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Universität/Hochschule Zukunftsplanung, Master
Pter87
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Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Themenstart: 2021-04-17 19:31


Hallo,

ich bin es wieder. Ich beende dieses Semester meinen Bachelor in Mathematik in Mainz und hab mich schon länger gefragt, was ich danach eigentlich machen möchte. Ich weiß, dass ich nicht in die Forschung will.

Ich muss zugeben, dass ich mich bis jetzt nie so wirklich damit auseinandergesetzt habe, wie es später nach dem Master weitergehen soll. Ich wusste, dass ich irgendwo in die IT Richtung wollte, habe aber nie so wirklich darauf geachtet, was ich denn überhaupt mitbringen muss für so eine Stelle (natürlich wollte ich nicht irgendeinen stinknormalen Programmierberuf, wo ich meine Mathekenntnisse nicht sinnvoll einsetzen kann). Hab mir zugegebenermaßen immer gedacht: "Ja, das mit dem Job wird gar kein Problem, denn Mathematiker werden ja überall gesucht 'Können analytisch denken und bla bla'"
Dementsprechend wollte ich noch meinen Master machen in einem Fach, was mir lag (ob rein oder angewandt war mir egal).

Ich bin ein durchschnittlicher! Mathematiker und so wie ich die Dinge jetzt sehe, ist es wohl der falsche Weg einfach jetzt blind noch meinen Master zu machen, "weil man ja als Master Mathematiker sowieso einen Job bekommt".
Mir haben in dem Sinne auch sehr die Beiträge zu meiner vorherigen Fragen geholfen. Siehe folgenden Link:

LinkWas haltet ihr davon, "notenoptimiert" zu studieren?

$\textbf{Was habe ich jetzt geplant ?}$

Der Master in Mainz ginge sehr stark in die Richtung reiner Mathematik. Man kann sich auch in Mainz in Stochastik vertiefen, was allerdings eine sehr sehr forschungsorientierte Vertiefung ist. Nichts mit Statistik sondern eher in Richtung pure stochastische Analysis.

In der Informatik würde ich gerne in die IT-Sicherheit oder in den Bereich von K.I. Entwicklung und maschinellem Lernen, wobei ich Letzteres interessanter finde. Im Mathe Master hat das Nebenfach nur 18 CP und dementsprechend ist das eher mager.

Ich hab mir dann den Master an der TU Darmstadt angesehen und die haben echt eine interessante Studienrichtung "Mathematik interdisziplinär". Das ist ein Mathe Master, der aber sehr viel mehr Umfang an Nebenfach-Veranstaltungen hergibt. Man kann bis zu ungefähr 50 CP im Nebenfach (in meinem Fall Informatik) machen und man könnte so, sehr solide Informatikkenntnisse in dem jeweiligen Bereich vorweisen. Außerdem bietet die TU Darmstadt Optimierung als Vertiefung an und sehr viele angewandte Mathematik Veranstaltungen. Dazu ist die TU Darmstadt was Informatik angeht sehr gut aufgestellt.

Laut Studienberatung sollte es kein Problem sein dorthin zu wechseln und dementsprechend mich ich eigentlich fast sicher, dass mir das mehr bringt als in Mainz zu bleiben.

Was haltet ihr davon?


Was mich auch mal interessieren würde:

$\textbf{Sollte ich das Studium qualitativ oder quantitativ ausrichten?}$

In Darmstadt werde ich Vertiefungen wählen müssen, aber ich kann trotzdem noch entscheiden, ob ich weitere Vorlesungen aus meinem Vertiefungsgebiet machen will oder irgendwas anderes. Ich könnte in Darmstadt zum Beispiel komplett auf Optimierung gehen(Diskrete Optimierung, Nichtlineare Optimierung, Nichtglatte Optimierung, Gemischt-ganzzahlige nichtlineare Optimierung, Optimierung für maschinelles Lernen, Kombinatorische Optimierung...). Analog könnte ich mich auch im Informatik-Bereich wirklich nur auf einen Sektor beschränken: "IT-Sicherheit", "Web, Wissens- und Informationsverarbeitung",..

Oder man vertieft sich zum Beispiel in Optimierung und wählt auch hier und da paar interessante Statistik-Vorlesungen, vielleicht noch bisschen Finanzmathematik oder so...

