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Kein bestimmter Bereich J Warum ist Mathematik so unbeliebt?
weserus
Senior Letzter Besuch: vor mehr als 3 Monaten
Dabei seit: 13.12.2003
Mitteilungen: 1207
Wohnort: Northeim
  Themenstart: 2012-03-19

Mathematik Hallo, ein aktueller Artikel zu einem alten Thema; vielleicht jedoch auch neuen Gesichtspunkten. Gruß weserus


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Tonar
Ehemals Aktiv Letzter Besuch: vor mehr als 3 Monaten
Dabei seit: 17.03.2005
Mitteilungen: 792
  Beitrag No.1, eingetragen 2012-03-19

Aus meiner beschränkten Erfahrung waren die Fachleute an meiner Schule auch die guten Lehrer (sowohl für gute als auch für schlechte Schüler).


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AllenscheRegel
Wenig Aktiv Letzter Besuch: vor mehr als 3 Monaten
Dabei seit: 06.03.2012
Mitteilungen: 573
  Beitrag No.2, eingetragen 2012-03-19

Ich habe in meiner gesamten Oberstufenzeit nur einen Lehrer gehabt und der ist fachlich würde ich sagen sehr kompetent (hat einen Dr. Titel, aber ich mache es nicht nur daran fest). Für einen Lk ist der auch wirklich ein absoluter Top-Lehrer, könnte mir keinen besseren vorstellen. Für den Gk siehts aber anders aus, er ist sehr streng wenn man zb seine Hausaufgaben nicht gemacht hat oder so. Ich denke, dass es zu einem großen Anteil einfach auf die Chemie zwischen Lehrer und Schülern ankommt und man nicht prinzipiell sagen kann dieser Lehrer ist schlecht und dieser ist gut. Ich hätte beispielsweise keine Lust auf einen der Lehrer, die im Gk bei uns beliebt sind, weil die sich mathematisch nicht annähernd so prezise ausdrücken können (oder wollen) wie unser Lk-Lehrer, bei dem man sich so einiges abgucken kann. Ist natürlich auch nur meine Meinung :) Lg.


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makw
Neu Letzter Besuch: vor mehr als 3 Monaten
Dabei seit: 27.09.2007
Mitteilungen: 2
  Beitrag No.3, eingetragen 2012-03-24

Jeder kann ein guter Lehrer sein, solange er der Schüler was lernt. Dann muss es nicht immer pädagogisch gut sein, denn wir lernen ein Leben lang


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Gerhardus
Senior Letzter Besuch: in der letzten Woche
Dabei seit: 22.09.2010
Mitteilungen: 415
Wohnort: Wetterau
  Beitrag No.4, eingetragen 2012-03-24

Das Problem sind weniger die Lehrer. Wir wissen zu wenig, wie die Schüler ticken. Dazu fehlen konkrete Einzelfall-Studien. Was genau geht im Schüler X oder in der Schülerin Y vor, wenn sie mit Mathematik konfrontiert sind. Das über einen längeren Zeitraum der Entwicklung herauszufinden, ist gar nicht so einfach. Aber dann wüssten wir vielleicht genauer, woher die Apathie mancher Schüler herrührt. Analysen aus dem Elfenbeinturm helfen nicht mehr weiter. Das Mathematikum bietet schöne Motivationen. Aber das Glück hält nur solange an, wie die Kinder sich dort aufhalten. Es kann ja keinen Matheunterricht bieten. Sinnvolles Mathe-Spielzeug zu Hause zu haben, ist auch nützlich. Aber es gibt kein Patentrezept für alle Schüler... Ergänzung: Warum achtet kaum jemand auf unsere Schulbücher? Dabei sind die doch so wichtig! Schulbücher sind Materialien für die Unterrichtsgestaltung, keine Bücher, mit denen sich die Schüler selbst beschäftigen können. Leider legen unsere Didaktiker auf die Entwicklung der Selbstbeschäftigung kaum Wert, weil sie alle Lernschritte immer genau kontrollieren wollen, um sie begreifbar zu machen. Der Aspekt der Selbstbeschäftigung und des Selber-Ausprobierens ist auch eine Stärke des Mathematikums. Es wäre gut, wenn die Lehrer die Schulbücher bei Amazon oder im Matheplanet intensiver besprechen könnten, und zwar mit Hinweisen, welche unerwarteten Probleme die Schüler mit den Büchern haben. Denn die Schüler sind dazu meist noch nicht in der Lage...   [ Nachricht wurde editiert von Gerhardus am 26.03.2012 10:50:12 ]


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Ehemaliges_Mitglied
  Beitrag No.5, eingetragen 2012-03-27

Hi, ich nehme mir mal das Recht und äußere mich auch dazu. Ich sehe es ja jeden Tag in der Schule und kann hier von Erfahrung sprechen. Das Problem mit der Mathematik ist, dass sie einen frustriert. Man versteht das Thema meist auf Anhieb nicht (was absolut normal ist, hier möchte ich kurz unseren Rektor rezitieren: ''In der Mathematik versteht man erstmal immer gar nichts!'') und bringt einfach nicht den nötigen Elan auf, sich mit der Sache auseinanderzusetzen oder versteht einfach nicht, warum es genau so gemacht wird. Dieser Punkt deprimiert und frustriert einfach nur und dadurch wird dieses Fach verständlicherweise schnell zum Hassfach. Ich selbst weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich Mathematik mag oder nicht. Ich kämpfe täglich mit Problemen des abstrakten Denkens, stehe jedoch auf sehr guten Noten und werde von meinen Mitschülern als 'ne Art Mathecrack angesehen, was ich aber, wie ihr oft schon gesehen habt, nicht bin. Bei mir ist das eher 'ne Art Hassliebe mit der Mathematik. Gruss [ Nachricht wurde editiert von Astro am 27.03.2012 18:32:44 ]


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Hans-Juergen
Senior Letzter Besuch: in der letzten Woche
Dabei seit: 31.03.2003
Mitteilungen: 1472
Wohnort: Henstedt-Ulzburg
  Beitrag No.6, eingetragen 2012-03-27

Hallo Astro, "Hassliebe" ist schon ganz gut, jedenfalls besser als nur Hass. Es gibt ja im Internet regelrechte Mathe-Hassseiten, aber auch Gegenteiliges, was die Beliebtheit der Mathematik in Schülerkreisen betrifft, z. B. hier und hier. Vieles hängt von der Qualität der Lehrer ab, doch spielt vorhandene oder mangelnde Begabung ebenfalls eine Rolle. Und das gilt für die meisten Schulfächer. Manche Schüler und Schülerinnen können Sport oder den Fremdsprachenunterricht nicht leiden, weil sie dafür nicht genug begabt sind. Anderen sind Gedicht-Interpretationen ein Greuel, und obwohl sie sich dabei abmühen, bringen sie oft nur wenig zustande. Ich freu' mich, dass Du trotz großer Schwächen, die wir aus früheren Forumsbeiträgen von Dir kennen, im ganzen vorankommst und anscheinend den Mut nicht verlierst. Mach' weiter so und sei gegrüßt! Hans-Jürgen  


