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Universität/Hochschule An welcher Uni Mathematik oder Physik studieren?
Akoon886
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Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Themenstart: 2021-05-10


Hallo liebe Community,

mein Name ist Lara und ich bin 19 Jahre alt und befinde mich derzeit noch in meinem FSJ im Krankenhaus, das sich allerdings langsam dem Ende neigt. Ich wollte nach dem Abitur nämlich gerne erstmal etwas Soziales machen und mir noch ein wenig Zeit nehmen, um entscheiden zu können, was genau ich dann machen möchte.

Mathematik und Physik waren schon immer meine Lieblingsfächer und auch meine beiden Leistungskurse. Ich war mir allerdings nicht wirklich sicher, ob ich eins davon auch studieren möchte, weil man ja auch oft hört, wie anders das Studium ist. Deshalb habe ich vergangenes Jahr parallel zum FSJ bei uns in Göttingen das „Mathematische Sommerstudium“ absolviert, das das Modul Analysis I abdeckt. Es lief ausgezeichnet und hat mir auch einen riesen Spaß gemacht. Jetzt bin ich mir sicher, dass ich eins der beiden studieren möchte.

Leider bin ich aber noch unentschlossen, welches Studium ich wählen soll. An sich würde ich lieber Physik studieren, aber die „richtigen“ Mathevorlesungen hören. Ich weiß, dass das hier bei uns in Göttingen möglich ist. Man kann im Physikstudium jedes Modul aus dem Mathematikstudium absolvieren, egal um welche Veranstaltungsform es sich handelt. Allerdings ist das ja auch bei zahlreichen anderen Unis möglich.

Jetzt meine Frage, meint ihr, ich sollte es, wenn ich an beidem interessiert bin, so machen, wie ich es vorhabe? Also eher Physik studieren, aber dann eben die „richtigen“ Mathevorlesungen hören und Wahlpflicht-Credits mit Mathemodulen auffüllen? Oder doch lieber ein Mathematikstudium mit Physik als Nebenfach?

Zum Schluss natürlich noch die Frage, die im Titel steht. Welche Unis sollte ich überhaupt für ein Mathematik/Physikstudium in Erwägung ziehen oder ist der Ruf überhaupt wichtig, abgesehen von meinem Vorhaben? Bei mir in der engeren Auswahl sind auf jeden Fall Göttingen und Münster. Ich weiß aber nicht wirklich, ob die beiden sich da großartig was nehmen, also ob eine wirklich besser ist als die andere. In Rankings sind sie ziemlich gleichauf. Sind halt beides klassische Studentenstädte. Eventuell kann hier jemand was dazu sagen. Ich wäre allerdings auch für jeden anderen Vorschlag offen und bin nicht auf diese beiden versteift oder gebunden. Das sind nur die, die ich mir jetzt mal rausgepickt habe. :)

Vielleicht hat ja jemand hier von euch gewissen Erfahrungen oder auch Empfehlungen, die er oder sie teilen kann. Ich freue mich über jede Antwort oder jeden Ratschlag.

Danke im Voraus. Lara :)



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Folgende Antworten hat der Fragesteller vermutlich noch nicht gesehen.
Er/sie war noch nicht wieder auf dem Matheplaneten
Tirpitz
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Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.1, eingetragen 2021-05-10


Hallo & willkommen auf dem MP,

wie stehst du denn zur Experimentalphysik? So von deiner Beschreibung her konnte ich nicht entnehmen, dass du jetzt gerne in einem Labor stehen und Protokolle schreiben würdest. Wenn dich vor allem die formalen Aspekte (mathematisch/theoretisch) und weniger die technischen Aspekte (Elektronik, Versuchsaufbau, ...) interessieren, würde ich dir eher zu Mathematik mit Physik als Nebenfach raten, bzw. dann nur die theoretischen Physik-Vorlesungen besuchen (auch wenn die Experimentalphysikvorlesungen, sofern es gut gemachte Demonstrationsexperimente gibt, in den ersten Semestern wirklich tolle Veranstaltungen sind).

Zu den beiden Unis kann ich dir nicht viel sagen, vielleicht nur so viel: ich halte es nicht für erstrebenswert, beim Wechsel von Bachelor zu Master die Uni zu wechseln, besonders dann nicht, wenn man sich ein gutes Umfeld/Freundeskreis aufgebaut hat und den damit verlieren würde, was sehr schade wäre. Von meinem Gefühl her (sowohl als Student als auch als Übungsgruppenleiter in Physik) kommt es mir so vor, dass der Zusammenhalt der Studentinnen und Studenten mit der Zeit immer schwächer wurde und die im Master zusammengeworfenen Studiengänge kaum noch untereinander interagieren, was sehr schade ist. Wenn du dich also in Göttingen sehr wohlgefühlt hast, würde ich es dabei auch belassen, dir also den Standort so wählen, dass du dir vorstellen kannst, dort mindestens 5 Jahre zu verbringen (außer natürlich ggf. Auslandssemester).