Was würdet ihr mir hier raten ? Eine gesunde Mitte vielleicht ?

 




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Algebravo
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Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.1, eingetragen 2021-04-18 10:37


Zu den fachlichen Sachen kann ich nicht so viel raten, da ich von Informatik und den Berufschancen als Mathematiker bzw. Informatiker wirklich keine Ahnung habe (Lehrämtler halt, da war der Weg immer klar... 🙃)
Aber ein Rat ist: Wähle Veranstaltungen, die so klingen als ob sie dir Spaß machen, nicht unbedingt beruflich weiterbringen. Mit Spaß an der Sache entwickelt sich nämlich ein gesunder Ehrgeiz und eine Lust sich weiterzubilden, mehr einzulesen und schlussendlich lernt man mehr und kann am Ende mit Selbstbewusstsein sagen: “Die Inhalte dieses Faches habe ich wirklich verstanden, haben mir Freude bereitet und ich freue mich darauf sie anzuwenden!” Ich glaube, das ist mehr wert, als eine Veranstaltung zu wählen, weil sie zu bestimmten Berufen ganz gut passt, obwohl sie einem keinerlei Freude bereitet.

(Beispiel aus meinem Studium: Als Lehrämtler wäre es für den Beruf sicher “passender” gewesen, Stochastik II als Spezialisierung zu machen und sich Stochastische Matrizen und Markoff-Ketten anzuschauen, ich habe mich aber für Algebra II entschieden, rein aus Freude und habe Dinge gelernt, die ich vermutlich an keiner Schule des Landes je anwenden werde. Aber es hat mir so einen Spaß gemacht, dass ich, aus purem Interesse, im nächsten Semester “Algebraic Number Theory” gehört habe, was noch weniger Anwendung haben wird, aber einfach eine tolle Erfahrung war, mal in eine Mastervorlesung reinzuschnuppern.)

Beste Grüße und viel Erfolg bei der Entscheidung! :)


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Ich würde mich sehr freuen, einige von euch begrüßen zu dürfen: www.algebravo.de ^^ Dort gibt es Videos und Aufgaben, die dabei helfen sollen, Mathematik nicht nur anwenden zu können, sondern auch zu verstehen! :) Über Feedback freue ich mich immer!



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phiregen
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Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.2, eingetragen 2021-04-19 00:53


Hallo,

da ich in Mainz war, kondensiere ich meine Erfahrung mal in einen Satz:

Mainz ist nicht sehr gut, aber schwer.

Ich habe auch die Aufbaumodule in Numerik von Pdgl und und Stochastik gemacht. Das war schon eine Qual für mich. Stochastik war bereits im Aufbaumodul quasi nur Funktionanalysis. Es klingt zwar schön bei der Bewerbung in einer Versicherung, aber du wirst im Alltag fast nichts konkret damit machen. Was du brauchst lernst du da oder bei der Aktuar-Ausbildung.

Das mit dem 100% sicher den Job finden, würde ich nicht unterschreiben.

Wie ich im anderen Thread schon geschrieben habe, solltest du am besten Berufserfahrung beim Berufseinstieg mitbringen. Das erhöht deine Chancen enorm, weil jeder der die echte Berufswelt schon mal kennengelernt hat sich viel eher vorstellen kann was erwartet wird. Die Arbeitgeber haben am meisten Angst davor, dass sie jemanden nach der Probezeit wieder gehenlassen müssen, weil es nicht passt. Es kostet nämlich Geld Leute neu anzulernen und wieder das ganze Bewerbungsverfahren zu starten.

Wenn du schon die Uni wechseln möchtest, könntest du auch ganz wo anders schauen ob du was interessantes findest. Vielleicht im Ausland.

Speziell für den Nebenjob ist sicherlich Frankfurt besser als Darmstadt. In Mainz/Wiesbaden gibts ja nur Schott, ein paar Banken und die R+V Versicherung so als große Läden.
Mathe in Frankfurt scheint mir aber eher schlechter geeignet als Mainz oder Darmstadt zu sein, wenn man berücksichtigt was du dir wünschst.

Vielleicht solltest du mal über Wirtschaftsmathematik/Informatik nachdenken.

