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Ingenieurwesen » Elektrotechnik » Kondensator an Antenne gekoppelt: Funktion?
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Universität/Hochschule Kondensator an Antenne gekoppelt: Funktion?
Seligman
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  Themenstart: 2021-10-12

Guten Abend, ich habe eine Verständnisfrage zur folgenden Empfängerschaltung (gefunden in https://www.sauerampfer-online.de/radio/Radio.htm ): https://www.matheplanet.com/matheplanet/nuke/html/uploads/b/52467_Antenne_KOPPELKONDENSATOR.png Da würde ich nämlich gerne wissen, welche Funktion der in rot angezeigte Kondensator oben in der Schaltung genau qualitativ erfüllt, der unmittelbar an die Antenne angeschlossen ist.


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DrStupid
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  Beitrag No.1, eingetragen 2021-10-13

Im Detail kann ich das zwar nicht erklären, aber der Kondensator bildet zusammen mit dem 500 pF Kondensator darunter einen kapazitiven Spannungsteiler. Das scheint bei der Ankopplung von Antennen nicht unüblich zu sein. Vielleicht hilft das ja schon weiter.


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Seligman
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  Beitrag No.2, vom Themenstarter, eingetragen 2021-10-13

Ja, aber ich glaube da könnte es einen deeperen Grund geben. Klar, per Konstruktion teilt sich die abgegriffene Spannung der Antenne auf die beiden in Reihe geschalteten Elemente: einerseits den Kondensator oben, den ich markiert habe, anderseits den Schwingkreis unten, bestehend aus dem Drehko mit 500pF und den beiden Spulen L_1 und L_2. Das ist evident nach Maschenregel. Aber wieso muss dieser Kondensator oben eingebaut werden? Bzw welchen Zweck erfüllt es, dass ein Teil der Antennenspannung eben am oberen Kondensator abfällt und nicht alles am Schwingkreis unten?


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willyengland
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  Beitrag No.3, eingetragen 2021-10-13

Hat das was mit der Antennenlänge zu tun? http://www.dl2jas.com/antennen/antennenimpedanz/antennenimpedanz.html "Ist die Antenne elektrisch zu lang, hat sie einen induktiven Blindanteil, den man mit einem passenden Kondensator in Serie kompensieren kann."


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Dixon
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  Beitrag No.4, eingetragen 2021-10-14

Hallo zusammen, laut Beschreibung verwendet der Autor eher kurze Antennen im Zimmer, die Schaltung arbeitet aber im Langwellenbereich. Da ist fast jede Antenne zu kurz ;-) Der Kondensator dient der Ankopplung der Antenne an den Schwingkreis. Das links ist ja bereits der Schwingkreis, und der reagiert komisch, wenn da irgendeine Art von Belastung dranhängt (es ist ein Parallelschwingkreis). Man verwendet also einen Kondensator, um das zu verbessern. Nicht umsonst ist in der Abbildung ein weiter möglicher Bereich für die Kapazität angegeben. Man muß das ausprobieren. Grüße Dixon P.S. Im übrigen heizt man eine E-Röhre mit 6,3 V (wen das wundert: Spannung von drei voll geladenen Bleiakkus hintereinander ;-) )


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hightech
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  Beitrag No.5, eingetragen 2021-10-14

Hallo, um die Funktion des Kondensators am Antennenanschluss zu verstehen, muss man zunächst die Funktionsweise der Gesamtschaltung verstehen: Bei dieser Schaltung handelt es sich um ein so genanntes Audion (von audio, ich höre). Beim Audion wird ein AM moduliertes Signal direkt gleichgerichtet und steht als hörbares NF-Signal zur Verfügung. Dieser Empfängertyp wird auch als Geradeausempfänger bezeichnet. Dabei wird das Antennensignal einem Mitgekoppelten Verstärker zugeführt, dessen Verstärkung gerade bis an die Grenze des Oszillierens eingestellt ist. An dieser Grenze muss man schon von einer Oszillatorschaltung sprechen. Bei der Schaltung oben handelt es sich um einen ECO Oszillator (elektron couplet oszillator), genauer gesagt um einen Hartley-Oscillator in ECO-Schaltung mit induktiver Dreipunktschaltung. Wie oben schon erwähnt muss die Mitkopplung, d.h. der Rückkopplungsgrad sehr kritisch eingestellt werden. Das geschieht mit den beiden parallelgeschalteten 500pF Drehkos. Da das Signal an der Kathode die gleiche Phasenlage hat wie an dem Steuergitter handelt es sich um Mitkopplung, wie gesagt bis an die Schwingungsgrenze. Wird jetzt dem Steuergitter das Antennensignal als zweites Signal zugeführt, das in der Nähe der Eigenfrequenz des Schwingkreise liegt, so erfolgt eine Mischung aus beiden Signalen, hauptsächlich dem Summensignal und dem Differenzsignal. Von Bedeutung ist aber nur das Differenzsignal, da dieses im hörbaren Bereich liegt. Das Einkoppeln des Antennensignals ist aber ein sehr kritischer Vorgang, da er die an der Grenze befindliche Mitkopplung empfindlich stört. Jetzt kommt der Kondensator am Antennenanschluss ins Spiel. Mit ihm wird jetzt gerade soviel HF-Energie eingespeist, dass der Mitkopplungsvorgang nicht wesentlich beeinflusst wird. An der Anode kann jetzt das Differenzsignal als hörbares NF-Signal ausgekoppelt werden. Noch ein Hinweis: Das Mikroamperemeter im Lautsprecherkreis muss mit der Betriebsspannung UB verbunden werden, nicht mit Masse. https://matheplanet.com/matheplanet/nuke/html/uploads/b/47704_Oszillatorschaltung_modi.jpg Gruß von hightech


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Dixon
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  Beitrag No.6, eingetragen 2021-10-15

Hallo hightech, in Deiner Zeichnung fehlen noch die Eigeninduktivität des Antennendrahtes und seine Kapazität gegen Erde. Dann sähe man, daß diese parallel zum Schwingkreis hängen und ihn beeinflussen. Der Koppelkondensator dient dazu, den besten Kompromiß aus Empfindlichkeit (großer Kondensator) und Trennschärfe (kleiner Kondensator) zu finden. Deinen "Fehler" mit der Betriebsspannung habe ich auch gefunden - aber dann las ich in der Beschreibung auf der verlinkten Seite, daß diese Schaltung nur mit der Anlaufspannung arbeitet. Also jener Spannung, die dadurch entsteht, daß von der glühenden Kathode Elektronen mit thermischer Energie einfach wegfliegen. Das macht die Schaltung so... besonders? seltsam? ;-) Es ist übrigens keine ECO-Schaltung. Dazu müßte der Strom von Masse zur Kathode durch einen Teil der Schwingkreisspule fließen (gedanklich die Drossel weglassen und den Rückkopplungskondesator überbrücken). Grüße Dixon P.S. Wer das wie in hightechs Vorschlag mit einer "wirklichen" Betriebsspannung aufbauen will, sollte einige Modifikationen vornehmen. Der Rückkopplungskondensator sollte durch einen (auszuprobierenden) Festkondensator ersetzt werden. Stattdessen regele man mittels eines Potis (oder so) die Spannung am Schirmgitter. Der Einsatz der Rückkopplung ist weich und gut zu regeln.


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hightech
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  Beitrag No.7, eingetragen 2021-10-16

Hallo Dixon, in deinem Beitrag sind einige sachliche Fehler. Stellvertretend hierfür greife ich einen Satz heraus: "Es ist übrigens keine ECO-Schaltung. Dazu müßte der Strom von Masse zur Kathode durch einen Teil der Schwingkreisspule fließen (gedanklich die Drossel weglassen und den Rückkopplungskondesator überbrücken)." In diesem Satz stecken so viele Fehler, dass man gar nicht weis wo man anfangen soll. Die Antwort in einem Satz: Der Kathodenstrom ist eine typische Anwendung der Fourier-Analyse. Erklärung: Aufgrund der nichtlinearen Röhrenkennlinie lässt sich für den Kathodenstrom mit Hilfe der Fourier-Analyse das Frequenzspektrum berechnen. Allgemein erhält man für den Kathodenstrom \(\large I_{K} = I_{0} + I_{1}*cos(ω_{1}t) + I_{2}*cos(ω_{2}t) + ... +\) Dabei ist \(\large I_{0}\) der Strom mit der Frequenz Null, also ein Gleichstrom und dieser und nur dieser fließt durch die Kathodendrossel. Diesen Gleichstrom kann man auch mit einem ganz normalen Gleichstrom-Amperemeter messen. \(\large I_{1}*cos(ω_{1}t)\) ist der Strom der Grundwelle und dieser und nur dieser fließt über den Doppeldreko in den Schwingkreis. Alle anderen Stromanteile verursachen das, was man als Verlustleistung bezeichnet. Damit dürfte die Sache mit dem Kathodenstrom geklärt sein. Übrigens: Ich habe mir den besagten Link erst heute mal angesehen. Im Wesentlichen sind dort die wichtigsten Informationen angegeben. Außerdem: Das was ich in meinem Beitrag geschrieben habe ist auf meinem "eigenen Mist" gewachsen. Ist also nicht irgendwo abgekupfert und stammt auch nicht von Wikipedia, Google & Co. Gruß von hightech


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Seligman
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  Beitrag No.8, vom Themenstarter, eingetragen 2021-10-17

