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Matroids Matheplanet Forum Index » Aktuelles und Interessantes » Abschaffung der Studiengebühren - Nordrhein-Westfalen wird gebührenfrei
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Universität/Hochschule J Abschaffung der Studiengebühren - Nordrhein-Westfalen wird gebührenfrei
huepfer
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  Themenstart: 2011-02-24

Hallo miteinander, der nordrhein-westfälische Landtag hat die Abschaffung der Studiengebühren beschlossen. Hier der Teaser: \sourceonsueddeutsche.de Aus für das kostenpflichtige Studium in NRW. Die rot-grüne Minderheitsregierung hat eines ihrer wichtigsten Reformprojekte im Landtag durchgesetzt. Der Preis dafür ist hoch. Und weg sind sie. Nach Hessen und dem Saarland schafft auch Nordrhein- Westfalen die Studiengebühren an seinen Hochschulen wieder ab. Mit den Stimmen von SPD, Grünen und Linken beschloss der Landtag in Düsseldorf, die Gebühren zum kommenden Wintersemester zu streichen. Damit löst die rot-grüne Minderheitsregierung ein zentrales Wahlversprechen ein. \sourceoff Der komplette Artikel steht hier. Ich finde, dass das ein falscher Weg ist. Es wird auch natürlich nie so sein, dass die Einnahmeausfälle für die Universitäten tatsächlich kompensiert werden. Das dauert ja sicher auch nicht länger als bis zum nächsten Haushaltsbeschluss bis die nächsten Einschnitte kommen. Und mal ganz ehrlich, die Aussage, dass mit der Abschaffung der Studiengebühren jetzt jeder studieren könne, ist völliger Schwachsinn. Zum einen gehört dazu dann auch noch die Eignung zum Studium und wir sprechen dann auch über 50 Euro im Monat. Diese 50 Euro sind wohl nicht das, was letztlich darüber entscheidet, ob sich jemand ein Studium leisten kann oder nicht. Alle Studien, die ich dazu gesehen habe, sprechen gegen diese Vermutung. Die Studierendenzahlen sind meines Wissens nach trotz geburtenschwacher Jahrgänge absolut gestiegen. Gruß,    Felix


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moep
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  Beitrag No.1, eingetragen 2011-02-25

Dem schließe ich mich an. Die Politik nutzt die Anzahl der Studierenden, die sicherlich steigen wird, für ihren Wahlkampf. Aber über die Qualität der Bildung, die mit dem Streichen der Studiengebühren garantiert nicht höher wird, wird fast nie ein Wort verloren. Gruß, moep


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darkhelmet
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  Beitrag No.2, eingetragen 2011-02-25

Moment mal, das ist keine Frage von mehr oder weniger Qualität in der Bildung. Die Frage ist: Wer soll es bezahlen. Wenn es Studiengebühren gibt, zahlen es die Studenten, ansonsten die Steuerzahler. Wenn einem das mal klar ist, kann man sich überlegen, was man besser findet. Ich bin aus verschiedenen Gründen für die Steuerzahler. Viele Grüße Stefan


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Wauzi
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  Beitrag No.3, eingetragen 2011-02-25

Ich hätte mit Studiengebühren niemals studieren können. Ein Staat, der das Studium seiner Bürger als Einnahmequelle sieht, um damit umso mehr Gelder bei Banken, Versicherungen und Unternemern zu lassen, hat für mich jede Legitimation verloren. Und wer sich den Zustand an Bayerns Hochschulen anschaut und dann auch noch weiß, daß das von Studenten einkassierte Geld an anderer Stelle bereits eingespart wurde, merkt schnell, daß die vielgepriesene Verbesserung der Studienbedingungen leeres Geschwätz von Politkern ist, deren Klientel eine ganz andere ist, als sie glauben machen wollen. Daß die Ministerpräsidentin von NRW andere Hintergründe bei ihrer Entscheidung hat, mag wohl wahr sein. Aber immerhin tut sie damit zigtausenden junger Menschen etwas Gutes. Eine interessante Parallele zu dem "Verteidigungs"minister übrigens, der den Militärzwang sicher auch nicht wegen der guten Tat als solcher sondern aus anderen Gründen abgeschafft hat. Aber unter dem Strich ist auch hier zigtausenden junger Menschen etwas Böses erspart geblieben. Ich wäre erfreut, wenn viele Politiker aus Wahlkampf oder sonstigen Gründen öfter etwas Gutes tun würden. Denn wie sagte schon der große Vorsitzende der 80er und 90er Jahre: Entscheidend ist was hinten rauskommt. Gruß Wauzi [Die Antwort wurde nach Beitrag No.1 begonnen.]


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moep
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  Beitrag No.4, eingetragen 2011-02-25

Es wäre sicherlich ideal, wenn der Staat und/oder die Länder mehr in die Bildung investieren. Dafür wäre ich auch. Und über unsinnig investiertes Geld an den Universitäten braucht man gar nicht anzufangen. Sicherlich gibt es hier Verbesserungsbedarf. Aber wenn der Staat und/oder das Land das Geld woanders investiert, woher soll dann das Geld kommen? Soll man sich mit 30 bis 40 Teilnehmern in einer Übungsgruppe zufrieden geben? Warum kann man nicht von den Studierenden erwarten, etwas für die Qualität ihrer Bildung auszugeben? Wenn man in die USA oder nach Großbritannien schaut, dann sind dort Studiengebühren völlig normal. Dort sind die Menschen aber auch bereit, für ein Medizinstudium paar zehn- oder hunderttausend Dollar an Schulden aufzunehmen. Hier zu Lande ist einigen ja schon der BAföG-Darlehen zu abschreckend, und wollen deshalb nicht studieren. Diese Mentalität verstehe ich nicht. Gruß, moep


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moggi
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  Beitrag No.5, eingetragen 2011-02-25