Das ist 1. sehr gefragt und 2. studieren dies viele Leute die vermutlich schon bei BWL-Probleme hätten und es studieren weil sie denken, dass dies ihre Chancen erhöht und dann mit bescheidenen Noten abgehen, weil ihnen der Mathe-Teil zu krass ist.
Als Mathebachelor ist das Studium für dich aber einfacher, falls es dich interessiert.

Ich kann dir aber nicht sagen welche Unis (Frankfurt oder sonst wo)
dich dann im Master zulassen würden.




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Pter87
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Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.3, vom Themenstarter, eingetragen 2021-04-20 02:51


@Algebravo

Danke für deinen Rat, allerdings befindest du dich natürlich in einer ganz anderen Situation als ich. Was du wählst, kann dir als Lehrämtler ja relativ egal sein, wobei das bei einem Science-Studenten wichtig werden kann, wenn man nicht gerade einen 1,x Abschluss hat (x<5).

@Phiregen

Stochastik war im Aufbaumodul also nur Funktionalanalysis ? Gut, dass ich das damals nicht genommen habe, da ich wohl gnadenlos untergangen wäre . Das bestätigt allerdings meine Vermutung, dass die Stochastik Vertiefung im Master für später eher nutzlos ist.

Ins Ausland möchte ich nicht.

Ich muss sagen, dass ich während dem Semester nie Zeit hatte für einen Nebenjob (die 1-2 Monate in den Semesterferien sind wohl nicht ausreichend für einen Werkstudentenjob), aber ich bin mir der Wichtigkeit bewusst. Was meinst du genau mit
"Die Arbeitgeber haben am meisten Angst davor, dass sie jemanden nach der Probezeit wieder gehenlassen müssen, weil es nicht passt."?
Ich gehe mal davon aus, dass die Arbeitgeber Angst davor haben, dass der Arbeitnehmer merkt, dass ihm die Arbeit so wie dieser sie in der jeweiligen Firma verrichtet, nicht passt und die Firma zeitnah wieder verlässt und was anderes sucht. Die Firma hat nun Zeit und Geld an so jemanden "verschwendet". Wenn allerdings jemand schon in so einem Bereich gearbeitet hat, ist die Wahrscheinlichkeit wohl geringer das sowas passiert, da derjenige ja schonmal sowas Ähnliches gemacht hat. Hast du das ungefähr so gemeint ?

Du hast Wirtschaftsmathematik oder Informatik empfohlen.

Ich muss sagen, dass ich den IT-Bereich auf den ersten Blick interessanter finde als die Versicherungsbranche und ich wüsste nicht was dagegen sprechen würde mich in Darmstadt in einem bestimmten IT-Bereich im Rahmen von 40-50 CP zu vertiefen. Das ist ja nicht mehr "nur" Nebenfach.

Darmstadt ist was Informatik angeht, deutlich besser aufgestellt als Mainz oder Frankfurt. Der Bereich der mathematischen Optimierung soll in Darmstadt ebenfalls sehr stark sein.


Ich weiß nicht, aber bis jetzt liebäugel ich mit einem Job, der im Schnitt von Informatik und Mathematik liegt. Programmierung und die ganzen Info-Sachen die ich im Nebenfach machen musste, fand ich alle sehr "erfrischend" neben der blanken Mathetheorie. Die Veranstaltung, wo ich am "liebsten" die Übungsblätter erledigt habe, waren tatsächlich die Übungsblätter in unserem Numerik Praktikum. Da mussten Quadraturverfahren, Verfahren zur schnellen Matrixmultiplikation und viele weitere numerische Anwendungen implementiert werden und das fand ich echt ganz angenehm. Nicht weil es einfach war (die Aufgaben waren zum größten Teil nicht schnell gemacht), sondern ich fand es einfach cool Theorie und Anwendung im Einklang zu sehen. Das hatte was...



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phiregen
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Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.4, eingetragen 2021-04-23 00:01


Hi,

die Versicherungsbranche habe ich als Bsp benannt. Ich z.B. fände es cool bei Palantir zu arbeiten. Wäre ich du und an Informatik interessiert, würd ich mich damit beschäftigen und überlegen

"Wie kann ich mich ausbilden, dass so ein Unternehmen mich einstellt?"