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Buri
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Dabei seit: 02.08.2003
Mitteilungen: 46581
Wohnort: Dresden
  Beitrag No.7, eingetragen 2012-03-27

\quoteon(2012-03-27 18:28 - Astro in Beitrag No. 5) ich nehme mir mal das Recht und äußere mich auch dazu ... \quoteoff Hi Astro, natürlich darfst du das, und ebenso wie Hans-Juergen begrüße ich deinen Beitrag sehr. Du hast deine Gründe sehr überzeugend dargelegt, und was besonders wichtig ist, du siehst dich genau so, wie du wirklich bist. Es ist unglaublich schwierig, in wenigen Worten zu sagen, was dir noch fehlt, um die "Hassliebe" in eine Begeisterung zu verwandeln. Trotzdem versuche ich es: Die mathematische Denkweise zu erlernen (Aussagen so zu formulieren oder Aussagen von anderen so zu verstehen, dass es nur "richtig" oder "falsch" gibt, wenn nötig, unklare Formulierungen durch klare Aussagen zu ersetzen und erst dann zu prüfen) ist wichtig, und vor allem die Freude zu erkennen, warum Mathematik so perfekt ist, das heißt, im Rahmen der ihr gesteckten Möglichkeiten soviel Nützliches liefern kann und soviele Überraschungen bereit hält. Gruß Buri


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Ehemaliges_Mitglied
  Beitrag No.8, eingetragen 2012-03-27

Hi Buri und Hans-Jürgen, danke für die aufbauenden Worte, ich hoffe, dass ich weiterhin die Leiter hinaufsteigen kann. Nichtsdestotrotz geht diese Diskussion jetzt zu sehr in meine Richtung, weswegen ich es begrüße, wenn wir wieder zur allgemeinen Themenlage übergehen könnten. Grüße


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Lordfelice
Aktiv Letzter Besuch: im letzten Quartal
Dabei seit: 18.03.2010
Mitteilungen: 186
Wohnort: Deutschland
  Beitrag No.9, eingetragen 2012-03-27

Hallo, ich glaube es sind einfach bestimmte Ereignisse die einen weiter motivieren lassen, sozusagen einen Anstoß geben. Wenn man seit Anfang Schwierigkeiten in Mathe hat, holt man die nicht mehr so leicht auf, wenn man Mathe nicht sonderlich mag. Ich zum Beispiel habe sehr früh gemerkt, dass ich in Mathe das Zeug grundsätzlich verstehe und dass es mit ein bisschen Fleiß auch klappt. Dann gab es in der 4ten Klasse so einen Mathewettbewerb, mitgemacht und auch in die nächste Runde gekommen. Ich war dann schon bisschen stolz auf mich selbst und ging gut motiviert aufs Gymnasium. Dort war ich Anfangs gut, aber irgendwie hab ich in der 6ten,7ten,8ten die totale Lust verloren und war ziemlich schlecht in Mathe, richtig schlecht. Die genauen Gründ weiß ich nicht, vielleicht die Pubertät. Aber in der 9ten Klasse hab ich begriffen, dass ich irgendwann mal ja einen Beruf haben sollte und hab mich wieder auf meine Stärken konzentriert und siehe da es hat wieder suuuuper geklappt. Es war kein Lehrer der mir das klar gemacht hat, einzig allein ich. Seitdem versuche ich auch meinen Mitschülern immer zu helfen, soweit es geht. Bei uns an der Schule gibt es eigentlich gute Lehrer, manche Lehrer sind aber halt "richtige" Mathematiker und hätten vielleicht keine Lehrer werden sollen. Jeder hat seine Stärken irgendwo und wenn man Fleiß da reinsteckt dann klappt es auch. Bei mir ist es eigentlich keine Hassliebe, wenn ich ein Problem vor mir habe, dann wird das eigentlich solange bearbeitet bis ich es gelöst habe oder verstanden habe. Die Lehrer können mich eigentlich kaum noch motivieren, das geschieht eigentlich nur durch meine eigenen Zielsetzungen. Gruß Felix [ Nachricht wurde editiert von Lordfelice am 27.03.2012 21:39:45 ]


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Gerhardus
Senior Letzter Besuch: in der letzten Woche
Dabei seit: 22.09.2010
Mitteilungen: 415
Wohnort: Wetterau
  Beitrag No.10, eingetragen 2012-03-28

Hallo, die Beiträge zeigen, dass in der öffentlichen Debatte die Rolle des Lehrers stark überschätzt wird und der Wille des Schülers unterschätzt. Wenn der Schüler keinen Bock mehr hat, muss das nicht am Lehrer liegen. Wenn wir aber merken, dass wir mehr Erfolg haben, wenn wir die Dinge anders erklären, dann sollten wir das unbedingt festhalten und weitersagen. Mir macht Mathematik Spaß, weil ich immer wieder Neues entdecke und im Umgang mit Nachhilfeschülern lerne, manches besser zu strukturieren. Das setzt ein Mindestmaß an Kreativiät (Spielfreude) und Grundwissen voraus, vor allem das Wissen, dass sich Mathematik konstruktiv aus kleinen einfachen Teilen zusammensetzt. Dabei ist es völlig idiotisch zu glauben, dass man automatisch konstruieren kann, wenn man die Teile kennt. Als Beispiel nenne ich den Beweis mit der Vollständigen Induktion. Wer ihn kennt, für den ist er etwas ganz Einfaches. Für den Neuling ein Buch mit sieben Siegeln. Im Buch Mathematisch für Anfänger werden zig Beispiele durchgerechnet. Aber es fehlt an Struktur. Worum geht es? Wir haben eine Reihe mit Summanden f(k) (k = 1,..., n)und ihre Summe S(n). Was müssen wir zeigen? 1.   f(1) = S(1) und 2.   S(n) + f(n+1) = S(n+1) Die zweite Gleichung, die durch reine Termumformungen bewiesen wird, wird in vielen Büchern nicht erwähnt, statt dessen werden meist nur einzelne Beispiele durchgerechnet. Einige Studenten/Schüler schaffen es, Beispielrechnungen zu richtigen Regeln zu verallgemeinern, andere haben damit größere Schwierigkeiten. Damit will ich sagen, dass unsere Art, Mathematik zu erklären, keineswegs perfekt ist, sondern ständig verbesserungswürdig.   Zum Schluss noch ein Wort zur Rolle des Lehrers. Mir hat mal eine Mutter vorgeworfen: "Sie müssen doch meinen Sohn kennen, Sie arbeiten doch mit ihm regelmäßig in der Nachhilfe." Darauf kann ich nur antworten: Es ist völlig irrsinnig zu glauben, der Lehrer würde seine Schüler besser kennen als jemand anders. Das Innere des Schülers bleibt immer ein Rätsel. Dagegen hilft nur die Ermutigung des Schülers, mehr über sich preiszugeben. Nun möchte ich nochmal das Stichwort "Mathe-Spielzeug" aus meinem ersten Beitrag aufgreifen. Es wäre schön, wenn sich unsere Pädagogen mehr darum kümmerten. Ich denke an die geometrischen Puzzles (Tangram etc.), die ich pädagogisch für sehr wertvoll halte, weil sie den Sinn für geometrische Proportionen schärfen. Als System  (Geduldspiele) gibt es sie mit verschiedenen Schwierigkeitsgraden bei der Firma Anker in Rudolstadt, allerdings nur im empfindlichen Kunststein. Holz finde ich einfach besser. Weitere Anregungen zum Spielen findet man auf der Internetseite mathematische-basteleien. [ Nachricht wurde editiert von Gerhardus am 28.03.2012 15:07:14 ]


