Die Mathe-Redaktion - 15.11.2018 06:03 - Registrieren/Login
Auswahl
ListenpunktHome
ListenpunktAktuell und Interessant ai
ListenpunktArtikelübersicht/-suche
ListenpunktAlle Links / Mathe-Links
ListenpunktFach- & Sachbücher
ListenpunktMitglieder / Karte
ListenpunktRegistrieren/Login
ListenpunktArbeitsgruppen
ListenpunktSchwätz / Top 15
ListenpunktWerde Mathe-Millionär!
ListenpunktFormeleditor fedgeo
Schwarzes Brett
Aktion im Forum
Suche
Stichwortsuche in Artikeln und Links von Matheplanet
Suchen im Forum
Suchtipps

Bücher
Englische Bücher
Software
Suchbegriffe:
Mathematik bei amazon
Naturwissenschaft & Technik
In Partnerschaft mit Amazon.de
Kontakt
Mail an Matroid
[Keine Übungsaufgaben!]
Impressum

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsbedingungen, die Distanzierung, unsere Datenschutzerklärung und
die Forumregeln.

Sie können Mitglied werden. Mitglieder können den Matheplanet-Newsletter bestellen, der etwa alle 2 Monate erscheint.

Der Newsletter Okt. 2017

Für Mitglieder
Mathematisch für Anfänger
Wer ist Online
Aktuell sind 291 Gäste und 2 Mitglieder online.

Sie können Mitglied werden:
Klick hier.

Über Matheplanet
 
Zum letzten Themenfilter: Themenfilter:
Matroids Matheplanet Forum Index
Moderiert von matroid
Matroids Matheplanet Forum Index » Aktuelles und Interessantes » Wunderkind (8) will Mathe studieren
Thema eröffnet 2018-07-12 22:03 von
Slash
Druckversion
Druckversion
Antworten
Antworten
Seite 2   [1 2 3]   3 Seiten
Autor
Kein bestimmter Bereich Wunderkind (8) will Mathe studieren
LaLe
Senior Letzter Besuch: in der letzten Woche
Dabei seit: 07.09.2014
Mitteilungen: 522
Aus: Bonn
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.40, eingetragen 2018-07-14


2018-07-14 14:08 - Slash in Beitrag No. 39 schreibt:
Wunderkinder, egal in welchem Bereich, sind oft überhaupt nicht nutzbringend für ihr Fachgebiet. Sie leisten meist keinen besonderen Beitrag in ihrem Leben (erst recht nicht im Erwachsenenalter), außer dass sie in jungen Lebensjahren Leistungen eines Erwachsenen bringen.

Interessant. Hast du dazu eine Studie? Es wäre interessant zu wissen, woran das liegt, da man ja erwarten würde, dass die Kinder durch weiteres Heranwachsen ihre Fähigkeiten weiter steigern können.

LG,
LaLe



  Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
dietmar0609
Senior Letzter Besuch: in der letzten Woche
Dabei seit: 29.06.2007
Mitteilungen: 2744
Aus: Oldenburg , Deutschland
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.41, eingetragen 2018-07-14


@LaLe:

Dann gib mal in Google "high potentials fail" ein.

Aus dem Bereich "Musiker" kenne ich viele Beispiele, wo Jugendliche als Wunderkinder gehandelt wurden und später kläglich scheiterten und bestenfalls durchschnittliche Leistungen erbrachten.

Drei  mögliche Gründe, es gibt wahrscheinlich viele mehr, sind verlorene bzw. nicht gelebte Jugend, Druck der Eltern und Erwartungshaltung der Gesellschaft.

Gruss Dietmar  



  Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
LaLe
Senior Letzter Besuch: in der letzten Woche
Dabei seit: 07.09.2014
Mitteilungen: 522
Aus: Bonn
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.42, eingetragen 2018-07-14


Kann vieles davon nicht durch Regression to the Mean erklärt werden?
Und gab es denn mal eine statistische Analyse des Effekts? So ohne weiteres will ich nicht glauben, dass Wunderkinder im Schnitt nicht doch mehr leisten als gewöhnliche, sehr begabte Menschen.

(Sorry, bin gerade etwas faul mich durch google zu wühlen. Wenn ihr etwas sehr aussagekräftiges dazu kennt, wäre ich euch dankbar für einen Link :-))

LG,
LaLe



  Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
MontyPythagoras
Senior Letzter Besuch: in der letzten Woche
Dabei seit: 13.05.2014
Mitteilungen: 1419
Aus: Hattingen
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.43, eingetragen 2018-07-14

\(\begingroup\)
Hallo LaLe,
ich denke, es liegt daran, dass "Wunderkinder" aus welchen Gründen auch immer (frühkindliche Förderung z.B.) ihr Potential nur früher ausschöpfen und früher einen "Endstatus" erreichen. Insofern war die ursprüngliche Definition des Intelligenzquotienten auch gar nicht so schlecht. Die Erfindung des IQ beruhte darauf, dass man in den USA versuchte, die Schulfähigkeit von Kindern zu bewerten. Später wurde der IQ für Erwachsene verallgemeinert. Lies dazu einfach mal den Artikel zum IQ auf Wiki.
Wenn also ein 6-jähriges Kind Aufgaben für 9-jährige lösen konnte, hatte es einen IQ von 9/6x100=150. Blöd war daran, dass mit zunehmendem Alter der IQ immer weiter abnahm, weil ja offenkundig mit jedem Tag das Lebensalter weiter zunahm, aber ein Erwachsener eben nach völliger Reife nicht weitere Intelligenzfortschritte macht. Das hat zu einer Weiterentwicklung des IQ-Test in die heutige Form geführt - mit ganz anderen Problemen, wie z.B. Extreme nur unzureichend bewerten zu können, oder eben auch dem eben schon erwähnten Flynn-Effekt.
Und was die Standardabweichung angeht, hatte ich ja schon erwähnt, dass sie keineswegs zufällig ist. Man griff auf Altdaten zurück und stellte fest, dass Kinder mit einem IQ von 130 nach alter Definition eben zu einem Prozentsatz in der Bevölkerung vorkamen, dem auf Basis der Normalverteilung eine Abweichung von $2\sigma$ zugeordnet werden konnte. Also war es mathematisch naheliegend, die Standardabweichung mit 15 festzulegen. Das Problem war nur, dass es schon recht viele unterschiedliche Altdaten gab mit unterschiedlichen Standardabweichungen, was zu den unterschiedlichen IQ-Bewertungen geführt hat.
Ein 8-jähriges Kind mit einem IQ von 200 hatte also nach alter IQ-Definition die Fähigkeiten eines durchschnittlichen 16-Jährigen. Allerdings gibt es auch nicht viele "durchschnittliche" 16-Jährige, die 10 Sprachen sprechen und in Harvard oder am MIT studieren. Ich könnte mir also vorstellen, dass das Wunderkind-Gehirn, aus welchen Gründen auch immer, früher als bei anderen die volle Reife erlangt, sich aber nicht weiter proportional steigert sondern auf dem Status mehr oder weniger "stagniert".
Da die Menschheit nun einmal nicht gerade zimperlich mit ihren Besten umgeht, sondern lieber in einem Zoo ausstellt, werden ihre Fähigkeiten für diese Menschen schnell zur Belastung, und zwar je größer ihre Popularität ist. Auch viele Superstars aus dem Popmusik-Geschäft halten ihre Popularität irgendwann nur noch mit Alkohol und Drogen aus. Der Mechanismus ist wohl der gleiche wie bei den Wunderkindern, die zudem vermutlich auch irgendwann hinter den Erwartungen ihrer Mitmenschen zurück bleiben, weil sie ein proportionales Wachstum ihrer Intelligenz projizieren, was dann aber ausbleibt.

Ciao,

Thomas
\(\endgroup\)


  Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
phiregen
Aktiv Letzter Besuch: in der letzten Woche
Dabei seit: 18.08.2010
Mitteilungen: 474
Aus:
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.44, eingetragen 2018-07-14


2018-07-13 09:35 - MontyPythagoras in Beitrag No. 5 schreibt:
Wenn wir bei Rekorden sind: William James Sidis.
Und was kam dabei raus? Naja, lest es selbst...


"Doch das Erwachsenenleben von William James Sidis verläuft nicht perfekt. Seine erste Stelle als Mathematikdozent in Texas gibt er auf, weil ihn seine Studenten, allesamt älter als er, zu sehr hänseln. Dabei hatte er eigens ein Lehrbuch für sie verfasst - auf Griechisch."

Was für undankbare Leute, sollen sie doch froh über dieses Skript sein XD

Ich finde ebenfalls, das zum einen ein IQ von 145 nicht super-außergewöhnlich ist.. und zum anderen dieser Wert alleine, noch kein "Wunderkind" ausmacht. Der Junge lernt halt sehr sehr schnell. Die Frage ist aber, ob sein kreatives Denken auch so gut ist, wie seine Lernfortschritte erhoffen lassen. Falls "ja", könnte er einige tolle Ergebnisse für die Mathematik (und generelle Wissenschaft) liefern. Falls nein, nunja, dann kann er halt einfach nur gut und schnell auswendig lernen und damit gewinnt man bekannterweise in der Forschung keinen Blumentopf. Aber selbst wenn der Junge ein tolles kreatives Denken hat, so muss er früher oder später auch mit seinem Leben zufrieden sein und mit sich im Reinen. Alle Profs die ich kenne, haben in ihrer Freizeit einen Ausgleich bzw. irgendeine Aktivität.
Viele scheinen Bergsteigen zu gehen und Claire Voisin z.B. hat vier Töchter. Na da kommt sicher keine Langweile auf :)

Der Ausgleich ist aber wichtig, allein schon um auf neue Ideen zu kommen und sich "Inspiration" zu holen. Und das muss man auch lernen und sich da selbst zu kennen, also was einem am ehesten gut tut, dass gehört definitiv zu einer erfolgreichen Karriere dazu.



  Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
LaLe
Senior Letzter Besuch: in der letzten Woche
Dabei seit: 07.09.2014
Mitteilungen: 522
Aus: Bonn
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.45, eingetragen 2018-07-14


@MontyPythagoras:

Ich werde mal etwas präziser, vielleicht widersprechen wir uns gar nicht.

Was mir an der Erklärung mit dem "frühen ausschöpfen" der Intelligenz nicht gefällt ist das folgende:
Angenommen, der Junge ist einfach nur besonders früh sehr weit und ansonsten nicht außergewöhnlich. Dann würde man erwarten, dass ein weiteres Kind, das besonders früh sehr weit ist und *zusätzlich* über ein extremes Gesamtpotenzial verfügt mit 8 Jahren *noch herausragender* ist.
Diese Betrachtung lässt natürlich Faktoren außer acht, wie beispielsweise wie stark ein Kind gefördert wird usw. Trotzdem sollte man die Tatsache anerkennen, dass es schwer ist, ein Kind zu finden, das mit 8 Jahren bereits stärkere Anzeichen für Exzellenz zeigt.

Daher würde ich bei Wunderkindern eigentlich immer davon ausgehen, dass das Gesamtpotenzial ziemlich enorm ist. Natürlich gibt es dann noch einiges an Regression to the Mean und andere unglückliche Zufälle und Begebenheiten, die den Erfolg von Wunderkindern verhindern. Alles in allem wäre ich aber extrem überrascht, wenn man nicht beispielsweise die folgende Aussagen statistisch nachweisen könnte:

- Wunderkinder haben im Schnitt eine höhere Chance, besonders herausragendes zu leisten als andere Menschen, die lediglich sehr gut performen (Beispielsweise: Die einen IQ von 130+ haben und mit 18 ihr Abitur mit 1,0 abschließen). Dabei könnte man herausragende Leistung beispielsweise über Fields-Medaillen, Nobelpreise, Pilutzerpreise oder ähnliche Auszeichnungen in anderen Feldern definieren.
- Unter Menschen, die besonders herausragendes leisten, finden sich weit mehr "Wunderkinder" als unter Menschengruppen, die nur "sehr erfolgreich" im Leben sind (beispielsweise typische Professoren oder Leiter von mittelständischen Unternehmen oder sowas; Bin gerade nicht sicher, was hier eine sinnvolle Vergleichsgruppe ist)

Dass der Junge mit 8 Abitur gemacht hat überschreibt aus meiner Sicht übrigens, dass er einen IQ von "nur" 145 hat. Richard Feynman hatte einen IQ von nur 125 und war ein Genie. Ich bin nicht sicher, ob ein höherer IQ bei Zahlen über 130 überhaupt noch vorhersagen kann, wie erfolgreich jemand wird? (Weiß dazu jemand mehr?)

LG
LaLe



  Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
cyrix
Senior Letzter Besuch: in der letzten Woche
Dabei seit: 31.07.2004
Mitteilungen: 2831
Aus: Flensburg
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.46, eingetragen 2018-07-14


Passt nicht so ganz, aber zumindest habe ich entsprechende Studien über Absolventenbefragungen von ehemaligen Teilnehmern an Internationalen Olympiaden (IMO, IPhO, IChO, IBO) sowie den Bundessiegern beim Bundeswettbwerb Mathe und Fremdsprachen gesehen. Die zeigen u.A. die zu erwartende hohe Quote von akademischen und Führungspositionen auf, die diese Wettbewerbssieger (bzw. bei den Internationalen Olympiaden die Teilnehmer aus Deutschland) später innehaben. (Kaum Unterschiede gibt es aber zwischen der Gruppe der Sieger und der der Endrunden-Teilnehmer, d.h., bei den Bundeswettbewerben, bei den Kolloquien, und bei den Olympiaden die letzte Auswahlrunde der 16, aus denen dann jeweils die Mannschaft ausgewählt wird.)

Das sind natürlich keine Kinder mehr, sondern üblicherweise 16-18-jährige Schülerinnen und Schüler, die diese Leistung vollbracht haben, und hier betrachtet wurden.

(Auffällig ist in den Studien auch, dass fast alle hier angefragten ehemaligen Wettbewerbssieger beschreiben, dass sie von ihrem Elternhaus unterstützt wurden. Eine gute soziale Einbettung scheint also sehr förderlich für außergewöhnliche Leistungen zu sein.)

Wenn jemand in diesem Umfeld interessante Studien hat, würde mich das auch aus beruflichen Gründen interessieren, da ich mich gerade selbst auch in dieser Richtung akademisch beschäftigen will, und es immer gut zu wissen ist, was es sonst so schon von anderen gibt...


Dass das Konzept des "Intelligenzalters" nicht zielführend ist, hat ja MontyPythagoras mit seinem Beispiel schön dargestellt. Nicht umsonst ist die Definition des IQs ja mittlerweile auch deutlich anders und präziser.

Wohl aber gilt natürlich, dass hochbegabte Kinder auch einfach andere Anforderungen an ihre Umfeld haben, die eben anders sind wie die eines "Durchschnitt-Kinds". So habe ich eine Studie gelesen, die die soziale Entwicklung von hochbegabten Kindern (Grundschüler) in der Schweiz untersucht hat, welche entweder in normalen Schulen ohne weitere Förderung mitgelaufen sind (z.B. da unentdeckt/ nicht getestet), eine normale Schule besuchten und zusätzlich spezielle Nachmittags-Förderangebote wahrnahmen, oder in der dritten Gruppe in Hochbegabtenschulen direkt eine gesonderte Schulbildung erhielten. Die Kernthese der Arbeit war, dass alle Kinder für soziale ihre Entwicklung insbesondere den Kontakt zu Gleichaltrigen brauchen, dieser aber sowohl die sozialen/ emotionalen wie auch intellektuellen Bedürfnisse des Kinds abdecken müssen. Dies gelingt den hochbegabten Kindern ohne weitere Förderung nur schwierig, da die intellektuelle Komponente im Kontakt mit den anderen Kindern nicht genügend bedient wird. Umgekehrt scheint die sozial/emotionale Komponente im Kontakt allein zwischen den intellektuell sehr fähigen Kindern zu kurz zu kommen. Die Autorin der Studie kommt jedenfalls zu dem Schluss, dass die Kinder der Untersuchungsgruppe, die - sozusagen - vormittags am "normalen Schulleben" teilgenommen haben und nachmittags in AGs o.Ä. dann gezielt gefördert wurden, in ihrer sozialen Entwicklung am ehesten profitiert haben.

Will sagen: Alles nicht so einfach.

Cyrix



  Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
MontyPythagoras
Senior Letzter Besuch: in der letzten Woche
Dabei seit: 13.05.2014
Mitteilungen: 1419
Aus: Hattingen
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.47, eingetragen 2018-07-14


@LaLe,
ich möchte mal illustrieren, was ich meine. Stellen wir uns vor, es gäbe einen objektiven Intelligenztest, dessen Skala bei null beginnt und nach oben offen ist. Unnötig zu sagen, dass es einen solchen Test nicht gibt. Dann könnte ich mir vorstellen (und ich betone, dass das in keiner Weise irgendwie belegbar wäre, sondern nur eine Hypothese darstellt), dass der Anstieg der intellektuellen Leistung eines Wunderkindes und eines Normalsterblichen wie folgt aussieht:

Im oberen Diagramm ist die Leistungskurve eines Normalsterblichen in blau und die eines Wunderkindes in orange dargestellt. Die erste Ableitung, also die Steigerungsrate ist beim Wunderkind kurz nach der Geburt mehr als doppelt so hoch, im Alter zwischen 4 und 6 etwa 60-80% höher als die vom Normalo. Nach alter Definition also in diesem Alter ein IQ von 160+. Das Wunderkind erreicht aber auch schneller sein Limit, welches langfristig vielleicht "nur" 1,3 mal höher liegt. Das untere Diagramm, der Quotient aus den beiden Kurven darüber, stellt also quasi nach alter Definition den IQ des Wunderkindes dar. Obwohl auch seine Intelligenzleistung bis zum Erwachsenenalter zunimmt, nimmt der relative IQ ab, was aber nicht bedeutet, dass der Normalo ihn einholt. Auch am Ende der Entwicklúng ist der Hochbegabte dem Normalo weit voraus, aber eben nicht so viel, wie die frühe Entwicklung vielleicht hätte vermuten lassen. Wenn man bedenkt, dass Sidis mit 18 Monaten Zeitung gelesen hat, war er mindestens 4 mal schneller als ein Normalkind und in dieser extrem frühen Phase hätte man daher durchaus auch einen IQ von 400 annehmen können...
Wie cyrix schon dargestellt hat, kann auch ich mir vorstellen, dass unabhängig von genetischer Veranlagung die Wachstumsrate im Kindesalter stark von sozialen Faktoren und frühkindlicher Förderung abhängen könnte. Ich zitiere nochmal aus dem von mir verlinkten Artikel über Billy Sidis:
"Das ganze Geheimnis von Billys Erziehung ist, dass wir ihm zeitig die Liebe zum Lernen eingepflanzt haben. Wir haben beschlossen, dass wir Billy von Anfang an wie einen Erwachsenen behandeln."
Vater Boris Sidis, renommierter Professor in der noch jungen Wissenschaft der Psychotherapie, triumphiert. Den Lesern seiner Streitschrift "Philister und Genie" suggeriert er, sie könnten ihre Kinder zu ähnlichen geistigen Höchstleistungen heranzüchten, anstatt sie im staatlichen Schulsystem verkümmern zu lassen.