Ich finde nicht, das man das deutsche Universitätswesen mit dem amerikanischen Vergleichen kann. Die hohen Studiengebühren werden ja durch ein sehr gutes Stipendiensystem abgefangen. Etwas vergleichbares findet man bei uns absolut nicht. Ich finde eher das man dort aber einen Vorteil des amerikanischen Systems sieht. Studenten die erfolgreich ins Berufsleben gekommen sind, unterstützen später ihre Universität, durch die Stipendienprogramme oder durch sonstige Spenden. Das wäre, wie ich finde, ein Schritt um Studiengebühren auch in Deutschland abzufangen. Wer es von der Ausbildung an der Universität profitiert hat und es sich leisten kann, unterstützt die nächste Generation. Ansonsten können 300€ oder 500€, wie hier in Baden-Württemberg, schon eine ernsthafte Belastung für Studenten sein. Gruß moggi


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chryso
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  Beitrag No.6, eingetragen 2011-02-25

Ich war immer gegen die Studiengebühren, aber nun bin ich durch die Entwicklung in Österreich geneigt zu glauben, dass dies - besonders für ärmere Schichten - im Vergleich zu dem, was wir jetzt bekommen werden - direkt einen Vorteil wäre. In Österreich gab es bis vor 12 Jahren noch keine Studiengebühren. Wir hatten auch ein besseres Stipendiensystem als Deutschland. Dann fand die bürgerliche Regierung das als neue Einnahmequelle und führte Studiengebühren ein - angeblich um mehr Geld für die Universitäten zu haben. Tatsächlich aber floss das Geld nicht in die Ausbildung, zumindest merkte man nichts davon. Die Hörsääle waren weiter überfüllt, Praktikumsplätze waren rar und man musste mitunter Jahre darauf warten. Mein Neffe, der Zahnmedizin studiert, muss zwei Jahre auf einen Praktikumsplatz warten, aber ohne dass man das als reguläre Studienverzögerung anerkennen würde. Für das Finanzamt ist er ein Bummelstudent. Als die Sozialisten an die Regierung kamen, wollten sie die Studiengebühren abschaffen, was ihnen mit Rücksicht auf den Koalitionspartner nicht gelang. Aber vor zwei Jahren wurden die Studiengebühren abgeschafft - ein Wahlzuckerl. Da die Studiengebühren weggefallen waren - so argumentiert man jetzt - und wegen der vielen deutschen Studenten, die wegen eures Numerus Clausus nach Österreich strömen (das ist übrigens eh ein Witz, dass Deutschland bei seinem Ärztemangel seine Ärzte nicht selbst auszubilden bereit ist), müsse man nach neuen Einsparungen Ausschau halten - und man strich die Kinderbeihilfe für Studenten ab dem 24. Lebensjahr (vorher wurde sie bis 27 ausbezahlt), ungeachtet dessen, dass viele Studien in 4-5 Jahren gar nicht beendet werden können, besonders, wenn jemand eine berufsbildende höhere Schule besucht hat und im Herbst geboren ist. Die Studiengebühr hatte 2mal 370 € pro JAhr ausgemacht- war sozial gestaffelt, jetzt fallen mehr als 2500 € für alle weg. Viele Leistungen, zum Beispiel verbilligte Bahnfahrten, Stipendien, Krankenversicherungen,  Waisenpension sind dazu noch an die Kinderbeihilfe gekoppelt. Das heißt, das kommt fast einer "Studiengebühr" von bis zu 6000€ oder sogar noch mehr gleich. Und man holt sich das Geld ausschließlich bei den Inländern, während die Studienbeiträge davor von allen geleistet wurden (außer den Stipendienbeziehern.) Und das trifft am schlimmsten die, die es am nötigsten hätten. Damit werden sie erreichen, dass sich nur mehr die Begüteteren ein Studium werden leisten können. Schande über unsere Regierung!!!  mad  mad   [ Nachricht wurde editiert von chryso am 25.02.2011 21:45:34 ]


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huepfer
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  Beitrag No.7, vom Themenstarter, eingetragen 2011-02-25

Ich kann natürlich nur für einen ganze kleinen Ausschnitt sprechen, aber bei uns am Fachbereich Mathematik haben sich die Studienbeiträge (Gebühren darf man ja nicht sagen, weil sich daraus Ansprüche ableiten ließen) ganz eindeutig positiv ausgewirkt. 1. Die Zahlung der Hilfskräfte wurde verbessert, was direkt dazu geführt hat, dass die betreffenenden Zusatzstunden angeboten haben, die nicht extra gezahlt wurden. 2. An fast allen Bibliotheken wurden die Öffnungszeiten wesentlich verlängert. Man konnte seine Arbeitszeiten besser einteilen, tatsächlich auch die ganze tägliche Arbeitszeit mit Recherche verbringen und es hat einigen Studenten weiters ermöglicht ihr Studium zu finanzieren, weil die Verlängerungen durch studentische Kräfte ermöglicht wurden. Und die haben letztlich natürlich deutlich mehr als nur die Studiengebühren, die sie selbst gezahlt haben bekommen. 3. Die Übungen sind kleiner geworden, was dazu führt, dass jeder mehr Fragen stellen kann und besser mitgenommen werden kann. Und wieder mehr Studenten, die sich damit ihr Studium finanzieren können. 4. Es wurden diverse Tutorien zusätzlich eingerichtet. Die Studenten verstehen den Stoff besser, schreiben bessere Noten, fallen weniger durch, müssen Vorlesungen nicht wiederholen, schaffen ihr Studium schneller, haben weniger Kosten. Und nun ratet mal wer die Tutoren sind? 5. Bücher, die in der Biliothek ständig vergriffen waren wurden in mehreren Exemplaren zusätzlich beschafft. Dafür habe ich gerne knapp 300 Euro im Semester gezahlt, weil ich wusste, wofür es war. Sehr voel wird davon in absehbarer Zeit wieder wegfallen, weil von der ach so sozialen und studentenfreundlichen Landesregierung Kürzungen in den Etats der Unis beschlossen wurden. Allein in Münster wurden zu Beginn des Jahres aus den schon fest zugesagten Landeszuweisungen einfach mal 13 Mio. Euros gestrichen. Aber nein, die Universitäten werden hinterher natürlich genauso viel Gedl haben wie vorher... Gruß,    Felix PS: Die Zahl im letzten Abschnitt ist auf die Schnelle hingeschrieben. Ich glaube sie war richtig, ich weiß aber nur noch sicher, dass die Stellenzahl stimmt.