Hi Leute, sorry, dass ich mich erst jetzt melde. Die Antworten scheinen alle sehr vielversprechend zu sein, allerdings hätte ich da ein Paar Fragen: @Dixon: Könntest du etwas genauer ausführen was du genau meinst mit "Der Kondensator dient der Ankopplung der Antenne an den Schwingkreis." in Betrag 4? Naiv gedacht könnte man unter "Antenne an Schwingkreis koppeln" das einfache Verbinden der Antenne mit dem SK verstehen. Deiner Antwort entnehme ich aber, dass beim "Ankoppeln" der Antenne an den Schwingkreis, die Notwendigkeitdes Koppelkondensators implizit inbegriffen ist. Könntest du sagen wieso? Das beantwortet leider immer noch nicht, welche explizite Rolle der Kondensator erfüllt. Du schreibst weiter, dass der Kondensator dazu verwendet wird, um (die Effizienz des Empfangs?) zu verbessern. Aber wie genau wirkt da der Kondensator in Detail? Andersrum gefragt: Was würde da genau schief gehen, wenn wir dieselbe Schultung ohne diesen Koppelkondensator hätten? @hightech: Den Teil mit "jetzt kommt der Kondensator am Antennenanschluss ins Spiel. Mit ihm wird jetzt gerade soviel HF-Energie eingespeist, dass der Mitkopplungsvorgang nicht wesentlich beeinflusst wird." verstehe ich nicht ganz. Wie genau wirkt hier der Koppelkondensator als eine Art "Regulierer" wieviel HF-Energie tatsächlich eingespest werden "darf"? Bzw woher weiss man wieviel HF-Energie gerade genug ist um einerseits einen funktionierenden Empfänger zu erhalten und anderseits den Mitkopplungsvorgang nicht destruktiv zu beeinflussen? Also bisher habe ich es so verstanden oder besser gesagt zusammengereimt, dass der Koppelkondensator im wesentlichen dafür verantwortlich ist, die elektrische Länge anzupassen, um die Schaltung mit der Antenne (die ja physikalisch nicht mehr änderbar ist) zu matchen (https://en.wikipedia.org/wiki/Impedance_matching) um so möglichst wenig Energieverluste (=Reflektionen) zuzulassen. Der Schlüssel dazu scheint gemäß dem Text, den willyengland verlinkt hat, darin zu liegen, dass um die maximale Leistung angreifen zu können (= perfect matching), die resonanten Wellen zum Schwingkreis in einem bestimmten Längenerhältnis zu der Antennenlänge stehen müssen. Die Antennenlänge ist zwar fix, aber deren "elektrische Länge " lässt sich durch in Reihe verbundene Spule/Kondensator verändern. Und genau darin scheint mir der Zweck dieses Kondensators zu liegen. Ist mein Gedankengang korrekt?


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hightech
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  Beitrag No.9, eingetragen 2021-10-17

Hallo Seligman, hier die Antwort auf deine Frage: Der Kondensator am Antennenanschluss: Zu der Funktionsweise des Audions gibt es eine Analogie aus der NF-Technik, die dem Vorgang sehr ähnlich ist: Stell dir einen Musiker auf der Bühne vor mit Mikrofon, Verstärker und Lautsprecher. Dieser Musiker regelt nun den Mikrofonverstärker so weit hoch, bis an die Schwelle, wo das Rückkopplungspfeifen einsetzt. Jetzt liegt ein Zustand von maximaler Verstärkung vor, aber es kommt noch nicht zum Rückkopplungspfeifen. Wenn dieser Zustand jetzt gestört wird, indem er laut ins Mikrofon spricht, kann dieser kritische Punkt überschritten werden und es kann zum Rückkopplungspfeifen kommen. Und genau so verhält sich auch das Audion. Das Audion ist ein Verstärker mit maximaler Verstärkung, aber an der Grenze zur Selbsterregung mit der Resonanzfrequenz des Schwingkreises. Wenn jetzt die „Störgröße“, also das Antennensignal hinzukommt, kann die Stabilitätsgrenze überschritten werden und das System schwingt. Deshalb muss mit Hilfe des Antennenkondensators die richtige „Dosierung“ gefunden werden, dass einerseits genügend HF-Energie für den Mischvorgang eingekoppelt wird, andererseits aber nicht zu viel Energie damit das Audion nicht plötzlich schwingt und stattdessen als Oszillator arbeitet. Die optimale Einstellung erzielt man durch wechselseitige Einstellung der Rückkopplung mit dem Doppeldrehko und der Kondensatoreinstellung am Antenneneingang. Zu deinen Frage "Also bisher habe ich es so verstanden oder besser gesagt zusammengereimt, dass der Koppelkondensator im wesentlichen dafür verantwortlich ist, die elektrische Länge anzupassen, um die Schaltung mit der Antenne (die ja physikalisch nicht mehr änderbar ist) zu matchen (en.wikipedia.org/wiki/Impedance_matching) um so möglichst wenig Energieverluste (=Reflektionen) zuzulassen." und "Wie genau wirkt hier der Koppelkondensator als eine Art "Regulierer" wieviel HF-Energie tatsächlich eingespest werden "darf"? Bzw woher weiss man wieviel HF-Energie gerade genug ist um einerseits einen funktionierenden Empfänger zu erhalten und anderseits den Mitkopplungsvorgang nicht destruktiv zu beeinflussen?" Wie oben geschrieben wird die eingekoppelte Antennenenergie über den Koppelkondensator eingestellt. Bei kleiner Kapazität ist die Energie klein und bei großer Kapazität groß. Ist die Energie zu klein, dann ist kein Signal zu hören. Ist sie zu groß, dann schwingt das Audion. Der Maßstab ist also der optimale Empfang. Deine Frage bezüglich elektrischer Länge und Impedanz: Damit eine Antenne optimal funktioniert müssen 2 Bedingungen erfüllt sein: - die Antenne muss abgestimmt sein (Tuning) - die Antenne muss angepasst sein (Matching) Bei einem Audion spielen diese Bedingungen kaum eine Rolle. Denn wegen der Stabilität des Systems ist ja ausdrücklich keine max. Leistung bzw. Leistungsanpassung gewünscht (kein Matching). Und wegen der losen Ankopplung der Antenne spielen mögliche Blindkomponenten der Antenne keine Rolle und brauchen auch nicht kompensieren werden. Das erkennt man allein daran, dass eine zu kurze Antenne (bezüglich der Betriebswellenlänge) immer kapazitiv ist und durch einen Kondensator am Antennenanschluss nicht weg kompensiert werden kann. Im Gegenteil, eine zu kurze Antenne kann nur mit einer Induktivität kompensiert werden (Tuning), d.h. man müsste den Kondensator durch eine Spule ersetzen. Zusammengefasst kann man sagen: Die klassische Antennentheorie und die Leitungstheorie (wie in den beiden Links Electrical length und Impedance matching) brauchen aufgrund der losen Kopplung nicht berücksichtigt werden. Gruß von hightech


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Seligman
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  Beitrag No.10, vom Themenstarter, eingetragen 2021-10-18

Beginne es vermutlich zu verstehen. Also zusammengefasst kann sagen, dass man um das beste Resultat zu erhalten, man bei dieser Schaltung zwischenzwei Effekten "balancieren" muss: 1) Antenne mit Schaltung matchen im Sinne, dass noch genug Energie abgegriffen werden kann, dass der Verstärker damit "arbeiten", also verstärken kann. Also den Verlust/Reflexionen reduzieren 2) anderseits wiederum darf die Abstimmung nicht "zu perfekt" sein, sonst wird die Resonanz zu stark, sodass es unerwünschte Effekte (wie zB dieses "Rückkopplungspfeifen" in deinem Beispiel) Wobei 2) eine direkte Konsequenz davon ist, dass der abgebildete Receiver mit verstärkender Rückkopplung arbeitet, somit, wenn in 1) die Antenne "zu gut" abgestimmt wäre, die Oszillation viel zu stark verstärkt werden würde, also unschöne To-Verzerrungen wäre zB die Folge. Soweit halbwegs richtig verstanden? PS: Bist du dir sicher, dass tatsächlich 1) Tunning und 2) Matching heisst? Bisher habe ich beide synonym für Effekt 1) verwendet (vgl auch https://en.wikipedia.org/wiki/Antenna_tuner oder https://de.wikipedia.org/wiki/Anpassungsnetzwerk) Oder übersehe ich einen feinen Unterschied (vorausgesetzt ich habe dich richtig verstanden), wieso 2) als Matching bezeichnet wird?


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Ueli
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  Beitrag No.11, eingetragen 2021-10-18

Zur Leistungsanpassung: Die viel zu kurze Antenne ist kapazitiv. Um eine Leistungsanpassung vorzunehmen müsste eine Induktivität am Fusspunkt angebracht werden, keine Kapazität. @hightech: Ich kenne die Pentode nicht gut, aber ich frage mich, wo du die Mitkopplung in der Verstärkerschaltung siehst, so dass der Schwingkreis selbst aufschwingt? Gruss Ueli [Die Antwort wurde nach Beitrag No.8 begonnen.]


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Ueli
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  Beitrag No.12, eingetragen 2021-10-18

Der link auf die Seite geht bei mir nicht, ich habe folgendes gefunden: hier. Anscheinend handelt es sich um einen Versuch eine Schaltung nicht auf vorgesehene Weise zu betreiben. Die Anode wurde bewusst auf Masse gelegt. Den Gedanken des Autors zu folgen ist daher etwas schwierig.