Ich denke dann findest du etwas, was dir gefällt.

Und "ja", ist für einen Arbeitgeber immer doof, wenn er erst mal.

1. Feststellt - wir brauchen eine Stelle.
2. Stelle ausschreibt (das kostet bei diesen bekannten Portalen auch Geld!)
3. Viele Bewerbungsgespräche führt
4. Jemanden einstellt und zwei Monate einarbeiten muss und dafür andere Leute ihre Arbeit teilweise stilllegen müssen
5. Dann nach 3,4 Monaten wird klar, dass das es eine Fehlbesetzung war, der Neue keine Lust hat, ne andere Vorstellung von dem Job hat, doch noch seinen Master oder seine Promotion machen will, mit der Arbeitswelt nicht klar kommt oder sonst was hat.
6. Nun beginnt der Prozess von vorne. Viele der ehemaligen Bewerber haben nämlich jetzt schon einen Job...also zumindest die, die ebenfalls beinahe genommen worden wären, denn das sind meistens die Besten.

Ergebnis: Gut und gerne 6 Monate Verzögerung und einen Haufen Kosten.

Mein Arbeitgeber hat mir mal gesagt, dass ein Neuer Kollege 150.000 an Einarbeitungskosten inkl. Gehalt verursacht und erst danach anfängt produktiv zu arbeiten.

Wen würdest du also bei der Bewerbung bevorzugen? Ich, jemanden der weiß was er will und kann und in etwa was ihn erwartet.



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Pter87
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Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.5, vom Themenstarter, eingetragen 2021-04-25 20:59


Ich frage mich inwiefern so ein Nebenjob denn jemandem Ausblick auf einen zukünftigen Job geben kann. Was man im Nebenjob macht und was als Angestellter kann doch sehr unterschiedlich sein, einem Angestellten mit Master Abschluss wird man wohl andere Sachen machen lassen als einen Bachelor-Absolventen, der als Werkstudent tätig ist. Ich halte es irgendwie schwierig bei einem bestimmten Job vollkommen zu wissen, was einen erwartet.


Bringen einem Spezialisierungen im späteren Beruf irgendwas ?

Wenn ich die Foren mal so durchstreife, dann kriege ich das Gefühl, dass die meisten Unternehmen so ein tiefes Know-How wie es bei Spezialisierungen erlangt wird in keinster Weise brauchen. Sobald man etwas mehr von seinem Wissen benutzen möchte, bietet sich anscheinend nur die Forschung an...

Hab letztens von einem Mathematiker gelesen, der sich in Kryptographie vertieft hat und laut ihm war das für die meisten Unternehmen im IT-Bereich! von keiner Bedeutung (sie fanden Know-How im Bereich der Softwareentwicklung wichtiger, als dieses ganze theoretische Zeug).

Ich zum Beispiel würde mich gerne in Optimierung vertiefen, was weit darüber hinaus geht, als das was normalerweise irgendwo in "Einführung in die Optimierung" gelehrt wird. Ich möchte aber nicht in die Forschung aber es scheint mir so, dass selbst in Bereichen wo Optimierung genutzt wird, man nur das absolute Standardzeug aus der Einführungsveranstaltung braucht. Das fände ich irgendwie blöd...

Es kommt mir so vor, vielleicht kannst du mir sagen, ob das wirklich so ist.

Falls das wirklich so ist, dann macht es doch viel mehr Sinn sich quantitativ auszurichten, statt qualitativ.



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xiao_shi_tou_
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Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.6, eingetragen 2021-04-25 22:42


Hi Pter87.
Ich kann ein paar Beispiele nennen, wie es nach einem Mathestudium weitergehen könnte, wenn man nicht an der Uni bleibt.

1. Ein Freund der mit mir zusammen den Master gemacht hat, hat sich bei Versicherungen beworben und arbeitet jetzt für eine dieser Versicherungen als angehender Aktuar. Das bedeutet, er lernt neben Stochastik und anderen Nebenmoduln Versicherungsmathematik und strebt eine Ausbildung zum Aktuar an. Über die Arbeit eines Aktuars findet sich im Internet viel Information. Es lohnt sich auch einen Blick in ein Buch zum Thema Versicherungsmathematik zu werfen, zum Beispiel das Buch "Praktische Versicherungsmathematik" von K. M. Ortmann.

