buhs Montagsreport: Statist®i©k – verdummt und zugedröhnt
Released by matroid on Mo. 17. September 2012 23:59:50 [Statistics]
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Bildung

\(\begingroup\) Statistik-Logo für buhs Montagsreport Statist®i©k – verdummt und zugedröhnt Von Milchmädchen und Professorentöchtern Berlin. Gleich zwei Statistiken machten mir in der vergangenen Woche schwer zu schaffen: In der einen beklagte man ein rasant gestiegenes Armutsrisiko in Berlin*, und die andere attestiert den Deutschen einen fortlaufenden Bildungsabstieg**. Schleichend verblödende arme Berliner?? Nun ja, wer von anderen mit Werbeslogans wie "Wir können alles – außer Flughafen (und S-Bahn) (und A100) (und freundlich) (und richtiges Abitur)" umsorgt wird, der kann schon an sich zweifeln. Wann sind wir arm – und was ist ein Bildungsabstieg??

Beginnen wir mal mit der OECD, die einen "Bildungsabstieg" attestiert, wenn jemand studiert hat, seine Kinder aber nicht mehr studieren. Anders ausgedrückt: So als Professorentochter ist man ein geistiger Versager, wenn man nicht mindestens Prof. Dr. Dr. wird; da hilft auch kein dreifacher Master. Wenn es dagegen ein kleines Milchmädchen aus bäuerlichem Hause zur Konditorei-Kauffrau mit eigenem Backwarenladen schafft, ist das mitnichten ein Aufstieg!: Laut OECD wird "Bildung" NUR an "Studium" gemessen. Unser Milchmädchen könnte allerdings Sozialpädagogik oder Homöopathie studieren: DAS wäre ein Bildungsaufstieg, der Deutschland etwas brächte. Anders ausgedrückt: Wenn ich auf dem Mount Everest stehe, können ALLE meine Kinder nicht mehr höher hinauf als ich***. Alles Versager! Aber unser Milchmädchen hat ja kaum eine Chance zum Studium: Bestimmt ist es aus der Kategorie der Armutsbedrohten und besitzt monatlich zum Leben nur jene 847 Euronen, mit denen deutsches Armutsrisiko beginnt. Jeder Student weiß, dass man davon NIE NIE NIE im Leben über die Runden kommen kann: Schon das tägliche Frühstück (2 Croissants, Coffee Togo, Pall Mall etc.) kann einen ruinieren, von Mobiltelefonen, Tablets oder gar 48-h-Clubaufenthalten ganz zu schweigen… 847 Euronen. In Togo liegt der jährliche Durchschnittsverdient bei 350 Euronen (also umgerechnet). DAS ist arm. Es gibt Statistiken, die man besser nur unter Drogen zu sich nimmt, findet

buh2k+12

*: Mitteilung des Statistisches Bundesamtes Wiesbaden vom 13.09.2012 **: "Bildung auf einen Blick" von der OECD ***: Na gut, wenn das Seil zum Mond fertig ist (Lift ins Orbit), dann könnten meine Kinder schon… daran hochklettern.
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Statist®i©k – verdummt und zugedröhnt [von buh]  
Von Milchmädchen und Professorentöchtern Berlin. Gleich zwei Statistiken machten mir in der vergangenen Woche schwer zu schaffen: In der einen beklagte man ein rasant gestiegenes Armutsrisiko in Berlin*, und die andere attestiert den Deutschen einen for
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"buhs Montagsreport: Statist®i©k – verdummt und zugedröhnt" | 11 Comments
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Re: Statist®i©k – verdummt und zugedröhnt
von: Bernhard am: Di. 18. September 2012 11:08:56
\(\begingroup\)Hallo Buh! Um mit Deinem Schlußwort zu beginnen: \quoteonEs gibt Statistiken, die man besser nur unter Drogen zu sich nimmt. \quoteoff Ich würde sagen, es gibt zwei Umkehrungen, die auch Berechtigung haben: → "Es gibt Statistiken, die sind unter Drogeneinfluß erstellt worden. → "Es gibt Statistiken, die sind erstellt worden, um als Droge zu wirken. \quoteonSo als Professorentochter ist man ein geistiger Versager, wenn man nicht mindestens Prof. Dr. Dr. wird; da hilft auch kein dreifacher Master. \quoteoff Immerhin: Selbst als geistiger Versager kann man Bildungsminister werden. Das scheint sogar die Regel zu werden. Bernhard\(\endgroup\)
 

