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Zirkel und Lineal

Sellenriek, Jörg

Buchcover
Diese Rezension behandelt die erste Auflage aus dem Jahr 1987. Das Werk ist zur Zeit vergriffen.

Sellenriek stellt in diesem Buch die Geschichte des technischen Zeichnens dar. Konstruktionen mit Zirkel und Lineal im klassischen griechischen Sinne werden nur indirekt und sehr am Rande behandelt. Deshalb ist der Titel zumindest für den Mathematiker sehr irreführend.

Das Buch behandelt die Entwicklung des technischen Zeichnens von ihren Anfängen in der Steinzeit bis in die Neuzeit hinein und stellt sie konsequent in gesellschaftlichen Zusammenhang. So erfordert die Entstehung der Kulturtechniken Schreiben, Rechnen und Zeichnen nach Sellenrieks Darstellung die Trennung von Kopf- und Handarbeit. Eine erste Vorstufe bildet die Entwicklung von Ackerbau und Viehzucht, die zu einem Nahrungsmittelüberschuss führt und damit die Existenz von spezialisierten Handwerkern, Priestern und Anführern ermöglicht. Die Entstehung von Städten und schließlich Staaten im Orient und in Ägypten erfordern Fortschritte in Technologie (Bewässerung) und Finanzwesen, die nur mit zentraler Planung und Leitung erforderlich sind. Speziell in Ägypten machen die wiederkehrenden Nilüberschwemmungen regelmäßige Landvermessungen notwendig, die ersten Anfänge der Geometrie. Teilweise gleichzeitig, aber doch darauf aufbauend entwickeln sich Anfänge der räumlichen Geometrie durch die Anforderungen der Architektur.

Die Ausbildung von professionellen Schreibern und Landvermessern in dafür vorgesehenen Schulen führt zu einer räumlichen Trennung von Ausbildung und Arbeitsstätte und zur Erstellung von Lehrmaterial. Die vollständige Abtrennung der Problembehandlung von ihrer Anwendung wird aber erst von den Griechen vollzogen. Wiederum stellt Sellenriek diese Betrachtung in den Zusammenhang zu gesellschaftlichen Entwicklungen wie das Aufkommen von Münzwesen und Geldwirtschaft und damit verbundenem Reichtum durch Handel. Dieser Abkopplung der herrschenden Schicht von der Produktion von Waren, die hauptsächlich in den Händen von Sklaven liegt, verursacht eine Verachtung von körperlicher Arbeit und gleichzeitig hohes Ansehen von geistigen Leistungen. Dieser Vorgang befördert die Entstehung von Philosophie und theoretischen Wissenschaften, hemmt aber gleichzeitig die Entwicklung von experimenteller Naturwissenschaft, die erst im Mittelalter aufkommt.

Die frühzeitlichen und antiken Grundlagen (auf die ich oben nur beispielhaft eingegangen bin) nehmen etwa 40% des Buches ein. Darauf folgen Fortschritte im Mittelalter, die wie auch schon im Römischen Reich insbesondere durch die Architektur beeinflusst werden, und die konsequente Entwicklung der Perspektive in der Renaissance. Den Abschluss bildet eine Zusammenfassung der Fortschritte im Zusammenhang mit technischem Fortschritt und Industrialisierung. Die Darstellung ist im Allgemeinen mehr an generellen gesellschaftlichen Entwicklungen orientiert als an Einzelpersonen. Auf die Beiträge von Euklid, Albrecht Dürer und Gaspard Monge wird jedoch konkret eingegangen.

Der Anspruch von Sellenrieks Buch ist, die Entwicklung des technischen Zeichnens in seinem sozialen und wirtschaftlichen Zusammenhang darzustellen und damit auch die Bedeutung des Zeichnens für die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft herauszustellen. Das gelingt ihm meiner Meinung nach sehr gut. Sellenriek schreibt unterhaltsam, und die Zusammenhänge von gesellschaftlichen und technischen Einflüssen mit der Entwicklung des Zeichnens sind zumindest für mich als Laien überzeugend. Zwei Sterne ziehe ich ab einerseits wegen meiner Unkenntnis des Stoffes, was mich von einer uneingeschränkten Empfehlung abhält, und andererseits wegen des meiner Meinung nach völlig verfehlten Buchtitels, der in meinen Augen zu sehr falschen Erwartungen an das Buch führt.

Die Kapitel:

  • Zur Einführung

  • Von den ersten zeichnerisch-bildnerischen Äusserungen über die Anwendung mechanischer Konstruktionsprinzipien bis zu den Anfängen der Steinarchitektur

  • Von der Staatsverwaltung zu "Seilkunst", Feldkarten und Bauzeichnungen

  • Von der Landmessung zum Lehrgebäude der geometrischen "Elemente" des Euklid und den Anfängen der Strahlenoptik

  • Von der geometrischen Theorie zur Praxis der Vermessung und Kartierung von Himmels- und Erdkugel

  • Die Begründung des Grund- und Aufriss-Verfahrens in den Dombauhütten des mittelalterlichen Kontinentaleuropas

  • Die Entwicklung der optisch korrekten Bildkonstruktion der Perspektive

  • Die Entstehung der darstellenden Geometrie als exakte Wissenschaft und konstruktive Grundlage des Maschinenzeichnens

  • Das wissenschaftlich begründete technische Zeichnen im Gefolge der Industrialisierung




Hinzugefügt am: 2009-11-11
Kritiker: Morris
Bewertung

Zugehöriger Link: amazon
Gelesen: 3796




Durchschnittsbewertung: 2 Bewertungen

Suchbegriffe : Angewandte Mathematik :: Anwendung der Mathematik :: Architektur :: Astronomie :: Biographien :: Euklid :: Geschichte :: Geschichte der Mathematik :: Mathematisches Denken :: Orient :: Wirtschaft :

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Weitere Kommentare:
Zirkel und Lineal
Bewertung von Hans-Juergen am 05.02.2011

Hans-Juergen schreibt:

Hallo Morris,

das ist eine sehr schöne, interessante Rezension - danke!

Hans-Jürgen


(Dieser Kommentar wurde zu dieser Besprechung geschrieben)

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Zirkel und Lineal


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