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Ex_Mitglied_28361
  Beitrag No.8, eingetragen 2011-02-25

Ich sehe es eigentlich wie Felix, zumindest aus meiner Perspektive (Mathe/Physik) überwiegen die Vorteile dieser Zusatzeinnahmen doch überdeutlich. Da es jedem Studenten überdies freisteht, für eine von seinen Studiengebühren finanzierte SHK-Stelle zu unterschrieben, kann auch jeder sein investiertes Geld zurückerhalten. Ergänzend ist übrigens anzumerken, dass diejenigen, die es wirklich finanziell schwer haben, in NRW niemals Studiengebühren bezahlen mussten. Es genügt, in der Regelstudienzeit insgesamt 20000 Euro BAföG zu beziehen, denn die Rückzahlung ist bei einem Darlehensanteil von 10000 Euro gedeckelt und BAföG sticht Studienbeitragskredit aus. Und wo hier sowieso in Richtung Finanzsektor geschimpft wurde: dass sich Kinder des Mittelstands ihr Studium auch nicht "leisten" können bzw. in vielen Fällen nicht genügend von den Eltern unterstützt werden können liegt nicht selten daran, dass Banken über absurd lange Zeiträume Eigenheime finanzieren, ohne bei den Berechnungen zu berücksichtigen, dass später mal pro Kind und Monat mindestens 700 Euro Unterstützung fällig werden. [ Nachricht wurde editiert von DanielW am 25.02.2011 10:25:33 ]


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mathehorn
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  Beitrag No.9, eingetragen 2011-02-25

Unabhängig davon ob man jetzt für oder gegen Studiengebühren ist, möchte ich chrysos Beitrag, dem ich im Wesentlichen völlig zustimme, korrigieren: Die Studiengebühren (eigentlich "-beitrag", denn aus rechtlichen Gründen könnte man bei Gebühren eine Gegenleistung einklagen, was mangels besserer Studienbedingungen trotz Gebühren wohl schlecht für den Staat ausgehen würde) in Österreich sind NICHT abgeschafft. Es gibt seit einigen Jahren nun eine lange Liste an Ausnahmeregelungen (hohes (!) Einkommen, Schwangerschaft, rascher Studienfortschritt etc.), die dafür sorgt, dass Studienanfänger zunächst lange gebührenfrei studieren können. Allerdings kann man im fortgeschrittenen Studium sehr schnell wieder beitragspflichtig werden, wenn man (aus welchen Gründen auch immer) einen Abschnitt bzw. das Studium nicht rechtzeitig abschließen kann. Eine weitere totale Ungerechtigkeit ist, dass Studenten mit Doppelstudium in allen beiden Fächern schnell studieren müssen. Es reicht in einem Studium zu langsam zu sein, um beitragspflichtig zu werden. Ich glaube, dass die meisten Studenten grundsätzlich bereit wären einen Beitrag zu leisten, wenn: 1.) Ein faires Stipendiensystem garantiert, dass sozial schwache Studenten geldsorgenfrei studieren können. Das ist derzeit in Österreich nicht der Fall. 2.) Das Geld tatsächlich in die Verbesserung der Situation an der Universität fließt, also wie huepfer schreibt, längere Öffnungszeiten der Bibliothek, mehr Tutoren etc. Das war in Österreich ebenso nicht der Fall. 3.) Ein vernünftiges Beitrags-&Stipendiensystem entwickelt und langfristig umgesetzt wird. Derzeit ist es in Österreich so, dass alle paar Monate etwas Neues kommt: Gebühren, Abschaffung, doch keine Abschaffung, Ausnahmen, Familienbeihilfe streichen etc. Das macht es für Studenten unmöglich, die finanzielle Situation im Studium langfristig zu planen und ist absolut inakzeptabel.


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gaussmath
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  Beitrag No.10, eingetragen 2011-02-25

Intelligenz ist normalverteilt, Reichtum nicht. [Die Antwort wurde nach Beitrag No.8 begonnen.]


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Wally
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  Beitrag No.11, eingetragen 2011-02-25

Als Vater von vier Kindern (2 studierend, eine kurz davor) freue ich mich herzlich über die Studiengebührenabschaffung. Wenn ich sehe, was für ein Blödsinn teilweise aus den Studiengebühren finanziert wurde, kneifts mich doch im Portemonnaie. Wenn jemand meint, die Studierenden sollen sich finanziell beteiligen, dann sollen sie ihre selbst ausgesuchten Tutoren mitbezahlen - dann geht das Geld genau an die Richtigen und nicht wie in Köln an alle, die sich als SHK melden. Wally [Die Antwort wurde nach Beitrag No.8 begonnen.]


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huepfer
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  Beitrag No.12, vom Themenstarter, eingetragen 2011-02-25

@Wally, in einem umsetzbaren Rahmen ist das bei uns der Fall. In der Komission zur Verteilung der Studienbeiträge sitzen maßgeblich auch Studenten. Und wie schon oben geschildert, hat das bei uns am Fachbereich immer sehr gut geklappt. Für die Akzeptanz ist es letztlich auch wichtig, dass transparent gemacht wurde, was aus Studiengebühren finanziert wurde. Da haben dann schon viele ihre Meinung geändert, wenn sie ein gutes Tutorium erhalten haben und ihnen dann gesagt wurde, dass dieses Tutorium aus den Mitteln der Studienbeiträge finanziert wurde. Gruß,    Felix


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Wally
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  Beitrag No.13, eingetragen 2011-02-25

