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Re: Ein paar Worte zum Computerprogramm Zillions of Games
Mich beeindruckt an ZoG die Universalität des Programms. Allein die formale Angabe der Regeln reicht aus, damit das Programm in der Lage ist, ein Spiel zu spielen. Bei einigen Spielen ist ZoG schlecht(*), bei anderen aber erstaunlich gut, wenn man berücksichtigt, dass keinerlei spielspezifisches Wissen und auch keine Erfahrung aus Musterpartien oder Spielen des Programms gegen sich selbst in die Bewertung einfließen. Eine kleine Anekdote: Anfang der 2000er Jahre war ich bei einer Konferenz zu kombinatorischer Spieltheorie. Einige amerikanische Kollegen hatten ein "frisch erfundenes" Spiel im Gepäck: Clobber. Die Regeln sind in 5 Minuten erklärt (**) und das Spiel passt sehr gut in den Rahmen der kombinatorischen Spieltheorie. Am Ende eines Vortrages kündigten sie an, am nächsten Abend ein Turnier zu veranstalten, zu dem alle herzlich eingeladen seien. Da meldete sich Ingo Althöfer und fragte, ob auch Computerprogramme zugelassen wären. Der Vortragende schaute kurz irritiert -- Wo sollten über Nacht Computerprogramme herkommen? -- sagte dann aber, ja, warum nicht und so trug Ingo das Programm "Zilly Zillhöfer" in die Teilnehmerliste ein. Drei oder vier Leute packte der Ehrgeiz und es bildeten sich zwei Gruppen, die ebenfalls mit Computerprogrammen teilnehmen wollten. Sie verbrachten den ganzen Abend mit Programmieren und brachten am nächsten Tag ihre Laptops zu den Sessions mit, um weiter an ihren Babys zu arbeiten. Pünktlich zum Turnierbeginn standen dann tatsächlich drei Programme am Start und schnell wurde klar, dass alle drei menschlichen Spielern klar überlegen waren [na gut, wir waren alle Anfänger ;-)]. Untereinander nahmen sich die Programme nicht viel. Die beiden speziell für das Spiel geschriebenen Programme waren ein, zwei Züge eher in der Lage eine Stellung komplett durchzurechnen, oft genug aber eben auch nur mit dem Ergebnis, dass sie auf Verlust standen. Angesichts der Tatsache, dass in beiden etwas besseren Programmen einige Stunden harter Programmierarbeit steckten, während Zilly nur aus ein paar Dutzend Zeilen Regeln bestand, für die Ingo vielleicht 20 Minuten gebraucht hat, fand ich das Ergebnis von Zilly schon sehr erstaunlich. (*) Isola ist ein typisches Spiel, mit dem ZoG _nicht_ gut klar kommt. Zum einen hat der Suchbaum eine enorme Breite, weil es so viele zulässige Züge gibt - man darf den Blockade-Stein ja irgendwo hinstellen. Entsprechend klein ist die erreichbare Suchtiefe. Zum anderen gibt es eine für Menschen leicht einsichtige strategische Marschrichtung: "Sperre den Gegner auf einer möglichst kleinen Fläche ein." So eine Strategie hat ZoG natürlich nicht parat und verliert daher schon lange bevor es seine taktischen Stärken überhaupt ausspielen kann. (**) Auf einem n x m-Schachbrett steht auf jedem weißen Feld ein weißer Stein und auf jedem schwarzen Feld ein schwarzer. Die Spieler Weiß und Schwarz ziehen abwechseln. Erlaubt sind nur Züge mit Steinen der eigenen Farbe auf ein orthogonal benachbartes Feld, auf dem ein gegnerischer Stein steht. Dieser wird dabei geschlagen. Wer nicht mehr ziehen kann, verliert. Mit der Wahl von n und m kann man die Dauer des Spiels und die Komplexität beeinflussen.
 
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