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hightech
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  Beitrag No.13, eingetragen 2021-10-18

Hallo Ueli und Seligmann, aus Zeitgründen kann ich nur auf die Frage von Ueli eingehen. Die Frage von Seligmann werde ich später beantworten. Deine Frage: „Ich kenne die Pentode nicht gut, aber ich frage mich, wo du die Mitkopplung in der Verstärkerschaltung siehst, so dass der Schwingkreis selbst aufschwingt?“ Entscheidend für die Mitkopplung ist die gleiche Phasenlage von Steuergitterspannung und Kathodenspannung. Wird z.B. die Steuergitterspannung positiv, dann steigt auch der Kathodenstrom und damit die Kathodenspannung. Die induktive Dreipunktschaltung erlaubt es nun den Kathodenstrom phasengleich in die Schwingkreisspule zurückzukoppeln. Dadurch wird der Schwingkreis entdämpft und die Schaltung funktioniert als Oszillator. Die Frage zur Leistungsanpassung: Dein Kommentar ist absolut richtig, es fehlt aber ein wichtiger Zusatz: Allein durch das Hinzufügen einer Induktivität ist bei der zu kurzen Antenne (kapazitiv) noch keine Leistungsanpassung erreicht, sondern lediglich eine Abstimmung (Tuning) erzielt. Ich möchte aber ausdrücklich noch mal darauf hinweisen, dass bei dem Audion keine Leistungsanpassung gemacht werden darf (siehe Begründung oben). Dennoch hier ein paar allgemeine Hinweise zum Thema Antenne und Leistungsanpassung: Wie vorher bereits erwähnt müssen bei einer Antenne 2 Bedingungen erfüllt sein: - die Antenne muss abgestimmt sein (Tuning) und - die Antenne muss angepasst sein (Matching). Abstimmen (Tuning) hat was mit Schwingkreis und Resonanz zu tun. Anpassen (Matching) hat was mit Widerstand zu tun. D.h. eine Antenne stellt bei einer bestimmten Frequenz einen bestimmten komplexen Widerstand dar. Wollte man diese Antenne an eine bestimmte Systemimpedanz anschließen (z.B. an ein 50 Ohm Koax Kabel), dann muss im ersten Schritt der komplexe Antennenwiderstand in einen rein reellen Widerstand transformiert werden. Das geschieht durch hinzufügen eines entsprechende Blindwiderstandes. Das nennt man Tuning. Jetzt hat man es mit einem rein Ohmschen Widerstand zu tun, der meistens nicht mit der Systemimpedanz von z.B. 50 Ohm übereinstimmt. Folglich muss jetzt eine Widerstandstransformation auf 50 Ohm erfolgen. Das nennt man Matching. Für diese beiden Schritte gibt es in der Nachrichtentechnik das Standardwerkzeug mit dem Namen Smith-Diagramm. Ich vermute mal, dass dir das Smith-Diagramm bekannt ist. Deshalb hier ein Beispiel: Angenommen eine Antenne hat bei einer Frequenz von 500 KHz eine Impedanz von (35 – j60) Ohm und soll an eine Systemimpedanz (Koaxialkabel) von 50 Ohm angeschlossen werden. Mit Hilfe des Smith-Diagramms (siehe Bild) lassen sich die beiden Schritte Tuning und Matching einfach realisieren: https://matheplanet.com/matheplanet/nuke/html/uploads/b/47704_Smith_8a.jpg Schritt 1,Tuning: Ausgehend vom Punkt der Antennenimpedanz DP1(35-j60) bewegt man sich auf dem Kreisbogen bis zum Schnittpunkt mit der reellen Achse. Dort, am TP2 ist der Antennenwiderstand jetzt mit 35 Ohm rein reell. Die hierzu erforderliche Induktivität lässt sich zu 19,1µH ablesen. Damit ist der Tuningvorgang abgeschlossen. Schritt 2, Matching: Jetzt muss der nun reelle Widerstand von 35 Ohm auf 50 Ohm hochtransformiert werden. Durch hinzufügen einer weiteren Induktivität von 7,3µH in Serie erreicht man TP3, der auf dem Leitwertkreis von 20mS (= 50 Ohm) liegt. Durch Parallelschaltung einer Kapazität von 4,2nF erreicht man TP4, die Systemimpedanz von 50 Ohm. Damit ist das Matching und damit die Leistungsanpassung abgeschlossen. In der Praxis wird man L1 und L2 zu einer Induktivität zusammenfassen womit Tuning und Matching ebenso zusammengefasst sind. Ein kleiner Hinweis zum Smith-Diagramm für weniger Geübte: Im Smith-Diagramm ist im oberen Halbkreis jeder Punkt induktiv mit ohmschen Anteil und im unteren Halbkreis jeder Punkt kapazitiv mit ohmschen Anteil. Nur jeder Punkt genau auf dem Durchmesser ist rein reell. Dabei entspricht 0 Ohm (bzw. unendlich großer Leitwert) dem Berührungspunkt des Durchmessers auf der linken Seite mit dem äußeren Kreis und unendlich Ohm (bzw. Leitwert 0) dem Berührungspunkt des Durchmessers rechts mit dem äußeren Kreis. Gruß von hightech


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hightech
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  Beitrag No.14, eingetragen 2021-10-19

Hallo Seligmann, Zu deiner Frage: "Also zusammengefasst kann sagen, dass man um das beste Resultat zu erhalten, man bei dieser Schaltung zwischenzwei Effekten "balancieren" muss:" Das ist richtig. Für optimalen Empfang muss man zweierlei im Wechselspiel richtig einstellen: - die Rückkopplung mit dem Doppeldreko und - die Einkopplung des Antennensignal mit dem Kondensator am Antenneneingang Am besten, man betrachtet das Audion in erster Linie als ein Verstärker mit sehr hoher Verstärkung mit dem Unterschied, dass die hohe Verstärkung nicht durch mehrere Verstärkerstufen erreicht wird, sondern durch „kontrollierte“ Mitkopplung bis an die Grenze zur Selbsterregung. An dieser Grenze zeigt das Audion schon leichtes oszillatorisches Verhalten mit einer kleinen Amplitude der Resonanzfrequenz des Schwingkreises. Wenn jetzt eine kleine Amplitude des Antennensignals eingekoppelt wird kommt es zum Mischvorgang beider Signale mit dem Ergebnis von Summen und Differenzfrequenz. Die Ursache für den Mischvorgang ist die nichtlineare Röhrenkennlinie. Noch ein Hinweis zum kritischen Abstimmvorgang: Auf den ersten Blick scheint der 100 KOhm Widerstand am Steuergitter keine große Bedeutung zu haben. Er erfüllt aber 2 wichtige Aufgaben. - durch den Widerstand wird das Steuergitter auf ein definiertes Potential (Masse) gelegt und - der Widerstand bedämpft den Schwingkreis, was unbedingt erforderlich ist, weil durch die Bedämpfung eine „weiche“ Einstellung der Rückkopplung möglich ist. Im Wechselstromersatzschaltbild liegt der 100 KOhm Widerstand parallel zum Schwingkreis und stellt dessen Lastwiderstand dar. Ohne diese Bedämpfung wäre aufgrund der scharfen Resonanzüberhöhung eine Abstimmung mit dem Doppeldreko kaum möglich. Zu deiner Frage: "Bist du dir sicher, dass tatsächlich 1) Tunning und 2) Matching heisst?" Am besten man benutzt die deutschen Begriffe Abstimmen und Anpassen. Dann wird auch deutlich, dass Abstimmen etwas mit Schwingkreisen, Bandfilter, Resonanzabstimmung usw. zu tun hat. Anpassen hat etwas mit Widerständen, max. Leistungsübertragung usw. zu tun. Obwohl die Leistungsanpassung in der Nachrichtentechnik ganz wichtig ist, darf sie hier –wie oben schon erwähnt- bei dem Audion nicht angestrebt werden. Ich hoffe deine Fragen sind damit beantwortet. Falls weitere bestehen kannst du sie gerne hier stellen. Gruß von hightech


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  Beitrag No.15, eingetragen 2021-10-20

Hallo Antennengeschädigte, ich versuche mal ohne auf jemanden konkret zu antworten selbiges zu tun. Das dient hoffentlich der Übersichtlichkeit... - Antennenkopplung Abstimmen und Anpassen der Antenne im eigentlichen Sinne passiert bei der Schaltung gar nicht. Das ist eine typische Behülfslösung wie seit Anno-dazumal: Man hängt irgendwo irgendwie einen langen Draht auf. Der hat in Aufhängung und Form überhaupt nichts mit dem Wellenbereich zu tun, in dem man was höhren will und wird für alle Wellenlängen sagen wir mal länger als 10m benutzt. Es gibt keine estra Kuppelleitung (Koax oder Doppelleitung) zwischen Antenne und Empfänger Das Problem der Schaltung ist, daß der sich impedanzmäßig irgendwie (wie genau ist wurst) verhaltene Draht am Schwingkreis hängt. Das beeinflußt den Schwingkreis. Er wird verstimmt, er wird bedämpft (was seine Bandbreite vergrößert und damit den Bereich, aus dem er statt des gewünschten Signals eine Störung empfangen könnte). Also versucht man, über einen Kondensator (der in diesem Bereich schlicht einen verlustlosen Widerstand bedeutet) diesen Einfluß auf ein erträgliches Maß zu reduzieren. Man kann die Antenne auch ohne Kondensator an den Schwingkreis kuppeln. Kann sein, daß es in der gerade möglichen Konfiguration gut geht. Es gibt Schaltungsbeispiele, in denen beide Möglichkeiten vorgesehen sind: Man stecke die Antenne per Bananenstecker in eine der Buchsen und schaue, was passiert. - Ein Audion soll nicht schwingen. Wenn es schwingt, dann strahlt die Antenne das ab und man stört andere. Darum war früher (frühe Röhren-Zeit) eine "Audion-Versuchserlaubnis" Pflicht. Nicht jeder sollte da was zusammenfummeln. Grundsätzlich besteht die Wirkung eines Audions darin, den Schwinkreis zu entdämpfen. Das geschieht, in dem man gerade soviel verstärkte HF-Leistung auf den Schwingkreis zurückführt, wie er durch diverse Effekte verliert. Der Empfang wird schmalbandig und lauter. Womit auch klar sein sollte, daß der Koppelkondensator Antenne-Schwingkreis nichts mit der Audion-Funktion zu tun hat. Man kann auch eine Schaltung aufbauen, die nur den Schwinkreis entdämpft, die Modulation aber über eine extra Diode zurückgewinnt. Das ist dann kein Audion, sondern ein Geradeausempfänger. - Die ECO-Schaltung heißt ausgeschrieben "Electron-Coupled-Oscillator". Das heißt eben, daß die Kopplung über die fließenden Elektronen erfolgt und nicht über irgendwelche Kondensatoren oder Spulen. Aber eigentlich ist das hier echt nicht wichtig... - Zm Autor der Seiten: Er fummelt was zusammen und freut sich, daß es funktioniert. Das muß ich leider so sagen. Von daher ist die Frage, wie die angegebene Schaltung funktioniert und ob es die beste Konfiguration ist, offen. Grüße Dixon P.S. Ja, ich gebe zu, ich habe Wikipedia benutzt: Ich wußte nicht, ob man Kompromiß mit ß schreibt.