Wie es zu seinen Leistungen gekommen ist, ist für seine Ausnahmestellung letztlich egal, aber man kann erahnen, was Sidis als Kleinkind durchmachen musste. Vermutlich die Perversion von frühkindlicher Förderung.

Ciao,

Thomas



  Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
Bernhard
Senior Letzter Besuch: in der letzten Woche
Dabei seit: 01.10.2005
Mitteilungen: 6003
Aus: Merzhausen, Deutschland
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.48, eingetragen 2018-07-14


Hallo!

2018-07-14 17:15 - cyrix in Beitrag No. 46 schreibt:
(Auffällig ist in den Studien auch, dass fast alle hier angefragten ehemaligen Wettbewerbssieger beschreiben, dass sie von ihrem Elternhaus unterstützt wurden. Eine gute soziale Einbettung scheint also sehr förderlich für außergewöhnliche Leistungen zu sein.)

Ich sehe hier die Frage nach der Henne und dem Ei.
Sind sie so intelligent, weil sie ganz besonders gefördert wurden oder wurden sie ganz esonders gefördert, weil man in ihnen eine besondere Inteligenz vermutet hat?
Bei Sidis waren es anscheinend die Eltern, die dieses Experiment versuch haben. Mozart wurde von seinem Vater und insbesondere Haydn entdeckt und gefördert. Hätte man Mozart mit einem heutigen IQ-Test überhaupt als besonders begabt erkannt? Von Einstein habe ich nie gehört, daß jemand in ihm ein schlummerndes Genie besonders gefördert hätte, sondern das Gegenteil, nämlich daß er gerade in Mathe ein eher schlechter Schüler gewesen ist. Woher stammt denn dann sein enormer IQ, von dem so viele schon geredet haben?? confused

Auch sollte man bedenken, daß ein Teil der Begabung - oder besser der Anlage, Begabungen und Inteligenz zu entwickeln und auszuschöpfen, auch erblich ist.
Das kann man nicht so einfach zusammenzählen. Diese beiden Faktoren (erbliche und durch die Umwelt geprägte Intelligenz/Klugheit/Begabung) sind multiplikativ verbunden und nicht additiv. Die besten ererbten Anlagen nützen also nichts ohne Förderung - und umgekehrt.

Übrigens muß man ebenfalls sehen, daß sich die Presse immer nur für die spektakulären "Wunderkinder" interessiert, in denen sie dann gleich die zukünftigen neuen Genies sehen will. Noch nie hat man auf die andere Seite der Gaußkurve geschaut. Nach der Definition muß es ja ebenso viele Dumme geben. Und hiermit - damit es keine Mißverständnisse gibt - meine ich jetzt nicht jene, die wegen einer Behinderung oder psychischen Störung eingeschränkt sind oder ihre Begabungen oft auf ganz andere Weise ausgeprägt haben.

Viele Grüße, Bernhard


-----------------
"Wichtig ist, daß man nie aufhört zu fragen"
"Weisheit ist nicht das Ergebnis der Schulbildung, sondern des lebenslangen Versuches, sie zu erwerben"
Albert Einstein



  Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
MontyPythagoras
Senior Letzter Besuch: in der letzten Woche
Dabei seit: 13.05.2014
Mitteilungen: 1419
Aus: Hattingen
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.49, eingetragen 2018-07-14


Hallo Bernhard,
kurzer Einschub: Einstein war kein schlechter Schüler, sondern ein sehr guter. Dieser weit verbreitete Mythos rührt daher, dass Einstein als Schüler viele Fünfen und Sechsen auf dem Zeugnis hatte. Blöd nur, dass das im Schweizer Schulsystem damals die Bestnoten waren. Siehe hier:
Irrtum über Einstein

Ciao,

Thomas



  Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
cyrix
Senior Letzter Besuch: in der letzten Woche
Dabei seit: 31.07.2004
Mitteilungen: 2831
Aus: Flensburg
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.50, eingetragen 2018-07-14


@Bernhard: Es ging um Unterstützung, die nicht notwendigerweise direkt eine fachliche Förderung selbst ist. Ich zitiere mal aus dem Paper, was ich gerade vor mir liegen habe (Heller, Lengfelder: "Evaluationsstudie zu den internationalen Schülerolympiaden in Mathematik, Physik und Chemie (1977-1997)"):

"Die Mehrzahl der erfolgreichen Olympiateilnehmer im Mathematik, Physik und Chemie stammt aus Familien mit einem günstigen Erziehungs- und Lernumfeld, d.h. einem anregenden Elternhaus. Dieses ist gekennzeichnet durch hohes Bildungsniveau der Eltern, einen gehobenen Berufsstatus (zumeist des Vaters), wobei die Hälfte der Mütter nicht (mehr) berufstätig war. Familienklima und Erziehungsstil sind durch anregende Vielfalt und talentförderliche Unterstützung der Eigeninitiative, weniger durch Leistungsdruck geprägt. [...] In der Fünfländer-Vergleichsanalyse ergaben sich Übereinstimmungen bezüglich des familiären Sozialisationsmilieus, dem - mit Ausnahme der taiwanesischen Stichprobe - in allen Beteiligungsländern die größere Bedeutung bei der Erkennung (durchschnittlich im Alter von 7 bis 8 Jahren) und Förderung des mathematisch-naturwissenschaftlichen Talents gegenüber der Schule zuerkannt wurde, sowie der Familiengröße (mit 2 bis 3 Kindern). Im interkulturellen Bereich ergaben sich jedoch einige interessante Unterschiede. So legen offenbar amerikanische und deutsche Eltern mehr Wert auf psychologische Unterstützung ihrer Kinder im Vergleich zu den ostasiatischen Teilnehmern, wobei deutsche und finnische Familien die Förderung der Eigeninitiative ihrer Kinder besonders betonen."

Cyrix



  Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
Slash
Aktiv Letzter Besuch: in der letzten Woche
Dabei seit: 23.03.2005
Mitteilungen: 7076
Aus: New York
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.51, vom Themenstarter, eingetragen 2018-07-14


2018-07-14 14:17 - LaLe in Beitrag No. 40 schreibt:
2018-07-14 14:08 - Slash in Beitrag No. 39 schreibt:
Wunderkinder, egal in welchem Bereich, sind oft überhaupt nicht nutzbringend für ihr Fachgebiet. Sie leisten meist keinen besonderen Beitrag in ihrem Leben (erst recht nicht im Erwachsenenalter), außer dass sie in jungen Lebensjahren Leistungen eines Erwachsenen bringen.

Interessant. Hast du dazu eine Studie? Es wäre interessant zu wissen, woran das liegt, da man ja erwarten würde, dass die Kinder durch weiteres Heranwachsen ihre Fähigkeiten weiter steigern können.

LG,
LaLe

Hi Lale,

da wirst du wohl googeln müssen. Mir ist jedenfalls fast kein Fall bekannt wo ein ehemaliges Wunderkind später etwas großes geleistet hat, also einen Durchbruch erzielt oder etwas Neues geschaffen hat. Jedenfalls etwas, dass sich deutlich von den Leistungen normalbegabter abhebt.

Ich denke, dass liegt u.a. daran, dass solche Kinder eines oft nicht sind - kreativ.

Beispiele: Eine erwachsene Schachgroßmeisterin sollte mal im Rahmen eines umfassenden Intelligenztests ein Bild malen - irgendwas. Sie malte ein sehr krakeliges Schachbrett. So sehr war ihr Gehirn auf Schach getrimmt. Dazu gibt es ein Video bei YT. Musikalische Wunderkinder können mitunter sehr erwachsen spielen, aber selten komponieren sie, wie z.B. Mozart. Auch nicht später wenn sie älter sind. Interessant ist, dass Klavierwunderkinder nie Bach'sche Fugen spielen, da diese eben doch noch zu schwer sind. Auch frage ich mich bei vielen musikalischen Wunderkindern, ob diese wirklich ein Verständnis für das haben was sie da spielen, da ihnen ja im Vergleich zu Erwachsenen Musikern das komplette Hör-Repertoir und die Hör-Erfahrung von ca. 10 Jahren fehlt.

Gruß, Slash



  Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
cyrix
Senior Letzter Besuch: in der letzten Woche
Dabei seit: 31.07.2004
Mitteilungen: 2831
Aus: Flensburg
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.52, eingetragen 2018-07-14


Vielleicht sollte man erst einmal "Wunderkind" definieren. Jedenfalls sind viele der Fields-Medaillen-Träger schon sehr früh mit ihrer mathematischen Begabung aufgefallen.