2. Ich selbst arbeite bei einem Unternehmen das Bestandsführungssysteme für Versicherungen bereitstellt.
Das wäre der "stinknormale Programmierberuf". Man programmiert den ganzen Tag in einem agilen Team.
So langweilig das auch klingt: Mir macht das Spaß!

Bei uns im Unternehmen hat fast jeder Programmierer ein ausgeprägtes Wissen zum Thema Versicherungsmathematik im Skillset, einige sind sogar ausgebildete Aktuare und Programmierer zugleich, und das wird auch angewendet! Die tägliche Arbeit ist abwechslungsreich, da man eben eine Mischung aus Programmierung und versicherungsmathematischen Fragestellungen hat.

Natürlich hat das ganze Thema mit Algebraischer Geometrie oder anderen Sparten der abstrakten Mathematik nicht viel zu tun, aber so ist das halt, wenn man nicht gerade als Postdoc an der Uni bleibt, und die Postdocs heutzutage haben es auch nicht immer leicht. Ich für meinen Teil behalte mir die Mathematik als Hobby und hoffe nicht mehr darauf sie zu meinem Beruf zu machen, zumal Programmieren auch eins meiner Hobbys ist.

3. Ein anderer Freund von mir hat Informatik mit Schwerpunkt IT-Sicherheit studiert, hat sich im letzten Semester einer Gruppe von Selbstständigen IT-lern angeschlossen und ist jetzt selbst selbstständig in der IT-Sicherheit unterwegs. Natürlich hat er dadurch mehr Freiheiten als ich, aber andererseits muss er sich auch um viele Dinge kümmern, die ich von Haus aus bekomme. Insbesondere die finanzielle Sicherheit ist im Fall einer Selbstständigkeit nicht von Haus aus gegeben. Man muss wirklich auch aktiv das eigene Unternehmen am Leben halten, was nicht unbedingt immer einfach ist. (vor allem in Zeiten wie diesen!)

Übrigens gibt es auch einen Link zwischen Maschinellem Lernen und Versicherungen:

Soll keine Schleichwerbung sein, aber schau mal dieses Buch hier an:
www.amazon.de/Actuarial-Data-Science-Maschinelles-Versicherung/dp/311065928X

Klar musst du es kaufen, falls du es lesen willst, aber schon alleine der Titel verrät: Es gibt eine nicht unrelevante Verbindung zwischen Versicherungsmathematik und Maschinellem Lernen. Vielleicht ist das ja der Wink mit dem Zaunpfahl, der dich dazu ermutigt etwas tiefer zu suchen und nach der Sparte zu suchen in der du das was du magst mit dem was auf dem Markt gebraucht wird zu verbinden. (sorry für die eigenartige Formulierung)

4.
Darüber hinaus gibt es auch Jobs auf denen man de facto nichts machen muss und viel Zeit für seine eigenen Interessen hat. Ich kenne zwei Leute im öffentlichen Dienst die dort als Administrator tätig sind, und die maximale effektive Arbeitszeit dort beträgt vielleicht eine Stunde am Tag. Man sitzt einfach nur da und wartet, bis eine E-mail kommt die man von A nach B weiterleiten muss. Das war alles. Jedoch ist das natürlich auch positionsabhängig. Es gibt auch Administratoren im öffentlichen Dienst die gleichzeitig 39 Tabs geöffnet haben und kaum noch den E-Mails und Anrufen antworten können die parallel auf sie einprasseln. Außerdem kann man in so einer Position auch mal versetzt werden und lernt nicht wirklich viel, wenn es nichts zu tun gibt.

5.
Noch ein anderer Freund, auch aus Bonn, auch aus der Sparte Algebra und Geometrie, hat sich dem Thema Blockchain-Technologie verschrieben. Er arbeitet soweit ich weiß für eine Bank und ich glaube es macht ihm Spaß. Ich persönlich finde Blockchains interessant, aber ich bin glücklich mit meinem Job. Das ganze Thema hat mit Mathematik nicht nichts zu tun, im Gegenteil: Die Theorie der Error-Correcting-Codes, zum Beispiel Goppa-Codes knüpfen eng an die Algebraische Geometrie an, und so werden private-keys errechnet. Man hat da schon einen gewissen Bezug, der wahrscheinlich umso stärker ist umso tiefer man in die Thematik einsteigt. Bekanntlich ist auch die Arbeit im IT-Sicherheitsbereich über die Kryptographie mit abstrakter Mathematik verknüpft.

