Matroids Matheplanet Forum Index
Moderiert von Spock
Physik » Physikalisches Praktikum » Millikan-Versuch, Elektrostatische Aufladung
Druckversion
Druckversion
Antworten
Antworten
Autor
Universität/Hochschule Millikan-Versuch, Elektrostatische Aufladung
Skalhoef
Aktiv Letzter Besuch: im letzten Quartal
Dabei seit: 29.01.2017
Mitteilungen: 194
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Themenstart: 2018-12-04


Hallo,

ich habe Probleme damit die Logik im Millikan-Versuch nachzuvollziehen.
In einem Prüfungsprotokoll fand ich u.A. die Frage:

"Warum lädt sich das Öl negativ auf, tut es das immer? Warum nicht positiv?"

Die richtige Antwort auf diese Frage war wohl, dass sich am Öl-Zerstäuber eine Metallspitze befindet, an der die Öltröpfchen entlang reiben, bevor sie in den Kondensator fliegen. Dadurch laden Sie sich negativ auf.

In einem anderen Protokoll fand ich die Aussage

"Es gibt gar keine Metallspitze an der sich die Öltröpfchen aufladen könnten."

In einem noch anderen Protokoll fand ich die Frage

"Warum laden sich die Tröpfchen durch Reibung an der Luft auf? Eher positiv oder negativ?"

Das mit der Metallspitze hab ich jetzt aber schon mehrere Male gehört (höhere Elektronegativität ist dann immer das Hauptargument um zu beantworten, wieso sich die Öltröpfchen aufladen.). Deshalb hier meine Frage:



Braucht man die Metallspitze im Millikan-Versuch oder nicht? (Ist sie überhaupt in diesem Versuch vorhanden? In meiner Anleitung hier habe ich nichts dazu gefunden.
Im Original-Experiment hier heißt es auch, dass die Tröpfchen sich durch Reibung mit der Luft elektrisch aufladen. (Steht direkt auf Seite 1.))

Und hier ergibt sich direkt eine Folgefrage:

Wie funktioniert eigentlich diese elektrostatische Aufladung im Detail?
(Nach ein bisschen Suchen trifft man dann auf den Triboelektrischen Effekt. Da werden dann aber in der Erklärung Wörter wie "Austrittsarbeit" benutzt. Wörter, welche es doch nur(?) im Zusammenhang mit Festkörpern gibt und nicht etwa bei Flüssigkeiten & Gasen.)

Und nochmal darauf aufbauend (in meiner sorglosen Logik):

Wo kommen eigentlich die ganzen Elektronen her? Bzw.: Kann es sein, dass ein Stoff irgendwann keine Elektronen mehr abgeben kann? Z.B. bei der Metallspitze: Da sind $\approx 10^N$ Atome die ein oder mehrere Elektronen abgeben können. Wenn ich nur oft genug Öltröpfchen entlang reiben lasse, haben dann irgendwann alle Atome ihre Elektronen abgebenen?


Es würde mich sehr freuen, wenn jemand mir weiterhelfen könnte.


Viele Grüße
Sebastian



Eine Notiz zu diese Forumbeitrag schreiben Notiz   Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
jacha2
Senior Letzter Besuch: in der letzten Woche
Dabei seit: 28.05.2013
Mitteilungen: 1099
Aus: Namur
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.1, eingetragen 2018-12-05


Salut,

unlegierte Mineralöle sind elektrische Isolatoren, deren elektrisches Potential im Wesentlichen den Transport elektrischer Ladungen bewirkt. Letztere bestehen meistens aus e-, die sich z.b. an eine Carboxylgruppe anlagern und die betreffende Molekel polarisieren und auch von Molekül zu Molekül weiterspringen. Man kann sich das als einen statistischen Vorgang vorstellen, der einige Leitungselektronen aus einem umgebenden Metall, thermisch induziert, aus- und in die Flüssigphase eintreten und darin diffundieren läßt. Daß Austrittsarbeit meist im Vakuum untersucht wird, heißt ja nicht, daß sie in Fluiden verboten sei.