Na gut, wir sind ja Mathematiker. Rechnen  wir mal (und gleich großzügig). 10 Stunden Tutorium in der Woche sind 150 Stunden im Semester. 25 Studenten sitzen drin. Jeder muss also 6 Stunden Tutorium bezahlen. Die Tutorin (um mal die weibliche Form zu nehmen) muss sich vorbereiten und bekommt für eine Stunde (=45 Min) Tutorium 30 Euro. Jeder bezahlt also 180 Euro für ein gutes Tutorium (ohne alle Diskussion, ob das nicht eigentlich Pflicht der Uni ist). Was passiert mit dem Rest des Geldes? Wally


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huepfer
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  Beitrag No.14, vom Themenstarter, eingetragen 2011-02-25

Hallo Wally, mir ist schon klar, dass die Rechnung jetzt großzügig angesetzt ist, aber lassen wir es der Einfachheit halber mal dabei. Dann ist die Fachbereichsbibliothek jeden Tag etwa 2 Studen länger auf und das auf das ganze Jahr und nicht nur während des Semesters. Sagen wir der Übersicht, das kostet jeden Studenten 1 Euro pro Woche, sind wir also jetzt bei 205 Euro. Dann wurde für die Bibliotheken jede Menge neuer Bücher zusätzlich angeschafft. Vor allem wurden von den Standardwerken Zusatzexemplare beschafft und auch diverse weitere Bücher, die die Studenten gerne hätten. Ich rechne mal mit 10 Euro im Semester. Zusätzlich wurde die Studienberatung wesentlich erweitert. Es gibt aus den Mitteln der Studiengebühren eine Fachstudienberaterin. Das ist eine promovierte Kraft, die eine volle Stelle hat. Ich rechne also mal so mit 5 Euro im Monat, sprich 30 Euro im Semester. Wir sind bei 245 Euro. Wenn jetzt noch zusätzliche Computerarbeitsplätze dazu kommen und noch das ein oder andere, auf das ich jetzt grad nicht komme, dann finde ich passen die 275 Euro, die bei uns genommen werden ganz ok. Gruß,    Felix


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Bernhard
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  Beitrag No.15, eingetragen 2011-02-26

Hallo Felix! \quoteon(2011-02-25 09:44 - huepfer in Beitrag No. 7) Ich kann natürlich nur für einen ganze kleinen Ausschnitt sprechen, aber bei uns am Fachbereich Mathematik haben sich die Studienbeiträge (Gebühren darf man ja nicht sagen, weil sich daraus Ansprüche ableiten ließen) ganz eindeutig positiv ausgewirkt. 1. Die Zahlung der Hilfskräfte wurde verbessert, was direkt dazu geführt hat, dass die betreffenenden Zusatzstunden angeboten haben, die nicht extra gezahlt wurden. 2. An fast allen Bibliotheken wurden die Öffnungszeiten wesentlich verlängert. [..] 5. Bücher, die in der Biliothek ständig vergriffen waren wurden in mehreren Exemplaren zusätzlich beschafft. \quoteoff Beneidenswert! Also bei uns geht es anders zu. Ich kann zwar nicht allgemein sprechen, da ich selbst keinen direkten Kontakt mit der Uni habe, wohl aber mit der Bibliothek der PH. Die haben gerade letztes Jahr extra Leihgebühren für Externe eingeführt. Jetzt zahlen also alle, die weder an Uni, PH, VHS oder ähnlichen anerkannten Bildungseinrichtungen teilnehmen. Und zwar 30€/Jahr - egal, ob Du nur einmal ein Buch brauchst oder ständig was leihst. Begründung: Die Bibliothek und ihre Bücher würden von Studiengebühren finanziert und somit wäre es unfair/ungerecht den Studenten gegenüber, die damit quasi alle bezahlen würden. Klingt zwar zuerst recht einleuchtend, wenn man aber bedenkt, daß der größere Teil der Interessenten (ca 2/3) eben keine Studenten sind, fragt man sich, warum es vorher geklappt hat. Der Service ist "zufälligerweise" auch nich eingeschränkt worden: die Zeiten gekürzt (um 18 Uhr schon zu) und der Samstag vollständig gestrichen. So ist es für mich z.B. äußerst schwer geworden, dort nach der Arbeit noch was zu holen oder gar zu stöbern. Ich bin besonders interessiert an Büchern für EDV. Hier macht sich der Spareffekt eher positiv bemerkbar: Das ist so ziemlich der einzige Ort, wo Du noch Anwendungsbücher für ältere Programmversionen findest. Dort steht noch was über XP, NT, Office 2003, Adobe CS3 usw. Allerdings kannst Du Dir diese Bücher mittlerwiele auch noch billiger im Internet kaufen ... mad Ich frage mich jetzt, was wäre, wenn bei uns die Studiengebühren abgeschafft würden. Dann zieht die obige Argumentation nämlich nicht mehr. Daß dann aber die Bibliotheksgebühr wegfällt, bezweifle ich. frown Viele Grüße, Bernhard


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Lexus_ISF
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  Beitrag No.16, eingetragen 2011-02-28

Einerseits ist es gut, dass es keine Studiengebühren geben sollte, weil dann viele Leute lernen könnten und sich den Zugang zu der Bildung verschaffen können. Anderseits finde ich, wenn die Studiengebühren abgeschafft werden, dann fehlt den Studenten die Motivation. Denn alles ist schon gegeben. Man muss nicht bezahlen. Da kann man das Ganze auch auf die leichte Schultern nehmen.


