf Version 8.04 Hardy Heron,

    diese Version erscheint im nächsten Jahr und ist z.Zt. noch experimentell!

  • Anwahl des kile packages per Synaptic sowie der Pakete, von denen es abhängt

  • Abwahl von kile und Anwendung der Installation vorgemerkter Pakete

  • download von kile_2.0-1_i386.deb (bzw. neuer)

  • sudo dpkg -i kile_2.0-1_i386.deb


Falls Abhängigkeiten mit neueren Paketversionen angezeigt werden, sollte man diese ebenfalls herunterladen und per dpkg installieren. Die Abhängigkeiten erfährt man auch mit dpkg-deb --info kile_2.0-1_i386.deb.



Mit der Version 7.10 sollte man KILE 2.0 auch installieren können, wenn man Abhängigkeiten erfüllt.



Unter den Neuerungen von KILE 2.0 findet sich auch die Unterstützung benutzerdefinierter Symbole für die Werkzeugleiste. Die Erzeugung eigener Symbole und deren Hinterlegung mit Befehlen wurde auf dem MP in diesem Thread besprochen.



Es gibt noch mehr


... was ich nicht detalliert beschreiben, doch unbedingt erwähnen möchte. Für folgendes existieren jeweils Ubuntu-Pakete, die per Synaptic auffindbar und installierbar sind.

Eine weitere Entwicklungsumgebung ist Eclipse, eine offene Entwicklungsplattform, die sich auch als Programmierumgebung für LaTeX eignet. Dafür wurde das TeXlipse-Plugin geschaffen. Mehr Informationen gibt es in einem deutschsprachigen Artikel über TeX mit Eclipse.

Einen etwas anderen Weg verfolgt die Dokumentverarbeitung LyX, die auch auf LaTeX basiert. Auch sie ist als Ubuntu-Paket rasch installierbar. LyX vereinfacht das Arbeiten mit LaTeX durch seine Assistenten und mausgesteuerte Bedienung, doch kann es an anderer Stelle schwierig werden: wo man etwa im Forum über LaTeX-Befehle ganz direkt sprechen kann, muss man dann eben bei LyX beschreiben: wähle diesen Menüpunkt aus, starte jenen Dialog, klicke den Button xy, ... Persönlich mag ich mehr die reinen LaTeX-Editoren.
LyX speichert in einer eigenen Sprache, doch kann man seine Dokumente nach LaTeX exportieren und auch LaTeX-Quelltext importieren.

Wenn man in seinem Dokument die T1-Zeichencodierung verwendet:
LaTeX
\usepackage[T1]{fontenc}
dann kann man möglicherweise feststellen, dass die Schrift schlechtere Qualität aufweist, "pixeliger" wird. Eine Diskussion darüber findet sich z.B. hier. Abhilfe schafft dann die Installation des Pakets cm-super über Synaptic.

Mittlerweile sehe ich bei nicht alltäglichen Modifikationen oft in den LaTeX Quellcodes nach. Man braucht dabei nicht einmal zu wissen, wie der TeX-Baum der jeweiligen LaTeX-Distribution aussieht, denn es gibt das Tool kpsewhich, womit man Dateien per Kommandozeile auffinden kann:
Eingabe: kpsewhich latex.ltx
Ausgabe: /usr/share/texmf-tetex/tex/latex/base/latex.ltx
Ich verwende dies gern direkten Öffnen einer TeX-/LaTeX-Datei, durch Quoten mit "backticks":
gedit `kpsewhich scrartcl.cls`

Wenn man Präsentationen in LaTeX erstellen möchte, bietet sich das beamer-Paket an: es ist im latex-beamer Ubuntu-Paket enthalten.

Ansonsten kann man ja einfach mal mit Synaptic in den TeX Sektionen (Standard, multiverse, universe) stöbern, was sich da noch so findet.

Schlusswort



Im Laufe des Artikels wurden oft mehrere Alternativen für TeX-Basis, Editoren oder Tools benannt. Daher gebe ich noch eine kurze Zusammenfassung, wie man sein System etwa zusammenstellen könnte, meine Empfehlungen sind hierbei fettgedruckt:




    TeX-Distribution:  TeX Live oder teTeX

    Editor/IDE:        gEdit oder KILE oder TeXmaker oder TeXlipse oder LyX

    Rechtschreibhilfe: ispell oder aspell

    Anzeigeprogramme:  Evince und/oder Acrobat Reader

    Recodierung:       recode oder iconv

    Pakete und Tools:  je nach Bedarf.




Ich bin nicht sehr in die Breite gegangen, denn die angesprochenen Programme verfügen selbst über gute Dokumentationen. Bei Interesse kann der Leser enthaltenen Links folgen oder eine Suchmaschine mit Bezeichnungen von Tools o.ä. aufrufen. Auch im LaTeX-Forum sind Fragen zu diesem Thema willkommen.



Der Umfang dieses Artikels ist natürlich subjektiv gewählt: was gibt es, was sollte man darüber wissen, welche Tipps könnten brauchbar sein. Manches hiervon mag auf den ersten Blick kompliziert wirken, doch meine Gesamterfahrung ist: auf Linux lässt sich mit LaTeX hervorragend und vergleichsweise unkompliziert arbeiten und es ist sehr vieles möglich, das auf anderen Betriebssystemen u.U. wesentlich schwerer zu erreichen ist.



    StefanK


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