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Seligman
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  Beitrag No.16, vom Themenstarter, eingetragen 2021-10-20

Also ich verstehe allmählig, dass der Koppelkondensator irgendwie Einfluss auf die Abstimmung (also haben wir rein mit Tunning zu tun) ausübt, genauer also auf die Eigenschaften des Schwingkreises, aber wie genau? Kann das mathematisch präzise formuliert werden? Ich würde vorschlagen, dass wir die Schaltung auf essentielle Komponenten reduzieren & vereinfachen: https://matheplanet.com/matheplanet/nuke/html/uploads/b/52467_Antenne_Kond.png Und die Frage wäre welche Eigenschaften/Parameter des Schwingkreises unten hängen von dem oberen Koppelkondensator und dessen Eigenschaften nun ab und wie genau ist da der Zusammenhang in diesem vereinfachten Modell? Ich meine das in dem Sinne, dass sozusagen das Nicht-Vorhanden des Koppelkondensators einen gewissen Grenzfall dieser Untersuchung darstellen würde (wie ein Kondensator mit Kapazität Null oder so) und wir möchten schauen wie zB Parameter dann eben die diversen Parameter wie Güte, Bandbreite etc sich mit dem Variieren der Kapazität des Koppelkondensators verändern. Jedenfalls scheint mir diese Frage aus der bisherigen Diskussion naturlich zu erwachsen.


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Dixon
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  Beitrag No.17, eingetragen 2021-10-20

Hallo Seligman, Ueli hat es bereits geschrieben, eine kurze Antenne (d.h. deutlich kleiner als die Wellenlänge) verhält sich kapazitiv. Du müßtest einen Kondensator mit den Punkten "Antenne" und "Masse" verbinden. Parallel zu diesem Kondensator kommt eine Wechselspannungsquelle (unendlich hoher Innenwiderstand), die das von der Antenne aufgenommene Wechselfeld darstellt. Die Teile rechts vom Schwingkreis kannst Du weglassen, die nehme man erstmal als ideal (= nicht störend) an. Genau genommen kommen da noch die Eigeninduktivität und ein ohmscher Verlustwiderstand dazu, aber das kann man erstmal weglassen. Mit zunehmender Antennengröße (bei gleicher Wellenlänge) bekommt die Antenne immer mehr Eigenschaften eines Schwingkreises. Dann hat man über einen Kondensator gekoppelte Schwingkreise, was mathematisch zu zwei gekoppelten Schwingungsgleichungen führt. Grüße Dixon


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  Beitrag No.18, vom Themenstarter, eingetragen 2021-10-22

Hi Dixon, eine blöde Frage zwischendurch: was heißt es genau, wenn man sagt, dass eine Antenne sich "kapazitiv" verhält?


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Dixon
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  Beitrag No.19, eingetragen 2021-10-23

\quoteon(2021-10-22 03:39 - Seligman in Beitrag No. 18) eine blöde Frage zwischendurch: was heißt es genau, wenn man sagt, dass eine Antenne sich "kapazitiv" verhält? \quoteoff Die ist nicht blöd. Die Frage, wie sich eine Antenne verhält, ist entscheidend für ihren Betrieb. Kurz gesagt stellt eine Antenne einen verlustbehafteten Schwingkreis dar. Je nach dem Verhältnis von speisender Frequenz zur Eigenfrequenz zeigen Spannung und Strom gegeneinander eine Phasenverschiebung, die wie die einer Kapazität oder Induktivität aussieht. Bei Resonanz ist die Phasenverschiebung Null. Im Unterschied zum Schwingkreis kann eine Antenne aber resonant bei Oberwellen sein. Wenn man die Frequenz immer mehr erhöht, dann ändert sich das Verhalten der Antenne periodisch. Grüße Dixon


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Ueli
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  Beitrag No.20, eingetragen 2021-10-23

Hallo, Habe mal ein Bildchen gebastelt. Die Antenne kann man wie einen Serienschwingkreis betrachten. Aber: Werte der Elemente ändern sich mit der Frequenz! Wenn die Antenne kurz ist, kann die Antenne wie die Schaltung aus Kondensator und Widerstand betrachtet werden. Die Induktivität kann vernachlässigt werden, darum verhält sie sich kapazitiv. Zusammen mit der Induktivität L1,2 kann die Schaltung als Ganzes in einer Resonanz sein. https://www.matheplanet.com/matheplanet/nuke/html/uploads/b/4004_39BC99EA-8CA3-41B2-A17D-5C9C910D5745.png Gruss Ueli


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Seligman
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  Beitrag No.21, vom Themenstarter, eingetragen 2021-10-24

Hi Ueli, danke, perfekt erklärt, also ist es quasi charakteristisch für kurze Antennen "kapazitiv" zu sein. Allerdings hätte ich da noch eine Frage zum ganz rechten Bildchen, das offenbar meine zuletzt aufgeworfene Frage zum Sinn des Koppelkondensators zwischen der Antenne und dem Schwingkreis. Du hast ja da unterhalb der gestrichelten Linie so einen Kondensator $ C_0 $ (oder $C_{\bullet}$? ) eingezeichnet. Ich gehe davon aus, dass du damit genau den besagten Koppelkondensator meinst (oder?), allerdings weiss ich nach wie vor nicht welche Funktion er da genau erfüllt. Noch verwirrender kommt mir das leider im Lichte deines Betrags No. 11 vor, wo du angemerkt hast, dass bei einer zu kurzen (also kapazitiven) Antenne zur Leistungsanpassung eine Kopplung durch Induktivität, also eine Spule, und nicht Kondensator erfolgen muss. Oder bringe ich da wieder einiges durcheinander? Muss gestehen, dass das mich ziemlich verwirrt, wie hängt hier die von dir erwähnte Induktivität aus #11 mit dem Kondensator $C_0$ in rechten Bildchen zusammen? Wie hightech erläutert hat, kann Leistungsoptimierung einerseits durch Tunnen, als auch durch Matchen erzielt werden. Die Kopplung mittels Induktivität aus #11, was ich intuitiv als "virtuelle Verlängerung" der Antenne deute (ist die Vorstellung korrekt?), gehört ja zum Tunning. Was ist mit eingezeichnetem Kondensator $C_0$?


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Ueli
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  Beitrag No.22, eingetragen 2021-10-24

Genau, C_0 ist dieser seltsame Kondensator. Um ehrlich zu sein, ich weiss nicht genau was diese Schaltung genau bewirkt, aber ich habe einige Ideen dazu. In heutigen Schaltungen geht es darum die Antenne an die 50...100ohm der Schaltung oder Leitung anzupassen. In der Röhrenschaltung ist es wahrscheinlich anders. Hier möchte man eine möglichst hohe Spannung erzielen. Dies wird erreicht, indem der Parallelschwingkreis in Resonanz betrieben wird. Dazu würde ein LC Schwingkreis genügen. Jedes zusätzliche L oder C bringt weitere Resonanzen ins Spiel. Damit kann man Steilheit und Trennschärfe verbessern. Übrigens: Der gratis Schaltungssimulator LT-spice ist sehr hilfreich, um Schaltungen zu verstehen. Gruss Ueli


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hightech
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  Beitrag No.23, eingetragen 2021-10-26