Cyrix



  Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
TomTom314
Aktiv Letzter Besuch: in der letzten Woche
Dabei seit: 12.05.2017
Mitteilungen: 905
Aus:
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.53, eingetragen 2018-07-14


2018-07-14 21:17 - cyrix in Beitrag No. 52 schreibt:
Vielleicht sollte man erst einmal "Wunderkind" definieren. ...

Im bezug auf Mathe habe ich rein subjektiv den Eindruck, dass sich unter den Teilnehmern der Mathe-Olympiade / Sieger des BWM sich später einige Professoren wiederfinden lassen - keine Ahnung, ob es dazu auch Zahlen gibt. Falls es dort einen signifikanten Zusammenhang gibt, kann man schon annehmen, dass mathematisch hochbegabt Kinder/Jugendliche auch dann später beruflich eher auf diesem Gebiet erfolgreich sind. Wer eine Professur erhält, hat mit Sicherheit einiges in der Forschung geleistet und damit etwas geschafft, was den allermeisten nicht gelingt.



  Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
LaLe
Senior Letzter Besuch: in der letzten Woche
Dabei seit: 07.09.2014
Mitteilungen: 522
Aus: Bonn
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.54, eingetragen 2018-07-14


@MonthyPython: Gute Darstellung in Beitrag No. 47, so könnte ich mir das auch etwa vorstellen :-)

@Slash: Wunderkinder, oder zumindest frühbegabte, die mir spontan einfallen und die später sehr erfolgreich waren:

- Terence Tao (mit 12 eine Goldmedaille bei einer IMO, mit 16 abgeschlossener Master)
- Mozart (wurde schon genannt)
- Elon Musk (Hat mit 12 bereits ein selbstentwickeltes Computerspiel an eine Zeitschrift verkauft)
- Demis Hassabis (galt als Schachwunderkind und war mit 13 der zweitbeste U14-Spieler der Welt. Hat wegweisende Arbeiten in Neurowissenschaften geleistet. Jetzt ist er der Gründer und CEO von DeepMind, dem wichtigsten Player in der Entwicklung allgemeiner künstlicher Intelligenz: en.wikipedia.org/wiki/Demis_Hassabis )
- Eliezer Yudkowsky (galt als Wunderkind und war kompletter Autodidakt ohne formale Schulbildung. Wurde zu einem Pionier auf der Forschung der Sicherheit künstlicher Intelligenz: en.wikipedia.org/wiki/Eliezer_Yudkowsky )

Eliezer Yudkowsky nennt selbst einige Pitfalls, in die Child Prodigys fallen können: www.sl4.org/archive/0511/12800.html

LG
LaLe

[Die Antwort wurde nach Beitrag No.52 begonnen.]



  Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
MontyPythagoras
Senior Letzter Besuch: in der letzten Woche
Dabei seit: 13.05.2014
Mitteilungen: 1419
Aus: Hattingen
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.55, eingetragen 2018-07-14


2018-07-14 21:44 - LaLe in Beitrag No. 54 schreibt:
@Slash: Wunderkinder, oder zumindest frühbegabte, die mir spontan einfallen und die später sehr erfolgreich waren:
- Terence Tao (mit 12 eine Goldmedaille bei einer IMO, mit 16 abgeschlossener Master)
- Mozart (wurde schon genannt)
- Elon Musk (Hat mit 12 bereits ein selbstentwickeltes Computerspiel an eine Zeitschrift verkauft)
- Demis Hassabis (galt als Schachwunderkind und war mit 13 der zweitbeste U14-Spieler der Welt. Hat wegweisende Arbeiten in Neurowissenschaften geleistet. Jetzt ist er der Gründer und CEO von DeepMind, dem wichtigsten Player in der Entwicklung allgemeiner künstlicher Intelligenz: en.wikipedia.org/wiki/Demis_Hassabis)
- Eliezer Yudkowsky (galt als Wunderkind und war kompletter Autodidakt ohne formale Schulbildung. Wurde zu einem Pionier auf der Forschung der Sicherheit künstlicher Intelligenz: en.wikipedia.org/wiki/Eliezer_Yudkowsky)

...
- Theodore Kaczynski IQ 167 in der fünften Klasse, übersprang 2 Klassen, bekam mit 16 ein Harvard-Stipendium, danach Dozent in Berkeley. Er wurde zum radikalen Technik-Feind, schrieb das Manifest "Industrial Society and Its Future", verschickte 16 Briefbomben, durch die 3 Menschen getötet und 23 zum Teil schwer verletzt wurden, und wurde bekannt als der UNA-Bomber.
Auch eine Karriere.

Ciao,

Thomas



  Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
cyrix
Senior Letzter Besuch: in der letzten Woche
Dabei seit: 31.07.2004
Mitteilungen: 2831
Aus: Flensburg
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.56, eingetragen 2018-07-14


@ MontyPythagoras: Was genau willst du damit aussagen? Dass das Besitzen hoher Intelligenz noch nicht gleichbedeutend ist mit ethisch korrektem Handeln? Das hat auch keiner behauptet...

Cyrix



  Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
Chandler
Senior Letzter Besuch: in der letzten Woche
Dabei seit: 07.03.2011
Mitteilungen: 997
Aus: Hamburg
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.57, eingetragen 2018-07-14


Eine sehr schöne Diskussion mit sehr schönen lesbaren Beiträgen. Danke!

2018-07-14 19:23 - MontyPythagoras in Beitrag No. 49 schreibt:
Dieser weit verbreitete Mythos rührt daher, dass Einstein als Schüler viele Fünfen und Sechsen auf dem Zeugnis hatte. Blöd nur, dass das im Schweizer Schulsystem damals die Bestnoten waren. Siehe hier:
Irrtum über Einstein

Das Problem bei Einstein ist, dass die Gewerbeschule in Aarau das Notensystem während seiner Karriere umgestellt hat. Einstein hat zum Beispiel in der Eingangsprüfung die Note 2 (gut) in Mathematik und in seinem Matura-Zeugnis die Note 6 (sehr gut) in Mathematik. Wer sich dafür interessiert findet alle Zeugnisse hier: einsteinpapers.press.princeton.edu/vol1-doc/84

Aber trotzdem galt Einstein nie als Wunderkind. Ganz im Gegenteil, er hat überraschend spät angefangen zu sprechen und war bekannterweise nach seiner Studium auch erstmal auf Jobsuche.



  Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
Kornkreis
Senior Letzter Besuch: in der letzten Woche
Dabei seit: 02.01.2012
Mitteilungen: 598
Aus: Chemnitz
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.58, eingetragen 2018-07-15


2018-07-14 21:11 - Slash in Beitrag No. 51 schreibt:

Ich denke, dass liegt u.a. daran, dass solche Kinder eines oft nicht sind - kreativ.


Auf Kinder, die von ihrem Umfeld mehr gedrillt als stimuliert werden, trifft das wahrscheinlich zu. Im Allgemeinen aber wohl nicht. Der gewöhnliche Werdegang eines Kindes mit zwölf Jahren Schule ist eben angepasst auf gewöhnlich begabte Kinder, und Schule ist ein künstliches Konstrukt unserer Gesellschaft, das sich für die Allgemeinheit bewährt hat. Hochbegabten Kindern, die sich da zu Tode langweilen, sollte man die Möglichkeit zu vielen außerschulischen Angeboten und eben auch einer Kürzung der Schulzeit geben.

Das Problem ist nun, dass manche Leute damit ankommen, wie toll es in ihrer Jugend war, auf Bäume zu klettern und Biber zu jagen, und das jeder zwangsläufig gestört sein muss, der seine Kindheit nicht mit genau denselben Dingen verbracht hatte. Ich würde sagen, wenn jemand schon als Kind Mathematik auf hohem Niveau betreiben will, und dabei soziale Kontakte auch zu Gleichaltrigen nicht vernachlässigt, führt das nicht unbedingt zu Problemen. Und so wie es in dem Zeitungsartikel anklingt, ist das für dieses Wunderkind wohl der Fall.

@Slash: wenn du dich so auf Schachspieler eingeschossen hast, empfehle ich dir, die drei Polgarschwestern zu googlen. Und wie sieht es eigentlich für Profisportler aus, z.B. Fußballer, für die schon seit früher Kindheit der Sport einen sehr hohen Stellenwert einnimmt - sind das für dich alles gescheiterte Existenzen, die bedauert werden müssen?



  Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
Bernhard
Senior Letzter Besuch: in der letzten Woche
Dabei seit: 01.10.2005
Mitteilungen: 6003
Aus: Merzhausen, Deutschland
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.59, eingetragen 2018-07-15


Hallo Slash!

2018-07-14 21:11 - Slash in Beitrag No. 51 schreibt:
Musikalische Wunderkinder können mitunter sehr erwachsen spielen, aber selten komponieren sie, wie z.B. Mozart. Auch nicht später wenn sie älter sind. Interessant ist, dass Klavierwunderkinder nie Bach'sche Fugen spielen, da diese eben doch noch zu schwer sind. Auch frage ich mich bei vielen musikalischen Wunderkindern, ob diese wirklich ein Verständnis für das haben was sie da spielen, da ihnen ja im Vergleich zu Erwachsenen Musikern das komplette Hör-Repertoir und die Hör-Erfahrung von ca. 10 Jahren fehlt.