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Danol
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  Beitrag No.17, eingetragen 2011-02-28

\quoteon(2011-02-28 18:19 - Lexus_ISF in Beitrag No. 16) Anderseits finde ich, wenn die Studiengebühren abgeschafft werden, dann fehlt den Studenten die Motivation.\quoteoff Ich begreife nie, was für ein Studentenbild Menschen habe, die ernsthaft so argumentieren. Studenten sind also desinteressierte, lernfaule Personen die nur durch finanziellen Zwang zum lernen gebracht werden können? Also Menschen, die Geld dafür bezahlen um dann wegen der Zahlung dieses Geldes das, wofür sie zahlen schneller/besser zu tun? Sorry, das wirkt auf mich bestenfalls abstrus. Ich kenne auch niemanden, auf den das zuträfe. (Mal so nebebei: Wenn ein Student keine Motivation zum studieren hat, warum ist er dann Student? Das wird man ja nicht ohne eigene Entscheidung.) Ich persönlich finde die Abschaffung der Studiengebühren äußerst erfreulich. Einerseits weil ich grundsätzlich der Meinung bin dass Bildung kostenfrei sein sollte, andererseits weil ich das Argument "sonst fehtl das Geld" für ein Scheinargument halte. Es gibt genug nicht/kaum besteuerte Einkommen und Vermögen hierzulande, die dafür herhalten könnten - so man denn Bildung für hinreichnd wichtig hält. Tut unser Staat leider nicht.


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moep
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  Beitrag No.18, eingetragen 2011-02-28

\quoteon(2011-02-28 19:29 - Danol in Beitrag No. 17) Es gibt genug nicht/kaum besteuerte Einkommen und Vermögen hierzulande, die dafür herhalten könnten - so man denn Bildung für hinreichnd wichtig hält. Tut unser Staat leider nicht. \quoteoff Wenn unser Staat das nicht tut, sollen wir uns dann einfach zufrieden geben mit den schlechteren Lernbedingungen? Oder kann man auch den Gedanken in den Raum werfen "Ich bin bereit, für meine Bildung auch etwas Geld zu investieren"? Natürlich ist die Idealvorstellung die, dass die Bildung frei ist und gleichzeitig hohe Qualität hat. Aber ich finde, kurzfristig gesehen ist das letztere mindestens genau so wichtig wie das erste. Ich habe Sympathie mit denjenigen, die dadurch finanzielle Schwierigkeiten bekommen, und ich unterstütze auch die Forderungen vieler Demonstrierenden, dass der Staat mehr Geld in unsere Bildung investieren sollte. Aber ich finde, jeder sollte auch bereit sein, selbst etwas für seine Bildung zu investieren. Gruß, moep


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Aikee
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  Beitrag No.19, eingetragen 2011-02-28

Hallo, man koennte natuerlich sich alle Beitraege ganz genau durchschauen, auch Diskussionen dazu in den Zeitungen und im Internet oder sonstwo und sich zu jedem Argument seine eigenen Meinung bilden. Ich halte mich jedoch meistens aus solchen Diskussionen raus, da fuer mich persoenlich die Frage unsinnig ist, ob ich FUER oder GEGEN Studiengebuehren (oder wie auch immer betitelt) bin. Der Grund dafuer? Ich habe das Geld einfach nicht. Wahrscheinlich gehoere ich zu einer Minderheit, wobei ich denke, dass auch deren Zahl wesentlich unterschaetzt wird. Ich habe waehrend meines Studiums teilweise bis zu drei Jobs gleichzeitig und komme trotzdem kaum hin, weil ich immer noch den Anspruch erhebe, weiterhin regulaer zu studieren, d.h. alle noetigen Anforderungen des Semesters zu erfuellen. Zur Zeit bin ich dabei zu realisieren, dass dieser Versuch einfach mal Schwachsinn ist und mich einfach nur kaputt macht. Man muss dazu sagen, dass ich in der 'gluecklichen' Lage bin, zwei Schwestern zu haben, die nicht studieren und ich mir somit die Studiengebuehren in BW sparen und mir aber dafuer das Gemecker vieler Einzelkinder anhoere, die ueber diejenigen schimpfen, die sich in dieser Ausnahmesituation befinden und die dann von diesen quasi 'mitfinanziert' werden. Danke dafuer, auch wenn das mit der 'gluecklichen Lage' eine aeusserst traurige Formulierung ist. Nun aber wieder zum Thema: Ich bin mir nicht sicher, ob ich gaenzlich blind durch die Uni laufe, aber spontan fallen mir mehr Verschlechterungen als Verbesserungen an meiner Uni auf. Wenn man mal die "aus Studiengebuehren finanziert"e DVD-Box von OC California (was ist das ueberhaupt?!?) und saemtliche Friends-Staffeln in der Bib mal ausser Acht laesst, hoert man bei persoenlichen Gespraechen der Professoren immer wieder raus, dass sie pingeligst darauf achten muessen, wie und wo sie ihr zugewiesenes Geld anlegen und wie sie das am besten rechtfertigen. Zitat: "Ich haette gerne jemanden, der mir mein Skript schreibt, aber die Uni stellt kaum noch Hiwi's ein, die nicht im Uebungsbetrieb taetig sind. Wenn ich das jetzt versuche, fragen sie sofort, wieviele Uebungsstunden sie denn abhalten." Hier ist die Frage diskutiert worden, woher denn sonst das Geld fuer die Unis kommen soll. Ich frage mich die ganze Zeit, wer auf die hirnrissige Idee gekommen ist, Studenten koennten dieses Geld irgendwoher haben. In der Schulzeit hat man wohl wenig Gelegenheit, sich viel von dem Geld anzusparen. Wenn man anfaengt zu studieren, wird man immer noch nicht reicher, trotz Jobs. Das war jetzt vllt nicht ganz sachlich und ich bin bestimmt auch kein bisschen auf die Diskussionsbeitraege eingestiegen. Aber vllt bringt es ja was, wenn ich auch nur einmal als Betroffene meinen unqualifizierten Senf dazugebe. Noch so viel dazu: Bald bin ich in der 'gluecklichen' Lage, die Gnade der Studentenkredite zu erhalten, weil ich das Ende des Studiums mit mehrern Nebenjobs einfach nicht packe. Noch mehr Schulden. Ich froi mich ja so. Aikee P.S.: Natuerlich bin ich total von dieser Idealvorstellung angetan, die Studiengebuehren wuerden sich ausschliesslich auf das Studium positiv auswirken.