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Tonar
Ehemals Aktiv Letzter Besuch: vor mehr als 3 Monaten
Dabei seit: 17.03.2005
Mitteilungen: 792
  Beitrag No.11, eingetragen 2012-03-28

@Lordfelice Was ist der Unterschied zwischen den guten Lehrern und den "richtigen" Mathematikern?


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chryso
Senior Letzter Besuch: vor mehr als 3 Monaten
Dabei seit: 07.02.2009
Mitteilungen: 10529
Wohnort: Österreich
  Beitrag No.12, eingetragen 2012-03-28

Warum für viele Schüler Mathematik ein Fach ist, dass sie nicht mögen, hat oft folgende Gründe (wurde ja auch schon angesprochen): 1) Der Stoff wird nicht gleich verstanden. 2) Wenn man etwas nicht versteht und man soll etwas rechnen, geht das nicht. Dann wird der Weg auswendig gelernt, aber trotz des Aufwands bleibt das Ergebnis bescheiden. Das ist frustrierend. 3) Nur wenige Schüler trauen sich, bei Verständnisschwierigkeiten nochmals nachzufragen. 4) Viele Lehrer erklären das auf einem Niveau, das  schon bei der Ersterklärung dazu geführt hat, dass die Schüler nichts verstanden haben. 5) Manche Lehrer werden schnell ungeduldig, wenn sie zum vierten Mal dasselbe erklären sollen. (Ich nicht wink , das Problem ist nur, dass ich mir dann noch eine unterschiedliche Erklärung einfallen lassen muss, siehe 4) ) 6) Schüler wagen oft nicht zu fragen, da sie auf die Frage :"Was konkret verstehst du nicht?" keine Antwort wissen. Es ist ihnen ALLES unklar. Was sollten sie da antworten? 7) Neben anderen Gründen ist die Pubertät ein Faktor, der das Interesse an Mathematik sehr schrumpfen lässt. Was soll da Mathematik begeistern, wenn man gerade unglücklich (oder auch glücklich) verliebt ist? Überhaupt, wenn das Verstehen von Mathematik nur mit Aufwand möglich ist. LG chryso [Die Antwort wurde nach Beitrag No.10 begonnen.]


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bstrd
Senior Letzter Besuch: vor mehr als 3 Monaten
Dabei seit: 04.05.2010
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  Beitrag No.13, eingetragen 2012-03-28

Vielleicht ist Mathematik in der Schule so unbeliebt, weil Schulmathematik fuer viele einfach langweilig und uninteressant ist? Muss man sich unbedingt Gedanken darueber machen, warum Jungs ungerne mit Barbies spielen und wie man das Problem loesen koennte? Ich z.B. fand Schulmathematik einfach scheisse. Sei es das Ausrechnen von irgendwelchen Flaecheninhalten, das Berechnen von Tangenten, das "Diskutieren von Kurven" oder das pseudoangewandte Rumrechnen mit Vektoren - vollkommen egal wie viel Interesse und Begeisterung ein Lehrer gezeigt hat, egal wie viel Anwendungsbezug praesentiert wurde: Ich fand Schulmathematik nicht gut. Und rueckblickend find ich sie immer noch nicht gut. Ich denke, man muss das auch einfach akzeptieren koennen. bstrd


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Ehemaliges_Mitglied
  Beitrag No.14, eingetragen 2012-03-28

@ bstrd Aber du studierst doch Mathe oder nicht?


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darkhelmet
Senior Letzter Besuch: im letzten Monat
Dabei seit: 05.03.2007
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  Beitrag No.15, eingetragen 2012-03-28

@bstrd: Meinst du, dass man das ändern könnte (sollte), oder dass das einfach in der Natur der Sache liegt?


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bstrd
Senior Letzter Besuch: vor mehr als 3 Monaten
Dabei seit: 04.05.2010
Mitteilungen: 397
Wohnort: Berlin
  Beitrag No.16, eingetragen 2012-03-28

@Astro: Ja @darkhelmet: Ich denke, es gibt einfach Dinge, die manche Menschen interessant finden und andere nicht. Ich glaube nicht, dass man da viel machen kann. Ich kann mir vorstellen, dass die meisten Menschen hier auf dem Planeten auch der Schulmathematik etwas abgewinnen konnten, zumindest so viel, dass sie zufrieden stellende Noten bekamen. Insofern haben wohl auch einige hier das Gefuehl, man muesse "den anderen" die Freude an Mathematik naeher bringen. Nun, ich gehoerte bis zum Abitur zu "den anderen" und sage aus vollster Ueberzeugung: Die Leute, die es nicht interessiert, die interessiert es auch dann nicht, wenn der Lehrer sich ein Bein ausreisst beim Unterrichten. Und Mathematik (auch Schulmathematik) kann man nur dann erfolgreich betreiben, wenn man Interesse daran hat. bstrd


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Lordfelice
Aktiv Letzter Besuch: im letzten Quartal
Dabei seit: 18.03.2010
Mitteilungen: 186
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  Beitrag No.17, eingetragen 2012-03-28

@Tonar:  es gibt die Lehrer die wirklich einen etwas beibringen wollen und dies auch gut können. Aber es gibt Lehrer die einfach 45 min vorne stehe, hinschreiben und nichts dazusagen. Die Leute sind vielleicht keine schlechten Mathematiker, aber meiner Meinung falsch in dem Beruf. Ich hatte zweinal das vergnügen solche Lehrer zu haben. Ohne Eigeninteresse und eigenständiges nacharbeiten, wird das nichts mit erfolgreichem Lernen Gruß Felix


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Ehemaliges_Mitglied
  Beitrag No.18, eingetragen 2012-03-28

@ bstrd Wie kommt es, dass du Mathe studierst, wenn du das Fach schon im vornherein nicht mochtest?