Re: Statist®i©k – verdummt und zugedröhnt
von: rogerS am: Di. 18. September 2012 14:16:13
\(\begingroup\)Hallo Buh schon Churchill sagte : »Ich glaube nur der Statistik, die ich selbst gefälscht habe…« Nicht immer, aber immer öfter werden Statisken ganz bewußt genutzt um eine bereits bestehende Meinung zu untermauern bzw durchzusetzten. Gerade die Berechnung wer arm ist ist absurd, da sie sich auf ein Durchschnittseinkommen bezieht. In Monaco, wo viele Einkommensmillionäre ihr bescheidenes Domizil haben, können "Arme" recht gut leben und einen bescheidenen Wohlstand geniessen. In Afrika und Asien verhungern die Menschen die nach den selben Maßstäben NICHT unter der Armutsgrenze liegen, dies gibt einem zu denken...nicht wahr?\(\endgroup\)
 

Re: Statist®i©k – verdummt und zugedröhnt
von: Kitaktus am: Do. 20. September 2012 16:08:47
\(\begingroup\)Tut mir leid, diese Polemik - Statistiktrick - Churchill - Clubaufenthalt - Prof. Dr. Dr. - ist mir zwei Nummern zu billig. Dass sich das Durchschnittseinkommen von Deutschland und Togo unterscheidet ist keine Neuigkeit. Sollten wir uns alle gegenseitig auf die Schultern klopfen, weil auch 2012, so wie in den letzten 60 Jahren zuvor, in Deutschland niemand ernsthaft vom Hungertod bedroht ist? Ist das das Anspruchsniveau, auf das wir uns hinabbegeben wollen? Klar kommt man mit 847 Euro über die Runden. Aber was passiert denn, wenn man arbeitslos wird, für längere Zeit erkrankt, ein Kind bekommt oder in Rente geht? "Hallo Hartz IV!", würde ich sagen. Wenn das nicht "armutsgefährdet" ist, was dann? Ich habe Bekannte, die ruinieren auf Arbeit ihre Gesundheit, machen unzählige unbezahlte Überstunden und richten sich mit ihren Urlaubsplänen ganz nach dem Chef, nur um ihren Arbeitsplatz behalten zu können. Wenn ich dann sehe, dass sie trotzdem weniger als halbsoviel verdienen wie ich (netto - nicht brutto), dann kann ich mich für die Einkommensunterschiede in Deutschland nur schämen. Kitaktus\(\endgroup\)
 

Re: Statist®i©k – verdummt und zugedröhnt
von: buh am: Do. 20. September 2012 20:06:58
\(\begingroup\)@Kitaktus: Nehmen wir halt Monaco: Dort ist man armutsgefährdet, wenn man jährlich weniger als 113000,00 Euronen verdient. 😮 Ich schäme mich übrigens nicht für die Einkommensunterschiede in Deutschland, sondern für einige. Ich schäme mich aber mehr für Errungenschaften wie die, dass ein 23-jähriger Wohlfahrtsabsolvent im ersten Arbeitsjahr auf Grundlage des Anti-Diskriminierungegesetzes genauso viel Gehalt (und Urlaub und Weihnachtsgeld...) bekommt wie ein 57-Jähriger, der seit 35 Jahren der Firma auf dem Weg zu solider Existenz die Treue gehalten hat.

Gruß von buh2k+12

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Re: Statist®i©k – verdummt und zugedröhnt
von: Kitaktus am: Do. 20. September 2012 22:23:59
\(\begingroup\)@buh: "Nehmen wir halt Monaco..." Jede Funktion hat ihren Definitionsbereich. Dein Beispiel zeigt doch lediglich, dass man die statistische Größe "armutsgefährdet" nicht in gleicher Weise auf Monaco wie auf Deutschland anwenden kann. "Ich schäme mich aber mehr für Errungenschaften wie die, ..." Mir ist nicht klar, auf welches Szenario Du anspielst. In meinem Tarifvertrag ist jede Gehaltsgruppe in bis zu sechs Stufen eingeteilt, die der Firma einen sehr weiten Spielraum zur Differenzierung einräumen. Und es findet sich definitiv kein Mitarbeiter mit 35 Jahren Berufserfahrung, der nicht deutlich mehr als ein Berufsanfänger verdient. Algemeines Gleichstellungsgesetz hin oder her. Vielleicht kannst Du das näher erläutern!? Wenn möglich bitte auch den Begriff "Wohlfahrtsabsolvent" erklären. Vielen Dank, Kitaktus\(\endgroup\)
 

