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Onkel Petros und die Goldbach'sche Vermutung

Doxiadis, Apostolos

Buchcover
Jede gerade Zahl größer als 2, ist die Summe zweier Primzahlen. Die Goldbach'sche Vermutung ist eine der ältesten offenen Fragen der Zahlentheorie. Sie wurde erstmals in einem Brief von Christian Goldbach an Leonhard Euler 1742 gestellt und bildet den Rahmen für Apostolos Doxiadis' Roman 'Onkel Petros und die Goldbach'sche Vermutung'.
Aus den Augen des Ich-Erzählers erhält man Schritt für Schritt Einblicke in das spannende Leben des Petros Papachristos. Mit Unmut und Spott seiner beiden Brüder bedacht, gilt 'Onkel Petros' als das schwarze Schaf der Familie Papachristos. Er lebt zurückgezogen in einer kleinen griechischen Vorstadt und vermeidet jeden Kontakt zur Außenwelt. Warum dies so ist, bleibt dem Erzähler weitestgehend verborgen, denn innerhalb der Familie ist das Thema 'Onkel Petros' tabu. Wenn es doch einmal zur Sprache kommt, so wird Petros Papachristos von seinen Brüdern als 'Narr', 'Dummkopf' oder 'Taugenichts' bezeichnet. Auf die Frage des Erzählers, warum sein Vater und dessen Bruder den Onkel so betiteln, verweigern sie ihm jede Auskunft. Diese Geheimniskrämerei wirkt ziemlich mysteriös auf den jungen Erzähler und er beginnt Nachforschungen anzustellen. Bei einer Familienfeier gelingt es ihm einen Blick in die vielen Bücher zu werfen, die das Wohnzimmer seines Onkels schmücken. Schnell stellt er fest, dass diese Bücher nicht einem 'Dummkopf' zugeordnet werden können. Der Zufall will es, dass ihm kurze Zeit später ein Brief in die Hände fällt, der das große Geheimnis um Onkel Petros lüftet. Der Brief ist addressiert an 'Herrn Petros Papachristos, e. Professor für Analysis, Universität München'.
Dies ist also das große Geheimnis! Bei dem als Narren und Taugenichts betitelten Mann handelt es sich um keinen geringeren als einen ehemaligen Professor der Universität München. Langsam erfährt der Erzähler weitere Details über den Lebenslauf von Onkel Petros, dessen große Begabung für Zahlen bereits in der Schule entdeckt wird. Er siedelt bereits in jungen Jahren nach Deutschland und schließt sein Mathematikstudium rasch und mit großem Erfolg ab.
Sein großes Interesse gilt dabei der Zahlentheorie und dem immer größer werdenden Wunsch Ruhm und Ehre zu erlangen. Petros Papachristos möchte kein durchschnittlicher Mathematiker sein. Er möchte außergewöhnliches leisten und beschließt fortan sein ganzes Interesse der Lösung eines der drei größten zahlentheoretischen Probleme (Riemannsche Vermutung, Fermat'sche Vermutung, Goldbach'sche Vermutung) zu widmen: Jede gerade Zahl größer als 2, ist die Summe zweier Primzahlen. Besessen von diesem Wunsch taucht er tief ein in die Welt der Zahlen. Sein mathematisches Talent bringt ihn mit den großen Mathematikern seiner Zeit zusammen (Hardy, Ramanujan, Littlewood, Turing, Gödel). Er verbringt jeden kostbaren Tag damit, einen Beweis für die Goldbach'sche Vermutung zu finden. Er erlebt Erfolge und Rückschläge und scheitert am Ende.
Als der alte Petros Papachristos erfährt, dass sein junger Neffe (Erzähler) sich für Mathematik interessiert, schließt er mit ihm einen Pakt. Um sein Talent zu beweisen, soll der Junge eine ganz einfache Aufgabe lösen. Erst Jahre später stellt sich heraus, dass dies die berühmte Goldbach'sche Vermutung war, der Onkel Petros sein ganzes Leben gewidmet hatte.
Um zu verstehen, warum sein Onkel ihm seinen Lebensweg auf diese Weise so verbaut hat, rollt der Erzähler schließlich die Geschichte von 'Onkel Petros und der Goldbachschen Vermutung' wieder auf. Er erhält tiefe Einblicke in die Psyche und die Denkweisen eines talentierten Mathematikers, der an dem großen Ziel seines Lebens scheitert und daran zu Grunde geht ...



Dieser Roman besticht durch die Authentizität seiner Charaktere und der spannenden Schreibweise von der ersten bis zur letzten Seite. An vielen Stellen vermischt sich Realität mit Fiktion und erfordert das Mitdenken des Lesers. Dieser erhält dafür an vielen Stellen Gelegenheit etwas über berühmte Mathematiker, wie beispielsweise Ramanujan oder Littlewood zu erfahren. Der mathematische Inhalt dieses Buches ist jedoch so eingeschränkt, dass er auch von Laien gut zu verstehen ist. Ich möchte jedoch behaupten, dass nur derjenige etwas von der psychologischen Tiefe dieses mathematischen Dramas verstehen kann, der selbst schon einmal versucht hat, Mathematik zu betreiben.
Apostolos Doxiadis gelingt mit diesem Buch ein großer Wurf, denn er schafft es, die von der Mathematik ausgehende Faznitation lebendig werden zu lassen.