Kennst Du Alma Deutscher?
Die hat mit 2 Jahren angefangen, Klavier zu spielen, mit 3 Jahren Geige, mit 4 zu improvisieren begonnen. Mit 11 Jahren wurde ihre erste größere Oper in Wien uraufgeführt.
Über ihre Webseite und YouTube findet man eine ganze Menge ihrer Kompositionen, die sie teilweise selber auch dirigiert - oder selber die 1.Geige (im wahrsten Sinne des Wortes) darin spielt. Eine der schönsten (finde ich) davon ist ihr Violinkonzert, das sie mit 9 Jahren komponiert hat und davon insbesondere der 3.Satz.

Aber nochmals zurück zu Einstein:
@ Monty:
Vielen Dank für diese Klarstellung, davon hatte ich tatsächlich nichts gewußt. Auch wenn mir bekannt war, daß die Noten in der Schweiz andersherum gewertet werden, so wußte ich nicht, daß Einstein zur Zeit seines Abschlusses in einer Schweizer Schule war.
Trotzdem bleibt die Frage aus meinem Beitrag #48: Hat jemand Einstein damals für ein "Wunderkind" gehalten? Oder wäre er, hätte man ihn einem IQ-Test unterzogen, als ein solches aufgefallen?

Viele Grüße, Bernhard

[Die Antwort wurde nach Beitrag No.57 begonnen.]


-----------------
"Wichtig ist, daß man nie aufhört zu fragen"
"Weisheit ist nicht das Ergebnis der Schulbildung, sondern des lebenslangen Versuches, sie zu erwerben"
Albert Einstein



  Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
LaLe
Senior Letzter Besuch: in der letzten Woche
Dabei seit: 07.09.2014
Mitteilungen: 522
Aus: Bonn
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.60, eingetragen 2018-07-15


Ein kurzer Gedanke zum Einschub:

Ich denke, es ist nur natürlich, dass man den Eindruck hat, Wunderkinder würden später nicht erfolgreich werden. Denn der Erfolg stellt sich ja erst 10-20 Jahre nach ihrer Kindheit in einem solchen Ausmaß ein, dass es mediale Beachtung bekommt - und bis dahin weiß niemand mehr, dass der Mensch mal ein Wunderkind war und kennt denjenigen eben nur noch für die beachtlichen Erfolge als Erwachsener. Ich würde beispielsweise darauf wetten, dass nur wenige, die wissen, wer Demis Hassabis ist (der CEO von DeepMind) auch von seiner Schach-Kindheit wissen.

Es sei denn, man liest Biographien auf Wikipedia, versteht sich :D

LG,
LaLe



  Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
weird
Senior Letzter Besuch: in der letzten Woche
Dabei seit: 16.10.2009
Mitteilungen: 4251
Aus:
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.61, eingetragen 2018-07-15

\(\begingroup\)
2018-07-15 00:20 - Bernhard in Beitrag No. 59 schreibt:
Trotzdem bleibt die Frage aus meinem Beitrag #48: Hat jemand Einstein damals für ein "Wunderkind" gehalten? Oder wäre er, hätte man ihn einem IQ-Test unterzogen, als ein solches aufgefallen?

Die Frage kann man glaube ich ganz klar mit nein beantworten. Man lese dazu z.B. diesen Aufsatz, welcher die ersten Lebensjahrzehnte von Einstein beschreibt. Er stammt zwar von einer 15-Jährigen, worüber jetzt sicher einige die Nase rümpfen werden, aber man ja jetzt das meiste davon auch anhand anderer Quellen nachprüfen. Außerdem ziehe ich diesen kindlich-naiven Stil dem von vielen journalistisch "hochpolierten" Beiträgen allemal vor, die sich oft durch eine klar ersichtliche Vorselektionierung des Inhalts auszeichnen, indem sie nur das darstellen, was die "message" des Verfassers an den Leser unterstützen soll.

Ok, Einstein war gewiss kein Wunderkind, sein Eltern waren sogar in großer Sorge, dass er ganz allgemein "zurückgeblieben" war, da er sehr spät sprechen lernte (was pikanterweise heute auch als "Einsteinsyndrom" bezeichnet wird) und auch seine schulischen Leistungen waren insgesamt gesehen eher im Mittelfeld. Schwieriger schon wird es bei der Frage: War Einstein dann im späteren Leben als Erwachsener das sprichwörtliche Genie, also die Verkörperung von Intelligenz, als die er für viele gilt? Wie kann man daran nur zweifeln, werden manche sagen, gilt er doch allgemein als Schöpfer der Relativitätstheorie?

Naja, ganz so einfach ist die Sache denn doch nicht. Zunächst einmal ist der Anteil von Einsteins erster Frau, einer promovierten Physikerin, an dem annus mirabilis 1905 sehr umstritten (siehe hier). Des weiteren war Einstein auch bei den Angaben von Quellen zu seinen Arbeiten sehr..., äh, zurückhaltend, obwohl diese teils sehr relevante Ergebnisse enthielten und er sie gekannt haben musste. Dies betrifft vor allem seine berühmte Formel $E=mc^2$ - für viele der Inbegriff an Genialität überhaupt - welche wie manche behaupten in der Essenz eigentlich auf Hasenöhrl zurückgeht. Ein weiteres Indiz ist, dass ihm der Nobelpreis nicht für die spezielle Relativitätstheorie zuerkannt wurde, und zwar wegen (hört, hört!) "mangelnder Originalität" (man könnte auch sagen zuwenig Eigenleistung), sondern für eine Arbeit über Lichtquanten.

Aber lassen wir dieses doch sehr kontroversielle Thema um die Verdienste Einsteins bei der Relativätstheorie beiseite - zumindestens für die ART sind diese doch weitgehend unbestritten -, und schauen wir uns stattdessenan, wie es danach noch weiterging. Da ist einmal sein berühmter Ausspruch "Gott würfelt nicht", den er sinngemäß in dieser und ähnlicher Form mehrmals gemacht hat, wobei er gegen gewisse Aspekte der Quantentheorie gerichtet war, und der sich schlicht und einfach als falsch harausgestellt hat (s. hier). Dann sein berühmter Brief an den amerikanischen Präsidenten (s. hier), indem er diesen zur Forcierung des Atombombenbaus auffordert, was er selbst später als den größten Fehler seines Lebens bezeichnen wird. Und schließlich das Schreiben eines Vorworts zu einem Buch gegen Ende seines Lebens, in welchem in übelster Weise gegen die Wegener-Kontinentaldrifttheorie polemisiert wird, die heute jedes Kind in der Schule lernt. Macht sowas eine Ikone der Intelligenz? Eher nicht. Ist aber jetzt nur meine Meinung...  cool
\(\endgroup\)


  Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
LaLe
Senior Letzter Besuch: in der letzten Woche
Dabei seit: 07.09.2014
Mitteilungen: 522
Aus: Bonn
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.62, eingetragen 2018-07-15


2018-07-15 14:29 - weird in Beitrag No. 61 schreibt:
Ein weiteres Indiz ist, dass ihm der Nobelpreis nicht für die spezielle Relativitätstheorie zuerkannt wurde, und zwar wegen (hört, hört!) "mangelnder Originalität" (man könnte auch sagen zuwenig Eigenleistung), sondern für eine Arbeit über Lichtquanten.

Meines Wissens nach hat er den Nobelpreis deshalb nicht für die Relativitätstheorie bekommen, weil die damals noch zu spekulativ und experimentell nicht genügend bestätigt war.

2018-07-15 14:29 - weird in Beitrag No. 61 schreibt:
Aber lassen wir dieses doch sehr kontroversielle Thema um die Verdienste Einsteins bei der Relativätstheorie beiseite - zumindestens für die ART sind diese doch weitgehend unbestritten -, und schauen wir uns stattdessenan, wie es danach noch weiterging. Da ist einmal sein berühmter Ausspruch "Gott würfelt nicht", den er sinngemäß in dieser und ähnlicher Form mehrmals gemacht hat, wobei er gegen gewisse Aspekte der Quantentheorie gerichtet war, und der sich schlicht und einfach als falsch harausgestellt hat (s. hier).

Interessanterweise könnte sich die Grundintuition, dass "Gott nicht würfelt", letztlich als richtig herausstellen, falls die Many-Worlds-Interpretation der Quantenmechanik universelle Akzeptanz findet. Diese Interpretation gibt es leider erst seit 1957 (en.wikipedia.org/wiki/Many-worlds_interpretation), sie war Einstein also nicht verfügbar. Daher musste die Intuition "Gott würfelt nicht" zu merkwürdigen Ansichten führen.