Re: Statist®i©k – verdummt und zugedröhnt
von: rogerS am: Fr. 21. September 2012 07:57:21
\(\begingroup\)Hallo Planetarier Ich schliesse mich der Meinung von Kitaktus zum größten Teil an. Selbstverständlich muss es in Industieländern auch für sogenannte minder qualifizierte Jobs faire Löhne geben. Sprich ein 40 Stunden Job muss deutlich ( mindestens 25% ) über Harz IV liegen. Was ich aber , ein wenig ironisch und deshalb überspitzt kritisiere, ist die Berechnung der Armutsgrenze. Man macht es sich da doch ein wenig zu einfach. 60% vom Durchschnittsverdienst = Armutsgefährdet 50% vom Durchschnittsverdienst = Arm Unbeachtet bleibt was man sich von diesen 40 bzw 60% leisten kann. Unbeachtet bleibt wo man wohnt ( Stadt oder flaches Land ) und den daraus resultierenden Lebenserhaltungskosten. Natürlich bewegen wir uns in eine Richtung die sozial immer ungerechter wird immer mehr Menschen verdienen durch harte und ehrliche Arbeit nicht mehr genug um ihre Familie ohne zusätzliche Sozialleistungen zu versorgen. Dies ist falsch unfair assozial. Aber, und dabei bleibe ich ist die Armutsberechnung auch falsch Die Zahlen die dabei heraus kommen sind dann doch etwas hoch Und ob ein Jobeinsteiger im Verhältnis zu einem 'alten Hasen' zuviel verdient oder nicht hängt von der Firma und/oder der Sparte in der sie arbeiten ab... es lebe die freie Marktwirtschaft Roger äÄÜüÖöß \(\endgroup\)
 

Re: Statist®i©k – verdummt und zugedröhnt
von: Bernhard am: Fr. 21. September 2012 11:17:14
\(\begingroup\)Hallo Roger! \quoteonUnbeachtet bleibt was man sich von diesen 40 bzw 60% leisten kann. Unbeachtet bleibt wo man wohnt ( Stadt oder flaches Land ) und den daraus resultierenden Lebenserhaltungskosten. \quoteoff An was auch nicht gedacht wird: Man sollte den sogenannten standardisierten "Warenkorb" für den täglichen Bedarf, nach dem man die Lebenshaltungskosten, die Teuerung usw. abschätzt, einmal überholen. Teilweise seit längerer Zeit schon haben sich dort neue Produkte eingefunden und andere werden gar nicht mehr gebraucht, was noch nicht berücksichtigt wurde. Insbesondere bei den Dienstleistungen scheint mir da einiges hinzugekommen zu sein: Kitas, Internetanschluß, höhere Kosten für Mobilität im Beruf (die früher noch nicht so gefragt war), Patientenzuzahlungen, privatisierungsbedingte Preiserhöhungen ehemals staatlicher Unternehmen u.v.a.m. Bernhard\(\endgroup\)
 

Re: Statist®i©k – verdummt und zugedröhnt
von: Aaba-Aaba am: Sa. 22. September 2012 18:47:50
\(\begingroup\)Hauptsache die Presse hat Ahnung (hier Zeitschrift Stern 39/2012 Seite 61): Bildbeschreibung Gruß A.\(\endgroup\)
 

Re: Statist®i©k – verdummt und zugedröhnt
von: Bernhard am: So. 23. September 2012 00:11:58
\(\begingroup\)Hallo Aaba-Aaba! Also ich würde das Bild anders deuten als dieser Mr.Stern. Ein Kind dieses Alters, daß mit solcher Faszination an eine mit mathematischen Formeln übersäte Schultafel blickt und sich nicht uninteressiert oder gelangweilt abwendet, ist doch ein Musterbeispiel für die Lust am Lernen! Egal, ob dieses Kind jetzt schon alles nachvollziehen kann, was da auf der Tafel steht. Also entweder der Mr.Stern stellt ein anderes Kind dahin, eine andere Tafel oder einen anderen Kommentar! Bernhard\(\endgroup\)
 

Re: Statist®i©k – verdummt und zugedröhnt
von: rogerS am: Mo. 24. September 2012 07:01:44
\(\begingroup\)Hallo Bernhard hmm, vielleicht ist es aber auch Schockstarre, aber auf jeden Fall ist die Kleine im falschen Klassenzimmer. Ich bin zwar schon lange aus der Schule aber meine mich zu erinnern dass der Stoff etwas spaeter kam \(\endgroup\)
 

Re: Statist®i©k – verdummt und zugedröhnt
von: Ex_Mitglied_40174 am: Sa. 27. Oktober 2012 15:33:45
\(\begingroup\)Bin jetzt erst über den Newsletter auf diesen Montagsreport gestoßen, daher die späte Antwort. Ich wundere mich ehrlich gesagt etwas, dass auch hier in diesen (ich schätze mal eher gebildeten) Kreisen die Mär verbreitet ist, Armutsgefährdung/Armut beginne bei 60 bzw 50% des DURCHSCHNITTSeinkommens. Tatsächlich dient der Median und nicht der Durchschnitt als Grundlage dieser Berechnung. Den Unterschied setzte ich hier mal als bekannt voraus. Die Mär vom Durchschnitt wird oft von gewissen Medien verbreitet, um absurde Beispiele zu konstruieren (wie hier das mit Monaco) und die Leser gegen den - gewissen Personen wohl nicht genehmen - Armutsbericht aufzubringen.\(\endgroup\)
 

 
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