Hallo Ueli, Deine Frage: „Um ehrlich zu sein, ich weiss nicht genau was diese Schaltung genau bewirkt“ Die Schaltung ist ein Radio für den Langwellenempfang. In diesem Frequenzbereich sind die Sender amplitudenmoduliert (AM). Diese Modulationsart lässt sich leicht demodulieren und hörbar machen. Eine sehr einfache Schaltungtechnik zur Demodulation ist das Audion, wie in der Schaltung oben. Einfacher geht es nur noch mit einem Detektorempfänger, der in dem Link von Seligmann bei Punkt 1 „Ein einfacher Detektorempfänger für Mittelwelle“ beschrieben ist. Hier noch eine Ergänzung zur Frage von Seligmann im Beitrag Nr. 18: „was heißt es genau, wenn man sagt, dass eine Antenne sich "kapazitiv" verhält?“ In dem Beitrag Nr. 20 von Ueli ist alles richtig erklärt. Es fehlt allerdings die Begründung WARUM verhält sich ein kurze Antenne kapazitiv. Sie könnte sich ja auch induktiv verhalten. Aber warum gerade kapazitiv? Um das zu verstehen muss man etwas in die Theorie der Antenne einsteigen: Die exakte Berechnung der Eingangsimpedanz ist mathematisch aufwendig. Der Grund liegt im Verhalten der Antenne. Eine Antenne zeigt einerseits ein Verhalten, das man vom Schwingkreis her kennt, sie ist aber kein reiner Schwingkreis. Andererseits zeigt eine Antenne ein Verhalten, das man von der Leitungstheorie her kennt, sie ist aber keine reine Leitung (das erinnert ein wenig an den Welle-Teilchen-Dualismus). Deshalb verwendet man dort, wo sie Leitungsverhalten zeigt, wie bei einer kurzen Eindrahtantenne (Monopolantenne) die Leitungstheorie. Denn die kurze Antenne hier kann als eine am Ende offene Leitung betrachtet werden (siehe Bild). https://matheplanet.com/matheplanet/nuke/html/uploads/b/47704_Bild_Antenne.jpg Betrachtet man die Gleichung für den komplexen Eingangswiderstand einer Leitung und beschränkt sich nur auf den Imaginärteil, so erhält man für eine am Ende offene Leitung folgende Gleichung: \(\large jX_{A} = - j*Z_{0}*cot(2*π*\frac{l}{λ})\) Darin ist \(\large Z_{0}\) der mittlere Wellenwiderstand der Antenne, zu deren Berechnung die Geometrie der Antenne bekannt sein muss. Übliche Werte liegen bei Monopolantennen bei einigen Hundert Ohm. \(\large l\) ist die Antenennlänge im Bogenmaß. Die Gleichung zeigt, dass für \(\large l < \frac{λ}{4}\) und ungeradzahligem Vielfachen davon die Antenne kapazitiv ist. Beispiel: Wie groß ist der Blindwiderstand einer Eindrahtantenne (Monopolantenne) am Antenneneingang bei einer Antennenlänge von \(\large l = \frac{λ}{100}\) und einem mittleren Wellenwiderstand von 600 Ohm? Setzt man die Werte in obige Gleichung ein, erhält man: \(\large jX_{A} = - j9,536 KΩ\) Wird diese Antenne bei einer Frequenz von 200 KHz eingesetzt „sieht“ der Empfänger“ eine Kapazität von 111,26 pF. An diesem Beispiel wird klar, dass der besagte Kondensator am Antenneneingang KEINE Kompensationsfunktion hat. Denn ein kapazitiver Blindwiderstand kann man nicht mit einer Kapazität kompensieren. Die Aufgabe dieses Kondensators kann also nur sein, die eingekoppelte HF-Leistung zu regeln. Gruß von hightech


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Seligman
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  Beitrag No.24, vom Themenstarter, eingetragen 2021-10-27

@Ueli: Eine Verständnisfrage zu deiner Aussage, dass "in heutigen Schaltungen geht es darum die Antenne an die 50...100ohm der Schaltung oder Leitung anzupassen". Also bleiben wir in diesem Setting ohne sich auf die ganzen Nuancen bei Röhrenschaltungen zu fokussieren. Also du meinst diesen Satz also im Sinne folgender Vereinfachung: https://matheplanet.com/matheplanet/nuke/html/uploads/b/52467_Antenne_50ohm_Verbraucher.png Wobei grün umrandet die Antenne bzw ihre Ersatzschaltung sei. Wenn du im zitierten Satz oben auf "die 50...100ohm der Schaltung oder Leitung" bezeihst du dich einfach auf den ohmischen Widerstand ($R_V$ in der Zeichnung) des rot umkreisten "abstrakten" Abnehmers, der im Prinzip alles mögliche sein kann (zB Schwinkreis, Verbraucher etc.)? Das meinst du einfach mit Schaltung oder Leitung? Hast du in dem Satz oben genau dieses Setting gemeint oder etwas anderes?


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Seligman
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  Beitrag No.25, vom Themenstarter, eingetragen 2021-10-27

@hightech: Du hast am Ende deines sehr aufschlussreichen Posts vermerkt \quoteon(2021-10-26 13:39 - hightech in Beitrag No. 23) An diesem Beispiel wird klar, dass der besagte Kondensator am Antenneneingang KEINE Kompensationsfunktion hat. Denn ein kapazitiver Blindwiderstand kann man nicht mit einer Kapazität kompensieren. Die Aufgabe dieses Kondensators kann also nur sein, die eingekoppelte HF-Leistung zu regeln. \quoteoff Aber reicht es zur blossen Regelung der eingekoppelten HF-Leistung nicht bereits der Kondensator C_1 im eingezeichnetem Schwingkreis im rechten Bildchen aus Betrag 20 vollkommen aus? Der filtert ja die gewünschte Frequenz heraus. Wozu dann also zusätzlich noch C_0? Wo ist da der Kniff?


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hightech
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  Beitrag No.26, eingetragen 2021-10-28

Hallo Seligmann, C1 bzw. der 500 pF Dreko in der original Schaltung dient allein der Frequenzabstimmung. Alles was am Schwingkreis L1, L2 und dem 500pf Dreko angeschlossen ist oder irgendwie auf den Schwingkreis koppeln kann, verändert die Schwingkreisfrequenz und damit Frequenzabstimmung und zwar massiv. Geringste Einflüsse verändern nicht nur die Frequenz sondern auch die Rückkopplung. Die Folge ist pfeifen, jaulen und quietschen denn das Audion ist ein sehr kritischer und empfindlicher Empfänger. Selbst das Schwanken des Antennendrahtes durch den Wind kann den Empfang stören. Deshalb muss die Antenne extrem lose an den Schwingkreis gekoppelt werden. Extrem lose bedeutet dass die Antenne den Schwingkreis nicht beeinflussen darf. In meinem Beitrag Nr. 5 habe ich bereits mit dem Satz "Das Einkoppeln des Antennensignals ist aber ein sehr kritischer Vorgang, da er die an der Grenze befindliche Mitkopplung empfindlich stört." daraufhin gewiesen. Auch die ausführlichen Erläuterungen zum Thema Abstimmen und Anpassen von Antennen spielen beim Audion absolut keine Rolle. Das habe ich bereits im Beitrag Nr. 9, letzter Satz "Die klassische Antennentheorie und die Leitungstheorie (wie in den beiden Links Electrical length und Impedance matching) brauchen aufgrund der losen Kopplung nicht berücksichtigt werden." erwähnt. Ich hoffe dass deine Fragen damit beantwortet sind und klar dass geworden ist, wie empfindlich ein Audion reagiert. Gruß von hightech


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Seligman
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  Beitrag No.27, vom Themenstarter, eingetragen 2021-10-30

Hallo hightech, ja danke, mit dieser Audion-Schaltung ganz am Anfang ist mittlerweile fast alles klar. Wie du bereits in Betrag 9 ja erwähnt hast, spielen für das Audion die Modifikationen der Antenne via Tunning oder Matching keine Rolle. Ich wollte stattdessen auf ein deutlich grundlegenderes Problem hinaus, wo ich mir noch nicht ganz sicher bin, ob ich es begriffen habe. Vergessen wir das Audion und betrachten wir von nun an ausschließlich folgende elementare Schaltung an bestehend lediglich aus einer Antenne, koppelndem Kondensator K2 und Schwingkreis bestehend aus L1 und K2: https://matheplanet.com/matheplanet/nuke/html/uploads/b/52467_Antenna_IMAGE_Coupling_Capacitor_3.png Ok, und meine grundlegende Frage ist einfach, was genau bewirkt der Koppelkondensator genau bei dieser Schaltung? Zunächst, in Frage käme hier Tuning oder Matching, nichts sonst, richtig? Tunning ist ja sowas (korrigiere mich, falls da was missverstehe) wie die "Korrektur" der "elektrischen bzw virtuellen Antennenlänge", wenn die tatsächliche Antennelänge ungünstig für die Schaltung ist. (in deinem Beispiel: wenn zB eine Antenne viel zu kurz ist (kapazitiv), dann bewirkt das Anschließen einer Spule in Reihe zu ihr eine "virtuelle" Verlängerung der Antenne. Also in Hinblick auf Tunning wäre die einzig sinnvolle Anwendung des Koppelkondensators K2, die "virtuelle Verkürzung" einer "zu langen" Antenne. Sind bis dahin meine Überlegungen richtig? Bleibt noch das Matching, also die Leistungsanpassung. Welchen Einfluss hat K2 darauf? Meine Ideen dazu (vgl Notationen aus https://en.wikipedia.org/wiki/Impedance_matching): Wenn wir die Schaltung abstrahieren und versuchen diese als Schaltung in Bildchen rechts unter dem angegeben Link zu sehen, so könnten wir die Antenne als "Source" und den "Schwingkreis" als "Load" interpretieren mit Impedanzen Z_S und Z_L. Natürlich ändert sich Z_L falls wir anstatt es nur als Antenne betrachten, dazu zusätzlich einen Kondensator in Reihe dazu anschließen. Betrachten wir jetzt das neue "Load" bestehend aus der Antenne und Koppelkondensator K2 in Reihe, bekommen wir natürlich ein anderes Z_L. So hätten wir durch hinzufügen eines Koppelkondensators eine Möglichkeit um Z_L zu verändern, um an Ende die gewünschte Bedingung Z_S = Z_L^* zu erzielen. Ist hier meine Überlegung zum Konzept des Matching korrekt? Nun zuruck zu meiner wesentlichen Frage: Sind die beiden beschriebenen Modifikationen via Tunning und Matching die EINZIGEN beiden Gründe in der Schaltung oben den Koppelkondensator K2 einzubauen, oder gibt's da mehr Gründe, wieso da dieser Koppelkondensator sinnvoll wäre?