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Sismet
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Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.2, eingetragen 2021-05-10


Hey,
Tirpitz hat es schon angesprochen, wenn dir die formalen Aspekte (Beweise, etc.) gefallen dann ist Mathe als Hauptfach vermutlich die bessere Wahl für dich.
Zumindest bei mir an der Uni ist aber das 1./2. Semester bei Mathe und Physik sehr ähnlich wenn man sich an den mathematisch geprägten Studienverlaufsplan aus der Physik hält, dadurch ist das 1. Jahr aber auch entsprechend schwer. Ich selbst studiere Mathematik und hab in den ersten paar Semestern noch Veranstaltungen aus der Informatik gehört und höre jetzt noch zusätzlich Physikvorlesungen. Ab dem kommenden Semester werde ich Physik dann auch neben meinem Mathestudium zu 100% studieren. Solche Optionen gibt es bestimmt auch in deiner Uni. Um sich für zwei 100% Studienfächer zu entscheiden, sollte man aber erstmal mit einem anfangen;). Aber wenn du merkst, dass dir die Physik Spaß macht und du auch noch Zeit hast ist das ewt. in einem späteren Semester eine Option.
Ich kenne aber auch Physiker welche während ihres Bachelor sich die "schönsten" Mathevorlesungen rausgesucht haben und damit glücklich sind.
Wenn du dich für Physik als Hauptfach und Mathe als Nebenfach entscheidest sollte dir bewusst sein, dass dir am Anfang Aussagen vorgelegt werden könnten, die du ewt. erstmal akzeptieren musst, weil die notwendige Mathematik nicht oder nicht vollständig vorhanden ist um die Aussagen im Detail zu beweisen, es wird trotzdem Begründungen bzw. Rechtfertigungen für die Aussagen geben, aber häufig halt keine formalen Beweise.
Ich kenne beide Unis nicht, aber zumindest im Bachelor sollte das Programm ähnlich sein. Für den Master musst du dann schauen, da geht das Angebot doch zum Teil stärker auseinander.



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Scynja
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Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.3, eingetragen 2021-05-10


Hallo Lara, du solltest auch in Betracht ziehen, was du nach dem Studium machen möchtest. Wenn du schon gewisse Vorstellungen hast, dann kann das auch für das eine oder andere (bzw. vielleicht sogar für ein ganz anderes) Studienfach sprechen.



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moep
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Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.4, eingetragen 2021-05-10


Als ich vor x > 10 Jahren im ersten Semester anfing Physik zu studieren, dachte ich, dass man mit viel Mathevorlesung die (theoretische) Physik besser verstehen koennte. Die Mathevorlesungen und Seminare, die ich besucht habe, haben sicherlich damit geholfen (und haben viel Spass gemacht), aber im Nachhinein glaube ich, dass viel "Verstaendnis" auch auf "sich dran gewoehnen" und "Erfahrung" basieren, die letztendlich nur mit der Menge der Zeit kommt, in der ich mich mit Physik beschaeftigt habe.
Dazu zaehlen insbesondere auch die qualvollen Tage in den Praktika, sowie Pflichtveranstaltungen in Experimentalphysik, in denen ich oft das Gefuehl hatte, dass die Dozenten selbst nicht wirklich die Mathe kannten (z.B. Gruppentheorie in Teilchenphysik-Vorlesungen).
Aber all diese Erfahrungen haben dazu beigetragen, dass ich jetzt "wie ein Physiker", und nicht "wie ein Mathematiker" denke.

Haette ich stattdessen Mathe studiert, haette ich mehr Module in Mathe besuchen muessen, die diese Zeit dann besetzt haetten. Und vermutlich waere dann mein Interesse in Mathe staerker gewesen, so dass ich am Ende meine Master- und Doktorarbeit darin gemacht haette. Und jetzt wuerde ich sicherlich nicht Forschung in theoretischer Physik betreiben (selbst "mathematische Physik" hat noch mal eine ganz andere Arbeitsweise).

Das sind jetzt erst mal nur persoenliche Erfahrungen. Und ausserdem soll es nicht so klingen, als ob Master- und Doktorarbeit in Mathematik was schlechtes waeren! Was ich damit nur sagen will ist, dass (zumindest bei mir) das Interesse an bestimmten Faechern stark damit zusammenhaengt, womit man sich beschaeftigt. Und das wiederum kann sich (erstaunlich schnell) mit der Zeit aendern. Von daher waere mein Ratschlag, dass du auch wirklich dich in ein Physik-Studium einschreibst, wenn du (im Moment) denkst, dass du "mehr Physikerin als Mathematikerin" werden moechtest.

Von den Unis her wuerden viele sagen, dass innerhalb Deutschlands es kaum Unterschiede beim Bachelor-Studiengang gibt. Wenn du danach noch immer Interesse hast an Schnittstelle Mathematik/Physik, gibt es in Muenchen und in Hamburg jeweils spezialisierte Master-Studiengaenge dafuer (sind aber recht stark auf Stringtheorie / fundamentale Quantenfeldtheorie ausgerichtet).