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Ex_Senior
  Beitrag No.19, eingetragen 2012-03-28

@bstrd: Du reißt einen interessanten Aspekt an. Sind die Lehrinhalte des Mathe-Unterrichts eventuell die falschen? Wie könnte man andere Schwerpunkte setzen, die mehr Begeisterungs-Möglichkeiten bereitstellen? @Lordfelice: Um ehrlich zu sein - für die Oberstufe halte ich ein solches Vorgehen im Unterricht durchaus für sinnvoll. Als Schüler will man die Studierfähigkeit (allgemeine Hochschulreife) attestiert bekommen; dann sollte man auch während der Schulzeit an die Arbeitsweise im Studium heran geführt werden. Für die Unter- und Mittelstufe dagegen ist es schon deutlich was anderes. Auch wenn da die Schüler schon sich selbstständig Dinge erarbeiten sollten, muss man sie doch deutlich stärker dabei "führen"... btw: Ich gehe in der Aussage des Artikels, dass die besseren Mathematiker die schlechteren Didaktiker und Pädagogen seien, nicht mit. Ich würde sogar eher eine umgekehrte Aussage treffen. Denn diejenigen Lehrer, die ihr Fach verstehen, begeistern auch durch viel mehr Engagement und Enthusiasmus. Cyrix


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Peregrin_Tooc
Senior Letzter Besuch: vor mehr als 3 Monaten
Dabei seit: 17.06.2009
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  Beitrag No.20, eingetragen 2012-03-28

Nur hat sich herausgestellt, dass die Frontalvorlesungen der Universität nicht unbedingt optimal sind und mehr und mehr spricht sich das auch bei den Dozenten rum - die Vorlesungen werden dialogorientierter und leben sehr von einem Miteinander von Dozenten und Studenten. Macht nicht nur viel mehr Spaß, man lernt auch mehr dabei. Am liebsten ist mir immer noch mein "Diplomvater", der einfach alle 5 Minuten eine Frage stellt, sich irgendjemanden herauspickt und den was fragt. Was aus der letzten Vorlesung oder auch was, was man nun sehen sollte... wenn man sich irrt, lobt er einen, weil man sich was traut, wenn mans richtig hat, lobt er einen dafür, dass mans richtig hat - und jeder denkt mehr mit als sonst, man will ja gut dastehen, wenn man gefragt wird :D


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Lordfelice
Aktiv Letzter Besuch: im letzten Quartal
Dabei seit: 18.03.2010
Mitteilungen: 186
Wohnort: Deutschland
  Beitrag No.21, eingetragen 2012-03-28

Ich hatte die besagten Lehrer in der 7ten und 8ten Klasse, eigentlich zu früh für komplett eigenständiges Arbeite n.In der Oberstufe hab ich nichts dagegen.


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chryso
Senior Letzter Besuch: vor mehr als 3 Monaten
Dabei seit: 07.02.2009
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Wohnort: Österreich
  Beitrag No.22, eingetragen 2012-03-28

@Peregrin_Tooc Bei mir war es auf der Uni umgekehrt. Da mussten die Vortragenden aufpassen. wink Ich habe an einer kleinen Universität studiert, aber selbst dort war das nicht üblich, was ich als Studentin machte: Wenn ich das Gefühl hatte, dass sich der Professor oder Assistent in einer Vorlesung irrte, unterbrach ich ihn (ich kann mich heute darüber nur wundern) und machte ihn auf den 'Fehler' aufmerksam. Manchmal hatte ich Recht, aber manchmal auch nicht. Dass dies nicht üblich war, merkte ich erst an der Reaktion einiger Mitstudenten, die mich für "frech" hielten. Ein Assistent und späterer Professor erklärte mir aber nach ein paar Jahren, dass er gerade diese Diskussionen mit mir richtig genossen hätte. Ist aber eigentlich schon off topic. LG chryso   [Die Antwort wurde nach Beitrag No.20 begonnen.]


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Peregrin_Tooc
Senior Letzter Besuch: vor mehr als 3 Monaten
Dabei seit: 17.06.2009
Mitteilungen: 762
Wohnort: St. Ingbert
  Beitrag No.23, eingetragen 2012-03-28

Das ist hier am Institut allerdings auch so üblich, dass man jederzeit unterbrechen und fragen kann - und da es bei uns meist nach 45 Minuten eine Pause gibt, wird in der häufig mit dem Dozenten diskutiert. In Vorlesungen, die aufgrund der geringen Hörerzahl fast Seminarcharakter haben, lernt man so unglaublich viel.


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Ex_Senior
  Beitrag No.24, eingetragen 2012-03-29

@Peregrin_Tooc: Nun, die Informationsdichte ist in einer Vorlesung nunmal deutlich höher als in der Schule - Diskussion hin oder her. (Am höchsten wurde sie für mich in einer Privat-Veranstaltung meines Diplomarbeits-Betreuers mit mir [ein 2SWS-"Seminar"]; weil man sich dann nicht mehr auch nur eine kurze Auszeit nehmen konnte  - ich hab in dem Seminar deutlich mehr gelernt als in jeder anderen Veranstaltung...) Und das selbstständiges Arbeiten trotzallem auch immernoch einen Großteil der wissenschaftlichen Tätigkeit [die man als Student erlernen soll] ausmacht, wird sich auch in Zukunft nicht ändern. Insofern sehe ich in einem entsprechend dem Alter angepassten Unterricht in dieser Richtung durchaus als sinnvoll an. Wobei ein Unterrichtsgespräch - sofern man es sinnvoll und nicht gezwungen am Laufen erhalten kann ohne allzu sehr einzugreifen - für die Schüler auch ein sehr motivierendes Vorgehen ist. Von dieser Orgie von Gruppenarbeiten der modernen Didaktik halte ich dagegen nur begrenzt viel. Zur Auflockerung ab und an mal mag es ganz nett sein; aber das Allheilmittel ist es nicht... Cyrix


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Martin_Infinite
Senior Letzter Besuch: vor mehr als 3 Monaten
Dabei seit: 15.12.2002
Mitteilungen: 39133
Wohnort: Münster
  Beitrag No.25, eingetragen 2012-03-29

Ich habe die Diskussion nicht gelesen (werde es auch nicht), will nur etwas zum Titel sagen, über den ich immer wieder stolpere: Mathematik ist beliebt. So, mehr wollte ich nicht sagen razz