2018-07-15 14:29 - weird in Beitrag No. 61 schreibt:
Dann sein berühmter Brief an den amerikanischen Präsidenten (s. hier), indem er diesen zur Forcierung des Atombombenbaus auffordert, was er selbst später als den größten Fehler seines Lebens bezeichnen würde. Und schließlich das Schreiben eines Vorworts zu einem Buch gegen Ende seines Lebens, in welchem in übelster Weise gegen die Wegener-Kontinentaldrifttheorie polemisiert wird, die heute jedes Kind in der Schule lernt. Macht sowas eine Ikone der Intelligenz? Eher nicht. Ist aber jetzt nur meine Meinung...  cool

Vielleicht sollte man hier verschiedene Dinge unterscheiden: Diese Beispiele zeigen denke ich vor allem, dass Einstein in manchen Aspekten seines Denkens nicht rational war. Rationalität ist aber weitgehend unabhängig von Intelligenz:
www.scientificamerican.com/article/rational-and-irrational-thought-the-thinking-that-iq-tests-miss/

LG,
LaLe



  Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
Bernhard
Senior Letzter Besuch: in der letzten Woche
Dabei seit: 01.10.2005
Mitteilungen: 6003
Aus: Merzhausen, Deutschland
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.63, eingetragen 2018-07-15


2018-07-15 14:29 - weird in Beitrag No. 61 schreibt:
Ist aber jetzt nur meine Meinung...  cool

Ich glaube eher nicht. Meine jedenfalls ist es auch. Deine Ausführung besagt nämlich nichts anderes, als daß selbst ein sogenanntes Genie auch mal irren kann oder dürfen sollte wie ein normaler Mensch. Ich würde sagen, gerade der Irrtum macht sogar auch einen Aspekt des Menschen aus. Oft führ er sogar auf Umwegen zu neuen Erkenntnissen.

Viele Grüße, Bernhard

[Die Antwort wurde nach Beitrag No.61 begonnen.]


-----------------
"Wichtig ist, daß man nie aufhört zu fragen"
"Weisheit ist nicht das Ergebnis der Schulbildung, sondern des lebenslangen Versuches, sie zu erwerben"
Albert Einstein



  Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
Slash
Aktiv Letzter Besuch: in der letzten Woche
Dabei seit: 23.03.2005
Mitteilungen: 7076
Aus: New York
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.64, vom Themenstarter, eingetragen 2018-07-15


Hier kommt ja gar nicht mit dem lesen nach. biggrin Und es gibt schon sehr viele Diskussionsstränge.

Für die Beiträge, die an mich gerichtet sind:

Schachspieler sind doch nur ein Beispiel, aber eben ein sehr gutes, da Schach - auch wennn Schachspieler das gerne anders sehen - für nichts anderes gut ist als eben für Schach. Damit trainiert man nichts weiter als das Spiel selbst. Mich würde das als Schachspieler überhaupt nicht stören.

Die Personen/Kinder, die hier als Gegenbeispiele zu meine Beiträgen aufgezählt werden, sind eben nur eine Hand voll. Klar, Ausnahmen gibt es immer. Doch um die geht es ja nicht. Und ihre Anzahl ist verschwindend gering.

Die Definition von Wunderkind wird wohl schwierig. Ich unterscheide da einmal zwischen natürlichen Wunderkindern, deren Höchstbegabung scheinbar aus dem Nichts kommt ohne äußere Einflüsse, und gezüchtete Wunderkinder, die von klein auf in einem bestimmten Gebiet gedrillt werden (Eltern sind hier klar die Iniziatoren). Letztere sind für mich die, die später meist nichts Besonderes leisten und dann kaum noch von normalbegabten, die sich mit Fleiß hochgearbeitet haben, zu unterscheiden sind. Mich interessieren und faszinieren die ersteren. In diesem Zusammenhang sind auch die sogenannten Savants interessant.

Jemand sagte mal zum Begriff Wunderkind: Das eigentliche Wunder sei für ihn nicht die Höchstbegabung/das Können in jungen Jahren, sondern die Einstellung der Kinder. Wie kommt es, dass Kinder sich in so jungen Jahren viele Stunden am Tag mit etwas intensiv und konzentriert beschäftigen können, und das über viele Jahre hinweg? Woher kommt dieser Wissensdrang und der eiserne Wille besser zu werden ohne Konkurrenzdenken? Das ist ein absolut atypisches Verhalten für Kinder bis zur Pubertät. Dies alles natürlich unter der Voraussetzung, dass diese Kinder nicht von anderen gedrillt werden.



  Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
cyrix
Senior Letzter Besuch: in der letzten Woche
Dabei seit: 31.07.2004
Mitteilungen: 2831
Aus: Flensburg
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.65, eingetragen 2018-07-15


Ich frage mich, wie hier eigentlich bezüglich der Frühförderung im Sport gedacht wird. Die meisten Profi-Sportler fangen auch sehr früh an, sich intensiv sportlich zu betätigen. Und natürlich entsteht ohne Training selten großer Fortschritt in den eigenen Fähigkeiten... (Irgendwie finde ich hier einige Botschaften ziemlich leistungs-avers, was mir seltsam erscheint. Wie so oft ist es eben meist die Balance, die entscheidet.)

Cyrix



  Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
LaLe
Senior Letzter Besuch: in der letzten Woche
Dabei seit: 07.09.2014
Mitteilungen: 522
Aus: Bonn
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.66, eingetragen 2018-07-15


2018-07-15 15:30 - Slash in Beitrag No. 64 schreibt:
Schachspieler sind doch nur ein Beispiel, aber eben ein sehr gutes, da Schach - auch wennn Schachspieler das gerne anders sehen - für nichts anderes gut ist als eben für Schach. Damit trainiert man nichts weiter als das Spiel selbst. Mich würde das als Schachspieler überhaupt nicht stören.

Ah, damit machst du ein vollkommen neues Fass auf, das hier (soweit ich das sehen kann) noch gar nicht diskutiert wurde: Die Frage, ob exzellente Förderung und Performance im frühen Kindesalter in bestimmten Bereichen einen kausalen Effekt auf spätere Performance im Leben hat.
Ich bin bisher (stark vereinfacht) in etwa von folgendem kausalen Modell ausgegangen:


<math>
\begin{tikzcd}
& \text{Intelligenz} \ar[dl] \ar[dr] \\
\text{Performance/Förderung im Kindesalter} & & \text{Leistungen als Erwachsener}
\end{tikzcd}
</math>

Wenn dieses Modell die Realität komplett erfassen würde, dann würde man bei Kindern mit hoher Performance und Förderung erwarten, dass sie im Erwachsenenalter auch herausragend sind, selbst wenn kein direkter Pfeil von der Performance als Kind zur Performance als Erwachsener geht; Denn die Intelligenz des Kindes ist ein Confounder, der komplett für die Korrelation verantwortlich ist.
Das würde beispielsweise erklären, warum Demis Hassabis sowohl ein Schachwunderkind, als auch ein erfolgreicher Unternehmer und Wissenschaftler ist: er ist einfach extrem intelligent (und hat die richtigen Persönlichkeitsvoraussetzungen). Dass er Schach gespielt hat, hat ihm vielleicht gar nicht so viel für den späteren Erfolg gebracht.

In der Realität ist das Bild natürlich komplexer: Ich würde hoffen, dass Förderung von begabten Kindern einen positiven Effekt hat, aber sicher bin ich nicht. Außerdem gibt es einen weiteren Pfeil, der zur Förderung/Performance von Kindern führt: Nämlich die Motivation der Eltern. Das ist es wahrscheinlich, was du befürchtest: Dass Wunderkinder manchmal alleine wegen dem Willen ihrer Eltern so herausragend sind. In dem Fall würde man natürlich keine hohe Performance im Erwachsenenalter erwarten. Wenn ich aber berichte über besonders begabte Kinder sehe, dann scheinen die meistens eine hohe intrinsische Motivation zu haben. Den Fall der drillenden Eltern sehe ich eigentlich nicht so oft.

2018-07-15 15:30 - Slash in Beitrag No. 64 schreibt:
Die Personen/Kinder, die hier als Gegenbeispiele zu meine Beiträgen aufgezählt werden, sind eben nur eine Hand voll. Klar, Ausnahmen gibt es immer. Doch um die geht es ja nicht. Und ihre Anzahl ist verschwindend gering.

In diesem Thread wurden bisher mehr Beispiele für erfolgreiche Wunderkinder genannt als für gescheiterte. Ich sehe absolut keine Belege für deine Aussage, dass die Anzahl von Wunderkindern, die sehr erfolgreich werden, "verschwindend gering" ist. Da die Base-Rate von extrem erfolgreichen Menschen so gering ist, ist es übrigens ziemlich wichtig, da eine saubere statistische Analyse zu machen.

2018-07-15 15:30 - Slash in Beitrag No. 64 schreibt:
Die Definition von Wunderkind wird wohl schwierig. Ich unterscheide da einmal zwischen natürlichen Wunderkindern, deren Höchstbegabung scheinbar aus dem Nichts kommt ohne äußere Einflüsse, und gezüchtete Wunderkinder, die von klein auf in einem bestimmten Gebiet gedrillt werden (Eltern sind hier klar die Iniziatoren). Letztere sind für mich die, die später meist nichts Besonderes leisten und dann kaum noch von normalbegabten, die sich mit Fleiß hochgearbeitet haben, zu unterscheiden sind. Mich interessieren und faszinieren die ersteren. In diesem Zusammenhang sind auch die sogenannten Savants interessant.

Jemand sagte mal zum Begriff Wunderkind: Das eigentliche Wunder sei für ihn nicht die Höchstbegabung/das Können in jungen Jahren, sondern die Einstellung der Kinder. Wie kommt es, dass Kinder sich in so jungen Jahren viele Stunden am Tag mit etwas intensiv und konzentriert beschäftigen können, und das über viele Jahre hinweg? Woher kommt dieser Wissensdrang und der eiserne Wille besser zu werden ohne Konkurrenzdenken? Das ist ein absolut atypisches Verhalten für Kinder bis zur Pubertät. Dies alles natürlich unter der Voraussetzung, dass diese Kinder nicht von anderen gedrillt werden.