2018-12-04 07:00 - Skalhoef im Themenstart schreibt:
...
In einem noch anderen Protokoll fand ich die Frage

"Warum laden sich die Tröpfchen durch Reibung an der Luft auf? Eher positiv oder negativ?"

Das mit der Metallspitze hab ich jetzt aber schon mehrere Male gehört (höhere Elektronegativität ist dann immer das Hauptargument um zu beantworten, wieso sich die Öltröpfchen aufladen.). Deshalb hier meine Frage:

Braucht man die Metallspitze im Millikan-Versuch oder nicht? (Ist sie überhaupt in diesem Versuch vorhanden? In meiner Anleitung hier habe ich nichts dazu gefunden.
Im Original-Experiment hier heißt es auch, dass die Tröpfchen sich durch Reibung mit der Luft elektrisch aufladen. (Steht direkt auf Seite 1.))

Und hier ergibt sich direkt eine Folgefrage:

Wie funktioniert eigentlich diese elektrostatische Aufladung im Detail?
(Nach ein bisschen Suchen trifft man dann auf den Triboelektrischen Effekt. Da werden dann aber in der Erklärung Wörter wie "Austrittsarbeit" benutzt. Wörter, welche es doch nur(?) im Zusammenhang mit Festkörpern gibt und nicht etwa bei Flüssigkeiten & Gasen.)

Und nochmal darauf aufbauend (in meiner sorglosen Logik):

Wo kommen eigentlich die ganzen Elektronen her? Bzw.: Kann es sein, dass ein Stoff irgendwann keine Elektronen mehr abgeben kann? Z.B. bei der Metallspitze: Da sind $\approx 10^N$ Atome die ein oder mehrere Elektronen abgeben können. Wenn ich nur oft genug Öltröpfchen entlang reiben lasse, haben dann irgendwann alle Atome ihre Elektronen abgebenen? ...

Tatsächlich ist Triboelektrizität keine Bagatelle. Daher werden  GGVS-Tankwagen elektrisch leitfähige Bereifungen vorgeschrieben und sie mit Erdschleifen ausgestattet. Keiner der Tankwagen kann ohne zusätzliche Erdung beladen werden, da ansonsten die den meist metallischen Druckleitungen entströmenden Kohlenwasserstoffe im Verlauf der Betankung das Potential des Tanks so weit steigern könnten, daß es zu einer elektrischen Entladung zwischen Domstutzen und Füllarm kommen könnte.

Bei wäßrigen oder allgemein ionischen Lösungen ist diese Gefahr weniger präsent.

Auch Luft enthält elektrische Ladungsträger, ihre Polarität ist durch ihre Chemie bestimmt, beispielsweise metallische Kationen aufgewirbelter Salze. Aber die überwiegende Ladung wird durch die weitaus häufigeren und weitaus beweglicheren freien e- hervorgerufen, die den manchmal so genannten Elektronensee in Metallen bilden, und die die Ladungskonvektion anstoßenden Stöße bzw. Friktionen treten häufiger an den das Öl umgebenden Behälterwänden auf, weil dieser viel dichter ist als die Luft.

Eine wissenschaftliche Quelle meiner Darlegungen kann ich derzeit nicht bieten. Bisher hat m.W. noch niemand einen Versuch unternommen, eine Substanz ihrer verfügbaren Ladungsträger gänzlich zu entledigen. Wie gut das geht, hängt wohl eher vom Potential ab, auf dem diese sich relativ zu ihrer Umgebung befindet, als an der Erschöpfung an freien Ladungsträgern. Die Raumladungszonen an pn-Übergängen in Halbleitern zeigen das eindrucksvoll.

Adieu



Eine Notiz zu diese Forumbeitrag schreiben Notiz   Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
Skalhoef
Aktiv Letzter Besuch: im letzten Quartal
Dabei seit: 29.01.2017
Mitteilungen: 194
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.2, vom Themenstarter, eingetragen 2018-12-12


Hallo jacha2,

erst einmal vielen Dank für die Antwort.