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  Beitrag No.20, eingetragen 2011-02-28

Hallo! Das bisher einzige Argument PRO Studienbeiträge/ - Gebühren, welches mir bisher zu Ohren gekommen ist, ist, dass der angehende Akademiker einen deutlichen Einkommensvorteil NACH seinem Studium gegenüber Nichtakademikern hat. Ich frage mich nur, warum man dann nicht auch das Geld dann abgreift, wenn es da ist, also NACH dem Studium. Das nennt sich dann einfach "progressive Einkommenssteuer", nach der höhere Einkommen auch höher besteuert werden... (Aber nein, das kann man ja nicht tun, denn das wäre ja eine Steuererhöhung. Und außerdem stehen die Einnahmen dieser Steuer ja dem Bund zu, während die Hochschulausgaben bei den Ländern liegen... Manchmal nervt der Föderalisums.) Cyrix


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  Beitrag No.21, vom Themenstarter, eingetragen 2011-02-28

Hallo Cyrix, Dein Argument führt letztlich direkt zu dem, was ich seit Jahren fordere, nämlich nachgelagerte Studiengebühren. Von diesem Einkommensvorteil gegenüber Nichtakademikern kann der Akademiker ja dann etwas an seine Uni abgeben, die ihm die Ausbildung für diesen Vorteil verschafft hat. Man käme zu nachgelagerten Studiengebühren. Und wenn man das jetzt nicht in der Form der Studienkredite machen würde, sondern in Form einer prozentualen Abgabe, dann hätten die Hochschulen einen Anreiz gute "Career Services" anzubieten, denn je mehr die ehemmaligen Studenten verdienen, desto mehr würden sie bekommen. Der Student muss sich im Studium keine Geldsorgen um die Gebühren machen, denn er weiß er muss sie erst dann zahlen, wenn er sie sich auch leisten kann. Und vermutlich würde dadurch noch wesentlich mehr an die Unis gehen als man das mit direkten Studiebeiträgen machen kann. Gruß,    Felix


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Wohnort: Hamburg, z.Zt. Hannover
  Beitrag No.22, eingetragen 2011-03-01

In Hamburg haben wir ein ganz nettes Modell: Von ehemals 500 Euro pro Semester "Studiengebühr" gab es eine Senkung auf 375 Euro. Diese können zinslos gestundet werden, d.h. die Zahlung der Studiengebühren erfolgt erst nach dem Studium und auch nur, wenn man ein jährliches Einkommen von mindestens 30.000 Euro nach Beendigung des Studiums hat. Die Argumentation ging dahin, dass sich die Ausbildung offensichtlich gelohnt haben muss, ehe man zahlt. Die detaillierten Modalitäten zur Rückzahlung, z.B. Staffelung, etc., habe ich jetzt nicht im Kopf. Grundsätzlich lässt es sich mit dieser Lösung aber leben. Wer jetzt zahlen kann, der tut es und wer es eben nicht kann, der verschiebt es, bis er einen zahlungsfähigen Job hat. Grundsätzlich ist es natürlich immer von Bundesland zu Bundesland und Hochschule zu Hochschule unterschiedlich, wie mit den durch die Studenten eingenommenen Geldern umgegangen wird. An einigen Orten merkt man schnell und deutlicher etwas vom "Geldsegen", an anderen kaum bis gar nichts. Leider wird auch viel zu häufig, wie üblich in der Politik, Geld zum Fenster hinaus geworfen. Wichtig ist die Transparenz, was mit den Geldern gemacht wurde.


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Bernhard
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  Beitrag No.23, eingetragen 2011-03-01

Hallo Cyrix und Felix! Wie soll das dann aussehen, wenn das Studium - wie heutzutage üblich - an verschiedenen Unis, womöglich im Ausland absolviert wird? Wer darf dann "abgreifen"? Anteilsmäßig der Zeit nach, wielange man dort gewesen ist? Diejenige Uni, an der man begonnen hat? Die Uni, wo der Abschluß gemacht wurde (Diplom, Bachelor, Master, Doktor ...)? Die Uni, die am meisten Auslagen gehabt hat (z.B. für die Benutzung technischer Geräte, Experimente und Analysen in Physik/Chemie)! Die mit den renommiertesten Professoren? u.s.w. Das mit dem Verteilen ist ein großes Problem. Aikee hat das schon richtig dargestellt. Ich weiß zwar nicht, ob es in Mathe auch so ist, aber in Chemie scheint das schlimm auszusehen. Mein Bruder ist zwar in Österreich, kooperiert aber auch mit deutschen Unis. Das aber immer nur wenn bei einem Projekt genügend dabei herauskommt. Weder hier noch dort hat er die Möglichkeit völlig frei und unabhängig zu forschen. Es ist zwar zu bezweifeln, ob diese Praxis mit den Studiengebühren zusammenhängt und deren  Einführung bzw. Aufhebung etwas ändern würde, aber schön ist diese Fessel trotzdem nicht. mad Viele Grüße, Bernhard [Die Antwort wurde nach Beitrag No.21 begonnen.]


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TheBear
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  Beitrag No.24, eingetragen 2011-03-01

Moin, @cyrix: Es gibt doch bereits eine progressive Einkommensteuer. Dazu  hier eine Wikipediagraphik. Gruß TheBear [Die Antwort wurde nach Beitrag No.21 begonnen.]


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huepfer
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  Beitrag No.25, vom Themenstarter, eingetragen 2011-03-01

Hallo Bernhard, diese Aufteilung ist doch wahrlich kein Problem. Auch wenn das im Einzelfall nicht immer ganz fair sein mag, sollte diese Zahlung einfach danach aufgeteilt, wie lange man wo war. Im Ausland ist das Ganze ohnehin ganz anders geregelt. Dort werden "schon immer" Studiengebühren verlangt und basta. Hier aber über Details zu diskutieren halte für ziemlich müsig, denn es ist leider nicht davon auszugehen, dass der Grundgedanke hier überhaupt aufgenommen wird. Meist geht es bei der Einführung von Studiengebühren um die Überbrückung von akuten Finanzierungslöchern, es ist also nicht Zeit, erstmal 5 bis 10 Jahre zu warten, bis die ersten Zahlungen kommen. Gruß,    Felix [Die Antwort wurde nach Beitrag No.23 begonnen.]