Wenn du auch ausserhalb Deutschlands dich umschauen wuerdest, koennte England interessant fuer dich sein, denn dort gehoert theoretische/mathematische Physik traditionell (in Oxford/Cambridge/Imperial...) zum Undergraduate-Curriculum in Mathe. Vom Gefuehl her wuerde ich sagen, dass man dort im Mathe-Studiengang deutlich mehr mit Physik in Kontakt tritt als in Deutschland, und somit eine bessere Moeglichkeit biete eine "physikalische Intuition" zu entwickeln.

Aber am Ende liegt wie vieles an Studienzeit selbst: wie fleissig du bist, welche Spezialvorlesungen du besuchst etc. werden vermutlich deine Karriere viel mehr beeinflussen als die Wahl der Uni oder die Entscheidung zwischen Mathe/Physik.

[Die Antwort wurde nach Beitrag No.2 begonnen.]



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Kezer
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Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.5, eingetragen 2021-05-10


Hi Lara,

das klingt nach einem coolen FSJ. :-) Ein paar Kommentare von mir:

- Vielleicht kannst du dich einfach einschreiben und Vorlesungen von Physik und Mathe besuchen. Wahrscheinlich sollte Folgendes möglich sein: Wenn du dich z.B. für Physik einschreibst, aber Mathe bevorzugst, dann kannst du dich später für Mathe einschreiben und deine Credits einfach alle übertragen. (Frage vielleicht bei den Unis nach, ob das geht, aber ich denke das sollte möglich sein.)

- Oft wird gesagt, dass es im Bachelorbereich wenige Unterschiede gibt. Dem würde ich nicht zustimmen (zumindest in Mathe), verschiedene Unis setzen schon unterschiedliche Schwerpunkte, allerdings ist es wahrscheinlich schwierig zu sagen, was für dich geeignet ist, außer du weißt jetzt bereits welche Richtung dich mehr interessiert. Zu deinen genannten Unis kann ich leider nicht viel sagen.

- Tirpitz hat gesagt, dass er es nicht für erstrebenswert hält, nach dem Bachelor die Uni zu wechseln. Seine Argumentation kann ich verstehen, es ist auch von Vorteil, dass man oft schneller bzw. es zumindest leichter im Master hat, wenn man an derselben Uni bleibt, da manche in den letzten Semestern bereits Mastervorlesungen besuchen und diese direkt einbringen können.
Ich persönlich finde es aber sehr sinnvoll, nach dem Bachelor die Uni zu wechseln. Man lernt von neuen Professoren, man lernt eine neue Umgebung kennen und man hat die Möglichkeit nochmal neue Freundschaften zu knüpfen.  Terence Tao, einer der besten Mathematiker heutzutage, scheint da zuzustimmen. (Bzw. ich stimme ihm zu, weil ich seinen Blogartikel vor Jahren schon mal gelesen habe...)
Letztendlich hängt das aber natürlich dann von deiner eigenen Situation nach, du hast aber immerhin noch ein wenig Zeit bis zu dieser Entscheidung. :-)


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The difference between the novice and the master is that the master has failed more times than the novice has tried. ~ Koro-Sensei



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phiregen
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Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.6, eingetragen 2021-05-18


Hallo,

auch ich gehöre zu den Leuten die dir sagen, dass du dir doch schon mal ein Paar Gedanken um deine Zukunft nach dem Studium machen könntest.

Willst du in der Finanzbranche arbeiten?
Willst du was programmieren?
Willst du Anderen erklären wie sie ein Problem lösen?
Möchtest du deine analytischen Fähigkeiten mit anderem anderen Fachgebiet verbinden (Chemie, Bio, Maschinenbau etc)?
Willst du lieber Computersimulationen durchführen?

Ein Mathestudium bietet viele Entwicklungsmöglichkeiten.
Die Stellschrauben kommen aber nicht erst Ende des Master mit der Abschlussarbeit in irgendeiner Vertiefungsvorlesung, sondern du kannst vorher schon die Weichen stellen. Dazu gehört:

1. Die Uni - denn der Vorlesungskatalog unterscheidet sich teils
2. Das Nebenfach
3. Die dann tatsächlich gewählten Schwerpunkte im Studium.

Sehr renomierte Unis für Mathe in Deutschland sind meiner Einschätzung nach

LMU München, RWTH AACHEN, Bonn

Das heißt aber nichts, denn am Ende studieren nicht viele Leute Mathe und du bist in Deutschland als Bewerber mit guten Noten gerne gesehen, egal wo du warst.

Zum Studieren an sich ist auch die Frage wie wohl du dich an der Uni fühlst.
Nutze vielleicht den Sommer, um dir mal die ein oder andere Stadt+Campus anzusehen.

Ich finde die Stadt Mainz z.B. pott-hässlich. Viele andere Leute finden Mainz total toll.




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