Schnelles Denken, langsames Denken

Kahneman, Daniel


Seit D. Kahneman 2002 den Wirtschaftsnobelpreis für seine kognitionspsychologischen Forschungen erhalten hat, gilt er als führender Kopf der Denkpsychologie. Sein über 600 Seiten dickes Buch gilt als Standardwerk, an dem niemand herumkommt, der über Denkfehler oder Denkfallen schreibt, wie z. B. Rolf Dobelli oder Timm Grams.  Ein großer Teil des Buches handelt von Heuristiken und kognitiven Verzerrungen.
Mich interessiert die fürs mathematische Problemlösen wichtige Heuristik, ein Thema, dem sich Georg Pólya in seinem Buch Schule des Denkens mit drei Abschnitten gewidmet hat: Heuristik, Heuristisches Denken und Moderne Heuristik. Für Pólya ist die Heuristik ein Arbeitsprogramm, um eine Folge von Fragen zu klären: Was ist unbekannt? Kannst du die Aufgabe anders ausdrücken? Kennst du eine verwandte Aufgabe? Ist es möglich, die Bedingung zu befriedigen? Kannst du das Resultat kontrollieren? Kannst du das Resultat verwenden? ...
Was versteht D. Kahneman unter Heuristik? Auf S. 127 definiert er: „Eine Heuristik ist, technisch definiert, ein einfaches Verfahren, das uns hilft, adäquate, wenn auch oftmals unvollkommene Antworten auf schwierige Fragen zu finden.“ So etwas Schwammiges soll eine Definition sein? Der Autor erwähnt Pólyas Heuristiken als „strategische Verfahren, die gezielt von System 2 umgesetzt werden.“ (S. 128, System 2 bezeichnet das langsame Denken.) Er fährt fort: „Die Heuristiken, die ich in diesem Kapitel diskutiere, werden nicht bewusst ausgewählt; vielmehr sind sie eine Folge der mentalen Schrotflinte, der Tatsche, dass wir nicht in der Lage sind, unsere Antworten zielgerichtet und präzise auf Fragen abzustimmen.“ Sie gehören zum System 1, dem schnellen und flüchtigen Denken. Man spricht daher auch von Faustregel- oder Daumenregel-Heuristik. Das Bachelor-Basisbuch „Bertsch/Funke/Plessner, Denken – Urteilen, Entscheiden, Problemlösen“ definiert (S. 18): „Unter Heuristiken werden »Faustregeln« zur Urteilsfindung in Situationen unter Unsicherheit verstanden. Sie sind vereinfachend, kapazitätssparend und meist hinreichend genau, können aber auch zu systematischen Fehlern führen: Biases. Sie werden auch als kognitive Täuschungen bezeichnet.“
Damit ist klar: Die Pólya-Heuristik und die Urteilsheuristik sind diametral entgegen gesetzte Begriffe. Leider tun viele Autoren so, als wären beide ähnlich, sich ergänzend.
Das Buch zu bewerten, überlasse ich den Psychologen.

Inhaltsverzeichnis der identischen Ausgabe 2014


 
     
 
   


Hinzugefügt am: 2016-11-24
Kritiker: Gerhardus
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Suchbegriffe : Heuristik :: Fehlschluss :: Denkfehler :

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