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Ex_Senior
  Beitrag No.26, eingetragen 2011-03-01

Klar, weiß ich doch. Aber wenn mehr Geld gebraucht, kann man das einfach und gerecht dadurch regeln. Dazu braucht man keine Studiengebühren... Cyrix [Die Antwort wurde nach Beitrag No.24 begonnen.]


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huepfer
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  Beitrag No.27, vom Themenstarter, eingetragen 2011-03-01

Naja, ich weiß, dass hier das Argument kommen wird, dass sich das statistisch so nicht halten lässt, aber ich denke, dass es nur fair ist, wenn diejenigen, die durch die Hochschulbildung stärker profitiert haben und später auch mehr verdienen auch stärker zur Finanzierung herangezogen werden. Weshalb muss das ein gut verdienender in gleichem Maße, auch wenn er sich alles selbst beigebracht hat oder einfach nur Glück gehabt hat? Gruß,    Felix


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TheBear
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  Beitrag No.28, eingetragen 2011-03-01

Moin huepfer, der Grund dafür ist der, dass der Betrieb von Hochschulen der Allgemeinheit massiv zugute kommt. Denn technischer und gesellschaftlicher Fortschritt findet zu einem nicht vernachlässigbaren Teil durch die Arbeit von Akademikern statt (behaupte ich mal, einen Beweis habe ich nicht), und dieser Fortschritt kommt an sich erstmal allen zugute. Sei es durch bessere oder billiger hergestellte Geräte (z.B. sind Autos deutlich sicherer geworden), oder sei es durch Grundlagenforschung, z.B. im Bereich der Kernfusion. Von solchen Dingen hat jeder was, folglich sollte auch jeder nach seinen Möglichkeiten einen Teil dazugeben. Die Möglichkeiten von Studenten sind meist äusserst begrenzt, also sollten diese wenig oder nichts dazugeben müssen. Wenn sie dann hinterher auch persönlich noch was von dem Studium haben in Form eines hohen Einkommens, dann tragen sie halt ihren Möglichkeiten nach dann zur Aufrechterhaltung des Hochschulbetriebes bei. Der (IMO falsche) Gedanke hinter den Studiengebühren ist der, dass der Student etwas von seinem Studium hat, also soll er es auch bezahlen. So ganz kann man das dann aber auch nicht durchziehen, weil sich das dann kaum einer erlauben könnte, also lässt man die Leute so viel wie geht und durchsetzbar ist dazuzahlen. Diese Denkweise ist ein Beispiel der sich in letzter Zeit breitgemacht habenden kurzfristigen, betriebswirtschaflichen Einstellung: Alles muss sich lohnen, und Wettbewerb ist die Lösung für alle Probleme. Gruß TheBear [ Nachricht wurde editiert von TheBear am 01.03.2011 01:04:30 ]


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alexhs
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  Beitrag No.29, eingetragen 2011-03-01

Hallo TheBear, du sprichst einen wichtigen Punkt an! Falls Studienplätze knapp sind muss es ein sinnvolles Verfahren zur Vergabe geben. Meiner Meinung nach sollten knappe Studienplätze aber nicht an die finanzstärksten Studenten vergeben werden, sondern an die am besten für ein Studienfach geeignetsten Anwärter! Viele Grüße, AlexHS. [ Nachricht wurde editiert von alexhs am 01.03.2011 01:41:28 ]


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Danol
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  Beitrag No.30, eingetragen 2011-03-01

\quoteon(2011-02-28 20:19 - moep in Beitrag No. 18) Wenn unser Staat das nicht tut, sollen wir uns dann einfach zufrieden geben mit den schlechteren Lernbedingungen? Oder kann man auch den Gedanken in den Raum werfen "Ich bin bereit, für meine Bildung auch etwas Geld zu investieren"? \quoteoff Wenn Du mir verrätst wie ich nichtvorhandenes Geld investieren soll, bin ich auch bereit das zu tun (sofern ich ohne Schulden aus der Sache rauskomme). Von einem Studenten aber zu erwarten dass er sich verschuldet oder neben dem Studium arbeitet halte ich aber für zuviel verlangt (letzteres insbes. weil das die Studienqualität senkt). Übrigens sehe ich es nicht als individuelle Aufgabe ein gesellschaftliches Problem zu lösen. Für sowas ist ein Staat da, insofern ist es legitim diesbezgl. Erwartungen zu haben.


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moep
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  Beitrag No.31, eingetragen 2011-03-01

\quoteon(2011-03-01 02:46 - Danol in Beitrag No. 30) Wenn Du mir verrätst wie ich nichtvorhandenes Geld investieren soll, bin ich auch bereit das zu tun (sofern ich ohne Schulden aus der Sache rauskomme). Von einem Studenten aber zu erwarten dass er sich verschuldet oder neben dem Studium arbeitet halte ich aber für zuviel verlangt (letzteres insbes. weil das die Studienqualität senkt). Übrigens sehe ich es nicht als individuelle Aufgabe ein gesellschaftliches Problem zu lösen. Für sowas ist ein Staat da, insofern ist es legitim diesbezgl. Erwartungen zu haben. \quoteoff Ich halte es nicht für zu viel verlangt, Schulden zu machen, insbesondere wenn man sich mal Bafög anschaut, bei dem man nur einen Teil zurückbezahlen muss und es so viele Regelungen zum Erlassen der Gebühren gibt. Aber das ist nur meine Meinung. Und da sich diese Diskussion hier im Kreis dreht, halte ich mich ab sofort raus. Gruß, moep


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huepfer
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  Beitrag No.32, vom Themenstarter, eingetragen 2011-03-01