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hightech
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  Beitrag No.28, eingetragen 2021-11-01 16:23

Hallo, "Ok, und meine grundlegende Frage ist einfach, was genau bewirkt der Koppelkondensator genau bei dieser Schaltung?" Die Aufgabe des Kondensators K2 ist das Antennensignal dem Schwingkreis und anschließend dem Empfänger zuzuführen. Diese Art der Einkopplung ist aber die Ausnahme und man findet sie auch nur dort, wo die Antenne aus einem beliebigen Stück Draht besteht. Übliche Empfängereingangsschaltungen sehen anders aus. "Zunächst, in Frage käme hier Tuning oder Matching, nichts sonst, richtig?" Auch hier spielt das keine Rolle, weil hier die Antenne nur ein beliebiges Stück Draht ist, also nicht klar definiert ist. "Bleibt noch das Matching, also die Leistungsanpassung. Welchen Einfluss hat K2 darauf?" Wie schon erwähnt spielen Tuning und Matching nur bei definierten Antennen und definierten Empfängereingangsschaltungen eine Rolle. Das ist hier nicht der Fall. "Meine Ideen dazu (vgl. Notationen aus en.wikipedia.org/wiki/Impedance_matching ):" Was in dem Link beschrieben wird setzt Kenntnisse der Leitungstheorie sowie Kenntnisse der äquivalenten Schaltungen voraus. Das sprengt aber den Rahmen des Forums. "Nun zuruck zu meiner wesentlichen Frage: Sind die beiden beschriebenen Modifikationen via Tunning und Matching die EINZIGEN beiden Gründe in der Schaltung oben den Koppelkondensator K2 einzubauen, oder gibt's da mehr Gründe, wieso da dieser Koppelkondensator sinnvoll wäre?" Vereinfacht kann man folgendes sagen: Fasst man die Antenne und den Koppelkondensator zusammen, so bildet sie mit dem Schwingkreis einen frequenzabhängigen Spannungsteiler, der aus dem gesamten aufgenommenen Radiowellenbereich die gewünschte Frequenz herausfiltert. https://matheplanet.com/matheplanet/nuke/html/uploads/b/47704_Bild_x.jpg Gruß von hightech


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  Beitrag No.29, vom Themenstarter, eingetragen 2021-11-01 22:50

Aber in diesem vereinfachten Setting liegt der Nutzen des Koppelkondensators doch einfach ausschliesslich darin, dass dann in Anhängigkeit von Frequenz einfach größere/ kleinere Spannung am Teilsystem Antenne + Koppelkondensator, statt am Schwingkreis, abfällt. Es ist reduziert sich gewisserweise auf die Frage für welche Frequenzen die Impedanz von Antenne + Koppelkondensator oder eben von Schwingkreis "dominiert" (im Sinne von wo in Spannungsabfall größer)? Das ist der Punkt, nicht mehr, oder über übersehe ich noch eine Facette? Nochmal zu dieser Geschichte mit Tunning & Matching: Du hast ja gesagt, dass solange man kein genaue Informationen zur Antenne hat (also keine charakteristische "Parameter" oder so; das meinst du doch mit "definierten" Antenne?), können Tunning oder Matching nicht durchgeführt werden. Aber angenommen, wir hätten genug Informationen über die Schaltung & Antenne. (was also eine konkrete Schaltung mit bekannten Parametern + die der Antenne (Typ, Länge, etc)). Kann es in diesem Setting im Sinne von Tunning oder Matching die Schaltung optimiert werden, je nachdem ob wir nur zwischen Antenne und Restschaltung so einen Koppelkondensator zwischenschalten? Oder sind alle "Effekte", die durch Anbringen des Koppelkondensators zwischen Antenne und Restschaltung durch die Vereinfachung, die du am Ende letzten Beitrags skizziert hast erklärbar, und mehr gibt's da wirklich nicht? Also mit anderen Worten selbst wenn wir über konkrete Schaltung und die Antenne mehr wüssten, so bewirst aus Sicht von Tunning & Matching das Anbringen/Nichtanbringen des Koppelkondensators dazwischen keine Wirkung?


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  Beitrag No.30, eingetragen 2021-11-02 01:37

Hallo Seligmann, ich habe noch mal deine gesamten Antworten und Kommentare des Beitrages durchgelesen und dabei folgendes festgestellt: Deine Antworten zu meinen Erläuterungen erwecken den Eindruck, als wären die Kernaussagen nicht verstanden worden. Wenn dem so ist, wundert es nicht wenn du die entsprechenden Schlussfolgerungen nicht ziehen konntest. Auffällig ist, dass dir einige Fachwörter nicht bekannt sind. Auffällig ist auch, dass in deinen Texten Begriffe vorkommen, die es in der Welt der Elektronik nicht gibt. Auch die Grundlagen scheinen dir nicht ausreichend bekannt zu sein. Vor diesem Hintergrund ist es dann natürlich schwer auf eine Frage angemessen zu antworten. Zumal man als Antwortgeber nicht weis, welche Vorkenntnisse beim Fragesteller vorhanden sind. Nach allem was ich bisher gelesen habe, habe ich nicht den Eindruck, dass du dich im Bereich der E-Technik in Ausbildung befindest oder beruflich damit zu tun hast. Andererseits will ich natürlich gerne deine Fragen beantworten. Hierzu muss ich aber deinen Kenntnisstand kennen. Konkret würde ich gerne wissen: Woher hast du deine bisherigen Kenntnisse? Aus der Schule? Oder selbst angeeignet? Was sind deine Absichten bezüglich E-Technik? Ausbildung? Beruf? Ich würde mich freuen, wenn Du Dich hierzu äußern würdest. Gruß von hightech


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Seligman
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  Beitrag No.31, vom Themenstarter, eingetragen 2021-11-03 02:22

Hi hightech, Dein Anliegen ist natürlich vollkommen berechtigt, in der Tat waren mir einige Begriffe aus Deinen Ausführungen nicht bekannt, und mussten erst a posteriori nachrecherchiert werden (Wiki & was Google anbietet) Mein Wissenbackground: Mathestudent (BA) mit Nebenfach Physik; insb enstammen meine Elektronikkenntnisse meinem Schulwissen + Uni-Vorlesung "Elektromagnetismus". Und eben Internet-Eigenrecherche. Also kann man sagen, das ich mit Basics + mathematischen Framework rund um Gleich- und Wechselstrom halbwegs sicher umgehen kann. Also wenn Deine Ausführungen sich auf diesem Kenntnisstand entsprechende Argumente aufdröseln lassen, sollte ich dem folgen können. Vor Mathe dazu sollte ich da nicht weglaufen :) Es sind eher vertiefte Sachen aus dem Gebiet, wo ich manchmal passen bzw nachrecherchieren muss, also zB mit "Leitungstheorie" kenn ich ich mich nicht aus; hab aber in ein Paar Skripte zwischendurch reingeschaut und dem Mathe-Teil kann ich problemlos Folgen; da hackte eher die "physikalische" Intuition. Zwar verstehe ich die Berechnungen, wenn man mit konkreten Ersatzschaltungen, wie in Ueli's Beitrag 20 arbeiten würde, aber dann kommen solche Sachen wie Antennen-Formen (Yagi-, Flächenantennen etc) und da weiss ich nicht, wie das strikt mit Theorie zusammengebracht werden kann. Auch wie Leitungstheorie mit Matching & Tunning zusammenhängt, habe ich nicht vollständig ergründet. Meine bisherige "Intuition" dazu habe ich in No 29 zu sketchen. Motivation/Absichten: Spontane Neugier! Mir ist einfach mal aufgefallen, dass ich so gut wie nichts über Antennetechnik weiss. Das sollte sich ändern, that's all :) Hoffe, dass ich einen halbwegs übersichtlichen Überblick zu meinem Kenntnisstand dargelegt habe. Gruß Seligman


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hightech
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Dabei seit: 30.03.2017
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  Beitrag No.32, eingetragen 2021-11-04 15:16

Hallo Seligmann, vielen Dank für deine Antwort. Mit deinem Mathematik- und Physikwissen lässt sich dein Interesse an den Details zur Antennentechnik verstehen. Deshalb hier ein paar zusätzliche Informationen: Die Berechnung von Antennensystemen ist sehr aufwendig und geschlossen mathematisch nicht lösbar. Das liegt vor allem daran, dass das von der Antenne erzeugte EM-Feld auf die Antenne zurück wirkt und dadurch die Antennenkenngrößen beeinflusst. Auch die reale Antennenumgebung verändert das Strahlungsfeld und schließlich ist die Stromverteilung auf der Antenne nur näherungsweise sinusförmig. Erst durch neuere Softwareentwicklungen lassen sich Antennenberechnungen (3D antenna disign), Standortverhältnisse (antenna placement), Strahlungsdiagramme (radiation pattern) usw. hinreichend genau durchführen. Solche Simulationen sind vor allem für die zivile Luftfahrt (Landesysteme), militärische Anwendungen (Jets und Schiffe) und die Automobilindustrie interessant. Falls du mehr dazu erfahren willst: führend auf diesem Gebiet ist eine Software mit dem Namen FEKO \(\large (FE\)\(\small \text{ldberechnung für }\)\(\large K\)\(\small \text{örper mit beliebiger }\)\(\large O\)\(\small \text{berfläche) }\), das in den 1990er Jahren von der Uni Stuttgart entwickelt wurde. FEKO gibt es auch als FEKO LITE für Studenten. Damit können sich viele Vorgänge auf der Antenne und um die Antenne herum in 3D darstellen. Diese Software könnte für dich interessant sein. Gruß von hightech