Anmerkung: Leider ist dieses Buch nicht mehr in Buchläden erhältlich. Mit ein bisschen Glück kann man jedoch ein preisgünstiges Exemplar in einem Antiquariat oder bei Amazon ergattern.
Im Zuge einer Marketingkampagne des Verlags Faber & Faber wurde ein Preisgeld von 1.000.000 Dollar auf den Beweis der Goldbach'schen Vermutung ausgesetzt. Der Gültigkeitszeitraum wurde allerdings auf März 2000 - März 2002 beschränkt.
Bis zum Jahr 2003 wurde die Gültigkeit der Goldbach'schen für n<6*10^16 überprüft. Bis heute ist die Vermutung 'jede gerade Zahl n größer als 2, ist die Summe zweier Primzahlen' unbewiesen.


Hinzugefügt am: 2006-01-08
Kritiker: Yves
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Gelesen: 6801


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Onkel Petros und die Goldbach'sche Vermutung

Doxiadis, Apostolos

Buchcover
Onkel Petros, der gesellschaftlich sehr zurückgezogen lebt, wird von seiner Familie nicht besonders geschätzt. Er sei ein Versager und habe sein Talent vergeudet so heißt es. Doch etwas wirklich Konkretes hört sein Neffe, der Erzähler, über den Onkel nicht.




Er beschließt auf eigene Faust dem Geheimnis seines Onkels auf die Spur zu kommen. Der Junge erfährt während des Buches Stück für Stück die überaus spannende Lebensgeschichte seines seltsamen Onkels, der sein Leben ausschließlich der Goldbach'schen Vermutung verschrieben hatte und am Ende dann doch aufgab, sie zu beweisen.




Auf den letzten Seiten des Buches konfrontiert der Neffe seinen Onkel, von dem man während des ganzen Buches nicht genau weiß, ob man ihn nun fies finden oder bewundern soll, dann gnadenlos mit seiner Lebenslüge, so dass es noch zu einen mehr als spannenen Show-Down kommt.




Das Buch bleibt von der ersten bis zur letzten Seite spannend.


Hinzugefügt am: 2004-09-04
Kritiker: nik
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Gelesen: 10362




Durchschnittsbewertung: 9 Bewertungen

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Weitere Kommentare:
Onkel Petros und die Goldbach'sche Vermutung
Bewertung von Florian am 01.02.2005

Florian schreibt:

Also, ich finde weder die Geschichte besonders gut, noch ist sie mathematisch interessant. Das einzige, was an Mathematik drinnen steckt, ist eine Erklärung der Goldbachschen Vermutung (die übrigens nicht von Goldbach stammt) und die Erkenntnis das Hardy und  Ramanujan Zahlenteoretiker waren.
Fazit: Lesen wenn nichts anderes greifbar ist :-)


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Onkel Petros und die Goldbach'sche Vermutung
Bewertung von Florian am 01.02.2005

Florian schreibt:

Also ich finde weder die Geschichte besonders gut noch ist es mathematisch interessant. Das einzige was an Mathematik drinnen steckt is eine erklärung der goldbachschen Vermutung (die übrigens nicht von Golbach stammt) und die Erkenntnis das Hardy und  Ramanujan Zahlenteoretiker waren.
Fazit: Lesen wenn nichts anderes greifbar ist :-)


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Onkel Petros und die Goldbach'sche Vermutung
Bewertung von susi0815 am 24.10.2005

susi0815 schreibt:

Als Urlaubslektüre ist es durchaus geeignet, ich fand es zumindest nicht langweilig.


(Dieser Kommentar wurde zu dieser Besprechung geschrieben)

Onkel Petros und die Goldbach'sche Vermutung
Bewertung von Anonymous am 30.07.2006

Anonymous schreibt:

Wer ein Mathe-Buch lesen möchte, der kann ja abends gern in einem analysis-Band von Otto Forster schmöckern.
dieses Buch ist wunderbar zu lesen und die Geschichte ist sehr spannend.
Die Hauptaussage ist wohl:"Mathematik macht bescheiden".


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Onkel Petros und die Goldbach'sche Vermutung
Bewertung von Hans-im-Pech am 21.11.2006

Hans-im-Pech schreibt:

Würde ich nicht nochmal lesen. Mathematisch ist es nichts großes und die Story ist auch nicht der Brüller.

Das ist zumindest meine Meinung!

Viele Grüße,
HiP



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Onkel Petros und die Goldbach'sche Vermutung
Bewertung von Anonymous am 04.03.2007

Anonymous schreibt:

Ich, emeritierter Physiker, habe dieses Buch in Rekordzeit gelesen, denn es war so spannend, dass kaum Zeit zum Schlafen blieb.


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Onkel Petros und die Goldbach'sche Vermutung
Bewertung von Jingels am 28.12.2011

Jingels schreibt:

. . . schließe mich der Kritik von Florian an: zum Zeitvertreib kann man's ganz gut lesen, aber man verpasst auch nichts, wenn man's nicht liest.


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Onkel Petros und die Goldbach'sche Vermutung


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