2018-12-05 17:23 - jacha2 in Beitrag No. 1 schreibt:
(...) unlegierte Mineralöle sind elektrische Isolatoren, deren elektrisches Potential im Wesentlichen den Transport elektrischer Ladungen bewirkt. Letztere bestehen meistens aus e-, die sich z.b. an eine Carboxylgruppe anlagern und die betreffende Molekel polarisieren und auch von Molekül zu Molekül weiterspringen. Man kann sich das als einen statistischen Vorgang vorstellen, der einige Leitungselektronen aus einem umgebenden Metall, thermisch induziert, aus- und in die Flüssigphase eintreten und darin diffundieren läßt. Daß Austrittsarbeit meist im Vakuum untersucht wird, heißt ja nicht, daß sie in Fluiden verboten sei.

Wenn ich dich richtig verstehe, dann meinst du, dass sich der Begriff "Austrittsarbeit" (den ich bisher nur im Zusammenhang mit Festkörpern kenne, vgl. Gross Marx Festkörperphysik bzw. Wikipedia deutsch, englisch) problemlos auf Fluide erweitern lässt?


2018-12-05 17:23 - jacha2 in Beitrag No. 1 schreibt:

Tatsächlich ist Triboelektrizität keine Bagatelle. (...)

Auch Luft enthält elektrische Ladungsträger, ihre Polarität ist durch ihre Chemie bestimmt, beispielsweise metallische Kationen aufgewirbelter Salze. Aber die überwiegende Ladung wird durch die weitaus häufigeren und weitaus beweglicheren freien e- hervorgerufen, die den manchmal so genannten Elektronensee in Metallen bilden, und die die Ladungskonvektion anstoßenden Stöße bzw. Friktionen treten häufiger an den das Öl umgebenden Behälterwänden auf, weil dieser viel dichter ist als die Luft.
Wenn ich dich richtig verstehe, dann sagst du, dass die Aufladung der Öltröpfchen überwiegend durch die Reibung an der Metallspitze geschieht. (Und nicht, wie es im Originalexperiment von Millikan geschrieben steht, durch Reibung an der Luft?)

Möglicherweise bin ich durcheinander gekommen.

Viele Grüße
Skalhoef



Eine Notiz zu diese Forumbeitrag schreiben Notiz   Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
jacha2
Senior Letzter Besuch: in der letzten Woche
Dabei seit: 28.05.2013
Mitteilungen: 1099
Aus: Namur
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.3, eingetragen 2018-12-12


Salut,

eigentlich wollte ich ...

2018-12-12 01:08 - Skalhoef in Beitrag No. 2 schreibt: ...Wenn ich dich richtig verstehe, dann meinst du, dass sich der Begriff "Austrittsarbeit" (den ich bisher nur im Zusammenhang mit Festkörpern kenne, vgl. Gross Marx Festkörperphysik bzw. Wikipedia deutsch, englisch) problemlos auf Fluide erweitern lässt?

...zum Ausdruck bringen, daß die e- nicht nur ins Vakuum sondern auch in eine anströmende Flüssigkeit eintreten können; ein stochastischer, thermisch induzierter Vorgang.

2018-12-12 01:08 - Skalhoef in Beitrag No. 2 schreibt: ...Wenn ich dich richtig verstehe, dann sagst du, dass die Aufladung der Öltröpfchen überwiegend durch die Reibung an der Metallspitze geschieht. (Und nicht, wie es im Originalexperiment von Millikan geschrieben steht, durch Reibung an der Luft?)...

Da austretende e- im Rohrinnern im thermischen Gleichgewicht mit wieder eintrenden e- stehen, wird sich eine Netto-Aufladung des Flüssigkeitsstrahles bzw. der Tröpfchen  erst an der Austrittskante realisieren lassen, wo sie - mit ihrer flüssigen Umgebung konvektiert - ihrer Rekombination mit dem "Elektronensee" des Metalls entledigt sind.

Ich habe hier sicherheitstechnische, makroskopische Aspekte der Triboelektrizität herausgearbeitet, was keineswegs bedeutet, daß nicht auch andere Wechselwirkungen zur Ladungstrennung oder zum Übertritt von e-  führen können. Mir sind lediglich keine Untersuchungen bekannt, die Aufschluß darüber geben, ob die Öltröpfchen auch während des Experiments durch Reibung an der Luft Ladung aufnehmen oder verlieren. Darüber ließe sich ja am einfachsten deren Herkunft ermitteln.