Ja, das ist eine sinnvolle Unterscheidung und hier würde ich dir zustimmen smile

LG,
LaLe



  Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
Kitaktus
Senior Letzter Besuch: in der letzten Woche
Dabei seit: 11.09.2008
Mitteilungen: 5513
Aus: Niedersachsen
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.67, eingetragen 2018-07-16


Intrinsische Motivation oder Drill?

Mehrfach wurde angesprochen, dass Leistungen aufgrund von "Drills" z.B. durch die Eltern anders zu bewerten sind als intrinsich motivierte.
Ich glaube, dass man diese beiden Kategorien nicht so ohne weiteres sauber voneinander abgrenzen kann.

Ein Kind beschäftigt sich mit einem bestimmten Theme, z.B. Mathematik. Es zeigt dabei überdurchschnittliche Leistungen, was seinen Eltern auffällt. Es wird gelobt und gefördert. Das Kind fühlt sich anerkannt und wendet mehr Zeit für dieses Thema auf. Die Erfolge wachsen und auch die Anerkennung stiegt usw.

Wenn man das Kind jetzt fragt, warum es sich mit Mathematik beschäftigt und es antwortet, "weil es mir Spaß macht", bezieht sich das auf die Freude an der Mathematik oder auf die Freude etwas zu tun, wofür man Anerkennung erhält?
Gerade bei "Wunderkindern" ist die Anerkennung besonders hoch, sie werden für ihre Leistung "bewundert". Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass sie gar nicht so sehr Freude am Schachspielen, Klavierspielen, an Mathematik oder Fremdsprachen haben, sondern "Freude" daran herauszuragen, gelobt zu werden usw.
Das kann dann dazu führen, dass mit fortschreitendem Alter und einer nachlassenden Bewunderung das Interesse am Thema rapide abnimmt. Die herausragenden Erfolge, die man sich vielleicht von diesem "Wunderkind" erhofft hat, bleiben dann aus.
Oder das "Wunderkind" findet als Erwachsener ein anderes Betätigungsfeld, dass ihm Freude bereitet, oder Anerkennung bringt (auch finanzielle). Dann können ihm die Eigenschaften, die es früher zu einem Wunderkind bemacht haben (Intelligenz, Ausdauer, ...) natürlich ebenso weiterhelfen.



  Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
Bernhard
Senior Letzter Besuch: in der letzten Woche
Dabei seit: 01.10.2005
Mitteilungen: 6003
Aus: Merzhausen, Deutschland
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.68, eingetragen 2018-08-02


Hallo!

Wurde der Fieldspreisträger Peter Scholze hier bereits erwähnt?
Immerhin hat der auch schon vorher große Fähigkeiten gezeigt und Auszeichnungen erhalten.
Wurde der schon "vermessen" (IQ)?
Hat man ihn, wie er klein war, mal als "Wunderkind" angesehen? Quasi "der neue Gauß"?
Ab wann hätte man diese Karriere bzw. diesen Erfolg absehen können?

Das Problem ist nur, dass Mathematik annähernd das irrelevanteste Fach überhaupt ist – und als Gruselkabinett der Illogizität im Gegensatz etwa zu Sprachen oder Musik heutzutage grundsätzlich keinerlei besondere Förderung mehr genießen sollte..."
Und was hat man bei der Frühförderung falsch gemacht, daß er nichts Anständiges und Brauchbares gelernt hat..? razz

Viele Grüße, Bernhard


-----------------
"Wichtig ist, daß man nie aufhört zu fragen"
"Weisheit ist nicht das Ergebnis der Schulbildung, sondern des lebenslangen Versuches, sie zu erwerben"
Albert Einstein



  Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
LaLe
Senior Letzter Besuch: in der letzten Woche
Dabei seit: 07.09.2014
Mitteilungen: 522
Aus: Bonn
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.69, eingetragen 2018-08-02


2018-08-02 20:38 - Bernhard in Beitrag No. 68 schreibt:
Hallo!

Wurde der Fieldspreisträger Peter Scholze hier bereits erwähnt?
Immerhin hat der auch schon vorher große Fähigkeiten gezeigt und Auszeichnungen erhalten.
Wurde der schon "vermessen" (IQ)?
Hat man ihn, wie er klein war, mal als "Wunderkind" angesehen? Quasi "der neue Gauß"?
Ab wann hätte man diese Karriere bzw. diesen Erfolg absehen können?

Wenn es um die Kindheit und Jugend von Peter Scholze geht, dann klingt es immer so, als hätte man sein Talent erst auf dem Gymnasium entdeckt: da gewann er wohl bereits seinen ersten innerschulischen Mathe-Wettbewerb. Wann genau das war, erfährt man aber nicht.

Abitur gemacht hat Scholze, als er 19 Jahre alt war, und das war auch das letzte mal, dass er bei der IMO teilnahm. Drei Jahre zuvor, mit 16, gewann er seine erste Silber-Medaille. Wie viel früher schon klar war, dass er zu solchen Leistungen das Zeug hat, ist unklar.

Seit er 16 war, war eine Lehrerin an seiner Schule übrigens auch nicht mehr dazu in der Lage, ihm im Mathe-Zirkel Input zu geben und er wurde seitdem von Professor Klaus Altmann gefördert, wo Scholze sehr schnell dazu in der Lage war, Vorträge vor Diplomanden und Doktoranden zu halten:

www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/peter-scholze-gewinnt-fields-medaille-so-jemanden-habe-ich-noch-nie-erlebt-a-1214439.html

Bezüglich seines IQs: Ich glaube, dass Scholze insbesondere in Tests, in denen auch die Sprachfähigkeiten überprüft werden, vielleicht gar nicht so herausragend abschneiden würde. Sein mündliches Englisch ist nicht besonders gut, und in Interviews auf Deutsch erkenne ich auch kein besonderes Sprachtalent.
Der IQ von Scholze ist wahrscheinlich nicht öffentlich bekannt, wenn er ihn denn überhaupt selbst kennt.

LG
LaLe



  Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
stpolster
Senior Letzter Besuch: in der letzten Woche
Dabei seit: 27.03.2014
Mitteilungen: 582
Aus: Chemnitz
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.70, eingetragen 2018-08-02


Hallo,
der IQ ist ein Maß, an das diejenigen glauben, die irgendwann einmal eine hohe Zahl bestätigt bekommen haben.
Mein IQ ist auch 130 und mehr, sage ich jedenfalls immer.  biggrin Da werden andere neidisch. razz

Ich kenne gerade von meiner Schule mehrere "hochbegabte" Schüler, denen ein Psychologe (gegen Bezahlung!) einen IQ von 130+ bescheinigt hat.
Und dann stellt sich heraus, dass sie in keiner(!) Richtung annähernd vernünftige Leistungen zeigen, von Hochleistung gar nicht erst zu reden.
Da diese netten Schüler oft auch "verhaltensoriginell" sind, muss ja eine Hochbegabung vorliegen. wink Es wäre für die Eltern doch eine Katastrophe, wenn sie nur ein unerzogenes und dummes Kind hätten. Nein, die Ursache liegt darin, dass alle anderen zu blöd sind, die Hochbegabung zu erkennen.  mad
Es mag Ausnahmen geben, bei denen ein hoher IQ ein Hinweis(!) auf besondere Leistungsfähigkeit ist. Es gibt aber keine logische Kette "hoher IQ" --> "Superleistung". Auch die Gegenrichtung stimmt nicht.

Peter Scholze ist ein Ausnahmetalent, wie es nur sehr selten eins gibt. Vor seiner IMO-Karriere gewann er auch die Bundesrunde der deutschen Matheolympiade. Und ein Abitur mit 1,0 macht man auch nicht, wenn man in anderen Fächern, z.B. in den Sprachen, schlecht ist.
Sein IQ wird ihn nicht interessieren.

LG Steffen



  Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
Bernhard
Senior Letzter Besuch: in der letzten Woche
Dabei seit: 01.10.2005
Mitteilungen: 6003
Aus: Merzhausen, Deutschland
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.71, eingetragen 2018-08-02


Hallo Steffen!

Genau darum ging es mir. Er selbst scheint ja soweit auf dem Boden geblieben zu sein, daß er ihm der Rummel um sein Talent und seine Leistungen eher unangenehm ist. Ich kann mir da nicht vorstellen, daß er an seinem IQ noch interessiert ist. Er hat schon bessere (Selbst-) Bestätigungen bekommen.
Ich jedenfalls möchte seinenIQ eigentlich nicht verbreitet wissen. Vielleicht würden die, die an den IQ noch als echtes Maß von Genialität glauben, herb enttäuscht sein.

Viele Grüße, Bernhard

[Die Antwort wurde nach Beitrag No.69 begonnen.]


-----------------
"Wichtig ist, daß man nie aufhört zu fragen"
"Weisheit ist nicht das Ergebnis der Schulbildung, sondern des lebenslangen Versuches, sie zu erwerben"
Albert Einstein



  Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
digerdiga
Aktiv Letzter Besuch: in der letzten Woche
Dabei seit: 15.11.2006
Mitteilungen: 1337
Aus:
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.72, eingetragen 2018-08-02



Wurde der Fieldspreisträger Peter Scholze hier bereits erwähnt?