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Hellfish
Senior Letzter Besuch: vor mehr als 3 Monaten
Dabei seit: 21.12.2011
Mitteilungen: 912
  Beitrag No.26, eingetragen 2012-03-29

@chryso ist das wirklich unüblich? Schließlich ist man auf der Universität und die Professoren sind auch nicht unfehlbar. Also in meiner Schule war es so das man ein Thema über mehrer Wochen platt geredet hat und immer wieder Aufgaben dazu gerechnet hat, was für die Leute dies Verstanden haben einfach total langweilig war und für die Leute die ich damit nicht beschäftigen wollen möglicherweise minimal hilfreich. Das Problem ist meines Erachtens so, das Abitur mittlerweile(?) einen anderen Stellenwert bekommen hat. Dadurch das ein Großteil derer, die Abitur machen, nicht studieren gehen, ist der Stoff deutlich "Anwendungsorientierter" (Jedenfalls die Aufgaben in den Büchern versuchen zwanghaft das einem Vorzumachen). Dadurch ist Mathematik in der Schule lediglich Kampfrechnen, und die Professoren in der Universität meckern jedes Jahr darüber das die Studenten kein bisschen Studierfähig sind. Ich persönlich konnte Gruppenarbeiten wenig bis nichts abgewinnen, in meinem Leistungskurs saßen entweder saß man in einer Gruppe voll unmotivierter Leute (zu denen ich übrigens dazugehörte, ich konnte es mir zum Glück allerdings leisten), da hat dann niemand was gemacht, zur not hat man die sehr niveaulosen Aufgaben im Kopf durchgerechnet, oder man saß in einer Gruppe mit motivierten Leute, da war man nach einem Zehntel der gegebenen Zeit fertig und konnte die restliche Zeit Däumchen drehen. MFG Hellfish


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Hans-Juergen
Senior Letzter Besuch: in der letzten Woche
Dabei seit: 31.03.2003
Mitteilungen: 1472
Wohnort: Henstedt-Ulzburg
  Beitrag No.27, eingetragen 2012-03-29

@ Martin_infinite (No. 25) Stimmt. Siehe die Links im Beitrag No. 6. Gruß, Hans-Jürgen


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xycolon
Senior Letzter Besuch: vor mehr als 3 Monaten
Dabei seit: 11.11.2004
Mitteilungen: 2643
Wohnort: Herten
  Beitrag No.28, eingetragen 2012-03-29

Ich würde bstrd zustimmen. Warum muss man Mathematik mögen? Sicherlich sollten Lehrer interessanten Unterricht machen und versuchen, interesse für ihr Fach zu wecken. Aber jeder Mensch hat eigene Interessen und das wird sich nicht ändern lassen. Ich fand etwa ein Drittel der Fächer in der Schule zum Kotzen, da gehörte bei mir nicht Mathe zu, aber so Kram wie Kunst, Musik, Sozialwissenschaft oder Religion. Und vielleicht noch andere Fächer, die ich verdrängt habe. Da muss man halt durch, das gehört zur humanistischen Bildung. Andersrum sieht es doch mit Mathematik genauso aus. gruß, xycolon


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mathema
Senior Letzter Besuch: im letzten Monat
Dabei seit: 20.12.2005
Mitteilungen: 517
Wohnort: Paderborn, NRW
  Beitrag No.29, eingetragen 2012-03-29

@ chryso Ich hab es ähnlich erlebt - eigentlich schon ab der Oberstufe. Und mir fällt eigentlich erst heute auf, wie viel Glück ich mit meinen guten Lehrern hatte, wenn ich heutzutage mit manchen Schülern und Studenten rede. Und eigentlich war gerade diese Hierarchie-Freiheit genau das, was Mathematik noch einmal mehr besonders attraktiv gemacht hat, dass Professoren sich für Korrekturen oder Verbesserungsvorschläge (in Beweisführungen etc.) bedankten und sie gerne darüber diskutierten ... Ich kenne aber leider auch sehr viele Schüler, deren Lehrer Diskussionen abwürgen und sich auf ihre 'Autorität' berufen, die aber z.B. nicht in der Lage sind, einen anderen Beweis oder Lösungsweg - als im Lösungsbuch - angeben zu akzeptieren. Und dann gibt es da ja auch noch einen Teil von Schülern und Studenten, die völlig uninteressiert an solchen Diskussionen sind. "Sagt mir die richtige Lösung und ich lern es einfach! Fertig!" Dass Mathematik da keine Freude macht, kann man dann gut verstehen! LG mathema


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chryso
Senior Letzter Besuch: vor mehr als 3 Monaten
Dabei seit: 07.02.2009
Mitteilungen: 10529
Wohnort: Österreich
  Beitrag No.30, eingetragen 2012-03-29

\quoteon(2012-03-29 12:11 - xycolon Ich fand etwa ein Drittel der Fächer in der Schule zum Kotzen, \quoteoff Mir tun alle leid, die so etwas sagen müssen, (besonders natürlich für Mathematik ;-)). Mich hat immer alles interessiert, (ist auch heute meist so). Ist doch ein Krampf, in die Schule zu gehen und sich mit Dingen herumschlagen müssen, die einen nicht interessieren. \quoteon(2012-03-29 10:06 - Hellfish @chryso ist das wirklich unüblich? Schließlich ist man auf der Universität und die Professoren sind auch nicht unfehlbar. \quoteoff Bei einem kleinen Privatissimum vielleicht schon, aber bei einer Hauptvorlesung mit 100 Studenten im Hörsaal? Stell dir vor, das machen andere Studenten auch. Dass sie einfach den Professor unterbrechen, wenn sie glauben, er hat etwas falsch gemacht. Außerdem heißt das ja, dass man sofort alles richtig verstanden haben muss. Nein, im Rückblick war mein Verhalten sicher nicht üblich. Da kann ich im Nachhinein nur den Kopf schütteln, besonders, wenn ich mich an spezielle Dinge erinnere. \quoteon(2012-03-29 12:51 - mathema ..., deren Lehrer Diskussionen abwürgen und sich auf ihre 'Autorität' berufen, die aber z.B. nicht in der Lage sind, einen anderen Beweis oder Lösungsweg - als im Lösungsbuch - angeben zu akzeptieren. \quoteoff Ich habe  von vielen meiner M-Kollegen keine gute Meinung, aber die schlechtesten Mathematiker sind genau die, die mein Direktor bevorzugt, weil sie die besseren Noten geben. Ihm ist egal, ob die Schüler etwas lernen, Hauptsache, die Eltern sind mit den Noten zufrieden. LG chryso


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xycolon
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Dabei seit: 11.11.2004
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Wohnort: Herten
  Beitrag No.31, eingetragen 2012-03-29