Adieu



Eine Notiz zu diese Forumbeitrag schreiben Notiz   Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
Skalhoef
Aktiv Letzter Besuch: im letzten Quartal
Dabei seit: 29.01.2017
Mitteilungen: 194
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.4, vom Themenstarter, eingetragen 2018-12-21


Hallo jacha2,

erst einmal vielen Dank für die Antwort.

2018-12-12 20:47 - jacha2 in Beitrag No. 3 schreibt:
Salut,

eigentlich wollte ich ...

2018-12-12 01:08 - Skalhoef in Beitrag No. 2 schreibt: ...Wenn ich dich richtig verstehe, dann meinst du, dass sich der Begriff "Austrittsarbeit" (den ich bisher nur im Zusammenhang mit Festkörpern kenne, vgl. Gross Marx Festkörperphysik bzw. Wikipedia deutsch, englisch) problemlos auf Fluide erweitern lässt?

...zum Ausdruck bringen, daß die e- nicht nur ins Vakuum sondern auch in eine anströmende Flüssigkeit eintreten können; ein stochastischer, thermisch induzierter Vorgang.
Wie sieht denn die Elektronenverteilung in so einer Flüssigkeit überhaupt aus? (Für Festkörper finde ich das Modell des freien Elektronengases sehr anschaulich, insbesondere auch um Tunnelströme zu erklären. Bei Flüssigkeiten kenne ich kein derartiges Modell.)


2018-12-12 20:47 - jacha2 in Beitrag No. 3 schreibt:

Da austretende e- im Rohrinnern im thermischen Gleichgewicht mit wieder eintrenden e- stehen, wird sich eine Netto-Aufladung des Flüssigkeitsstrahles bzw. der Tröpfchen  erst an der Austrittskante realisieren lassen, wo sie - mit ihrer flüssigen Umgebung konvektiert - ihrer Rekombination mit dem "Elektronensee" des Metalls entledigt sind.

Ich habe hier sicherheitstechnische, makroskopische Aspekte der Triboelektrizität herausgearbeitet, was keineswegs bedeutet, daß nicht auch andere Wechselwirkungen zur Ladungstrennung oder zum Übertritt von e-  führen können. Mir sind lediglich keine Untersuchungen bekannt, die Aufschluß darüber geben, ob die Öltröpfchen auch während des Experiments durch Reibung an der Luft Ladung aufnehmen oder verlieren. Darüber ließe sich ja am einfachsten deren Herkunft ermitteln.
(...)
Ah okay! Sehr interessant! Wenn ich dich (dieses Mal) richtig verstehe, dann sagst du lediglich, dass eine Nettoaufladung durch das Metall stattfinden kann. So richtig vom Tisch
(Aufladung der Öltröpfchen hauptsächlich durch Reibung an der Metallspitze
vs.
Aufladung der Öltröpfchen hauptsächlich durch Reibung an der Luft)
ist aber noch keiner der Kandidaten.


Viele Grüße
Sebastian



Eine Notiz zu diese Forumbeitrag schreiben Notiz   Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
jacha2
Senior Letzter Besuch: in der letzten Woche
Dabei seit: 28.05.2013
Mitteilungen: 1099
Aus: Namur
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.5, eingetragen 2018-12-21


Salut,
wie wäre es, ...

2018-12-21 05:44 - Skalhoef in Beitrag No. 4 schreibt: ...
Wie sieht denn die Elektronenverteilung in so einer Flüssigkeit überhaupt aus? (Für Festkörper finde ich das Modell des freien Elektronengases sehr anschaulich, insbesondere auch um Tunnelströme zu erklären. Bei Flüssigkeiten kenne ich kein derartiges Modell.)