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  Beitrag No.33, vom Themenstarter, eingetragen 2021-11-05 22:23

Danke für die Referenz, werde mich sobald sich für mich etwas mehr zeit ergibt da einarbeiten. Allerdings hätte ich noch eine harmlosere Frage; ich würde nochmal auf ein Paar Aspekte aus meinem Beitrag No 29 zurückkommen. In 28 hast du geschrieben, dass "Auch hier spielt das (Tunning, Matching) keine Rolle, weil hier die Antenne nur ein beliebiges Stück Draht ist, also nicht klar definiert ist." Was genau meinst du mit "klar definierter Antenne"? Also wie Ueli (No 20) bereits skizziert hat, konnen wir zu einer gegebenen Antenne ein Ersatzschaltbild erstellen und damit rechnen. Die Parameter dieser Ersatzschaltung sind C_A, L_A, R_{verlust}, R_{strahlungswiderstand}. Also scheint es äquivalent zu sein eine "klar definierter Antenne" zu haben und diese vier Parameter zu "kennen", oder meinst du was anderes unter einer "klar definierter Antenne"? Dieses "Kunststück" gewisserweise für eine beliebigen Antenne (mit beliebiger Form, Material, etc) diese vier "Modellierungsparameter" rauszufinden, scheint sich genau mit dem Problem zu decken, dass du zuletzt beschrieben hast: Das sei in meisten Fällen analytisch nicht möglich und wird meistens eben durch solche Softwarepakete approximiert, richtig? Ok, also belassen wir es als Black Box, und nehmen an, dass wir für die Antenne in Schaltung aus No 27 es irgendwie geschafft haben die Parameter C_A, L_A, R_{verlust}, R_{strahlungswiderstand} zu berechnen, also können wir für weitere Berechnungen guten Gewissens die Antenne durch ihre Ersatzschaltung charakterisiert durch diese vier Parameter substituieren. Aber sobald wir das geschafft haben, können wir doch Matching und Tunning betreiben, oder? Wenn ja, dann nehmen wir ab JETZT an, dass die Antenne in Schaltung No 27 jetzt nicht mehr irgendein bel Stück Draht ist, sodern klar definiert im obigen Sinne, dh wir nehmen an, dass wir alle Parameter C_A, L_A, R_{verlust}, R_{strahlungswiderstand} kennen. Zu Matching habe ich folgendes gefunden: http://www.crystal-radio.eu/entunercalc.htm Also man passt im grossen und ganzen die Impedanzen der Antenne und des Schwingkreises aneinander an. Da die Impedanz Schwingkreises fix ist, können wir NUR die Impedanz derAntenne manipulieren, indem wir je nachdem was wir als Ziel haben zusätzliche Kondensatoren und Spulen der Antenne hinzufügen, mit dem Ziel, dass Z_{antenne}= Z^*_{Schwingkreis}, ist diese Überlegung korrekt? Wenn ja, dann scheint das Anbringen eines Koppelkondensators wie in 27 eine (zugegeben recht einfache) Möglichkeit darzustellen, die Schaltung zu Matchen, oder? Zu Tunning: Zunächst ist ja das Tunning ganz allgemein dazu gedacht, das Frequenzband der Schaltung zu manipulieren /anzupassen? Also den damit eng zusammenhängenden Gütefaktor Q . Zunächst einfache Frage: den Gütefaktor Q können wir theoretisch (also im "formalen" Sinne) jedemschwingfähigem Teilsystem der Schaltung zuordnen, richtig? Wenn ja, dann haben wir in Schaltung 27 ja zwei schwingfähige Teilsysteme, die Antenne und den Schwingkreis. Ok, beim Tunning, welchen Gütefaktor Q möchten wir als Ziel optimieren, den der Antenne Q_A (betrachtet als schwingfähiges System), oder den des Empfangsschwingkreises Q_S?


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  Beitrag No.34, eingetragen 2021-11-07 23:26

Hallo Seligmann, zu deiner Frage: \(\small \text{ Was genau meinst du mit "klar definierter Antenne"? }\) Bei einer klar definierten Antenne sind vor allem die Eingangsimpedanz und die Strahlungscharakteristik bekannt. Während man die Strahlungscharakteristik relativ leicht berechnet werden kann, lässt sich die Antenneneingangsimpedanz \(\small Z_{A} = R_{m} + j*X_{m}\) nur näherungsweise berechnen. Ohne die Kenntnis von \(\small Z_{A}\) lassen sich weder Abstimmung noch Anpassung berechnen. Von welchen Größen ist \(\small Z_{A}\) abhängig? \(\small Z_{A}\) ist abhängig von - der Frequenz - der Antennenlänge und - der Antennendicke (dem so genannten Schlankheitsgrad) Mit diesen Größen lässt sich \(\small Z_{A}\) berechnen. Es gibt 2 Näherungsverfahren die in der Praxis häufig angewandt werden: - das Verfahren nach Meinke und - das Verfahren nach Balanis Hier die Gleichungen, die der Berechnung zugrunde liegen (siehe Bild 1). Bild 1 https://matheplanet.com/matheplanet/nuke/html/uploads/b/47704_Bild_A.jpg Mit einer Software lassen sich \(\small R_{m}\) und \(\small j*X_{m}\) leicht ausrechnen. Als Beispiel habe ich im Beitrag Nr. 23 den Imaginärteil des komplexen Eingangswiderstandes mit Hilfe der Leitungstheorie berechnet. Rechnet man dieses Beispiel nach dem Verfahren von Meinke, so erhält man die Ergebnisse wie im Bild 2: Bild 2 https://matheplanet.com/matheplanet/nuke/html/uploads/b/47704_Bild_B.jpg Bild 3 zeigt den Verlauf von Wirk- und Blindwiderstand über der Antennenlänge. Bild 3 https://matheplanet.com/matheplanet/nuke/html/uploads/b/47704_Bild_C.jpg \(\large Z_{A} = (0,07 -j*7071,3)Ω\) Der sehr kleine Strahlungswiderstand von 0,07 Ohm ist typisch für Antennen mit \(\small l<<\frac{λ}{4}\). Der kapazitive Blindwiderstand von 7071,3 Ohm entspricht einer Kapazität von 112,5 pF was ungefähr dem Wert von Beitrag Nr. 23 von 111,26 pF entspricht, der mit Hilfe der Leitungstheorie berechnet wurde. Mit diesen Werten kann jetzt die Berechnung für die Abstimmung und Anpassung der Antenne durchgeführt werden. Die Berechnung kann entweder rechnerisch erfolgen wie in dem Link von Beitrag Nr. 33, oder graphisch wie im Smithdiagramm von Beitrag Nr. 13. Noch ein Hinweis zu \(\small η\) dem Feldwellenwiderstand des freien Raums in den Gleichungen von Bild 1: So wie einen Elektromagnetische Welle in einem Koaxialkabel den Wellenwiderstand des Kabels vor sich sieht, so sieht sie im leeren Raum den Wellenwiderstand des Vakuums von \(\small 120*π \text{ Ohm (ca. 377 Ohm)}\) vor sich. Gruß von hightech


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  Beitrag No.35, vom Themenstarter, eingetragen 2021-11-08 00:27

Hi hightech, also ist die Antenneneingangsimpenz der reelle + imaginäre Widerstand bei der Ersatzschaltung (der reelle fast Strahlungs und Verlustwiderstände zusammen, der komplexe die imaginären Widerstände der Spule und Kondensators aus der Ersatzschaltung in No 20 zusammen). Als Bildchen ausgedrückt können wir die Schaltung in No 27 durch folgende Ersatzschaltung ersetzen: https://matheplanet.com/matheplanet/nuke/html/uploads/b/52467_Antenne_Ersatz_Q_K1_K2.png Im folgenden nehmen wir an, dass wir ab jetzt mit dieser Schaltung arbeiten, also, dass die Antenne ab jetzt klar definiert, und somit eben durch dieses Ersatzschaltbild gegeben ist. Jetzt können wir uns ums Anpassen (Matching) und Abstimmen (Tuning) kümmern. Beim Anpassen werden ja die Impedanzen abgepasst: K_2 wurde so gewählt, dass Z_L=Z^*_S erfüllt ist. Das ist ja genau, dass was bei dem Kochrezept in http://www.crystal-radio.eu/entunercalc.htm gemacht wurde. Also damit wären wir mit der Anpassung fertig und kämen zur Abstimmung/Tuning. Was müsste man da ausgehend von der Ersatzschaltung oben machen? Soweit ich weiss geht es da darum, die Bandbreite des Empfängers anzupassen. Die Bandbreite wird ja bekanntlich in der Güte Q kodiert (genauer ist es invers dazu). Also geht es beim Abstimmen darum, die Schaltung derart zu modifizieren, dass diese eine gewünschte Güte Q hat (je nachdem, ob wir viele Frequenzen "empfangen möchten", aber mit schlechter Selektion (= kleines Q) oder hohe Selektivität, aber wenige Frequenzen empfangbar (=großes Q). Nun können wir aber mehreren Komponenten ja eine Güte Q zuordnen (intuitiv: allen Unterkomponenten der Schaltung, die "schwingfähig" sind). Also sowohl der Antenne, als dem Resonanzschwingkreis (den ich im Bildchen als "Source" bezeichne), aber ebenso der ganzen Schaltung. Frage: Welches Q (also von welcher Komponente) soll in dieser Schaltung beim Tuning angepasst werden um gewünschtes Frequenzband zu empfangen zu können? (das ist ja worum es bei Abstimmung geht, oder?)