\quoteon(2012-03-29 13:53 - chryso in Beitrag No. 30) \quoteon(2012-03-29 10:06 - Hellfish @chryso ist das wirklich unüblich? Schließlich ist man auf der Universität und die Professoren sind auch nicht unfehlbar. \quoteoff Bei einem kleinen Privatissimum vielleicht schon, aber bei einer Hauptvorlesung mit 100 Studenten im Hörsaal? Stell dir vor, das machen andere Studenten auch. Dass sie einfach den Professor unterbrechen, wenn sie glauben, er hat etwas falsch gemacht. \quoteoff \quoteoff So kenne ich das. Wenn man etwas nicht versteht oder der Prof. was falsch macht, fragt man nach. Allerdings habe ich nie behauptet er hätte was falsch gemacht. Es ist immer besser, zu behaupten man versteht das nicht. Wenn es falsch ist, merkt der Prof das schon selbst und man hat ihn nicht so bloß gestellt wink Das machen von 300 Studenten aber auch nur 5, so dass es sich im Rahmen hält.


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Aaba-Aaba
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Dabei seit: 12.11.2008
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  Beitrag No.32, eingetragen 2012-03-30

Hallo, \quoteonEs macht mich traurig, daß gebildete Leute nicht einmal von der Existenz meines Fachgebietes wissen. (P. R. Haimos) Die Furcht vor der Mathematik .. steht der Angst erheblich näher als die Ehrfurcht. (F. Auerbach) Mathematik  die ungeliebte Wissenschaft Kein Zweifel, die Mathematik war schon immer eine unpopuläre Wissenschaft. Besonders dem Christentum waren die heidnischen Schriften eines Euklid- Diophant und Archimedes als heidnisch suspekt. Tertullian schreibt: "Nach Christus brauchen wir keinerlei Wissbegier mehr, nach den Evangelien sind keinerlei Forschungen mehr nötig". Als Folge der Verketzerung der Heiden, wurde die berühmte Mathematikern Hypathia, Tochter des Akademievorstehers Theon, 415 von einer fanatischen Menge zu Tode gemartert. Dies, obwohl der Kirchenlehrer Synesios von Kyrene, Bischof von Ptolemais, ein Hörer ihrer Vorlesung war. Sogar die Mathematik hatte den Beigeschmack des Heidnischen. So lautete eines der Gesetze des Justinian-Kodex: "de Maleficis, mathematicis et ceteris similis" (Über Übeltätern, Mathematikern und dgl.): "Vollständig verboten ist die verdammenswerte Kunst der Mathematik" Die Mathematiker werden dort mit Giftmischern, Zauberern und Sterndeutern (Veneficis, Magis, Chaldeis) in einen Topf geworfen. Noch 1614 bezeichnete der Pater Caccini in einer Predigt, die gegen Galilei gerichtet war, die Mathematik als Teufelskunst und die Mathematiker als Urheber aller Ketzereien, die man aus allen Staaten vertreiben müsse. Er stützte sich dabei auf den heiligen Augustinus, der in Degenesi ad literam geschrieben hatte: "Es besteht die Gefahr, daß die Mathematiker mit dem Teufel im Bunde, den Geist trüben und in die Bande der Hölle verstricken". Als 529 Kaiser Justinian die Athener Philosophenschule schloß, erlosch eine lange Tradition mathematischer Lehre. Noch bis 485 hatte an dieser Schule Proklos gelehrt, dem wir einen grundlegenden Euklid-Kommentar verdanken. Es ist ein ganz wesentlicher Verdienst der arabischen Kultur ab 800 die wichtigsten Werke des Apollonius, Archimedes, Heran, Euklid, Diophant, Ptolemaeus usw. in ihre Sprache übersetzt und somit der Nachwelt erhalten zu haben. Einige Übersetzungen aus dem Griechischen ins Lateinische führte auch Boethius (480 - 524) durch. Von ihm stammt auch die im Mittelalter übliche Einteilung der Künste in das Trivium (Grammatik, Rhetorik, Logik) und das Quadrivium (Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik). Um eine mathematische Allgemeinbildung in Gang zu bringen, führte der Schotte Alkuin von York, im Auftrag Karls des Großen, 789 eine Schulreform durch. Sie forderte, daß neben Psalmen, Noten und Grammatik insbesondere auch der Computus gelehrt werden solle. Unter dem Computus Ecclesiaticus verstand man die Berechnung der beweglichen Kirchenfeiertage. Es war nämlich der Kirche ein Dorn im Auge, daß wegen der mangelhaften Rechenfertigkeit der Geistlichen das Osterfest zu verschiedenen Zeitpunkten gefeiert wurde. Alkuin selbst schrieb ein Rechenbuch zu Unterrichtszwecken. Der Rechenunterricht scheint  wie heute  nicht die besondere Freude der Schüler gewesen zu sein. Ein Mönch namens Strabo der Klosterschule Reiche¬nau schreibt 822 in sein Tagebuch: "Zur Abwechslung und Unterhaltung lösten wir mathematische Rätsel, welche Alkuin für den großen Karl gefertigt hatte. Viele vermochten nicht allen diesen Rechnungen zu folgen, und bevor wir zur Geometrie übergingen, traten diejenigen aus, welche sich fortan den Studien der Medizin, Rechtswissenschaft und den Künsten der Malerei und der Bildhauerei widmen wollten". Ein Mathematiker, Gerbert von Aurillac (940 - 1003) bestieg als Sylvester II 999 den Stuhl Petri. Gerbert hatte einige Jugendjahre in Spanien verbracht und dort von den Arabern den Abakus (Rechenbrett) kennengelernt. Als Lehrer der Domschule Reims verfaßte er ein Lehrbuch zum Rechnen am Abakus. Auch an den aus den Domschulen hervorgegangenen Universitäten Bologna (1088), Paris (1150), Salerno (1173) und Montpellier (1180) spielte die Mathematik keinerlei Rolle. Von der Universität Erfurt weiß man aus Quellen, daß die dort wirkenden Humanisten die Anstellung eines Mathematikers strikt ablehnten. Noch Anfang des 16. Jahrhunderts legten an der Universität Paris die Kandidaten für den Grad des Magisters der Künste kein Examen im Fach Geometrie ab. Sie mußten lediglich beeiden (!), Vorlesungen über die ersten 6 Bücher des Euklid gehört zu haben. Das Risiko einer wirklichen Prüfung wollte man nicht eingehen. Bezeichnend ist, daß der Lehrsatz des Pythagoras am Ende des 1. Kapitels den Namen "Magister Matheseus" trug und somit als Weisheit letzter Schluß galt. Welche Schwierigkeiten das Rechnen damals machte, wird aus der Rede Philipp Melanchtons vor der Universität Wittenberg (1517) deutlich. ". . Deshalb können ihre Anfangsgründe (der Rechenkünste) gar nicht dunkel und schwer sein; sie sind im Gegenteil so durchsichtig, daß Kinder sie begreifen können, weil ja alles so natürlich vor sich geht. Die Regeln des Vielfachen und Teilens allerdings erfordern viel mehr Fleiß, aber ihr Sinn wird schon bald von den aufmerksameren eingesehen werden. Übung und Anwendung erfordert diese Fertigkeit wie alle anderen." Bildbeschreibung Die Mathematik-Kenntnisse dieser Studenten aus den Lateinschulen sind entsprechend schlecht gewesen. Der Rechenunterricht wurde in der Regel von einem externen Rechenmeister übernommen, die dazu meist eigene Rechenbücher verfaßten. Der bekannteste Rechenmeister war Adam Ries(e) in Erfurt und Annaberg. Es dauerte noch sehr lange, bis Mathematik ein reguläres Unterrichtsfach war. So wurde noch 1805 (!) im Jahresbericht eines lutherischen Gymnasiums in Essen vermerkt, daß an der Schule kein Rechenunterricht erteilt werde. Dies sei der Fall, weil ältere Schüler den Lehrern bekannt gemacht hätten, "daß in der Stadt jetzt ein fertiger Rechenmeister sei, der eine kürzere Methode habe". Oft wurde der Mathematik-Unterricht von nicht ausgebildeten Lehrkräften, z.B. von Theologen übernommen, die in Wartestellung auf eigene Pfarrpfründe waren. Ob es wohl diese Theologen waren, über die es in der Prüfungsordnung von 1820 für Preussen heißt: "Um das Eindringen untüchtiger Objekte in den Höheren Schulen Einhalt zu gebieten . . .". Auch in Bayern waren viele Mathematik-Lehrstühle im 19. Jahrhundert noch mit Theologen besetzt. Daneben litt die mathematische Lehre noch unter anderen Schwierigkeiten. Mollweide in Leipzig erklärte es für unmöglich, neben der, für alle Fakultäten verbindlichen Mathesis pura, auch höhere Mathematik zu bringen, weil es dabei zuviel Schreibens an der Tafel gäbe. Bezeichnend ist auch der Bericht von Neumann in Berlin von 1818: "Als ich mich beim Professor für Mathematik meldete, sagte dieser, ja ich habe die Vorlesung angezeigt, aber sie pflegt niemals zustande zu kommen. Ich verabredete mich mit 5 anderen, zu ihm zu gehen. Der Professor kam ins Auditorium und schrieb ununterbrochen Formeln an die Tafel und sprach dabei kein Wort, bis die Zeit um war. Am 2. Tag kamen nur noch 2 Zuhörer. Der Professor stellt sich wieder an die Tafel und zeichnete wieder ununterbrochen mathematische Formeln an diese. Am dritten Tag kam außer mir nur noch ein Zuhörer. Der Professor erschien, ging ans Katheder, wandte sich an uns und sagte: Sie sehen, meine Herren, es kommt kein Kolleg zustande" Bildbeschreibung \quoteoff (aus Dietmar Herrmann // IBM-PC / Mathematik / Fertige Programme, Anregungen und Erläuterungen in BASIC, S.13-17) (ENDE) Mein Kommentar (nicht 100% ernsthaft): einfach die Schule wieder so gestalten wie in den Jahren 1860 bis 1910. Das damalige Schulwesen war zumindest so gut, dass bis 1914 etwa 25 % der Nobelpreisträger aus Deutschland kamen. Vielleicht lag es aber auch an der Motivation der Schüler. Ein Satz wie "lerne was vernünftiges damit du nicht verhungerst" war damals durchaus wörtlich zu verstehen. Gruß [ Nachricht wurde editiert von Aaba-Aaba am 30.03.2012 01:39:41 ]