...die Voraussetzungen für Übertritte der e- im Elektronengasmodell ins Vakuum herauszuarbeiten und zu prüfen, ob diese nicht auch in Flüssigkeiten vorliegen? Vielleicht wäre zwischen Elektrolyten und Isolatoren so ähnlich wie in Festkörpern zu unterscheiden. So mögen in Flüssigkeiten auch chemische Umlagerungen in höherem Maße zum Tragen kommen, die einen indirekten  e--Transport beschleunigen. Ich denke, daß deren gegenseitige Abstoßung eine Art Gleichverteilung bewirkt zuzüglich irgendwelcher Randeffekte (Polarisation von Flüssigkeitsmolekülen bei Kontakt mit metallischen Leitern). Aber ich sehe keine unüberwindliche Potentialbarrière für e- zwischen Metall und Flüssigkeit.
2018-12-21 05:44 - Skalhoef in Beitrag No. 4 schreibt: ...
Wenn ich dich (dieses Mal) richtig verstehe, dann sagst du lediglich, dass eine Nettoaufladung durch das Metall stattfinden kann. So richtig vom Tisch (Aufladung der Öltröpfchen hauptsächlich durch Reibung an der Metallspitze
vs. Aufladung der Öltröpfchen hauptsächlich durch Reibung an der Luft)
ist aber noch keiner der Kandidaten.

Jedenfalls aus meiner beschränkten Sichtweise. Gibt es denn eine Methode, den e--Herkunftsnachweis zu erbringen? Es ist nur so, daß in Metallen ein dichtes  e--Gas zwischen den Atomrümpfen "weht", während schon die Moleküldichte in Luft um 3 Größenordnungen niedriger ist und sich dort die  e- erst von einem Molekül lösen müßten, bevor sie sich an ein Öltröpfchen anlagern. Die Rasterkraftmikroskopie ist bislang auf Festkörperoberflächen beschränkt, also kommt man hier (noch) nicht weiter, außer, man versucht, mit β--Strahlern e- auf Öltröpfchen zu schicken, um durch solcherlei "Differentialdiagnostik" deren Herkunft einzugrenzen.

Adieu



Eine Notiz zu diese Forumbeitrag schreiben Notiz   Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
Skalhoef
Aktiv Letzter Besuch: im letzten Quartal
Dabei seit: 29.01.2017
Mitteilungen: 194
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.6, vom Themenstarter, eingetragen 2018-12-25


Hallo jacha2,

erst einmal vielen Dank für die Antwort.

2018-12-21 20:45 - jacha2 in Beitrag No. 5 schreibt:
Salut,
wie wäre es, (...) die Voraussetzungen für Übertritte der e- im Elektronengasmodell ins Vakuum herauszuarbeiten und zu prüfen, ob diese nicht auch in Flüssigkeiten vorliegen?
Das mit den "Voraussetzungen" ist so ne Sache... Nach Gross, Marx Festkörperphysik (Kapitel 7, Einleitung) sind die Voraussetzungen des freien Elektronengases:

1. Die Elektronen wechselwirken nicht mit den Atomrümpfen.
2. Die Elektronen wechselwirken nicht miteinander.

Man geht also von völlig freien Teilchen aus, was in einem Festkörper nicht der Fall ist. (Z.B. die Bilder die man bei der Rastertunnelmikroskopie erhält indizieren, dass um die Atomrümpfe herum, zumindest an der Oberfläche eines Festkörpers, die Elektronendichte höher sein muss als in den Zwischenräumen. Wären die Elektronen völlig frei, dann dürften sie ja gleichverteilt sein.)

...
Auf mich wirken diese ganzen Modelle für Festkörper ehrlich gesagt ziemlich mysteriös: In o.g. Buch wird in der Einleitung von Kapitel 8 z.B. gesagt, dass sich "ein Paar Festkörpereigenschaften" im Fall "einfacher Metalle" mit o.g. Modell "ganz gut" (soll in diesem Kontext vermutlich: "in Übereinstimmung mit Experimenten" bedeuten) beschreiben lassen.
Ich glaube ich bin nicht mutig genug um dieses Modell auf Flüssigkeiten anzuwenden.