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  Beitrag No.36, eingetragen 2021-11-08 20:43

Hallo Seligmann, in deinem Bild sind Source und Load vertauscht. Denn die Antenne ist die Quelle, die ihre Energie dem Schwingkreis und anschließend dem Empfänger zuführt. Nach dem geklärt ist was Quelle ist und was Last ist geht es im nächsten Schritt darum, eine Verbindung zwischen Antenne und Empfänger herzustellen. Also eine Schaltung zu berechnen die diese Verbindung ermöglicht. Die Schaltung soll also die Antenne in Resonanz versetzen (Abstimmen) und den Resonanzwiderstand der Antenne an den Empfängereingangswiderstand anpassen. Ausgangspunkt ist der komplexe Antenneneingangswiderstand, der wie oben gezeigt berechnet werden kann. Was fehlt ist der Empfängereingangswiderstand, der die Last repräsentiert. Wie man den bestimmt ist ein eigenes Thema, auf das ich hier verzichte. Der Einfachheit halber kannst du zu Übungszwecken mal einen beliebigen Eingangswiderstand annehmen. Jetzt kannst du mit deiner angegebnen Software auf einfache Weise die Abstimm- und Anpassschaltung berechnen. Mit welchen Verfahren die Berechnungen durchgeführt werden, ist an dieser Stelle nicht so wichtig und sollte nicht interessieren. Die ausführliche Erläuterung dieser Berechnungsverfahren würde den Rahmen des Forums sprengen. Dennoch hier ein paar Tipps und ein paar Schlüsselwörter: Zum Thema Anpassung: Genauer gesagt geht es um Leistungsanpassung. Das Schlüsselwort zur Leistungsanpassung lautet konjugiert komplexer Widerstand. Darüber solltest du dich mal informieren. Zum Thema Äquivalente Schaltungen: In der von dir angegebenen Software ist sehr gut dargestellt wie eine Serienschaltungen in eine Parallelschaltungen umgewandelt wird und auch umgekehrt. Die Berechnungen hierzu sind einfach. Auch hierüber solltest du dich mal informieren. Das Schlüsselwort hierzu lautet konforme Abbildungen. Ich hoffe, dass dir mit den vielen ausführlichen Beiträgen geholfen ist. Zum Schluss noch eine allgemeine Bemerkung: ein Forum, Wikipedia, Google & Co. können die vorrangigen Lernorte wie Schule und Hochschule nicht ersetzen. Wäre dem so, könnte man alle Studenten nach Hause schicken und die Hörsäle wären leer. Gruß von hightech


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Seligman
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  Beitrag No.37, vom Themenstarter, eingetragen 2021-11-09 00:47

Ja klar, blöd von mir, natürlich im Falle der Empfängerschaltung müsste da Load und Source vertauscht werden, machen wir das mal gedanklich für künftige Überlegungen. Ja, wie ich bereits anmerkte, verstehe ich die Idee hinter der Anpassung ja mittlerweile. Wenn wir die Schaltung weiter zu Schaltung aus Bildchen rechts in https://en.wikipedia.org/wiki/Impedance_matching weiter abstrahieren, dann ist Anpassung nicht anderes als Sicherstellung der Bedingung Z_S= Z^*_L zwischen den beiden Impedanzen in der letztgenannten Schaltung von der verlinkten Wiki-Seite. Das ist jetzt soweit klar. Ich würde gerne auf Abstimmung zu sprechen kommen, da ausschließlich das ist was ich noch nicht verstehe. Einfach gefragt: was strebt man genau an, wenn man diese (oder eine allgemeinere) Empfängerschaltung abstimmen möchte? Gibt's bei Abstimmung so eine ähnlich knackige Bedingung zwischen den Komponenten, die man erfüllt haben möchte wie eben bei der Anpassung? Das ist nämlich genau der Punkt, den ich noch nicht verstehe. Plump gesagt, was möchten wir genau bei einer Anpassung anpassen? Welche Größen (!) sollen in welche Relation (!) zueinander in Beziehung gesetzt werden? Kann man das mathematisch als eine oder mehrere Bedingungen ausdrücken? Was ich damit meine ist einfach, dass bei Anpassung wir es mit einer knackigen Gleichung Z_S= Z^*_L zu tun haben, die wir anstreben zu erfüllen. Sobald wir es geschafft haben unsere Schaltung so modifizieren, dass diese Gleichung erfüllt ist, sind wir ja fertig mit Anpassung. Nun ist mein Anliegen einfach, ob das Vorgehen bei Abstimmung konzeptionell dasselbe ist wie bei Anpassung? Ergo, ob es eine oder mehrere Gleichungen bezüglich einigen Größen in der Schaltung gibt und die Aufgabe der Anpassung darin bestünde, sicherzustellen, dass diese Gleichung(en) erfüllt werden. Verstehst du worauf ich hinaus möchte?


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  Beitrag No.38, eingetragen 2021-11-11 23:53

Moin, hier kommt eine ganz andere Erklärung für diesen Kondensator. Vor ziemlich genau 100 Jahren, kurz nachdem wir noch einen Kaiser hatten, waren Empfänger noch sehr primitiv aufgebaut, mit Antenne, Schwingkreis Kristalldiode und Kopfhörer. Erst etwas später gab es dann die 0V2 Audions, die später als Rundfunkgeräte in Serie gebaut wurden (Volksempfänger). Diese Geräte hatten tatsächlich schon Röhren und eine Rückkopplung zur Entdämpfung sowie einen Lautsprecher. Irgendwo steht bei mir noch so ein Teil im Keller. Nun gab es damals noch keine Netzteile, sondern die Gleichspannung wurde direkt aus dem Netz mit einer Röhre (Diode) gewonnen. Diese Geräte liefen mit Gleichstromnetz und Wechselstromnetz (= Allstromempfänger). Es gab sie noch bis in die 50iger Jahre. Ich hab solche Teile selbst noch auseinandergenommen. Die Allstromempfänger hatten den Nachteil, dass man das Metallgehäuse nicht anfassen durfte, wenn der Stecker falsch rum drinsteckte. Damals hatte man noch andere Vorstellungen von VDE. Das Gehäuse war zum Schutz aus Holz oder wie beim Volksempfänger aus eine Art Kunststoff, damit man nicht am Radio "kleben" blieb. Der Koppelkondensator diente ganz einfach dazu, die Menschen vor davor zu beschützen, dass sie beim Anfassen des (blanken) Antennendrahtes einen elektrischen Schlag bekamen, er hat also die Gerätemasse von der Antenne galvanisch getrennt. Er diente also einfach der Sicherheit. Natürlich durfte die Kapazität nicht sehr groß sein, irgendwie um 200pF oder so. Irgendwie hat sich der Kopplungskondensator bis heute in den Schaltungen gehalten. Natürlich sind all die anderen Erklärungen auch richtig, aber rein praktisch spielt die Anpassung bei Empfangsantennen von Radios eine nicht so große Rolle wie z.B. bei Sendern, wo sie wichtig ist. Beim Radio: Antennedraht möglichst lang machen und hoch aufhängen dann geht das. Ich hab damals in 60iger Jahren alles Mögliche probiert mit Langdrahtantennen und Anpassung, bei Empfängern gab es kaum Unterschiede, je länger die Antenne desto besser. Einzig und allein hoch aufgespannte Dipolantennen der richtigen Länge trugen zu einer erheblichen Verbesserung des Empfangs bei. Für genaue Infos bezüglich Antennen und Anpassung empfehle ich das Antennenbuch von Rothammel hier Viele Grüße holsteiner


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zippy
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  Beitrag No.39, eingetragen 2021-11-12 00:52

\quoteon(2021-11-11 23:53 - holsteiner in Beitrag No. 38) Der Koppelkondensator diente ganz einfach dazu, die Menschen vor davor zu beschützen, dass sie beim Anfassen des (blanken) Antennendrahtes einen elektrischen Schlag bekamen, er hat also die Gerätemasse von der Antenne galvanisch getrennt. Er diente also einfach der Sicherheit. Natürlich durfte die Kapazität nicht sehr groß sein, irgendwie um 200pF oder so. Irgendwie hat sich der Kopplungskondensator bis heute in den Schaltungen gehalten. \quoteoff Du wirfst hier zwei unterschiedliche Funktionen der Kondensatoren in einen Topf: Natürlich gab es Schaltungen, wo Kondensatoren zur galvanischen Trennung eingesetzt werden. Man diesen Fall daran erkennen, dass dann sowohl die Antenne als auch die Erde mit einem Kondensator galvanisch getrennt werden. Daneben wurden Kondensatoren aber auch zur Anpassung an die Antenne eingesetzt. Dass sie diese Rolle spielen, wird z.B. in dieser Schaltung des Deutsche Kleinempfängers deutlich: * Die galvanische Trennung wird induktiv hergestellt, so dass der Kondensator dafür gar nicht benötigt wird. * Es gibt verschiedenen Antenneneingänge, und nur bei einem ist der Kondensator im Signalweg. \quoteon(2021-11-11 23:53 - holsteiner in Beitrag No. 38) Natürlich sind all die anderen Erklärungen auch richtig, aber rein praktisch spielt die Anpassung bei Empfangsantennen von Radios eine nicht so große Rolle wie z.B. bei Sendern, wo sie wichtig ist. Beim Radio: Antennedraht möglichst lang machen und hoch aufhängen dann geht das. \quoteoff Dagegen spricht, dass extra mehrere unterschiedliche Antenneneingänge (mit und ohne Kondensator) eingebaut wurden, um sich eben optimal an die Antenne anpassen zu können. Dies ist auch in der hier diskutierten Schaltung so und wird in dem Abschnitt Wozu hat man damals drei Antennenbuchsen angebracht? explizit erwähnt. --zippy


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