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xycolon
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  Beitrag No.33, eingetragen 2012-03-30

Forschung und Bildung haben nicht unbedingt einen direkten Zusammenhang. Dass die Zahl der Nobelpreisträger zurückgegangen ist, könnte vielleicht nicht am Schulsystem sondern an den politischen Zuständen liegen, die zwei Weltkriege verursacht haben. Die Ausstellung über jüdische deutsche Mathematiker, die zum Jahr der Mathematik zusammengestellt worden ist, zeigt deutlich welche Kompetenz im Bereich Mathematik durch Vertreibungen und Morde vernichtet worden ist. Nach dem Krieg war deutschland sowohl eines Großteils der guten Forscher beraubt als auch der anerkannten Forschungsstätten. Außerdem gab es wohl genug andere Probleme. Dass gute Forscher dann vielleicht eher in die USA als nach Deutschland kommen (oder bleiben) liegt da auf der Hand. gruß, xycolon [ Nachricht wurde editiert von xycolon am 30.03.2012 15:26:42 ]


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Dixon
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  Beitrag No.34, eingetragen 2012-03-30

Hallo Aaba-Aaba,   ich kann xycolon nur beipflichten. Bis zum Dritten Reich war Deutschland der wissenschaftliche Nabel der Welt. Wer ernsthaft Physik o.ä. betreiben wollte, mußte Deutsch können! Nach dem Ende des Dritten Reiches sind viele Forscher im Ausland geblieben (siehe Einstein) oder nicht nach Deutschland gekommen (war ja alles kaputt...). Sie forschten im Ausland und bildeten dort ihre Schüler aus und die blieben dann da. Oder anders gesagt, vor dem Dritten Reich waren die USA wissenschaftlich eher 'ne Luftnummer. Die Mittelpunkte der Forschung waren D, GB und FR. Deswegen hat das eher rückständige angelsächsische Schulsystem (siehe PISA) auch heute noch Bestand. Das breite Mittelmaß wurde immer schön durch einzelne Spitzenleistungen von großen Forschern und ihren Schülern übertüncht. Und nach denen richtet man sich heute...   Grüße Dixon


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bstrd
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  Beitrag No.35, eingetragen 2012-03-31