2018-12-21 20:45 - jacha2 in Beitrag No. 5 schreibt:
Vielleicht wäre zwischen Elektrolyten und Isolatoren so ähnlich wie in Festkörpern zu unterscheiden. So mögen in Flüssigkeiten auch chemische Umlagerungen in höherem Maße zum Tragen kommen, die einen indirekten  e--Transport beschleunigen. Ich denke, daß deren gegenseitige Abstoßung eine Art Gleichverteilung bewirkt zuzüglich irgendwelcher Randeffekte (Polarisation von Flüssigkeitsmolekülen bei Kontakt mit metallischen Leitern).
Ein interessanter Gedanke. Aber wie oben bereits angemerkt glaube ich nicht, dass ich diesen, mit meinem bisherigen physikalischen Wissensstand, adäquat ausformulieren könnte.

2018-12-21 20:45 - jacha2 in Beitrag No. 5 schreibt:
Jedenfalls aus meiner beschränkten Sichtweise. Gibt es denn eine Methode, den e--Herkunftsnachweis zu erbringen? Es ist nur so, daß in Metallen ein dichtes  e--Gas zwischen den Atomrümpfen "weht", während schon die Moleküldichte in Luft um 3 Größenordnungen niedriger ist und sich dort die  e- erst von einem Molekül lösen müßten, bevor sie sich an ein Öltröpfchen anlagern. Die Rasterkraftmikroskopie ist bislang auf Festkörperoberflächen beschränkt, also kommt man hier (noch) nicht weiter, außer, man versucht, mit β--Strahlern e- auf Öltröpfchen zu schicken, um durch solcherlei "Differentialdiagnostik" deren Herkunft einzugrenzen.
... Ja also wie gesagt: Auf mich wirkt das alles sehr verwirrend.

2018-12-21 20:45 - jacha2 in Beitrag No. 5 schreibt:
Aber ich sehe keine unüberwindliche Potentialbarrière für e- zwischen Metall und Flüssigkeit.
Ich auch nicht!  😄

Möglicherweise sollten wir den Foreneintrag erst einmal so stehen lassen.
Ich wüsste jedenfalls nicht in welchen Büchern ich zu diesem Thema (Elektronenverteilung in Flüssigkeiten) sinnvoll recherchieren könnte.
Falls du oder jemand anders (deutsche oder englische) Literatur kennst, die einen weiter bringen könnte, dann würde ich mich über Rückmeldung freuen.  😄



Viele Grüße und frohe Weihnachten
Sebastian



Eine Notiz zu diese Forumbeitrag schreiben Notiz   Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
Skalhoef
Aktiv Letzter Besuch: im letzten Quartal
Dabei seit: 29.01.2017
Mitteilungen: 194
Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.7, vom Themenstarter, eingetragen 2019-03-26


Ich konnte nicht widerstehen und habe auf das Video in meiner Youtube-Vorschlagsliste geklickt:



Hier heißt es (0:40-0:45), dass sich die Öltröpfchen durch Reibung untereinander elektrostatisch aufladen.

Um nochmal zusammen zu fassen:
Die Kandidaten um die Herkunft elektrostatischer Aufladung der Öltröpfchen beim Millikan Versuch zu erklären sind...

1. Öltröpfchen reiben an der Luft.
2. Öltröpfchen reiben an (einem) Metall.
3. Öltröpfchen reiben untereinander.


Grüße
Sebastian



Eine Notiz zu diese Forumbeitrag schreiben Notiz   Profil  Quote  Link auf diesen Beitrag Link
Skalhoef hat die Antworten auf ihre/seine Frage gesehen.
Neues Thema [Neues Thema] Antworten [Antworten]    Druckversion [Druckversion]

 


Wechsel in ein anderes Forum:
 Suchen    
 
All logos and trademarks in this site are property of their respective owner. The comments are property of their posters, all the rest © 2001-2020 by Matroids Matheplanet
This web site was originally made with PHP-Nuke, a former web portal system written in PHP that seems no longer to be maintained nor supported. PHP-Nuke is Free Software released under the GNU/GPL license.
Ich distanziere mich von rechtswidrigen oder anstößigen Inhalten, die sich trotz aufmerksamer Prüfung hinter hier verwendeten Links verbergen mögen.
Lesen Sie die Nutzungsbedingungen, die Distanzierung, die Datenschutzerklärung und das Impressum.
[Seitenanfang]