Ich kann mich moep da eigentlich nur anschließen. Für ein Haus oder Auto ist fast jeder bereit, Schulden zu machen. Dabei ist der zu erwartende Profit bei einem Studium um einiges höher und die Eintrittswahrscheinlichkeit ebenfalls. Aber letztlich sehe ich auf allen Ebenen, dass Bildung eben nicht wertgeschätzt wird, weder von "den Einzelnen", die in ihre eigene Bildung investieren könnten, noch von "der Masse", die über entsprechende Steuermittel eine angemessene Finanzierung sicherstellen könnte. Gruß,    Felix


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  Beitrag No.33, eingetragen 2011-03-01

Der Unterschied ist, dass bei der Finanzierung eines Autos oder Hauses die Leute schon ein regelmäßiges Einkommen besitzen, von dem sie die Raten bezahlen. Der Student, der aufgefordert wird, einen Kredit aufzunehmen, muss dies von einem hypothetischen Einkommen in der Zukunft tun... Cyrix


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Bernhard
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  Beitrag No.34, eingetragen 2011-03-02

Hallo Cyrix! Soviel ich weiß, werden dafür vom Staat Kredite angeboten, die bei Null oder zumindest bei einer Verzinsung unter der Inflation liegen. Im Gegensatz zum Autokauf hast Du also sogar ein Geschäft gemacht! @ Felix: Von Beamten, Akademikern allgemein, Medizinern u.ä. wird immer gesagt, sie verdienten u.a. auch deshalb höhere Gehälter als andere Arbeitskräfte, weil sie solange gelernt haben und ausgebildet worden sind. Und das, selbst wenn sie mal genau die gleiche Arbeit leisten, was heutzutage durchaus der Fall sein kann, da immer mehr Stellen nicht mehr dauerhaft besetzt werden. Ich will hiermit keine Neiddebatte anstoßen, aber ich denke, diese "Besserverdienenden"* ruhig auch ein bißchen ihrer teuren Ausbildung posthum finanzieren können. Viele Grüße, Bernhard * Eigentlich ein Wort, daß ich gar nicht mag, Weil es gleichj so nach Neid klingt, nur fällt mir hier nichts andres ein mad


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Hans-im-Pech
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  Beitrag No.35, eingetragen 2011-03-03

Ich finde es einen Widerspruch, dass die Politik einerseits die Forderung nach mehr Akademikern erhebt, andererseits aber in vielen Bundesländern Studiengebühren erhebt. Warum sollte das gut sein?! D braucht in vielen Bereichen sehr gut ausgebildete Leute - hier geht es um die Zukunftsfähigkeit unseres Landes. Hier sollte man - wie übrigens schon in den Schulen - nicht sparen! Natürlich hat der Staat eine Menge Ausgaben zu schultern - aber (auch wenn das jetzt ziemlich plump klingt) solange wir Geld haben, um spekulierende Banken zu retten, solange wir für Griechenland (das wesentlich höhere soziale Standards als D hat) bürgen, darf Geld kein Argument sein, um an der Bildung zu sparen!


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Rebecca
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  Beitrag No.36, eingetragen 2011-03-03

\quoteon(2011-03-02 23:47 - Bernhard in Beitrag No. 34) Soviel ich weiß, werden dafür vom Staat Kredite angeboten, die bei Null oder zumindest bei einer Verzinsung unter der Inflation liegen. Im Gegensatz zum Autokauf hast Du also sogar ein Geschäft gemacht! \quoteoff Hi Bernhard, das stimmt leider nicht, wie du bei einer Google-Suche mit dem Wort "Studienkredite" sofort sehen kannst. Der Zinssatz liegt bei allen Anbietern deutlich über der Inflationsrate. Außerdem ist der Zinssatz in der Regel variabel, so dass du bei Kreditabschluss nicht beurteilen kannst, wie hoch die Belastung bei der Rückzahlung ist. Außerdem beginnt die Rückzahlung relativ kurz nach Studienende unabhängig davon, ob du dann schon über ein entsprechendes Einkommen verfügst. Gruß Rebecca [ Nachricht wurde editiert von Rebecca am 03.03.2011 14:49:48 ]


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  Beitrag No.37, eingetragen 2011-03-03

@Bernhard: Betrachtet man nur direkte Steuern (d.h. im wesentlichen nicht die Mehrwertsteuer und keine Sozialversicherungsabgaben), dann zahlen die Besserverdienenden in Deutschland nicht nur absolut, sondern auch relativ mehr in das Steuersäckel. Insofern tun sie durchaus auch mehr für das Gemeinwohl als "der kleine Arbeiter". Was ich nur sehr seltsam finde, ist die Argumentation für Studiengebühren: Es ist wenig Geld da vom Land für die Finanzierung seiner Ausgaben. Also müssen zusätzliche Einnahmequellen erschlossen werden. Und da wurden die Studenten entdeckt... Nur anstatt ehrlich die Steuern zu erhöhen (was mit einer durch "Mehr Netto vom Brutto"-Sprüchen gewonnenen Bundestagswahl und einer 15%-igen Steuersenkungspartei wohl kaum zu machen sein dürfte), versucht man so eben an anderer Stelle an das Geld zu kommen. (Man denke z.B. an die Schuldenbremse...) Cyrix


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Hans-im-Pech
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  Beitrag No.38, eingetragen 2011-03-03

Hinzu kommt, dass den Regierungen, die Gebühren eingeführt haben, ein bißchen Ehrlichkeit ganz gut getan hätte. Hätte man gesagt: Wir haben kein Geld, die Universitäten sind teuer, wir müssen diejenigen, die von den Unis in erster Linie profitieren, an den Kosten beteiligen, um den Status quo zu halten => Studiengebühren Dann wäre das zumindest ehrlich gewesen (ich wäre - siehe mein Beitrag weiter oben - dennoch dagegen gewesen). Aber zu sagen, wir erheben Gebühren, um die Qualität, Ausstattung.... zu verbessern, ist einfach Augenwischerei. Es war klar, dass früher oder später die Länder das Geld, das durch Gebühren für die Unis generiert wird, einsparen werden. HiP


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