@Astro: Zu offtopic, darum Antwort per PN. \quoteon(2012-03-28 21:27 - cyrix in Beitrag No. 19) @bstrd: Du reißt einen interessanten Aspekt an. Sind die Lehrinhalte des Mathe-Unterrichts eventuell die falschen? Wie könnte man andere Schwerpunkte setzen, die mehr Begeisterungs-Möglichkeiten bereitstellen? \quoteoff Schwieriges Thema. Ich wurde das erste mal nach dem Abitur mit Mathematik konfrontiert, als ich mir das Buch "Road to Reality" von Roger Penrose vornahm. Ich fand die Vielfalt der Mathematik, die darin praesentiert wurde, spannend und hab so manche Stunden mit den Aufgaben darin verbracht (die durchaus knackig sind fuer jemanden, der mit 19 (oder so) gelernt hat, wie man die Exponentialfunktion integriert ;)). Das sind gerade die Dinge, die vielleicht nicht geeignet sind fuer die Schule, da das fuer viele andere Schueler das pure Grauen waere. Vielleicht waere folgendes eine Annaeherung: Lehrern werden mehr Wahlmoeglichkeiten bei der Auswahl der Themen gestattet. Das Abitur koennte immer noch zentral gestellt werden, nur kann der Lehrer eine Vorauswahl treffen, welche Aufgaben die Schueler zu bearbeiten haben (bedingt ist das ja schon heute der Fall, zumindest in BW). Als Themen wuerden sich dann eben auch abstraktere Sachen anbieten, wie (ganz elementare) Gruppentheorie oder das Untersuchen und Abstrahieren von bekannten Strukturen (man kennt IQ und IR, aber was ist IR eigentlich genau? Man hat eine gewisse Intuition, aber wie kann man Sachen mathematisch praezisieren?). Die Vorteile waeren: -Vergleichbarkeit bleibt durch zentrales Abitur bestehen -Der Lehrerberuf wird abwechslungsreicher, ich koennte mir vorstellen, dass die Lehre dadurch verbessert wird, wenn Lehrer nicht 40 Jahre lang das gleiche runterlabern muessen. -Wahlmoeglichkeiten fuer die Schueler: Es gibt so oder so mehrere Mathematikkurse aufgrund der Schuelerzahl, wenn man diese gleichzeitig veranstalten wuerde, koennten die Schueler Kurse ihren Interessen entsprechend besuchen. Moeglicherweise sehe ich das etwas idealisiert, aber vielleicht ist es eine Diskussion wert :) bsrtd [ Nachricht wurde editiert von bstrd am 31.03.2012 04:36:18 ]


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Aaba-Aaba
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  Beitrag No.36, eingetragen 2012-04-03

Hallo, der wirtschaftliche Aufstieg in Deutschland begann etwa um 1900. Auch durch sehr gute Bildungsmöglichkeiten im Lande. In einem Buch wurde mal eine Vermutung aufgestellt warum die Deutschen so ein Volk von Erfindern waren. Der Autor vertrat die These, dass ein günstiges Urheberrecht das Publizieren von Büchern erleichterte. Und somit auf 1 Mio. Bürger in Deutschland viel mehr Erfinder kamen als auf 1 Mio. Bürger in Großbritannien. Habe leider den Buchtitel und den Autor vergessen. Zum Buch gab es mal eine Kritik im Spiegel oder Stern so vor 1 bis 2 Jahren. Mir ist natürlich bewußt, dass das Kaiserreich nicht nur positiv gesehen wird. Nach meiner Meinung gehören zum Lernen aber wirklich nur 3 Dinge: ein(e) Lehrer(in), ein(e) Schüler(in) und eine Tafel. Und wenn die Schüler heute eben "satt" sind, haben sie vielleicht weniger Motivation sich mit schwierigen Dingen wie Mathematik zu beschäftigen. Gruß


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Rebecca
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  Beitrag No.37, eingetragen 2012-04-03

\quoteon(2012-04-03 17:58 - Aaba-Aaba in Beitrag No. 36) der wirtschaftliche Aufstieg in Deutschland begann etwa um 1900. Auch durch sehr gute Bildungsmöglichkeiten im Lande. In einem Buch wurde mal eine Vermutung aufgestellt warum die Deutschen so ein Volk von Erfindern waren. Der Autor vertrat die These, dass ein günstiges Urheberrecht das Publizieren von Büchern erleichterte. Und somit auf 1 Mio. Bürger in Deutschland viel mehr Erfinder kamen als auf 1 Mio. Bürger in Großbritannien. Habe leider den Buchtitel und den Autor vergessen. Zum Buch gab es mal eine Kritik im Spiegel oder Stern so vor 1 bis 2 Jahren. \quoteoff Bei dem Buch handelt es sich um: Eckhard Höffner: "Geschichte und Wesen des Urheberrechts". Verlag Europäische Wirtschaft, München; 436 Seiten; 68 Euro. Die Buchkritik erschien am 02.08.10 im Spiegel. Gruß Rebecca [ Nachricht wurde editiert von Rebecca am 03.04.2012 19:28:14 ]


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Aaba-Aaba
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  Beitrag No.38, eingetragen 2012-07-02

@Rebecca: ja, das ist der Artikel. Bei der Buchkritik auf Amazon.de gibt es zu den Thesen einmal Zustimmung ("sehr gutes Buch") aber auch einmal Ablehnung ("die erst 1871 eingeführte Schulpflicht in England hatte wohl einen größeren Einfluss auf die Anzahl der Erfindungen"). Also scheint es doch nicht so klar. @xycolon Ganz so einfach ist das mit dem judenfeindlich und chauvinistisch im Kaiserreich nicht. Nach 1918 waren jede Menge deutsche Juden stolz auf die im Krieg 14-18 erhaltenen Orden. Den höchsten Militärorden "Pour le Merite" erhielten zwar nur getaufte Juden, kleinere Orden wie das Eiserne Kreuz konnte jeder Soldat erhalten. Dass das Kaiserreich militaristischer als beispielsweise England oder Frankreich war glaube ich nicht. Ich würde es glauben wenn mir jemand statistische Größen zeigen könnte aus denen das hervorgeht. Es ist wahr, dass Kaiser Wilhelm II. fast immer in Uniform aufgetreten ist. Dies hatte wohl mit seiner Behinderung zu tun (steifen linken Arm). Der Kaiser war behindert in einer Zeit wo es das Wort Behinderung noch nicht gab. Und wie viele schwache Leute fühlte er sich von der Stärke - dem Militär angezogen. Über den Punkt Nobelpreise für Deutsche bis 1914 habe ich auch nochmal nachgedacht. Die damalige Wirtschaft war noch viel besser als die Anzahl der Nobelpreise aussagt. Ganz einfach weil das Prunkstück der Wirtschaft, die Techniker und Ingenieure, für ihre Verdienste keinen Preis bekommen konnten. Es gibt keine Nobelpreise für Continental-Reifen, Bosch-Zündung oder die schnellste Nordatlantiküberquerung mit einem Schiff("blaues Band"). Ein Schlußsatz: wie reden hier über historische Zusammenhänge die wir selbst nicht erlebt haben. Damit ist in unseren Bewertungen der Irrtum immer eingeschlossen. Es kann immer nur eine Annäherung an die damalige Realität geben. Gruß A.


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  Beitrag No.39, eingetragen 2012-07-02

Ich mag Mathe von Tag zu Tag mehr  smile


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