Ich denke es gibt viele Sparten in denen schon effektiv viel abstrakte Mathematik gebraucht wird, man muss sie nur aufspüren und an eine gute Stelle kommen.


Hoffe das hilft dir etwas.
Viele Grüße
XST

PS: Und zum Thema "nur für Noten studieren": Das würde ich nie machen. Ich habe immer die Vorlesungen gehört die mich interessiert haben, auch wenn sie viel schwerer waren. Man sollte grundsätzlich im Leben nichts machen nur um mehr Punkte zu bekommen finde ich. Es geht doch darum ein Individuum zu sein, mit seinen persönlichen Stärken und Schwächen. Klar gibt es Dinge die man lernen muss und wenn sie einem Spaß machen umso besser, aber nur für Noten zu lernen ist ja so, als ob man Musik spielen würde, nur um anderen zu erzählen, dass man Chopin oder Beethoven gemeistert hat. Man macht das doch für sich.
 
Meine Erfahrungswerte sagen mir auch, dass in Vorstellungsgesprächen Noten eher zweitrangig sind. Klar sind sie von Bedeutung, aber zum Beispiel könnte ich jetzt kurzerhand 3 Leute aufrufen mit besserem Schnitt im Mathemaster die sich bei der Arbeitssuche schwerer taten als ich. Und genauso kann ich auch jemanden nennen der es mit ähnlichem Schnitt noch fixer hingekriegt hat als ich seinen "Traumjob" zu finden, nämlich schon quasi während dem Studium, während ich meinen Job kurz nach dem Studium bekam. Es ist alles eine Frage der Selbstvermarktung und der Organisation, und vor allem auch der individuellen Stärken und Schwächen. Es gibt viele Aufgaben in einem Unternehmen.

Man muss nicht alles können, aber man sollte ein Puzzleteil sein, das gut an die freie Stelle passt, dass es für das ganze Bild eine Bereicherung ist. Es bringt dem Unternehmen z.B. nichts, wenn man alles perfekt ausrechnen kann, in den Team-meetings nichts sagt und dann im Endeffekt sowieso alles auf eigene Faust so macht wie es einem gerade passt, oder nach einem Monat wieder abspringt, usw.



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Pter87
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Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.7, vom Themenstarter, eingetragen 2021-04-27 19:09


Vielen Dank xiao_shi_tou_ für diese ganzen Beispiele.

Deinen Beruf würde ich nicht als "stinknormalen Programmierberuf" werten, da du ja auch Versicherungsmathematik brauchst und so. Damit meinte ich eher Berufe, die auch ein Fachinformatiker machen könnte oder so, halt NUR programmieren. Ich habe kein Problem damit den ganzen Tag zu programmieren, solange es auch genug mit Mathematik zu tun hat.

Mich würde mal interessieren, wieviel Versicherungsmathematik man wirklich braucht. Natürlich muss man sich sicherlich noch BWL Zeug anlesen, aber muss man viel mehr können, als das, was man im Mathestudium vielleicht in einem Kurs wie "Einführung in die Stochastik" macht ?




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phiregen
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Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.8, eingetragen 2021-04-28 22:02


2021-04-25 20:59 - Pter87 in Beitrag No. 5 schreibt:
Ich frage mich inwiefern so ein Nebenjob denn jemandem Ausblick auf einen zukünftigen Job geben kann. Was man im Nebenjob macht und was als Angestellter kann doch sehr unterschiedlich sein, einem Angestellten mit Master Abschluss wird man wohl andere Sachen machen lassen als einen Bachelor-Absolventen, der als Werkstudent tätig ist. Ich halte es irgendwie schwierig bei einem bestimmten Job vollkommen zu wissen, was einen erwartet.


Bringen einem Spezialisierungen im späteren Beruf irgendwas ?