Wurde nicht hier oder in einem anderen Thread davon gesprochen, dass er noch 10 oder 20 Jahre dafür Zeit hat? :-O

[Die Antwort wurde nach Beitrag No.70 begonnen.]



  Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
cyrix
Senior Letzter Besuch: in der letzten Woche
Dabei seit: 31.07.2004
Mitteilungen: 2831
Aus: Flensburg
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.73, eingetragen 2018-08-02


@Bernhard + Steffen: Irgendwie wirkt ihr so borniert wie die, die ihr scheinbar kritisieren wollt. Der IQ ist nichts anderes als ein Messwert in einem Test. Im Sport-Unterricht durftet ihr als Schüler davon sicherlich auch hunderte in eurer Schulzeit absolvieren. Eure Sportnote, dir ihr dort erhalten habt (bzw. genauer: Wie viele in eurer Klasse besser oder weniger gut als ihr gewesen sind), sagt genauso viel über eure Fähigkeiten, einen 100m-Sprint möglichst schnell zu absolvieren, aus wie das Ergebnis eines IQ-Tests über Spitzenleistungen in bestimmten Bereichen: Es wird zwar korrelieren, aber die von euch anderen Leuten unterstellte Annahme der direkten Folgerung von dem einen aufs andere gibt es so nicht. Das glaubt aber auch kein ernstzunehmender Mensch, der sich mit dem Thema auch nur etwas auseinandergesetzt hat...

btw, wo wir schon bei Wunderkindern und aktuellen Fields-Medaillen-Trägern sind: Schaut mal auf Akshay Venkatesh, der als einziger Australier sowohl Medaillen auf der IMO wie IPhO gewonnen hat; und das im Alter von 12 Jahren. (Danach durfte er nicht mehr teilnehmen, weil er mit dem Studium begonnen hatte.)

Cyrix



  Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
Bernhard
Senior Letzter Besuch: in der letzten Woche
Dabei seit: 01.10.2005
Mitteilungen: 6003
Aus: Merzhausen, Deutschland
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.74, eingetragen 2018-08-02


Hallo cyrix!

In Sport war ich miserabel und später aus gesundheitlichen Gründen befreit. Davon träumen wohl auch viele so für Mathe... wink

Bernhard


-----------------
"Wichtig ist, daß man nie aufhört zu fragen"
"Weisheit ist nicht das Ergebnis der Schulbildung, sondern des lebenslangen Versuches, sie zu erwerben"
Albert Einstein



  Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
stpolster
Senior Letzter Besuch: in der letzten Woche
Dabei seit: 27.03.2014
Mitteilungen: 582
Aus: Chemnitz
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.75, eingetragen 2018-08-02


Hallo Cyrix,
2018-08-02 22:32 - cyrix in Beitrag No. 73 schreibt:
... Es wird zwar korrelieren, aber die von euch anderen Leuten unterstellte Annahme der direkten Folgerung von dem einen aufs andere gibt es so nicht. Das glaubt aber auch kein ernstzunehmender Mensch, der sich mit dem Thema auch nur etwas auseinandergesetzt hat...
und genau dort ist das Problem.
Es gibt einen Schulpsychologen, dessen Namen ich natürlich nicht nenne, in einer thüringischen Universitätsstadt (welche wohl?), der genau das tut. Er redet den Eltern ein, dass ihr Sprössling superintelligent ist und deshalb auch in der Schule extrem gut sein muss, da er es "gemessen" hat.
Ich hatte schon mehrere solche "Gutachten" auf dem Tisch, denn es gibt einen regelrechten IQ-Gutachten-Tourismus zu ihm.

Ein ehrlicher Fachmann wird solchen Unfug nicht tun, aber auch in diesem Bereich gibt es hinreichend viele Problemfälle.
Von dem Gelaber in unserem Medien zu diesem Thema reden wir lieber nicht.
Das Reduzieren einer Einschätzung auf eine einzelne Zahl ist immer ein Problem und spiegelt die Situation nur wenig wieder.
 
LG Steffen



  Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
LaLe
Senior Letzter Besuch: in der letzten Woche
Dabei seit: 07.09.2014
Mitteilungen: 522
Aus: Bonn
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.76, eingetragen 2018-08-02


@stpolster: es wäre in so einem Fall besser, wenn du klarstellst, dass sich deine Kritik an eine bestimmte Person richtet. Denn so, wie es sich in Beitrag No. 70 liest, klingt es so, als hieltest du den IQ für eine generell sinnlose Größe.

Der IQ korreliert ziemlich gut mit beruflichem Erfolg und ist dementsprechend eine äußerst wichtige Kennzahl. Der IQ ist außerdem über das ganze Leben relativ robust und verändert sich nur wenig. Ich kann wirklich nicht verstehen, warum er so ein schlechtes Ansehen hat; Andere Eigenschaften von Menschen, beispielsweise Persönlichkeit oder Rationalität, sind bei weitem weniger robust, sie verändern sich also über das Leben stark.

LG
LaLe



  Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
darkhelmet
Senior Letzter Besuch: in der letzten Woche
Dabei seit: 05.03.2007
Mitteilungen: 2486
Aus: Bayern
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.77, eingetragen 2018-08-03


Nur weil man einen Test hat, der mit beruflichem Erfolg korreliert, heißt das ja nicht, dass der Test das misst, was man in nichtwissenschaftlicher Sprache als Intelligenz bezeichnet. Ich denke nicht, dass über letzteres prinzipiell irgendeine empirische Aussage möglich ist, und schon gar nicht eine Abbildung auf eine lineare Skala. Genau das suggeriert man aber, wenn man vom Intelligenzquotienten spricht oder ihn gar als Synonym für Intelligenz verwendet.



  Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
egf
Aktiv Letzter Besuch: in der letzten Woche
Dabei seit: 25.03.2008
Mitteilungen: 495
Aus:
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.78, eingetragen 2018-08-03


2018-08-02 23:43 - LaLe in Beitrag No. 76 schreibt:
Ich kann wirklich nicht verstehen, warum er so ein schlechtes Ansehen hat;
Weil man in einem kalt-rationalen Gedankengang auf die Idee kommen könnte, unter anderem wegen der erwähnten Korrelation, Menschen gemäss ihrer Intelligenz einen "Wert" zuzuordnen (eigentlich wird das ja über Berufsgruppen bereits implizit/unausgesprochen auch schon gemacht - ein Arzt ist "besser", "wichtiger", "wertvoller" als beispielsweise ein Gärtner). Nimmt man noch die Genetik dazu, eskaliert es schnell mal.

Hier ein interessanter Artikel, wie ich finde, zum IQ:
13 populäre Irrtümer über Intelligenz

Der "Club" des schweizer Fernsehens hat eine Sendung zum Thema gemacht, leider ist es auf schweizerdeutsch. Anlass war der 9-jährige Maximilian Janisch, der die Mathematik-Matura (entspr. Abitur) erfolgreich absolvierte und an der ETH Zürich studieren wollte, was ihm diese verwehrte.
Für die des Schweizerdeutsch mächtigen:
SRF Club: Gefördert oder überfordert?



  Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
cyrix
Senior Letzter Besuch: in der letzten Woche
Dabei seit: 31.07.2004
Mitteilungen: 2831
Aus: Flensburg
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.79, eingetragen 2018-08-03


Sorry, hier werden Dinge vermischt, die m.E. wenig bis gar nichts miteinander zu tun haben.

Dass die Wertschätzung der Menschen in unserer Gesellschaft nicht gerade sinnvoll erfolgt (Welchen Mehrwert für die Gesellschaft hat ein Vorstandsvorsitzender einer größeren Bank? Welchen ein Profi-Fußballspieler? Ein Mathematiker an einer Uni? Welchen eine Krankenschwester? Ein Polizist? Eine Kindergärtnerin? --- Nicht umsonst führe ich hier teilweise weibliche Berufsbezeichnungen an, da gerade die Berufe im sozialen Bereich, die von Frauen dominiert werden, sehr schlecht bezahlt werden, obwohl sie einen wesentlichen und wichtigen Beitrag zu unserer Gesellschaft leisten.), ist bekannt.

Was aber hat das mit einem Messergebnis wie die Zeit, die man für einen 100m-Sprint benötigt, oder dem, auf welchem Niveau man Spanisch sprechen, schreiben und lesen kann, oder eben dem eines IQ-Tests zu tun?!

M.E. nichts.

Cyrix



  Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
-->> Fortsetzung auf der nächsten Seite -->>
Seite 2Gehe zur Seite: 1 | 2 | 3  
Neues Thema [Neues Thema] Antworten [Antworten]    Druckversion [Druckversion]

 


Wechsel in ein anderes Forum:
 Suchen    
 
All logos and trademarks in this site are property of their respective owner. The comments are property of their posters, all the rest © 2001-2018 by Matroids Matheplanet
This web site was made with PHP-Nuke, a web portal system written in PHP. PHP-Nuke is Free Software released under the GNU/GPL license.
Ich distanziere mich von rechtswidrigen oder anstößigen Inhalten, die sich trotz aufmerksamer Prüfung hinter hier verwendeten Links verbergen mögen.
Lesen Sie die Nutzungsbedingungen, die Distanzierung, die Datenschutzerklärung und das Impressum.
[Seitenanfang]