Wenn ich die Foren mal so durchstreife, dann kriege ich das Gefühl, dass die meisten Unternehmen so ein tiefes Know-How wie es bei Spezialisierungen erlangt wird in keinster Weise brauchen. Sobald man etwas mehr von seinem Wissen benutzen möchte, bietet sich anscheinend nur die Forschung an...

Es kommt mir so vor, vielleicht kannst du mir sagen, ob das wirklich so ist.

Falls das wirklich so ist, dann macht es doch viel mehr Sinn sich quantitativ auszurichten, statt qualitativ.

Hallo,

1.Nebenjob

Ein Werkstudetenjob den ein Kumpel von mir hatte, war bei einer Versicherung
in irgendeiner/der Risikokontroll-Abteilung Präsentationen "Korrektur zu lesen" und teils auch welche anhand von Exceldaten zu erstellen.
Natürlich hat er da auch einiges über Versicherungen gelernt und einige Begriffe aus dem Solvency II-UMfeld gehört.

Dieser Job qualifiziert niemanden um einen krassen Job in einer Versicherung zu machen, aber stell dir vor es wird bei einer Stelle ein Mathematiker gesucht, der bei Solvency II-Berechnungen mitarbeiten soll. Ja und dann kommt dann jemand der nie einen Job hatte außer Pizza auszufahren und dagegen mein Kumpel.

Und in so einer Situation wird es dem Pizzatyp nicht viel nutzen wenn er etwas bessere Noten hat.

Du "musst" also einfach nur überlegen was später machen möchtest und solltest versuchen einen Nebenjob aus dem Bereich zu bekommen. Das ist ja auch für dich wichtig, denn vielleicht fällt dir auf, wie furchtbar das Unternehmen ist und wirst dich dann da nicht in Zukunft bewerben.

2. Es kommt auf den Job an. Wenn du dich sehr breit aufstellst, erhöhst du deine Chance irgendwo eingeladen zu werden. Wenn du in einen speziellen Job willst, dann würde ich mich eher auf das Gebiet konzentrieren. Und sicherlich wirst du dich im Job spezialisieren und auch vor Ort angelernt. Wenn aber schon bei der Bewertbung was mitbringt, hat bessere Karten.

Optimierung ist doch gut. Jedes Unternehmen sucht jemand der etwas optimiert :)

Wenn du aber in der Kryptographie arbeiten willst, wie hier in dem anderen Beispiel genannt, dann würde ich eben eine entsprechende Vorlesung belegen.




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Pter87
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Mitteilungen: 343
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.9, vom Themenstarter, eingetragen 2021-05-04 21:50


Ich finde, dass ich bei mir maximal einen Bereich eingrenzen kann, in dem ich vielleicht gerne arbeiten würde. Wie der Arbeitsalltag allerdings dann aussieht, da kann ich mir ja schlecht etwas drunter vorstellen. Gibt ja auch in verschiedenen Bereich zig verschiedene Stellen, die einem Spaß machen könnten oder auch nicht.

Ich kann ja bis jetzt nur schauen, welche Themen ich in der Uni gut fand oder was ich dort gerne gemacht habe und dann dementsprechend sagen: "Ja, ich würde später gerne in Gebiet A arbeiten, weil ich das an der Uni ganz cool fand". Wie jetzt allerdings die Arbeit in dem Bereich wirklich aussieht, weiß man ja vorher eigentlich überhaupt nicht... gerade weil zwei Stellen im selben Bereich sehr unterschiedlich sein können.

Ich würde auch sagen, dass solange man die Arbeit nicht mal selber gemacht hat, man doch schlecht wissen kann, ob das einem gefällt. Ich würde nicht unbedingt sagen, dass mir die "Berufstätigkeiten", die bei den Stellenanzeigen so stehen, da unbedingt groß weiterhelfen...
Hier wäre sicher so ein Werkstudentenjob nicht schlecht. Wie groß ist allerdings die Wahrscheinlichkeit, dass man direkt beim ersten Werkstudentenjob etwas findet, was man mag...

Vielleicht wäre es dahingehend besser "etwas" in die Breite zu gehen, als sich wirklich nur auf ein Gebiet zu spezialiseren. Also eher Optimierung + Statistik als nur Optimierung.



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